Kraulquappe goes Gänsehäufel

Als ich überlegte, wo ich meine Auszeit verbringen könnte, kristallisierten sich nach einigem Grübeln vier Punkte heraus, die erfüllt sein müssen:

1.) Ein Ort, den ich bereits gut kenne und sehr mag (für Neuentdeckungen muss man in einer Stimmung sein, in der ich gerade nicht bin)
2.) Eine Wettervorhersage, die 4 Tage gutes Wetter verspricht (der viele Regen schlägt mir aufs Gemüt)
3.) Eine günstige Unterkunft mit 40×80-Kopfkissen (denn wenn ich nicht schlafen kann, hab ich nix vom Tag)
4.) Ein Schwimmbad mit 50m-Becken (hat man beim Schwimmen keinen Platz, geht man Baden)

Beim Recherchieren dieser Kriterien landete ich dann recht bald in Wien. Wettervorhersage passte, Railjet-Ticket für sensationelle 64€ hin und zurück, 4 Bäder mit 50m-Becken…

(Aus der Reihe: „Wenn Kontrollfreaks reisen“)

…und das Hotel zwar kein Musterbeispiel österreichischen Höflichkeitsgetues…

Room55

(Einbruch zwecklos, alle Namen und Nummern geändert!)

…aber in einem meiner bevorzugten Bezirke (5.-9.) gelegen, in Margareten, und erfreulich preiswert (52€ fürs Einzelzimmer, zwar klein, aber hell, nagelneu, blitzsauber, spitzenmäßig feste Matratze, auf der das richtige Kissen thronte).

Die durch die Nummerncodes geschürte Sorge, es könne sich um ein finsteres Schließfach handeln, verlor sich auch unmittelbar nach Betreten des Zimmers…

20160606_084838.jpg

Boxspringbett mit Fiaker

…nur der Fiaker hätte für meinen Geschmack nicht direkt neben dem Bett rasten müssen.

In Wien war ich ungefähr 12 Mal in meinem Leben; dass ich die Stadt von Anfang an mochte, lag zugegebenermaßen auch an den Umständen, unter denen ich sie kurz nach dem Abitur kennenlernte: es war Hochsommer, die Zukunft lag wie ein offenes, unbegeschriebenes Buch vor mir, ich tingelte mit leerem Portemonnaie, aber voll mit Träumen gemeinsam mit einer Freundin durch Neubau (7. Bezirk) und begegnete dort einer neuen Liebe (K., damals Medizinstudent, heute Psychiater). Mal wieder hielt ich es für die große Liebe, aber wir scheiterten bereits nach 4 Monaten an von Bahnfahrten und Auslandstelefonaten überzogenen Konten (für die jungen Leser dieses Blogs: jaaa, damals war langes Telefonieren noch ruinös teuer und der Begriff „flatrate“ noch nicht mal geboren!).

Meiner Wien-Begeisterung hat das Scheitern dieser Fernbeziehung keinen Abbruch getan, ich reiste weiterhin gern hierher und fand neue Lieben: das Café Sperl, das Burgtheater, Klaus Maria Brandauer, das Schnitzelschloss Concordia beim Zentralfriedhof, den Mohr im Hemd und das Cobenzl, um nur ein paar zu nennen.
Nur einen Wunschtraum konnte ich bislang nie in die Tat umsetzen (wegen der Jahreszeit, des Wetters oder einer Kollision mit den Interessen meiner Begleitung): einen Besuch im Gänsehäufel. Wer es nicht aus Fendrichs Strada del Sole kennt: Da latscht man nicht etwa in den Exkrementen von Gänsen herum, sondern das Gänsehäufel ist eine bewaldete Sandinsel im 22. Bezirk, die als Badeanlage genutzt wird. Soll eines der schönsten und größten Freibäder Europas sein. Es gibt so Orte, an die es einen ja allein wegen des Namens zieht.
Und als Kraulquappe möchte ich eben überall, wo ich mich länger als drei Tage aufhalte, auch Schwimmen gehen.

Diesmal wird es klappen, selbst wenn ich bei bewölktem Himmel als einziger Badegast dort über die nasse Wiese dem Becken entgegenfrösteln sollte. Wonach es nicht aussieht.

image

Einen guten Wochenbeginn wünscht euch

die Kraulquappe – am Citybike-Stand, wo sich die Freude in Gang setzt (trotz neuer Nummerncodes).

image

3 Gedanken zu “Kraulquappe goes Gänsehäufel

  1. Daß Du einen Teckel hast, Rauhaar, oder? Daß Du das Gänsehäufel kennst, Wien liebst, bayrisch reden kannst und womöglich auch tust, was ja gar nimmer so selbstverständlich ist, in München werd ja nur no Bayern 3 Sprach gredt, was das heißt, weißt ja sicher! Sogar bei uns im südöstlichsten Eckerl der Republik gibts scho Brötchen und Frikadellen usw. Ach ja, und daß Du so waaaahnsinnig gute Texte schreibst, daß ich gar nimmer aufhören kann zu lesen…deshalb werd ich jetzt öfters hier vorbeischaun. Viele liebe Grüsse!

    Gefällt 1 Person

    • Na, i red ned Boarisch, liebe Graugans, aba da Mo beherrschds. Nichtsdestotrotz freu ich mich über deinen Kommentar und dass du den Blog magst.
      Viele liebe Grüße zurück!

      Ja, der Dachshund ist ein rauer, dunkelsaufarbener.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s