Sommerhaus, später.

An Wochenenden oder zur Ferienzeit, besonders während der Sommermonate, verkrümeln sich viele Schweden in ihre – eigene oder gemietete – „stuga“, was wir wohl mit Sommerhaus oder Datscha übersetzen würden.

Es war immer mein Traum, in einer küstennahen Stuga ein bisschen Zeit zu verbringen. Vor zwei Jahren, auf Gotland, wohnte ich eine Weile in einem Häuschen, allerdings mitten auf dem Land, und es war auch keine typische Stuga.
Gotland, das den Ruf hat, das Sylt Schwedens zu sein, ist bis in den Spätsommer hinein in den begehrteren Lagen unbezahlbar. Und auch das übrige Schweden ist sehr teuer. Zieht man dann noch alle Unterkünfte ab, in denen Hunde verboten sind (etliche!) oder bei denen die Inneneinrichtung schon auf den Fotos im Internet latenten Brechreiz auslöst, bleibt zur Hauptsaison nicht mehr viel übrig, das erschwinglich ist.

Fazit: Wir reisen besser in der Nebensaison.

Pro: Alles ist 50-70% günstiger. Alle Urlauber sind weg. Mücken ebenso. Völlige Ruhe. Wohltuende Einsamkeit. Moderate Temperaturen für den Hund. Strandverbot für Hunde aufgehoben bzw. Kontrollen eingestellt.

Kontra: Lokale geschlossen. Eisdielen und Cafés ebenso. Kein Nachbar weit und breit (falls mal was wäre). Baden im Meer zu kalt. Nachts schon ziemlich frisch, Herbst eben.

Für mich überwiegen ganz klar die Vorteile.
Ich versorge mich, heikel wie ich beim Essen und der Qualität desselben bin, sowieso am liebsten selbst, zumal in einem Land wie Schweden, das mir kulinarisch eher wenig entspricht und das in nahezu allen Restaurants keine Hunde gestattet. Zu viel Nähe zu anderen Menschen nervt mich auch schnell. Und in Salzwasser schwimme ich auch nicht gern (Baden: ja, Schwimmen geht anders.). Dass es nachts kalt ist, stört mich auch nicht, wenn es tagsüber 20 Grad oder mehr hat, so wie heute.
Tja, und die Leere… Ich bin gern allein, ich brauch‘ nicht viel, ich hab‘ auch selten Angst in der Abgeschiedenheit.

Heute sind wir also an der Südküste gelandet, in der Mitte zwischen Ystad und Karlskrona, und haben hier für die nächsten anderthalb Wochen eine 32m²-Stuga samt Garten für uns allein. Paradiesisch!

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Zwei Terrassen, eine Hängematte, eine Hollywoodschaukel, zwei Fahrräder (falls mal was mit dem Auto wäre).

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Der kleine Wachhund hat einen riesigen, eingezäunten Garten…

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…inklusive im Gelände zahlreich herumliegender Bälle des Whippets der Vermieterin, die weit weg an der Westküste lebt. Ihre Eltern wohnen 15km enfernt, an die könnte man sich wenden (falls mal was wäre).

Die einzigen Nachbarn sind diese paar blökenden Gesellen…

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…an denen wir sogar vorbei müssen…

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…wenn wir zur 250m entfernten Küste wollen.

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Der Postbote kommt hier erst spät nachmittags und heißt Knut. Er ist leider nicht so süß wie einst der Eisbär, sicherte mir aber zu, ein Auge auf uns zu haben (falls mal was wäre).

Momentan ist jedenfalls nichts. Einfach mal NICHTS! Und das ist herrlich, genau das wollte ich.

Der Kühlschrank ist gut gefüllt, die vielen Taschen und Kisten ausgepackt, die Gegend bereits inspiziert. Übers Wochenende muss ich nirgends hin, höchstens mal nach Bromölla, da ist die nächste Schwimmhalle. Wahrscheinlich werde ich mich aber für ein paar Tage aufs Laufen verlegen. So als zusätzlichen Bewegungsimpuls neben dem Gassi- und dem Müßiggehen.
Ansonsten bleiben wir einfach hier in der Hütte und im Garten. Es ist ja alles da, was das Herz begehrt – ich fühle mich sehr zufrieden und gut angekommen. Zufriedenheit wohnt mehr in Hütten als in Palästen, wie es ja so schön heißt.

Nur: In den Palästen hätte man halt jemanden, der einem das Kaminfeuer anzünden würde. Das muss ich jetzt schleunigst auf die Reihe kriegen, bevor die kühle Herbstnacht hereinbricht. Ist nicht so einfach, die Holzscheite sind alle zu groß oder zu feucht. Was weiß ich. Hab‘ noch nie ein Kaminfeuer entfacht.

Ach ja, da fällt mir ein: Mein Papa hat gesagt, ich könne ihn jederzeit anrufen. Falls mal was wäre… –  aber das muss ich erst noch mit mir ausmachen, ob wirklich was ist.

Einen warmen und gemütlichen Abend wünscht euch –

die Kraulquappe.

14 Gedanken zu „Sommerhaus, später.

  1. bisschen zeitung knüllen, 1 paar dünne ästchen zum feuerfangen, dann größeres kreuz + quer, oben zu, unten auf, damit durchzug. (nur zur sicherheit, falls du noch zündelst.) wünsche schönes warmes ofenhüttenleben, klingt nach: traum. liebe grüße aus dem gegenteil 😉 k.

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