So nicht. Oder: Das Nobelsofa.

Ein paar Tage zwischen Mängelbeseitigungsaufforderung, fruchtloser Korrespondenz mit der Hausverwaltung, Rechtsberatung beim Mieterverein, Vorsorgevollmachtstermin (den Papa betreffend), neuen Arbeitsaufträgen und sogar normalem Alltagskram hin und her geeiert, während Lkws in Weihnachtsmärkte rasen, der Tag naht, an dem mein im Januar gestorbener Freund nicht mehr 55 werden wird und mir vorhin die Nachbarin so ganz nebenbei im Treppenhaus berichtet, dass ihre beiden Kater am Wochenende aufs Nobelsofa von Ligne Roset gepinkelt haben („Das hat 5.000€ gekostet!“) und gestern auf die Marmorplatte der Kommode („Die sind vielleicht verhaltensgestört!“), weshalb sie nun eine Anzeige aufgegeben hat („So kann es unmöglich weitergehen!“), um die Kater abzugeben („Natürlich nur in gute Hände!“).

Die beiden sind 12 und die Nachbarin hat sie von klein auf. Da bleibt einem doch echt die Spucke weg.

Fast bin ich geneigt, ihr zu wünschen, dass man sie auch eines Tages abgibt, falls sie aus psychischen oder altersbedingten Gründen ins Bett pinkeln sollte. Aber vielleicht haben es die beiden, nachdem sie 12 Jahre stinklangweiliges Katzenleben allein in der Wohnung verbringen mussten, nie raus durften und während der zahlreichen dreiwöchigen Urlaube ihres Frauchens 1x am Tag von einem Katzensitter ihr Futter in die Schüssel geworfen bekamen, anderswo eh besser. Hoffentlich.

Und hoffentlich bringt sich die Nachbarin dann nicht ein neues Tier von einem dieser Urlaube mit, die sie gern mal in Länder wie Rumänien, den Irak oder die Türkei unternimmt („Da ist alles so schön, weil noch so ursprünglich!“), an dem sie dann ihre mehrfach lautstark kundgetane große Tierliebe („Ich hätte ja sooo gern ganz viele Tiere!“) ausleben könnte („Diese Straßenhunde sind ja so süß und so arm!“). Sie ist bewegungsfaul und fett korpulent, die Nachbarin, möge sie also bloß die Welpen verschonen.

Na gut, ich gebe es zu: Meine ohnehin schon angeknacksten Filter sind jetzt definitiv zu durchlässig geworden. Da brennt die Sicherung dann schneller durch als üblich.
Daher schließe ich mich nun doch den zahlreichen Bloggerkollegen an, die über Weihnachten die Schotten dicht machen.

Euch allen schöne und friedliche Feiertage, mit oder ohne Weihnachtsfest, mit oder ohne Familientrubel, mit oder ohne Geschenke.

Manchmal ist weniger ja mehr und Hauptsache, der Stress bleibt mal für eine Weile draußen vor der Tür (wie die Eiseskälte ja auch), so dass ihr es drinnen gemütlich und kuschelig warm habt, allein, mit euren Lieben und Haustieren. Das ist doch dann schon was.
Sogar verdammt viel, finde ich.

Gute Zeit für euch – wir hören und lesen uns wieder in alter oder neuer Frische ab dem 27.12.!
Eure Kraulquappe.

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(© Dorthe Landschulz)

16 Gedanken zu „So nicht. Oder: Das Nobelsofa.

  1. Ich habe zwar noch nie ein Haustier besessen und werde mir in näherer Zukunft auch keines anschaffen – aber geheuchelte bzw aufgezwungene Tierliebe (und da hat Weihnachten leider Hochkonjunktur) gehört ganz oben auf meiner „Mag-ich-nicht“-Liste.
    Ich wünsche Dir besinnliche Feiertage im Kreise Deiner Lieben und ich freue mich auf neue Beiträge von Dir!

    Sori

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    • Liebe Sori,
      danke für deine Worte und Wünsche!
      Stoßen wir gedanklich einfach mal kurrz mit unseren Säbelgläsern an – du in Wien (meine zweitliebste Stadt), ich in München und Bruce immer in unseren Herzen 🙂
      Dir auch schöne Feiertage und bis bald wieder!

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  2. werte frau kraulquappe, bei diesen horrenden nachrichtenoverflows einer – so sagt man ja dann da wohl – verbal inkontingenten in_kontinenten (!) lebensumgebungsbesetzerin, wünsch ich Ihnen und Ihren beiden lieben hausgefährten eine besonders ruhige heilandszeit und dass Sie schön über dieses weihnachtsemotionsextremwochenende hinwegkommen. wir freuen uns über zeitnahe berichte danach! herzliche grüße, die frau k.

