Das Mandarinenmannlachen oder: Abmeldung im „Trierischen Volksfreund“.

Ein Samstagvormittag, wie so viele Samstagvormittage.

Gefrühstückt, den Dackel um den Block geführt, Pflanzen versorgt, Einkaufszettel geschrieben, Waschmaschine bestückt, in der Wohnung herumgewuselt und Kleinkram erledigt.
Der Gatte sitzt derweil auf dem Balkon, liest den Sportteil und danach auch einen Teil vom Rest der Süddeutschen und freut sich über jede Minute, in der ich mit Stillarbeit in dem hinteren Teil der Wohnung beschäftigt bin (vor allem während der Lektüre des Sportteils) und er sich der Zeitungslektüre widmen kann ohne dabei von Eilmeldungen wie „Denk‘ bitte dran, nachher das Altglas mitzunehmen!“ oder „Guck‘ mal, wie toll die Passionsblume blüht!“ gestört zu werden.

20160518_133453

Plötzlich durchschneidet ein glucksendes Lachen meine Stille beim Wäschesortieren. Das Gelächter kommt tatsächlich vom Balkon.

Nebenbei: Ich habe dieses leider nicht täglich auftretende Spezial-Lachen das „Mandarinenmann-Lachen“ getauft. Vor Jahren wurde er mal zur Winterszeit zu einem Einkauf am Obststand geschickt, es ward ihm u.a. aufgetragen, Mandarinen mitzubringen, selbstverständlich kernlose. Bei der Vergewisserung, ob die Früchte denn auch kernlos seien, gelang es ihm nicht, seine Frage zu vollenden, denn der Obstverkäufer unterbrach ihn wie aus der Pistole geschossenen mit: „Die sind süß, kernlos und leicht zu schälen!“. Genervt, aber doch professionell und wohl wissend, dass jeder anderthalbste Kunde vor dem Mandarinenkauf exakt nach einem dieser drei Aspekte – oder allen dreien – fragen wird. Diese Begebenheit erzählte der Gatte bei seiner Rückkehr vom Einkauf, lachte sich einen Ast, ich ebenso – wir sind beide große Fans solcher winzigen Situationen im Alltag. Ja, das ist genau unser Humor, auch wenn ihn der Obstverkäufer wohl nicht nachvollziehen könnte (und manch anderer vermutlich auch nicht).

Zurück zum Thema:  Der lachende Ehemann auf dem Balkon. Was mag der Anlass sein? Vielleicht der Guido-Schröter-Cartoon im Sportteil? Oder ein Artikel über die Isländer? Ich wage den Gang ins Wohnzimmer, da ich das Lachen eindeutig als Mandarinenmann-Lachen identifiziere (und das schreit implizit nach Anteilnahme), schiele ums Eck zum Balkon, wo der Gatte immer noch vor sich hinkichert und schon auf mich zu warten scheint, so dass ich mich auf den Balkon traue und nachfrage, was denn los sei.

„Guck mal, hier ist eine kleine Meldung in der Süddeutschen,
da hat jemand vor seinem Ableben seine eigene Todesanzeige verfasst,
die nun auch genau so im Trierischen Volksfreund erschienen ist!“

Aber lest selbst:

45430d8d-fdd1-4ead-a6fd-4656fe142599.jpg

Was für eine Liebeserklärung und Danksagung an das Leben, an den Partner und die paar wenigen guten Freunde! Klare Ansage bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus. Und auch mal was riskiert, nicht immer nur nur nett gewesen, zu allem Ja und (erst recht nicht) Amen gesagt und sich brav den Zwängen der Blutsverwandschaft ergeben. Wunderbar!

Wären wir nicht so weit von Losheim-Britten entfernt, so würden wir glatt vor gut einer Stunde ein paar gelbe, unstinkige Lilien (zu orangefarbenen Blumen könnte ich mich beim besten Willen nicht überwinden) an Huberts letzter Ruhestatt abgelegt haben.

So bleibt mir nur, Ihnen, lieber Hubert, unbekannterweise für diese Anregung zu danken und Ihnen eine Abschiedsfeier ganz in Ihrem Sinne und nur im Kreis Ihrer Lieben zu wünschen – und vielleicht eines Tages ja doch ein Wiedersehen mit Ihrer Katze.

Voller Hochachtung grüßt
die Kraulquappe.

Ein Gedanke zu “Das Mandarinenmannlachen oder: Abmeldung im „Trierischen Volksfreund“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s