3x kurz, 3x lang, 3x kurz

S.O.S.! Ich bin völlig zerwartet. Vom vielen Warten auf mindestens zwei Handvoll für mich wichtiger Reaktionen, Antworten, Bescheide aus den verschiedensten Lebensbereichen. Fristen sind mehrfach verstrichen, Terminnennungen entpuppten sich als Schall und Rauch oder Psychotest, Nachfragen laufen ins Leere oder direkt in die nächste Warteschleife.

Dabei hasse ich Warten wie die Pest. Wahrscheinlich zerwartet mich das Warten auch deshalb schneller als andere. Ich kenne etliche gelassene, geduldige Menschen. Und noch mehr Menschen, die sich recht glaubhaft so geben, als würden sie entspannt zwischen „Gut Ding will Weile haben“ und „Kommt Zeit, kommt Rat“ durchs Leben schippern. Die vorgeben, alles so annehmen zu können, wie es eben gerade ist und wenn es mal besonders unannehmbar ist, so tun, als wüssten sie die Kunst des Loslassens in der Praxis so anzuwenden, um sich nicht länger vom Gewarte drangsalieren zu lassen. Lebenskünstler oder -(vor)gaukler, die nach dem Motto „Ungeduld ist ein schnelles Pferd, aber ein schlechter Reiter“ dahintraben und keinesfalls von ein bisschen Warten aus dem Sattel gehoben werden. Vielleicht sind das auch bloß die Unterstellungen eines Neidhammels, weil es womöglich mehr geduldige Menschen gibt, als dieser es sich vorzustellen vermag.

Ich kann das jedenfalls nicht, das mit dem Warten und der Geduld, ich möchte lieber den flinken Gaul haben und kenne viele Dinge, die auch ganz ohne Weile verdammt gut waren und ebenso viele, bei denen auch nach sehr viel Zeit guter Rat genauso unerschwinglich war wie zu Beginn. Um nicht sozial auffällig zu werden, gebe ich mich bisweilen aber auch so, als könne, was nicht ist, ja noch werden und als beherrsche ich das ausatmende Om nicht nur beim Yoga. Was aber gelogen ist. Warten blockiert mich, Warten zermürbt mich, Warten macht mich sauer und fast krank. Warten auf Antworten, die überfällig sind und noch dazu versprochen waren, ist für mich eine Qual, ich fühle mich ohnmächtig, verunsichert und verarscht.

Den drohenden inneren Amoklauf halte ich mit erhöhter Dosis Schwimmen und größeren Nudelportionen in Schach. Das haut derzeit noch hin. Aber ich muss gestehen, dass mein Blick momentan häufiger als sonst auf die Postkarte fällt, die schon seit Ewigkeiten neben meiner Zimmertür hängt…

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(Da sehe ich gerade: ich könnte mir glatt etwas Wartezeit mit dem Streichen der Wand vertreiben oder zumindest den Lichtschalter mal feucht abwischen.)

Beim Abendessen ohne Gesellschaft (der Gatte ist in Frankfurt) und einer Nudelmenge wie mit Gesellschaft, whatsappe ich mit einer Freundin und stöbere in Youtube. Das Musikvideo, das ich ansehen möchte, lädt nicht, wieder warte ich, öffne ein zweites Browserfenster und gebe bei Google „Warten“ ein. Aus Versehen bei der Video-Suche.

Nach einer kurzen Wartezeit erscheint in den Suchergebnissen dann dieses Kleinod polizeilicher Alltagshilfe für Bürgerinnen und Bürger, die des Wartens überdrüssig sind:

Das übertrifft meine Erwartungen, die ich an diesen Tag noch hatte, bei Weitem. Endlich weiß ich, wie das da draußen geht, im Leben. Wie man dem Warten entkommt und jederzeit die Sprint-Taste drücken kann, wann immer man die Schnauze voll hat vom Warten.

3x kurz, 3x lang, 3x kurz. Das ist der Rhythmus des Überlebens, der Takt, in dem alle Ungeduldigen dieser Welt wieder befreit tanzen können anstatt warten zu müssen. Niemals hätte ich gedacht, dass ausgerechnet ein Trick der Polizei mich aus dieser misslichen Lage befreien würde.

Wie der Sprecher so passend sagt: Das Leben ist viel zu kurz, um auf grünes Licht zu warten. Einfach den Morsecode eingeben – und weiter geht’s. Panta rhei. Yeah!

In diesem Sinne – wir probieren das jetzt sofort beim Abendgassi aus.
Bin schon ganz ungeduldig, daher nur noch ein schnelles Tschüss!

Eure Kraulquappe

6 Gedanken zu „3x kurz, 3x lang, 3x kurz

    • Oh, da muss ich auf die Suche gehen, aber die Polizei hat bestimmt auch was für die ländlichen Regionen in petto. Liebe Grüße zurück, halt durch!

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    • Von dir daheim bis zur Arbeit läufst du locker an 3-8 solcher Ampeln vorbei. Der Knopf befindet sich unten am „Drücker“, entweder in die Hocke gehen oder ertasten. Ich musste auch etwas suchen, bin aber seitdem nur noch am Knopfdrücken, das Handgelenk schmerzt schon von der ungewohnten Bewegung…

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