Keine 30 mehr. Ein Tourbericht.

Ob ich’s wohl auf das Dackeltier schieben soll?

Oder wäre es schlicht Selbstbetrug, sich vorzugaukeln, ein gutes Kilogramm Hundegepäck (Trinkflasche, Futter, Bürste, Schlafsack) würde so viel ausmachen?

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Die Weggefährten Cammino und Nuluensis.

Vor genau 14 Jahren, im August 2002, war die gestrige Tour meine erste Etappe einer 10-tägigen Alpenüberquerung: Von der Mittenwald-Scharnitzer Grenze hoch auf den Halleranger.

Damals hat es den gesamten Aufstieg über wie aus Kübeln gegossen, ich sah von der Gegend: nichts. Diesmal: Sonne satt.
Damals war ich in knapp fünf Stunden oben. Gestern hab‘ ich fast sieben Stunden gebraucht. Was will mir das nun sagen?

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Der Kraxeldackel im Karwendel.

War ich etwa mit 30 fitter als heutzutage?!?

Eine der beiden Zusatz-Stunden schiebe ich jedenfalls auf das Dackelmädchen. Es war viel zu heiß gestern und heute, zudem kaum Schatten unterwegs.
Alle 30 Minuten musste ich die Kleine zum Fluss schicken oder in Viehtränken heben. Im Übrigen: so ein Dackel hat Idealmaße für Viehtränken, es würden glatt zwei Dackel reinpassen. Schön hintereinander, versteht sich.

Am Ursprung der Isar machten wir gestern eine Mehrfach-Fluss-Rast sowie das obligatorsiche „Wir waren hier“-Foto…

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Am Isarursprung im Hinterautal.

… wenig später stromerten wir durch eine beachtliche Steinmandl-Siedlung …

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Erst verbellt und dann doch neugierig beschnuppert.

… und Stunden später näherten wir uns dem Ziel. Der kleine Hund hat die Tour tapfer durchgehalten. Ich auch so einigermaßen – den schweren Tourenrucksack bin ich nicht mehr gewohnt.

Auch die Hitze setzt mir mehr zu als früher. Und man muss ja immer noch eine kleine Kraftreserve haben, falls der Hund schlapp macht, denn dann heißt es: Tragen!

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Die Halleranger-Alm – traumhaft schön gelegen.

Oben angekommen ein kleiner Schock: Die Leine war mir auf der einzig bewirtschafteten Alm unterwegs – die nun 500 Höhenmeter unter uns lag – aus dem Deckelfach des Rucksacks gerutscht!

Wie sollte das jetzt klappen, mit Hund auf der Hütte oder Terrasse, während des Duschens, Essens oder Rumsitzens?

Ein Stoßgebet auf Knien gen Himmel gerichtet half sogleich …

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Die Kapelle auf dem Halleranger. Gebete werden wegen Himmelnähe umgehend erhört.

… – der Wirt hatte eine liegengebliebene Leine für uns! Da verzeih‘ ich ihm sogar, wie er unseren Hund nannte. Pippa heißt auf Tirolerisch „Bibba“ (… na Oida, do leggst mi am Oarsch…).

Dank der Hundebefestigung konnte ich in Ruhe Duschen gehen (eiskälter als eiskalt, aber immerhin: eine Dusche) und Pippa derweil auf der Terrasse lassen. Als ich zurückkam, hatte sie bereits eine Menge Freunde gefunden, in deren Kreis ich gnädigerweise auch noch aufgenommen wurde.

Nach einem gemütlichen Abendessen mit einigen Österreichern und einem Paar aus Eckernförde bestaunten wir noch das Alpenglühen…

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Die unteren Übernachtungshütten der Halleranger-Alm.

… und danach hieß es bald „Ab in die Koje“, d.h. in unsere Mini-Holzkammer, die abseits der Haupthütte lag (da, wo die Hundemenschen schlafen dürfen, wenn der Wirt es ausnahmsweise gestattet).

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Zimmer 2, für 2. Und mit 2x Luxus: 1 Haken und 1 Bügel.

Nach einer unruhigen Nacht – Hundekollege im Nebenzimmer schüttelte sich stündlich, was jeweils ein Brummeln in meinem Zimmer nach sich zog – heute Morgen bei Sonnenaufgang gefrühstückt, anschließend das Fotoshooting erledigt…

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Zusammenpacken vor dem Abmarsch.

… und mit „Mochds eich a Hetz, Madln!“ um 9 Uhr verabschiedet worden. Daheim dann festgestellt, dass das kein Antreiber-Spruch war, sondern sowas wie ein „Viel Spaß“-Wunsch.
War eh wurschd. Wir waren waren ochi genauso langsam wie auffi.

Nur auf den letzten Kilometern waren wir schneller: der Dackel konnte nicht mehr, trotz mehrfacher Pausen und diverser Kühlversuche…

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Für dich geb‘ ich mein letztes nasses Handtuch!

… also sind wir per Anhalter im Jeep mit einem Almöhi das letzte Stück mitgeholpert über die steinigen Wege.

Schee war’s!

Mit müden Flossen früh zu Bett kriechend grüßen
Die Kraulquappe und der Kraxeldackel.

PS: Der Beitrag von gestern wurde mangels Netz erst heute veröffentlicht, wie ich bemerkt habe. Is a scho wurschd.

9 Gedanken zu „Keine 30 mehr. Ein Tourbericht.

  1. Tolle Tour, toller Bericht 😂
    Nicht nur die Erkenntnis, nicht mehr 30 zu sein hat mich an unsere gerade beendete Tour am Meraner Höhenweg erinnert: Die Steinmamdl: Bobby hatte auch erst Angst vor ihnen, die Holzkoje und das Brummeln in der Nacht, wenn sich in der Nachbarkoje was bewegt. Vorteile hatte ich an den Trinktrögen. Hier konnte ich Kräfte sparen. Da hat Bobby die Idealgröße und ich musste ihn nicht hochhehen.

    Bravo Kaxeldackel, wie du das alles geschafft hast und du natürlich auch liebe Kraulquappe! Herzliche Grüße von Andrea

    Gefällt 1 Person

    • Danke für den netten Kommentar, liebe Andrea! Lustig, wie ähnlich dann vieles ist, wenn man solche Touren mit Hund macht!
      Und was die Trinkhöhe von Bobby angeht: da hat er klar einen Vorteil. Allerdings wird der dadurch ein bisschen wettgemacht, dass der Kraxeldackel den Trog ja zugleich als Badewanne nutzen kann 🙂
      Freu mich auf Teil 2 des Meraner-Höhenweg-Berichts!

      Gefällt 1 Person

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