Feiern mit Frederico.

Mit dem Kirchweihfest verhält es sich in Bayern ja so, dass das nur deshalb am dritten Sonntag im Oktober stattfindet, weil es der Obrigkeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts irgendwann mal zu blöd und zu viel war, dass die Landbevölkerung sich ständig anlässlich einer der zahlreich stattfindenden Kirtas zugelötet hat – jede Dorfkirche hatte schließlich einen anderen Jahrestag ihrer Konsekration, also gab’s dauernd irgendwo was zu feiern – und dann zu nix mehr zu gebrauchen war.
Mit der Einführung eines zentralen Festtages für alle hoffte man, der Sauferei und Feierei drastisch Einhalt zu gebieten, indem man sie auf einen Tag begrenzte. Da den Leuten das zu wenig war, etablierte sich über die Jahrhunderte dann die Verlängerung des Kirchweihfestes: der Montag wurde als Feiertag drangehängt, um nochmal durch die Gasthäuser zu strawanzen, zu karteln, zu schlemmen und zu trinken – wo man doch grad schon so gut drin war im Feiern…

Heutzutage ist das Kirchweihfest in vielen Gegenden Oberbayerns, in denen sich bäuerliche Strukturen weitgehend aufgelöst haben, zu einem allgemeinen Herbst-Event verkommen. Und die Kirchweihmontagstradition ist sowieso völlig in Vergessenheit geraten. Der Montag ist längst schon kein Feiertag mehr, in den dörflichen Betrieben wird gearbeitet, der eine oder andere geht halt lediglich etwas verkatert auf Maloche.

Aber das gilt nicht für ganz Oberbayern. Nein! Ein von unbeugsamen Geigenbauern und Gebirgsjägern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Niedergang der Tradition Widerstand zu leisten. Die Rede ist von Mittenwald.

Oberhalb von Mittenwald liegt die Brunnsteinhütte. Als einzige Berghütte in der Alpenregion Karwendel hat sie ihre Pforten nicht spätestens am Kirchweihsonntag geschlossen, sondern die Saison erst mit dem gestrigen Montag ausklingen lassen.

Brunnsteinhütte im Westlichen Karwendel (1.560m).

Die Sonne brannte vom Himmel, das Bier floss in Strömen, die Aussicht wurde von Glas zu Glas grandioser, die Küche war auf den Ansturm ebenfalls bestens vorbereitet, Musik gab’s auch – und Hüttenesel Frederico verabschiedete jeden Gast persönlich.

Frederico, der Hüttenesel (und das Dackelfräulein, dem der Esel nicht geheuer war).

Und als uns beim Abstieg ganz unerwartet noch ein Alphorn den zum Marsch blies, hielten wir voller Andacht inne, blickten hinauf zu den steinigen, schroffen Gipfeln, lauschten dem kräftigen Klang (für einen Moment hat nicht viel gefehlt zum Gläubigwerden!) und waren dankbar und glücklich, einen Tag wie diesen erleben zu dürfen.

Danke, liebe D., für den schönen gemeinsamen Bergtag!

Kurz nach dem Aufbruch in Mittenwald.

 

D. beim Betrachten der Arnspitzen.

 

Das Highlight des Leitersteigs: die wacklige Hängebrücke über die Sulzleklamm.

 

Wegen des Bodengitters der Brücke muss das Dackelfräulein getragen werden …

 

… und ich gebe zu: ein bisserl unheimlich war’s schon, wenn man keine Hand mehr zum Festhalten frei hat …

 

… dafür wurde man kurz drauf mit bestem Wettersteinblick belohnt …

 

… Rotwandl- und Brunnsteinspitze weisen den Weg hinauf …

 

… und mit Erreichen der Hütte ist sowieso jede Strapaze vergessen!

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