207 oder: Saumäßig gut.

Nach gefühlten 800km, die nur zwar knapp 400km waren, aber 200km Staus oder Baustellen oder beides beinhalteten, kamen wir ziemlich gerädert am frühen Abend in Nörten-Hardenberg an.

Hätten wir dieses Grauen nicht durch drei herrliche Stunden am Elbufer bei Blankenese mit meiner Freundin B., Spazierengehen und Kuchenessen unterbrochen, wären wir noch geräderter hier eingetroffen.

Aber selbst dann hätte mich die Ankunft hier für die gesamte dämliche A7 entschädigt!

Der freundliche Herr R. von der Rezeption trug mir einen Teil meiner peinlichen Gepäck-Kisten (wenn ich wochenlang mit Hund reise, ist ein Koffer das Unpraktischste, was es gibt!) aufs Zimmer, auf dem für die Dackelmadame schon Näpfe in Berhardinerformat bereitstanden, ebenso eine Kuscheldecke, ein Lesesessel, ein Doppelbett und zwei eigene Türschilder.

Eines, wenn Fräulein Hund ungestört die Minibar plündern oder in den Daunen ruhen möchte…

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… und eines, wenn das Zimmermädchen bitte die wildschweinartigen Verwüstungen beseitigen möge.

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Liebe Schweden, da könnt ihr euch mal ein Beispiel dran nehmen! So sieht das aus, wenn man in einem hundefreundlichen Land unterwegs ist!

Und weil der Herr R. eh schon so freundlich war, habe ich ihn ohne Umschweife mit dem wahren Grund meines Hierseins – nicht auf Erden, sondern in diesem Hotel – behelligt: Wo hat ER gewohnt?

Ja, und dann zeigte der Herr R. doch glatt in den hinteren Teil des Flures, in dem wir standen.

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Nur ein paar Türen weiter hat Bruce Springsteen logiert und wird es auch 2017 wieder tun, wenn hier das Reitturnier stattfindet, an dem seine Tochter teilnimmt.

Ich verstehe vollkommen, dass man das nicht verstehen kann, wenn man kein Fan von etwas oder jemandem ist. Wer aber schon mal Fan war oder ist, der wird es nachfühlen können, sich an evtl. eigene bekloppte Aktionen ähnlicher Art erinnern und milde lächeln.

Und später, nach Abendessen und Abendgassi, haben der freundlichste aller Herren R. und ich uns nochmal hier im Flur verabredet, er mit Schlüssel zur Suite, ich mit Fotoapparat – denn die Suite war nur bis heute Mittag bewohnt…

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(Für Fans: Weitere Bilder können auf Anfrage zugesandt werden.)

Natürlich habe ich mich auf das Sofa gesetzt, bin einmal durch die Suite spaziert, inklusive Balkon und Bad, während der Herr R. freundlich lächelnd und diskret an der Tür wartete.

Danach bin ich selig in mein Zimmerchen zurückgeschwebt, habe das Betthupferl mit Wildschwein-Dekor verzehrt (in der Hoffnung, dass es für mich bestimmt war und nicht für Pippa, denn das Begrüßungskärtchen richtete sich namentlich an uns beide) und muss sagen, da hat der Herr Graf echt nicht gelogen:

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Die Praline war nur durchschnittlich aufregend, aber das Fanherz schlug vor lauter Freude noch 207x pro Minute.

Es ist die Verwirklichung kleiner, individueller und manchmal völlig kindischer Träume, die einen so froh machen kann. Dinge, zu denen mein Vater sagen würde: „Spinnst du jetzt total? Was willst du denn im Hotel in Nörten-Hardenberg?“.
Ich hab’s ihm einfach nicht erzählt, weil ich ja schon groß bin und alleine entscheiden kann, wo ich hinfahren und spinnen möchte – und zwar ganz ungestört.

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Was für ein schöner Abschluss dieser langen Reise!

Gute Nacht aus Niedersachsen wünscht –
Die Kraulquappe.

8 Gedanken zu „207 oder: Saumäßig gut.

  1. Auch wenn es ziemlich an mir vorbeigeht, in welchen Herbergen unser one and only Boss logiert, habe ich diesen Bericht mit Freude für Dich genossen. Wie heißt es so schön in „Badlands“? „Talk about a dream, try to make it real.“

    Greetinx,

    Sori (die derzeit ihre Abende mit „Born To Run“ verbringt)

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      • Das Groupietum wollte ich Dir auch nicht anhängen. Dieser Begriff ist so vieldeutig – meine Arbeitskollegen schimpfen mich schon einen „Groupie“, nur weil ich den Boss heuer vier Mal live erlebt habe.
        Auch wie mein Vorschreiber ganz passend kommentiert hat – dieser interessante Ansatz eröffnet neue Reisemöglichkeiten.
        Und Deine Fotos allein können vieles erzählen – ich glaube, selbst wenn „BAARRRRUUUUUUUCCCCEEEE“ nicht dort logiert hätte, hätte ich mich in diesem Hotel sehr wohl gefühlt. (Ok, ok, ich habe einen kurzen Blick auf die Webseite geworfen und bei den Preisen geschluckt…)
        Ich wäre zB nicht so oft in die Schweiz gewesen, wenn Patent Ochsner woanders aufgetreten wären.
        So schließe ich meinen Kommentar mit einem weiteren wichtigen Zitat aus „Badlands“: „It ain’t no sin to be glad you’re alive.“ 🙂

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      • Dein Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe, erreicht mich 30 Minuten nachdem ich dem Whirlpool entstiegen bin, in dem ER auch lag. Schon toll!
        Da ich ihn dieses Jahr nur 2x gesehen habe, brauchte ich das wohl. Tja, das verstehen die wenigsten. Macht aber auch nichts!
        Du liest also auch grad den Wälzer. Im Whirlpool konnte ich leider nicht weiterlesen, weil’s so geblubbert hat. Diese Kategorie Probleme möchte ich gern öfter gaben. 🙂
        Ab morgen wird’s dann aber wieder bodenständig, da fahre ich endgültig heim.
        Viele Grüße aus Nörten-Hardenberg!

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