Männer beim Einkaufen.

Heute Nachmittag im vorweihnachtlichen Trubel.
Ein zur „Brotmanufaktur“ geschickter und von vermutlich diversen vorangegangenen Einkäufen bereits reichlich strapazierter Familienvater (Anfang 50) vor mir in der Schlange. Zettel in der Hand, ganz klar von der Frau geschrieben (man erkennt das an den vielen Zusätzen, gelegentlich habe ich solche Männer schon bzgl. der korrekten Interpretation all der Zusätze beraten).

Es steht an: Brot-Hamsterkauf für die Groß-Sippe nebst 16 Semmeln zum Einfrieren (Sorten sind detailliert aufgeführt) und – Obacht! – einem von der Frau recht offen formuliertem Listeneintrag „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“.
Familienvater kommt dran. Brot- und Semmel-Order verläuft reibungslos. Dann aber: Familienvater begutachtet Gebäcksortiment, man kann ihm ansehen, dass das Sortiment (ca. 12 verschiedene Plunderteilchen, Schnecken, Krapfensorten, Hefestückchen etc.) ihn völlig überfordert und er am liebsten 8x irgendwas kaufen würde. Aber auf seinem Zettel steht „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“, puh!

Die Bäckereifachverkäuferin (Typ Mehlmade: bleich, hefige Optik, etwas verschwitzt, spröde im Ton und schon recht müde vom langen Tag) will genau wissen, was denn jetzt und wieviel wovon. Da die Schilder fehlen, deutet der Familienvater verzweifelt mit dem Finger auf die gewünschten Stücke. Mehlmade kann den Fingerzeig nicht genau erkennen und verlangt nach dem Produktnamen. Familienvater ist genervt, aber in Gottes Namen, dann versucht er’s eben: „2 Quarktaschen, 2 Krapfen, 2 Nussschnecken und 2 von denen da in der Mitte“.

Verkäuferin ist noch mit den Zwischenlegpapierchen zur Trennung der klebrigen Quarktaschen von den Nussschnecken beschäftigt und fragt nach: „Welche da in der Mitte?“ (was in der Tat schwierig ist, da es bei den 4 Sorten direkt vor ihrer Nase keine Mitte gibt, wenn man die Sache sortenrechnerisch betrachtet, räumlich – wie es vom Familienvater natürlich gemeint war -, gäbe es die sehr wohl).

Familienvater zeigt mit den Finger drauf und sagt etwas ungehalten: „Na zwei von diesen Busen-Dingern da!“ – und treibt damit der Mehlmade eine entzückende Schamesröte auf ihre ansonsten so blassen Bäckereifachverkäuferinnenbäckchen. Ihr entfährt sogar ein kleines Kichern, während sie zielsicher und beherzt nach den Busen-Dingern greift (und auch die nachfolgende Kundschaft schmunzelt vor sich hin ob dieser netten Unterbrechung der allgemeinen Vorweihnachtshektik).

Frohe Weihnachten all den tapferen Männern, die ihre Einkaufslisten ähnlich erfolgreich abgearbeitet haben
wünscht
Die Kraulquappe.

9 Gedanken zu „Männer beim Einkaufen.

  1. Glaubstas, was der Münchner Bäcker für gestalterische Ideen hat? Na wurscht, ich meinerseits hab‘ alle Listen abgearbeitet, sogar den (Obacht:) Zusatz „Blumen (bunt)“. Ha! Die Listenerledigungsstufe für Fortgeschrittene ist übrigens, dasjenige noch mitzubringen, und zwar zur überraschten Begeisterung & Zufriedenheit, was NICHT auf der Liste stand. Ha!!
    Frohe Weihnachten auch Ihnen; wir alle bedürfen der Tapferkeit.
    (Gibt es eigentlich ein Busen-Emoji?)

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    • Aus Ihren Worten spricht ganz klar ein HAL (husband, advanced level), sowas ist selten, aber ich kann mich glücklich schätzen, da der Gatte auch zu dieser Spezies zählt und mitdenkenderweise & in Eigenregie die Leerstellen der Einkaufslisten zu füllen versteht, wofür ich ihm bereits vor Jahren das „Große Haushaltsdiplom“ verliehen habe.
      Jetzt kümmere ich mich mal ums Frühstück, damit auch ich meinen Part hier im Inneren der Höhle erfüllt haben werde, bis er von der Jagd zurückkehrt.
      Ihnen ein geruhsames und entspanntes Fest und ganz herzliche Grüße, N.

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  2. Hallo Kraulquappe,
    dies „Busenwunder“ gibt die Gelegenheit, für Deine vielen Aufnahmen und Geschichten des Jahres zu danken. Zu „Hold on“ im vorherigen Beitrag ist Dir ein besonderes Foto gelungen mit dem Sonnenstrahl auf die gehaltene Kugel.
    Was die Männer beim Einkaufen betrifft, war ich heute erfreut, keine langen Schlangen an den Kassen anzutreffen; es war auch noch nix ausverkauft, was ich auf dem gedanklichen Zettel hatte, und mit einer Weihnachtskarte einschließlich Beitrag zur Kaffeekasse ist mir in den beiden Nahversorgungs-Geschäften zum Dank für Ihre Arbeit sogar eine Überraschung gelungen.
    Frohe Weihnachten, gute Wünsche
    und schöne Grüße, Bernd

    Gefällt 1 Person

    • Vielen herzlichen Dank für deinen Beitrag in meiner Blogkasse und die Weihnachtswünsche!
      Da du deine Liste erfolgreich abgearbeitet hast, können die Feiertage ja nun kommen und dir nichts mehr anhaben – wie schön!
      Wünsche dir ebenfalls ein schönes Fest und grüße zurück, Natascha

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  3. Mehlmade ist ein treffendes Wort, für dass mein Kopf sofort ein Bild bereit hatte. Ich weigere mich übrigens auch, die bekloppten Namen in den Mund zu nehmen, mit denen die Bäckereiketten ihre Produkte seit einigen Jahren bezeichnen. Ich sag dann auch: Von denen da!
    Grüße vom Bäckereifachverkäuferinnenfachblog

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