Fräulein Pippas Gespür für Tee.

Eigentlich wollten wir heute in die Berge. Aber dann zogen sich die Magenbeschwerden und der Arbeitsvormittag doch länger hin als gedacht und das Dackelfräulein stand irgendwann quengelnd und drängelnd im Flur, so dass keine Zeit mehr war, für längere Fahrten zum Startpunkt.

Also umdisponiert und Stadtspaziergang Nr.3 vorgezogen. Doch noch nicht nach Sendling, da ich in unser beider Interesse auf Abwechslung achte, was die Gassirouten angeht – und wir waren erst vorgestern an der Isar.

Stattdessen steuern wir das Lehel an, die älteste der ehemaligen Münchner Vorstädte (heute zur Altstadt gehörend).

„Schon wieder U-Bahn-Fahren?!“

Mit der U-Bahn geht’s zur Alten Heide, von dort am Nordfriedhof vorbei zum nördlichen Englischen Garten.
Dort angekommen heißt es: Leinen los!

„Na endlich, es geht los!“

Es ist eine unserer Hausstrecken, hier kennt das Dackelfräulein jeden Trampelpfad, jeden Hasenbau, jeden Maulwurfshügel und jeden Pferdeapfel (und jeden Trick, mich abzulenken, um sich selbigen einzuverleiben).

Um frischen Pferdeäpfelnachschub kümmert sich die Münchner Polizei persönlich.

Immer wieder denke ich: Dieser Stadtpark ist einfach der Hammer. Seit Jahren laufen wir hier durch und es ist nie die gleiche Runde, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Am Schwabinger Bach entlang, am Oberjägermeisterbach entlang, an der Isar entlang oder schön mittig, ganz ohne Wasser, und dafür mit umso mehr Wiesen.

Munich, my love: Englischer Garten mit Blick zur Frauenkirche.

 

Der Monopteros oder: Was von den Plänen eines Münchner Pantheons übrigblieb.

Auf der gut 6 Kilometer langen Strecke passieren wir sage und schreibe fünf Einkehrmöglichkeiten, die wir alle tapfer links liegenlassen, weil unser Tourziel ganz im Süden liegt.

Das „Hofbräuhaus“ für Hundehalter: Ganzjährig ein beliebter Treffpunkt im Park.

 

Die Hirschau: Leider ohne Hirsche und auch nicht in der Au.

 

Das Seehaus: Draußen Saisonende, drinnen Nobelrestaurant.

 

So gehört sich das: Trinknapf-Étagère für alle, von Rex bis Waldi!

Was wir beide noch nicht kannten und deshalb für heute als Ziel ausgesucht hatten, befindet sich am südlichsten Ausläufer der Parkanlage: Das Fräulein Grüneis.

Schöner Name, schöner Ort, aber ohne des Dackelfräuleins guten Riecher für andere Frolleins, hätte ich es nicht auf Anhieb gefunden, da es etwas versteckt liegt.

Das Fräulein Grüneis: Im November menschenleeeres Kiosk-Café im Lehel.

Ich mag ja so kleine Lokale/Cafés/Kioske, die früher mal was anderes waren wie z.B. Milchladen, Scheune, Friseursalon, Tankstelle oder – in diesem Fall – erst Klohäusl, dann Schwulentreff und zuletzt Drogenumschlagplatz.

Sieht man dem schmucken Häuschen heute natürlich kaum noch an. Jetzt ist hier fast alles bio & charmant, und die einzigen herumliegenden Nadeln sind die, die von den Tannen gefallen sind.

Das ehemalige Klohäusl: Nun eine kuschelige Hütte mit Kaminfeuer und kleinen Leckereien.

Und die Kulinarik? Kleine Auswahl, feine Qualität.
Die Speisekarte sieht so aus, wie sich der Gatte eine TV-Fernbedienung ersehnt: 4 Optionen, kein verwirrender Schnickschnack, sondern eine klare Sache, die sofortiges Handeln ermöglicht.

Ich bestelle ein Stück saftigen Karottenkuchen und dazu einen Limetten-Tee mit Honig – für münchenübliche 6,70€.
Damit wäre die Vorgabe „Kein Stadtpaziergang über 10€“ (zumindest nicht einfach so & wenn es nix zu feiern gibt) auch eingehalten und erfreulicherweise sind sogar meine Magenschmerzen anschließend verschwunden (man sollte einfach mehr Zucker zu sich nehmen in dieser unwirtlichen, infektanfälligen Jahreszeit).

Weil die vier Sitzplätze drinnen belegt sind, noch dazu von einer Truppe, die das Türschild in allen Aspekten ernst zu nehmen scheint…

…nehmen wir entspannt draußen Platz und machen uns warme Gedanken während ich mich stärke und mein Heißgetränk schlürfe.

Anschließend unternehmen wir noch einen kleinen Streifzug durchs Lehel. Kein Wunder, dass viele Einheimische den Namen des Viertels wie „Lächel“ aussprechen.

Die Fassaden der repräsentativen Altbauten sind eine wahre Augenweide, der Weihnachtsmarkt hat gottseidank noch nicht eröffnet – eine belanglos-gemütliche und zugleich urban-mondäne Donnerstagnachmittagsatmosphäre weht uns um die Nasen, bevor wir müde und zufrieden wieder in die U-Bahn steigen und heimwärts fahren.

Nächste Woche dann Tour Nr.4, nach Sendling!

Herzlich grüßt
Die Kraulquappe.

13 Gedanken zu „Fräulein Pippas Gespür für Tee.

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