Klumpenkratzen oder: Die (gar nicht leise) Rache der Hausmeister.

Nach dem perfekten Montag befand das Schicksal mich für vorerst ausreichend beschenkt und beschloss, dass sich der Dienstag ruhig etwas kratziger anlassen dürfe.
Eigentlich war ich ja eh seit Sonntag in leicht krisenhafter Stimmung: die letzte Episode der aktuellen Serie geguckt, danach fall‘ ich meist in ein Loch, erst recht, wenn Peter Quinn stirbt (?), auf den ich einfach nicht verzichten kann, obwohl (hoffentlich nicht: weil) er Auftragskiller ist.

Um 5:08 Uhr stehe ich senkrecht im Bett, weil der vom Leben und seinem Job frustrierte Hausmeister just zu dieser nachtschlafenen Zeit beginnt, mit lautem Kratzen, Schaben und Schieben die sich zwei Etagen unter meinem Schlafzimmer befindende Garageneinfahrt vom Schnee zu befreien.

5:22 Uhr. Die Garageneinfahrt scheint über Nacht auf das Zehnfache ihrer tatsächlichen Länge und Breite angewachsen zu sein oder aber es müssen 3 Meter Neuschnee gefallen sein – Dauer und Intensität des Geschippes lassen keinen anderen Schluss zu. Gespenstisch irgendwie. Oder verlegt er da unten neue Pflastersteine? Also Ohrstöpsel rein.

5:36 Uhr. Die Ohrstöpsel bringen gar nichts. Decke über den Kopf gezogen. Immer noch hörbares, fast spürbares Gekratze von unten. Nun auch Geräusche von oben – der erkältete Nachbar ist auch vom Hausmeisterwerkeln aufgewacht und bellt und trompetet munter vor sich hin. Mietshäuser sind schon eine feine Sache, weil man mitbekommt, wie’s dem Nächsten so geht.

5:49 Uhr. Ich liege wieder normal zugedeckt da, bin hellwach und tippe am Smartphone in die Google-Suche „Schneeräumen Uhrzeiten Nachtruhe“ ein. Dachte ich’s mir doch: auch der Schnee hat – genau wie wir – eine winterliche Mütze Schlaf von 22 bis 6 Uhr verdient und darf dann erst geschippt werden. Der Dienstag beginnt also mit Grant und Unausgeschlafenheit. Gatte und Hund sind ebenfalls hellwach.

5:55 Uhr: Der Hausmeister beendet sein Werk. Stille kehrt ein, man hört nur all die anderen zu früh erwachten Nachbarn. Wütend bleiben wir noch liegen und versuchen, wieder einzuschlafen. Geht nicht mehr. Ist ja auch Dienstag, da muss der Gatte eh früh raus und zum Zug nach Frankfurt.

7:03 Uhr. Die Milch ist alle, ich muss Tee trinken, was ich morgens gar nicht mag. Wir sitzen gerädert beim Frühstück, nur der Hund liegt noch unter der Bettdecke. Sie hat sich weder geärgert, noch hatte sie danach Einschlafprobleme. Hund sein ist herrlich, in meinem nächsten Leben möcht‘ ich das auch mal probieren.

Ab 13 Uhr geht’s weiter mit Klumpenkratzen. Der top-ausgeschlafene Hund hat Spaß im Schnee – und nach einer Weile alle Pfoten, Beine, … – ach, einfach alles Bodennahe! – voller Schneekugeln.

Irgendwann wird erbärmlich gehumpelt und bei minus 7 Grad darf man dann den Handschuh ausziehen und die Klumpen einzeln mit der ohnehin kaum gefühlten Wärme der Hand wegschmelzen. So machen wir das dann im 20 Minuten-Takt bis 15 Uhr. Hundhaben im Winter ist spitze – man ist so viel im Kontakt mit den Elementen…

Bin gespannt auf den Mittwoch und gehe nun aus Hausmeister-Schneeschipp-Prophylaxe extrem früh zu Bett, damit ich bis 5 Uhr wenigstens noch 7 Stunden Schlaf abbekomme und morgen fitter bin fürs Hundeklumpenschmelzen.

Gute Nacht wünscht die Kraulquappe.

6 Gedanken zu „Klumpenkratzen oder: Die (gar nicht leise) Rache der Hausmeister.

  1. Hund sein ist gar nicht so einfach. Ich liege zwar bis zu 20 Stunden auf meiner Hundedecke, aber bei dem, was mir da so durch den Kopf geht, möchte sicher keiner mit mir tauschen: Habe ich heute eigentlich mein Frühstück bekommen? Wurde mir schon durchs Fell gekrault? Auch hinter den Ohren? Gehen die Leckerlis zur Neige? Zeigte mir die Nachbarskatze ihre Mittelkralle oder nicht? Warum regt sich bei mir zwischen den Hinterläufen nichts mehr? Wie heißen nochmal die grauen Streifen zwischen den Bodenfliesen? Fugen?
    Liebe Grüße, Nacho

    Gefällt 1 Person

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