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    • Liebe Frau K.,
      haben Sie besten Dank für dieses Kleinod an Sprachkunst, es hat meine Lächelfrequenz des heutigen Tages mindestens verdoppelt („Lebensumgebungsbesetzerin“ ist prima, „Heilandszeit“ ebenso!). Dem Heiland oder wem auch immer sei Dank, dass wir keine Extrememotionen zwecks der Weihnachtsf_eierei zu erwarten haben, da wir selbiges ja quasi gar nicht feiern, sondern uns wie immer mit Serien auf der Couch verschanzen, die Bücherregalwand abstauben, ein bisschen Arbeiten, gut essen und das Hundemädchen in der Natur bespaßen. Also eigentlich alles wie immer (bis auf das mit dem Staub).
      Ihnen auch die herzlichsten Wünsche für ein friedliches und gemütliches verlängertes Weihnachtswochenende und bis bald!
      Die Kraulquappe.

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      • liebe frau k., dann hoff ich, es sind beim abstauben ein paar christbaumkugeln dabei – wenns Ihnen so geht wie mir damals beim (erzwungenen) kirchen_putz, rieselt Ihnen da auch ein bisschen gold_staub entgegen, ich wünsch es jedenfalls! herzlich! k.

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      • Liebe Frau K.,
        das klingt nach einem guten (und sehr sympathischen) Plan rund um das Jahresendgewächs. Meinerseits beruhige ich mich im derzeitigen allg. & inneren Aufruhr mit Hobelarbeiten. Die Festtage gedenken wir mit dem Aufstellen & Einsortieren der umfangreichen Flurbibliothek zu verbringen. So könnte es gehen.
        Herzlich Ihr S.

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      • Lieber Herr Speed,
        jaja, Hobelarbeiten, PC-Installationen, neue Kreissägen und Staubsauger – was tut man nicht alles, um wieder Ordnung herzustellen (innen wie außen).
        Ich werde Ihrer gedenken, wenn wir hier mit dem Bücherregal loslegen und wünsche bis dahin weiterhin erfolgreiches Hobeln und Sägen.
        Soeben war ich gedanklich auch schon im Allgäu unterwegs, da das Dackelfräulein ein neues Halsband bekommen soll und es unbedingt wieder ein Appenzeller Sennenhalsband sein muss (ich kann nicht ohne diese Messingkühe!). Man möchte meinen, man bekäme das in der Schweiz, aber nein, ein Sattler aus Bolsterlang wird es nun wohl anfertigen, falls das erschwinglich sein sollte für unser durch MIELE und Acer strapaziertes Budget. Das ist doch bei Ihnen um die Ecke, oder?
        Wie dem auch sei – merry x-mas und bis bald wieder. 🙂

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      • Lost Name ist das Ein-Mann-Projekt von Andi Langhammer, ein Münchner Musiker. Das ist im Wesentlichen Folk mit dezenten Elektronik-Loops, sehr ansprechend. Der Andi hat glaub ich eine klassische Gitarrenausbildung, ist also insofern ein sehr guter Musiker. Vom Sound her und vor allem hinsichtlich Stimme würde ich das am ehesten mit Bright Eyes vergleichen, was er macht. Ich hab am vergangenen Sonntag einen Beitrag dazu im Blog reingestellt. Zuvor spielt Karo, eine Musikerin aus Würzburg, kenn ich nicht, soll aber auch gut sein. Geht um 20.30 Uhr in der Kneipe der GBW los, Eintritt ist frei. Würd mich freuen, wenn was zusammengeht.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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  3. Liebe Kraulquappe,
    ich wünsche dir ebenfalls eine gute, friedliche und kuschlig warme Zeit! Und ich bin heilfroh, dass ich aufgrund fehlender 5000 Euro Sofas noch nie darüber nachdenken musste, eines unserer Tiere wegen augekotzten Mäusekadavern (unser Kater) oder zerbissenen Korbgeflechtstühlen und Holztischbeinen (Bobby), sowie sonstiger tierischer Spuren, die sich durch die gesamte Wohnung ziehen, abzugeben. Weniger ist (gerade und nicht nur zu Weihnachten) wirklich oft mehr 😘
    Liebe Grüße und bis bald! Andrea

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    • Liebe Andrea,
      gell, es ist immer wieder beglückend, mit einem preisgünstigen Sofa zusammenzuleben!
      Pippa hat in den 2 Wochen bis zur Stubenreinheit nur 1x auf den Sisalteppich (300€) gepieselt und 1 Paar Filzpantoffeln (40€) zerkaut. Und ich kann mir keinen Schaden vorstellen, wegen dem ich je auf die Idee käme, sie abzugeben.
      Frohe Weihnachten euch vieren, liebe Grüße von Pippa und mir an Bobby und dich!

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