Hund haben (5).

Das Dackelfräulein hat neben seiner rassetypischen Anfälligkeit für Bandscheibenprobleme (landläufig bekannt unter „Dackellähme“) von klein auf mit einer Patella baja zu tun (kein Teckeltanzstil, sondern ein sog. Kniescheibentiefstand). Hinten rechts zog sie den Hinterlauf seltsam hüpfend hoch oder setzte hinkend einen Schritt aus. Seitdem wir täglich Grünlippmuschelpulver unters Futter rühren, hat sich die Symptomatik gebessert bzw. fast völlig gelegt.

Wie alle Dackel soll sie keine Treppen gehen, wird also immer getragen (was bei knapp 7 kg kein großer Aufwand ist), rauf und runter. Auch beim Sprung aufs Sofa sind wir behilflich und selbstverständlich wird sie abends auch ins Bett gehoben (zumindest in jene, die für Menschen sehr rückenfreundlich sind, aber für Dackel bereits zu hoch).

Gelegentlich springt die Madame aber nachts eigenständig aus dem Bett (manchmal stupst sie einen kurz an, aber meist reagiert man zu langsam) – weil es ihr zu warm wird, weil einer von uns in der Wohnung herumgeistert, selten auch mal, weil sie raus muss und einmal jährlich, so wie momentan wieder, weil ihr einfällt, dass sie nach ihren Kindern sehen will. Die imaginäre Welpenbande wird dann überall gesucht, nicht gefunden und irgendwann kehrt sie unter Gejammere ob der erfolglosen Suche zur Bettkante zurück und jammert noch lauter, weil sie wieder hoch ins Bett möchte.

Der Parkettboden in der neuen Wohnung ist frisch versiegelt. Heißt, er ist besonders glatt. Verlässt die Dackeldame also nachts das Bett, ist seit Neuestem nicht nur der Sprung an sich ein Gesundheitsrisiko, sondern auch noch das anschließende Ausrutschen auf dem Holzboden.

Der Gatte konnte das nicht mit ansehen und hat rasend schnell für Abhilfe gesorgt (eine für haushaltsnahe Dienstleistungen eher untypische Reaktionsgeschwindigkeit).

Kurz darauf lieferte Amazon einen Karton, in dem ich rein größenmäßig spontan ein Denkmal für mein Engagement beim Umzug vermutete oder ein ungewöhnlich rechtzeitig bestelltes Geburtstagspräsent, das meiner früher stets verkündeten, aber eigentlich überholten Devise „groß & teuer“ gerecht würde.

Diesmal wagte ich es nicht, den Karton zu öffnen, sondern ich wartete auf die Heimkehr des Gatten. Der bestaunte dann auch das Pappmonstrum und fragte sich, was er da wohl bestellt haben könnte.

Nach dem Herausschaufeln von unendlich viel Füllmaterial (wenigstens aus Papier) kam schließlich der Inhalt zum Vorschein: Petwalk!

Ich habe mich totgelacht über das Foto und die Beschriftungen auf der Schachtel. Da hat ein Hersteller mal absolut den Nagel auf den Kopf getroffen („Friends on tour“) und die Realität abgebildet (der Blick! die Vorderpfoten!): Eine total authentische Szene, mitten aus dem ganz normalen Alltag eines Dackels. Ohne digitale, schönheitschirurgische Eingriffe am Model vorzunehmen oder den Faltenwurfs des billigen IKEA-Dreisitzers zu retuschieren.

Das nenne ich Stil und Anstand – endlich mal nicht so eine Kundenverarsche wie bei manchen TK-Gerichten, auf denen die Abbildung stets viel appetitlicher aussieht als das, was man nach 25 Minuten bei 180°C dem Ofen entnimmt oder diese Blenderei in Autoprospekten, in denen der quarz-grau-metallicfarbene Skoda Octavia Kombi auf patagonischen Passstraßen dem Sonnenuntergang entgegen schwebt und dort irgendwie viel besser und sportlicher wirkt als im Stau auf dem Münchner Feinstaub-Highway namens Donnersbergerbrücke.

Petwalk, auf dem sich Pippa nach nur 2x Üben (der neue Befehl lautet: „Rampe!“) bereits bewegte wie auf dem Catwalk, hält jedenfalls, was es/er verspricht. Des nächtens kann die Hundedame nun frei entscheiden, wann sie die Schlafstatt verlassen und wieder in selbige zurückkehren möchte. Sie rutscht beim Ausstieg nicht mehr mit allen Vieren auf dem Parkettboden aus, wodurch sie auch nicht mehr wacher wird als ihr vielleicht lieb ist, ihr Rücken und ihre Gelenke werden geschont und dank der beschichteten Rampe geht das Ganze auch für den schlafenden Menschen nahezu geräuschlos von statten.

Nur das Gejammere, das bleibt uns wohl noch ein Weilchen, bis die „Kinder“ aus dem Gröbsten raus sind und die Hormonlage wieder bei Normalnull angekommen ist.

Ein wunderbares Teil, ich kann es allen Kleinhundhaltern, bei denen es die Töle auch bis ins Bett geschafft hat und die auf Rücken/Gelenke achten müssen, wärmstens empfehlen. 

Sie können nun sorglos weiterschlummern, während Ihr Liebling mal kurz sein von Ihrer viel zu warmen Bettdecke aufgeheiztes Bäuchlein auf dem Badezimmerboden abkühlen lässt und danach wieder erfrischt zu Ihnen unter die Decke schlüpft. Den eigenen Rücken schonen Sie nebenbei auch, da Sie nicht mehr abrupt aus dem Tiefschlaf gerissen binnen einer Sekunde den Hund aus dem Bett heben müssen.

Aber Vorsicht: Sie bekommen nun auch nichts mehr davon mit, wenn sich Ihr Vierbeiner nachts zum Kühlschrank schleicht, weil es tagsüber wie immer zu wenig zu essen gab oder er sich nochmal auf die Couch verkrümelt, um heimlich nach Mitternacht die „Aristocats“-DVD zu gucken und seine nicht ausgelebten Aggressionen in die Sofakissen zu knurren.

Einen schönen Abend wünscht
Die Kraulquappe.

13 Gedanken zu „Hund haben (5).

  1. Mein grünlippmuschelpulver heißt matcha 🍵 und wirkt ähnlich auf den Bewegungsapparat. Überlege mir das mit der Rutsche und der Scheinschwangerschaft. Evtl noch die Gattung wechseln… Danke für die schönen Anregungen 😊

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  2. Ob es das Ding auch in Labradorgröße gibt? Dann könnten wir uns das umständliche Gehebe sparen. Sie hat beim Lesen jedoch nur einen einzigen Gedanken: Die Zehen, die Zehen… Im nächtlichen Halbschlaf aus dem Bett nur noch mit Stahlkappenhausschuhen…

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