Himmel der Bayern (3): Hirschberg bzw. „Mei, da Waki!“

An sich war das gestern ein fast friedlicher und perfekter Ausflugstag.

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Tegernseer Tal, vom Hirschberg aus betrachtet.

Pippa topfit, ich Voltaren forte, ansonsten genug Sonne, 23 Grad, Parkplatz in Kreuth geradezu leer. Kreuth liegt südlich von Rottach-Egern, dem Ort am südlichen Ende des Tegernsees, wo mein Papa lebt, den wir zuletzt am Vatertag besucht haben. Es wurde also mal wieder Zeit.

Davor ging es auf den Hirschberg (schließlich will das abendliche Wunschgericht, das der Papa kocht, erstmal verdient sein).

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Von Kreuth-Scharling marschierten wir in knapp 2 Std auf den Gipfel. Pippa immer etliche Dackellängen voraus. Da wir erst mittags aufgebrochen waren, kamen uns beim Aufstieg all jene Bergsteiger entgegen, für die exakt das Diktum zu gelten schien, mit dem mich der Papa die gesamte Kindheit lang terrorisiert hat: „Bergtour = Abmarsch um spätestens 8 Uhr“ (am Parkplatz wohlgemerkt, nicht daheim in München). Alles andere war indiskutabel (seit ich erwachsen bin, gehe ich einfach los, wann ich mag, und bin noch nie in der Mittagshitze verkokelt, wegen später Ankunft an der Hütte verhungert oder beim Abstieg im Dunkeln verloren gegangen).

Das Auftauchen jeder neuen Truppe von Wanderern, kündigte sich mir stets dadurch an, dass das Erscheinen meiner Vorhut bei den Leuten jedes Mal einen Kommentar provozierte. Wirklich jedes Mal. Ich meine, dafür dass so ein Hund ja kein Wort sprechen kann, prasseln ganz schön viele Worte auf ihn ein.

Gestern hab‘ ich mal gesammelt.

Absoluter Spitzenreiter war: „Mei, da Waki!“ (was auch immer dieser Ausruf genau bedeuten soll). Für die Preußen unter den Lesern: Der Dackel an sich heißt in Bayern pauschal Waki, Waldi oder Wastl, unabhängig von Rau-, Kurz- oder Langhaar und Geschlecht. Und weil jeder seinen Namen kennt, muss ihn wohl auch jeder anquatschen (so meine Theorie).

Dicht auf „Mei, da Waki!“ folgten „Mei, da muass da Waki aba schnaufn!“ (offen gestanden habe ich gestern deutlich mehr geschnauft, aber das interessiert halt kein Schwein) sowie „Ja, wen hamma denn do? Wos deasdn du do herobn?“ (ja, wen sollen wir da schon haben, wer zum Teufel ist überhaupt „wir“ und woher nehmen die Leute eigentlich das Recht, eine erwachsene Hundedame zu duzen?).

Weitere Kommentare waren: „Mei, da arme Waki, mit de kurzn Haxn…“ (äh ja, wie man sieht geht das erstaunlich gut und flink, aber die Stummelbeinchen erregen fast immer Spott, Erstaunen oder Mitleid).

Nettes Erlebnis dann mit einer vor Entzücken tirilierenden Familie aus Holland: „Ou, ein echte Teckel, können wir Foto machen?“ (klaro, ich mag Holländer, wenn das semmelblonde Quartett samt Dackel fotografiert werden möchte, jederzeit, was ich dann auch tat, als Entschädigung durften sie mir was zu den Hundestränden in Zeeland erzählen, wohin wir schon lange mal verreisen wollen).

Aber auch Unverschämtheiten begegneten uns: „Der muss ja aufpassen, dass er sich nicht auf die Zunge tritt, hahaha!“ (Depp, damischer, noch nie was davon gehört, dass Hunde sich nur so etwas Kühlung verschaffen können?)

Und natürlich die unvermeidbaren Frauen-Kommetare: „Ja schau, ein Dackele, wie süss, die sieht man ja nur noch so selten, dabei sans so liab!“ (hat aber nix mit den Bergen zu tun, hören wir auch anderswo ständig).

