Jedem Lappi siis Chappi.

Nein & i wo!

Auch wenn die Banalität meines Vormittagsbeitrags es vermuten ließe: Es geht nun weder um billiges Hundefutter, noch um Stéphane Chapuisat, und erst recht nicht um Putzhilfsmittel oder die Bewohner des nördlichsten Skandinaviens.

Stattdessen möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, über Ästhetik, Manufaktur und Luxus aus Helvetien.

„Jedem Lappi siis Chappi“ ist Schwiizerdütsch und bedeutet in etwa „Jedem Narr seine Kappe.“. Oder, freundlicher formuliert: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ – was hier besonders gut zutrifft. Das lang ersehnte Pläsierchen für das Dackelfräulein – oder meins, ganz wie man’s nimmt – ist nämlich heute eingetroffen.

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Ich suche seit Monaten nach einem Ersatz für Pippas von unzähligen Bade-, Rauf-, Wälz- und Wanderfreuden mittlerweile etwas verschlissenem und miefendem Halsband, von dem wir uns in naher Zukunft werden verabschieden müssen.

Natürlich möchte ich wieder ein Appenzeller-Sennen-Halsband haben – für mein Empfinden das einzig wahre Halsband für einen echten Dackel.
Dieser Wunsch erwies sich als kompliziert. Der Versand, bei dem ich es vor 5 Jahren gekauft hatte, existierte nicht mehr. In Wolfratshausen gab es noch einen Händler, der die Halsbänder aus der Schweiz bezog, aber das tut er seit letztem Jahr leider nicht mehr. Blieb nur ein Allgäuer Sattler, den ich mehrfach anschrieb, der aber zu muffig war, um zu antworten oder bereits dermaßen in Aufträgen erstickt, so dass er auf die läppischen Einkünfte aus 28cm-Halsumfang gut verzichten kann.

Als alle regionalen Bezugsquellen ausschieden, recherchierte ich auf dem Schweizer Markt – und wurde fündig. Hochwertiges Rindsleder, handgefertigtes Halsband, produziert in einer Appenzeller Gurt-Manufaktur, verkauft in Zürich (auf Wunsch ergänzbar um Gürtel für Herrchen und Frauchen, im Partnerlook, versteht sich). So stellt man sich das vor – kein asiatisches Lederimitat oder olle Fressnapf-Ware, bei der die Messing-Kühe nicht genietet, sondern geklebt werden und sich schon während der ersten Badesaison verabschieden.

Das Problem: Das eh schon teure Schweizer Produkt hätte sich durch exorbitant hohe Zölle und Versandkosten nochmal erheblich verteuert.
Die Lösung: Freundin H. hat erfreulicherweise genau rechtzeitig Berlin verlassen und ihre Zelte dauerhaft in der Nähe von Zürich aufgeschlagen.

H., grundsätzlich gut eingespannt mit zwei Jungs und Ehemann sowie Job und Alltag, hat sich bestimmt insgeheim überschlagen vor Freude als ich mit meiner Bitte daherkam: Die kleine Gurt-Dependance in Zürich öffnet ihre Pforten nur nach persönlicher Terminvereinbarung, wenigstens war die Dackelgröße des Halsbands in der gewünschten Leder- und Kuh-Farbe bereits vorrätig.

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Praktischerweise besucht H. gelegentlich nicht nur die Zürcher Innenstadt, sondern auch ihre Eltern in München, so dass jegliche Zölle und Versandkosten entfallen. Unpraktischerweise hat sie dabei vor lauter Familienpflichten meist keine Zeit mehr übrig, so dass sie zwar letztes Wochenende kurz in München, aber nicht bei mir war. Dafür trifft sich ihr Vater gern mit mir.

Und so hat das Original-Appenzeller-Sennen-Halsband nun seine weite Reise beendet und seinen Bestimmungsort erreicht:

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Wir danken dir, liebe H., tausendmal dafür, dass du dem Lappi zu seinem Chappi verholfen hast und ersuchen dich erneut, uns bitte mitzuteilen, wie viele Franken du dafür berappen musstest und wann, wie und wo wir unsere Schulden begleichen dürfen: über deinen Vater, per Auslandsüberweisung oder persönlich und vor Ort, wenn wir uns im Frühling auf einen Arbeitsurlaub bei dir am Zürichsee einquartieren?

Ein herzliches Hoi & Salü –
von der Kraulquappe und ihrem Dackel.

„Ein bisschen arg gülden kommt es noch daher, aber ich werde es in Kürze abgewetzt haben!“

11 Gedanken zu „Jedem Lappi siis Chappi.

  1. So! Aufgrund des oben beschriebenen eingespannten Alltags meinerseits hat meine Kommentierung nun doch viel zu lange gedauert, um sie auch nur ansatzweise als „zeitnah“ zu bezeichnen (ohnehin ein schönes Wort, was heisst das eigentlich genau?). Da ich mich natürlich sehr über die Erwähnung im Blog freue, möchte ich den Beitrag nicht unkommentiert lassen und möchte ergänzen, dass nicht nur das Halsband selbst höchste Massstäbe erfüllt, sondern auch der Service der Appenzeller Gurt-Dependance in Zürich. Der nette Herr des Lagers reagierte stets prompt und als sich abzeichnete, dass wir keinen gemeinsam passenden Abholtermin vor besagter Reise nach München finden würden, hat er mir das Halsband kostenlos und auf Rechnung zugeschickt. In der Schweiz zählt also noch das Wort und Vertrauensvorschuss gibt es schon bei der ersten Bestellung. Das finde ich schön! Nicht schön ist natürlich, dass Du meinen Vater mittlerweile öfter siehst als mich und sich dieser Zustand natürlich unbedingt bei meinem nächsten (und übernächsten, etc.) München-Besuch ändern muss. Ich freue mich natürlich auch auf Euren Besuch im Frühjahr, wenn Pippa ihr Halsband in der Schweiz ausführen darf. Salü!

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