Champion of the Wohnung.

So kann‘ s gehen, wenn man a) die Brille für Kleingedrucktes nie zur Hand hat und b) umzugsbedingt immer noch zwei, drei Pakete pro Woche geliefert bekommt mit so spannendem Zeug wie „Schubladeneinsatz 60×40“ oder „Filzgleiter, 250 Stück, in allen Größen“.

Da klingelt DHL oder DPD, ein im Akkord arbeitender Bote sprintet die Stufen hinauf, man setzt mit einem abgegriffenen Plastik-Pseudostift seinen Servus unter/auf/in das verschmierte Display, schließt die Tür, holt das Teppichschneidemesser (=das Signal für den Hund, sofort aufzuspringen und sich am Aufschlitzvorgang zu beteiligen) und öffnet die Sendung.

Erwartet wird die letzte fehlende Sortierbox für die Werkzeugschublade, die im Moment ein bislang ungekanntes Dasein als prominenteste Schublade des Haushalts erlebt.

Aber was ist das? Ein güldener Engel reckt sich aus der Schachtel empor und hält mir einen Stern entgegen.

Habe ich aus Versehen ein Weißbier zu viel erwischt?
Ich befreie den Engel aus seiner papiernen Hülle und erkenne: Das ist ein Pokal!

Und so gerade noch ohne Brille kann ich die Inschrift lesen, die er trägt:

Ja leck mich am Arsch – da steht ja mein Name drauf (nein, nicht „Störtebeker“, sondern weiter links unten!)!

Das ist aber mal fair vom Leben: Da hockt also doch irgendwo einer, der sieht, was man geschafft hat und der das honoriert.
Meist hacklt man ja vor sich hin wie deppert und es gibt kaum einen feuchten Händedruck für all die Mühsal. Geschweige denn einen Dank, eine Anerkennung, einen Scheck, einen Orden oder gar einen Pokal. Da tät‘ ich nun glatt ein Zweitbier drauf trinken, wenn noch eines im Kühlschrank wär‘, um die Preisverleihung an mich mit mir zu feiern.

Beim Kartonzerschneiden frag‘ ich mich, wieso das Paket eigentlich an den Gatten adressiert war … ach nein, sag bloß… echt jetzt … also doch keine unabhängige Institution … wieder nix, was für den CV taugt … obwohl es so schön glänzt …

Trotzdem: Danke, danke, lieber Gatte.
Aber glaub bloß nicht, dass dich das von der Teilnahme am finalen Umzugsdreckwegputzen und den letzten Fahrten zum Wertstoffhof entbindet, gell! Gute Zugfahrt noch!

Prosit,
Die Kraulquappe.

(Nachtrag: Erfuhr soeben per WhatsApp aus dem Zug, dass es sich nicht um einen Engel, sondern um Victoria handelt. Ich kenn mich nicht so aus mit Siegen.)

7 Gedanken zu „Champion of the Wohnung.

  1. Für diese Pokalidee gehörte eigentlich auch ein Pokal.
    Hab‘ heute übrigens auch einem das Treppenhaus heraufschnaufenden DHL-Boten (Riesensendung medizin. Katerfutter) in sein Kastl unterschrieben, (a) mit falschem und (b) noch dazu ganz unleserlichem Namen, und da nehme ich jetzt aus Ihrem schönen Beitrag eine schöne Idee mit ins echte Leben: Das nächste Mal werde ich tatsächlich & wörtlich ‚Servus‘ in das Kastl hineinschreiben :-))

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  2. Auf den ersten Bild sieht es so aus, als hätte sie den Mund wie beim „Schrei“ und blutige Striemen! Liegt ja jetzt an der fotografischen Abbildung. Ansonsten eine tolle Anerkennung! Hoffentlich häufen sich die Pokale nicht an. Ein Umzug mit 13pokalen wäre mir schon wieder zu stressig😉 liebe Grüße!

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    • Da siehst du mal, liebe Heike: offenbar hab ich“s unbewusst so fotografiert, wie ich mich in den letzten Wochen häufig fühlte…
      Und 12 weitere Pokale aus der Rubrik „Umzug“ sind unbedingt zu vermeiden, da hast du recht.
      Liebe Grüße & gute Nacht!

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  3. Pingback: Soundtrack meines Lebens (1): Keep pushin‘ till it’s understood. | Kraulquappe

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