Isarvorstadt, facking koid.

Was ich mir vornehme, ziehe ich üblicherweise auch durch. Weil mir Plänehaben gut tut und Pläneumsetzen erst recht.
Wenn wacklige Zeiten gerade so einigermaßen überstanden sind, man sich innerlich also halbwegs wieder zusammengesetzt hat, haben sich stabile Gerüste schon immer bewährt, um die gewohnte Trittsicherheit zurückzugewinnen.
Als Geländer, als Struktur, als Rahmen – insgesamt wohl als Präventivmaßnahme, um das Leben (oder sich selbst) davor zu bewahren, erneut in seine Einzelteile zu zerfallen.

Daher heute – wie letzte Woche beschlossen – der nächste Stadtausflug, ohne Rücksicht aufs Wetter: 5 Grad, Nieselregen, düster, aber ich finde, es gab den Sommer über wahrlich genug Blaue-Himmel-Bilder auf diesem Blog.

Bayrisch-Englisch-Mix unter der Wittelsbacherbrücke: Too facking koid.

Planungsprämisse Nr. 1: Die Strecke muss dem Dackelfräulein ausreichend Gelegenheit bieten, um ungehindert sausen zu können.
Maßgabe Nr. 2: Es muss ein Spaziergang sein, der ohne viele Umstände mit den Öffentlichen machbar ist, da ich nur von A nach B laufen möchte, aber nicht zu A zurück.
Und Nr. 3: Am Zielpunkt der Tour muss mich eine nette Einkehr erwarten, in der auch ein triefender Dackel willkommen ist.

Vom U-Bahnhof Thalkirchen (Tierpark) starten wir also bei ekligem Novemberwetter und spazieren zunächst durch den graubraunen Flaucher an der graugrünen Isar entlang.

Das Dackelfräulein überquert die Thalkirchner Brücke.

Später folgen wir dem Aubach, der seinen Namen irgendwo in Untergiesing in „Freibadbächl“ ändert und schließlich in den Frühlingsanlagen, die man getrost in Winteranlagen umtaufen könnte, versickert.

Kein Schwein unterwegs bei dem Wetter. Oder doch?

 

Große Hundefreude: Waten durch Laubmatsch und Aubachbett.

 

Meist mit von der Partie: Der orangefarbene Mittelpunkt des Dackeluniversums.

 

Man freut sich über jeden Farbtupfer…

 

…daher auch der kleine Abstecher in den Rosengarten…

 

… bevor wieder alles in Graubraugrünschwarz verschwimmt.

Nach etwa 6km sind wir in der Unteren Au angelangt, überqueren die Reichenbachbrücke hinüber zur Isarvorstadt und landen vor dem Haus, in dem mal meine Wiege stand: Auenstraße 4. Hier verbrachte ich meine ersten Lebensjahre.

Ein Kreis schließt sich: Wo ich heute meinen Hund ausführe, schoben mich meine Eltern im Kinderwagen durch die Isarauen.
Natürlich erinnere ich mich daran nicht im Geringsten.
Mir sind aus dieser Lebensphase nur fünf Dinge im Gedächtnis geblieben: Das Eis im Laden vom netten Herrn Ranftl, weil es da immer eine Extra-Waffel für mich gab, die Frau Loichinger im Nebenhaus, bei der es penetrant nach den Zigarren ihres Mannes Gustl und nach Selbstgebackenem roch, die Anni aus der Bäckerei Reichenbach-, Ecke Fraunhoferstraße, die mir die köstlichen Brezen mit den Noppen auf der Unterseite in die Hand drückte, der Pullover meiner Mutter mit dem psychedelischen Muster, ein kratziger Wollalptraum in 70er-Jahre-Orange mit pinken Kringeln drauf und eingewebten Silberfäden drin sowie ein schmerzlicher Sturz aufs Steißbein, als ich entgegen elterlicher Anweisungen die im Türrahmen befestigte Schaukel mit einem Loopingversuch, der nicht gelingen konnte, überstrapaziert hatte.
Einzig das mit den Brezen wirkt bis in die Gegenwart hinein: Ich habe nie aufgehört, in ganz München und Oberbayern nach vergleichbaren Noppenbrezen zu fahnden (fündig wurde ich bislang nur beim Altinger in der Donnersbergerstraße und beim Tremmel in Rottach-Egern – weitere sachdienliche Hinweise nehme ich jederzeit dankbar entgegen!).

Das Haus in der Auenstraße gibt es nicht mehr, es musste einem hässlichen Neubau weichen, und die Eisdiele vom netten Herrn Ranftl ist durch ein Steuerbüro ersetzt worden. Heute macht das nichts, ist ja kein Eisdielenwetter.

Dafür befindet sich um die Ecke ein Café, das als würdiger Abschluss des novembergrauen Stadtausflugs durchgeht: „Hungriges Herz“ heißt es, vermutlich wurde es von einem Springsteen-Fan eröffnet (womit es bereits einen Vertrauens- und Sympathievorschuss erhält), drinnen läuft zur Tarnung allerdings Lou Reed, was aber auch sehr ok ist, besonders im November.

Everybody’s got a hungry heart…

 

Everybody needs a place to rest…

Frei nach dem Springsteenschen Hungry-Heart-Vers „We took what we had and we ripped it apart“ gab es dann die Pizza des Tages.

Tagespizza für 6,90€ – damit weder heart, noch belly hungry bleiben müssen (und auch Bello nicht).

Nächste Woche dann: Sendling.
Unter anderem, weil es die Postleitzahl hat, die ich gern hätte.

 

Eine gute Woche, stay hungry, stay alive!
Herzlich grüßt euch –
die Kraulquappe.

http://www.youtube.com/watch?v=0My2AqPFpFg

10 Gedanken zu “Isarvorstadt, facking koid.

    • Danke, liebe Andrea, die du noch imprägniert bist von der Sonne Kroatiens… (um die ich dich ein wenig beneidete 🙂 )
      Weißt du was? Wenn du wieder mal auf der Durchreise bist und für 6 Stunden „aussteigst“, gehen wir einfach zusammen so eine Großstadtrunde. Vorher lässt du mich deine Kuchenpräferenz wissen und dementsprechend plan ich das. Einverstanden?
      Liebe Grüße vom Rande der Metropole!

      Gefällt mir

  1. Pingback: Eine Schwäche für Bäche. | Kraulquappe

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