Breaking the branches.

Es gibt so Bergtage, an deren Ende man nur noch müde, zufrieden und mit glühenden Fußsohlen unter die Decke schlüpfen kann.

Ganz kurz zuckte noch ein erinnertes Gedicht von Morgenstern durch meine schläfrigen Gedanken – von einem, der sich im Gebirge verlief und glücklicherweise einen anderen traf, mit dem er den Weg hinaus- bzw. hinunter fand -, dann war ich auch schon eingeschlafen.

Aussicht vom Hinteren Hörnle auf Murnauer Moos und Staffelsee.

Eine tolle Tour war das, am gestrigen Mittwoch. Das Dackelfräulein und ich stiegen mit Mr. Speedhiking von Bad Kohlgrub hinauf aufs Hörnle…

…rasteten und ratschten auf der Hörndl-Hütte (die veraltete Bezeichnung!) und aßen dort leider zu wenig in Anbetracht dessen, was noch vor uns lag, wir aber hier noch nicht ahnten.

Von der Hütte ging’s weiter am Mittleren Hörnle vorbei Richtung Hinteres Hörnle, vor dem letzten Gipfelanstieg nochmal ein kleines Päuschen mit schönen Ausblicken Richtung Zugspitze und Ammergauer Alpen…

…während Dr. Schmitt, der Schneehase von Hr. Speed, sich lieber auf etwas Distanz hielt zum recht spielfreudigen und jagdlustigen Hund…

…und die Aussicht gen Norden genoss, bevor unsere kleine Seilschaft weiter zum Gipfelkreuz hochschnaufte.

Die beiden Speedhiker immer vorneweg!

Oben angekommen labten wir uns am Rundumblick – der von der Benediktenwand und Heimgarten über das Estergebirge bis ins Karwendel und die Mieminger Kette reichte -, …

…teilten die letzten in den Rucksäcken auffindbaren Kalorien und studierten die Karte für den Abstieg Richtung Großenast, den ich vor der Tour als herrlich menschenleer angepriesen hatte, da er etwas schwer zu finden sei.

Nun, wir fanden ihn gar nicht, und turnten also die gut 700 Höhenmeter durch einen definitiv menschenleeren, weitgehend weglosen, waldigen Steilhang bergab. Expeditionen, die man nicht mit jedem unternehmen, geschweige denn genießen kann! Man könnte auch sagen: Eine erste Bewährungsprobe unserer noch jungen Bergfreundschaft.

Pippa wieselte begeistert den schattigen Hang hinunter, auf Waldboden läuft sie stets zur Höchstform auf, manchmal wünscht man sich auch vier so bodennahe Beine, da müsste man sich weniger in die Stöcke krallen, um ja nicht ins Rutschen zu geraten und sich dabei womöglich das meniskusoperierte Knie zu verdrehen.

Als Pfadfinder bewährten sich Herr Speed und Frau Hund gleichermaßen, es herrschte konzentrierte Stille, unterbrochen nur von knappen Rufen wie „Hierher!“, „Geht’s?“ oder „Vorsicht, Ast!“. Letzterer erübrigte sich dann noch und wurde durch geräuschvolles Knacken ersetzt – Herr Speed brach einfach alle sich riskant auf Gesichtshöhe befindenden Äste ab, so dass ich freie Bahn hatte und unversehrt von dem abenteuerlichen Abstieg ins Tal gelangte.

Irgendwo zwischen Großenast und Bad Kohlgrub.

Überhaupt kann so eine versierte Bergbegleitung sehr vielfältig eingesetzt werden: Als Sherpa fürs Dackelfräulein, als Sonnenbrille-aus-dem-Rucksack-Holer, als Interpret topographischen Kartenmaterials, als Stockhalter, als Schattenspender für sonnengepeinigte Hunde oder Hasen und eben auch als Ästewegbrecher. Eine durchaus kommode Sache, natürlich nur, wenn’s auch sonst passt und man konditionell und kommunikativ harmoniert.

Die Oberschenkel brannten etwas vom Abstieg, oder schieben wir’s einfach darauf, dass man sich im Tal unten erneut verlief und im Ortskern landete, wo man gar nicht hinwollte. Nochmal schweißtreibener Gegenanstieg durchs Kurgebiet zum Wanderparkplatz, neben dem gottseidank ein Biergarten am Rande der Almwiesen lag und den Verbrauch letzter Kraftreserven auszugleichen wusste (der klägliche Müsliriegel war Stunden her).

Erschöpft-verwackeltes Festhalten der letzten Meter vor der Guggenberg-Alm.

In diesem Sinne : „Der Steig war steil, doch wagten wir’s gemeinsam…“
(Christian Morgenstern: „An den Andern“)…

…ich freu‘ mich auf weiteres Ästebrechen, Pfadefinden und Knödelessen unter dem Himmel der Bayern!

3 Gedanken zu „Breaking the branches.

  1. Pingback: Du sollst nicht Gipfel fressen. Ein Tourbericht. | Kraulquappe

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