So war die herrliche Ruhe auf dem Berg immer wieder unterbrochen von derlei ungebetenen Äußerungen, man hat dann die Wahl, ob man darauf eingeht (denn eigentlich richtet sich der Ausruf ja an den Hundehalter) oder stumm vorbeistapft (wozu ich tendiere, obwohl man dann zu spüren bekommt – durch Grummeln und Grunzen oder einen weiteren Spruch -, dass sie einen für einen Stoffel halten, was mir aber wurscht ist).

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Auf dem Gipfel haben wir kaum Platz, weil eine ganze Schulklasse sich gackernd dort tummelt, aber auf der Hütte war dann genug Stille – außer uns nur ein Lüneburger Vater mit seinem Sohn, die ihre Rast auf meherere Stunden ausdehnten, da der Sohnemann keine Lust hatte, den doofen Weg, den er sich hinauf gequält hatte, auch wieder hinunter zu gehen (angeblich war ich auch mal so, wenn man meinem Vater Glauben schenken will, falls das stimmen sollte, wird es daran gelegen haben, dass man mich im Tiefschlaf auf den Berg gescheucht hat).

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Pippa und ich teilten uns zwei Weißwürste, füllten die Flüssigkeitsvorräte auf, machten ein Nickerchen und traten dann den Rückweg an (ich würde sagen, die Konditionskrise des Dackels ist endgültig überwunden und die Ball-Entwöhnung steht kurz vor dem erfolgreichen Abschluss, wir geben uns aber auch alle Mühe, ein attraktives Alternativprogramm anzubieten, also da kann uns keiner Faulheit oder Ideenlosigkeit vorwerfen).

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In Rottach erwarteten uns nach einer Dusche leckere Wiener Schnitzel – „uns“, weil der Papa immer ein paar Rand-Stückchen für den Hund beiseitelegt – mit selbstgemachtem Kartoffelsalat und einem kühlen Hopf-Bier (ich muss gestehen: wenn der vegetarische Gatte auf Tagungsreise ist, unterlaufen mir manchmal solche „Fleisch-Tage“).

Die Heimfahrt nach München ging – der EM sei Dank! – so zügig wie noch nie, auf der A8 und dem Mittleren Ring gähnende Leere, ein Traum! Beim 2:0 der Franzosen ruhten Waki und ich bereits in Morpheus‘ Armen (seit ich im Tippspiel irgendwo zwischen Rang 10 und 13 liege, hat mein EM-Interesse schwer nachgelassen).

Einen guten Start in eines der wenigen Sommer-Wochenenden 2016 (und meiner Freundin B. eine gute Fahrt ins Land der voraussichtlichen EM-Sieger!) wünscht euch –
Die Kraulquappe.

8 Gedanken zu „Himmel der Bayern (3): Hirschberg bzw. „Mei, da Waki!“

  1. Ein himmlischer Bericht! Bringt mich auf die Idee, bei Gelegenheit amal die dämlichsten Hasenkommentare (und die blödesten Gesichter) zu sammeln 🙂

    Toll, so ein berggängiger Hund (zümpfiges Halsbandl)! Wie lang kann der auf einer Tour dieser Sorte eigentlich am Stück laufen bis er eine Pause braucht?

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    • Mit Appenzeller Sennenhalsband:
      a) wenn es Bächlein und Rinnsale gibt, dann läuft sie 2 Std durch
      b) wenn es keine Bächlein und Rinnsale gibt, ordne ich alle 45 Min eine Trinkpause an
      c) gelegentlich werden a) und b) dadurch außer Kraft gesetzt, dass ich eine Pause brauch‘
      Ohne Appenzeller Sennenhalsband: keine Ahnung 🙂

      Ja, sammel doch mal die Hasenkommentare!

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    • Hallo Toni,
      ich stimme dir voll und ganz zu. Also in Bezug auf den Hund. Aber der Rest behagt mir auch, besonders so kurz vor meinem kalendarischen Alterungstermin.

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  2. Pingback: Himmel der Bayern (10): Inmitten der Lebenden. | Kraulquappe

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