Palm positive (if thinking is too complicated).

Der Schwimmsport ist ja an sich ein recht preiswertes Hobby. Equipment und Eintrittspreise halten sich verglichen mit den meisten anderen Sportarten absolut im Rahmen: Eintritt zwischen 3,50 und 7,60€ pro Besuch, alle 2 Jahre einen neuen Badeanzug und eine neue Schwimmbrille, alle 3 Jahre neue Badelatschen und anderer Kram wie Flossen, Pull-buoy, Pull-kick und Handtuch halten sogar noch länger (um das gleich vorwegzunehmen: diesen unaussprechbaren Pull-Kram hab‘ ich zwar, nutze ihn aber selten!).

Da ich seit Jahresbeginn meine Distanzen im Wasser etwas gesteigert habe, dachte ich mir, ich könnt‘ mir mal etwas Schickschnack gönnen, um dem Ganzen auch ein bisschen neuen Schwung (=Tempo) zu verleihen.

Kaum mit kaputten Füßen aus Ruhpolding zurück, waren sie auch schon eingetroffen: meine ersten Paddles. Für 17,95€, das ist schon mal drin!

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Mir gefiel zwar nicht, dass die Dinger von der Marke „Finis“ sind (so wie auch meine ebenfalls gelben Trainingsflossen), denn als ehemalige Lateinschülerin weckte das nicht die besten Assoziationen (warum kann die Marke nicht „principium“ oder „velocitas“ heißen?). Was mir aber sofort gefiel, war dieses aerodynamische Design und das patentierte neue „strapless“-Prinzip. Und wenn dann noch auf der Packung ein schmissiger Satz wie „Learn to stay palm positive“ steht, den ich mir zwar nur rudimentär erschließen kann, aber der ja sowas von gut klingt, hat man mich als Kunden sofort in der Tasche.

Um meinen Langlaufmuskelkater zu zähmen und weil ich mit den zwei 1€-Stück-großen Blasen an den Fersen eh keinen anderen Sport ausüben könnte, hab ich mich heute Vormittag sofort zum Schwimmbad aufgemacht.

Was soll ich sagen? Dieses Schwimmerlebnis kam einer Revolution gleich!

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Zwar ist es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, mit diesen nur durch den hindurchgesteckten Daumen an der Hand befestigten Paddles zu schwimmen, zumal man sie bei jeder technischen Unschärfe zu verlieren droht (dummerweise saufen sie auch noch ab!), aber wenn man sich erst mal drauf eingelassen hat, jeden Armzug in jedem Schwimmstil korrekt auszuführen, dann ist es ein Dahingleiten ungeahnter Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit.
Ein toller flow, ein swimmer’s high quasi! Das muss es sein, was mit „learn to stay palm positive“ gemeint ist!

Gönnt man sich dann noch für die Hälfte der Zeit zusätzlich Trainingsflossen, ist man (resp. ich) erstmals auch jenseits der 40 in der Lage, locker mit den kraulenden Sportstudenten mitzuhalten und springt nach dem Stündchen wie ein junger HighHai aus dem Becken. Vergessen der Muskelkater, vergessen die schmerzenden Fersen!

Auf dem Weg zur Dusche eine kleine Ernüchterung: „Mami, was hat die Frau da Ekliges an den Füßen?“, ertönt eine Piepsstimme hinter mir. Gemeint sind meine beiden monströsen, aufgequollenen Compeed-Blasenpflaster. Ich drehe mich um und beantworte die Frage des Knirpses: „Die Frau hat eklige Langlaufschuhe angehabt.“

In der Umkleide werde ich vollends aus meinem  flow gerissen. Fragt die Frau am Spind neben mir, die ich noch nie zuvor gesehen habe und die gerade mit dem Frottieren fertig geworden ist, als ich mich abzutrocknen beginne: „Könnten Sie mir bitte den Rücken eincremen?“
Ja geht’s noch?!?
„Nein“ entgegne ich knapp.
Sie: „Warum denn nicht?“
„Muss ich mich dafür wirklich rechtfertigen?“ will ich gerade sagen, muss dann aber losprusten…

Oder wie seht ihr das: schon mal jemand Wildfremden den Rücken eingecremt? Wie ist das so? Ist das gut, hab‘ ich was verpasst?

Wie dem auch sei: auch ohne näheren Körperkontakt war das ein durchweg positiver Tag, so frisch ge_palmt, mit den tollen Paddles – und überhaupt.

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Ohne Worte – gelungene Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Selten, aber nicht unmöglich.

Das Hündchen ist dank der im Vergleich zu Ruhpolding fast tropisch anmutenden Temperaturen rasend schnell wieder genesen und Freundin D. trug mal wieder zur Entzerrung unserer kleinen Symbiose bei, indem sie uns beim Gassigehen begleitete.

Alles im Lot also. Und die Fersen werden schon wieder, wenn man sie nicht mit fiesen Bemerkungen beim Verheilen stört.

Einen guten Start ins Wochenende wünscht euch –
Die Kraulquappe.

12 Gedanken zu „Palm positive (if thinking is too complicated).

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