DRT – try it!

Stellen Sie sich mal Folgendes vor:

Sie haben einen kleinen, quirligen und tendenziell ungeduldigen Hund.

Sie sind allein unterwegs mit diesem Hund.
Die Umgebung ist so dermaßen aufregend für Ihren Hund (Wildgehege, Mäuselöcher, andere Hunde, neuer Weg), dass „Komm!“, „Sitz!“ und „Bleib!“ ohnehin nur mühsam funktionieren.

Sie wollen aber, um ein bescheidenes Zubrot zum Rudeleinkommen beizusteuern, unbedingt Fotos von diesem Hund schießen, um Ihre Magazinbeiträge, auf die die Welt nicht gewartet hat Hundehalter dieser Welt geradezu brennen, hübsch zu bebildern.

Sie sind kein Profi, haben kein Stativ dabei, haben im Grunde auch keine Ahnung von Fotografie, weil Sie ja eigentlich mehr dem Wort als dem Bild zugetan sind, führen also nur eine alte, aber gerade so für die von den Verlagen gewünschte Auflösung taugliche Kamera mit sich, und selbst die können Sie meistens nicht kompetent bedienen, weil Sie das ausführliche Lesen von Bedienungsanleitungen hassen.

Außerdem sind Sie ähnlich ungeduldig wie Ihr Hund.

Ihr Hund ist zudem eine Hündin und gerade läufig, befindet sich also gewissermaßen in einer Art Ausnahmezustand. Sie will sausen, schnuppern, aufdringliche Aspiranten erst anschwänzeln und dann verbellen, nach Fressbarem suchen und alle 5 Meter die Botschaft „Huhu, ihr feschen Gebirgsjäger des Werdenfelser Landes, ich bin’s, die kesse Pippa aus der großen Stadt, und in ein paar Tagen darf der Beste von euch auf mich drauf!“ an ein Grasbüschel oder auch wahllos an den Wegesrand pinnen.

Na, schwant es Ihnen schon?
Genau!
Ihr Vorhaben ist nicht gerade das, was man eine Routineübung oder ein leichtes Unterfangen nennen könnte!

Fahren Sie also zeitig los und nicht erst am späten Vormittag, planen Sie für Weg und Bilder die doppelte Zeit ein. Oder die dreifache, wenn Sie der Kulisse wegen in den Bergen unterwegs sind, wo es ja auch mal unwegsames Gelände oder Höhenunterschiede geben kann. Oder biwakieren Sie gleich vor Ort auf dem schönen Höhenweg, Halbgefrorenes zappelt ja vielleicht auch weniger.

Wenn Sie aber nur ein paar Stunden Zeit haben, verrate ich Ihnen heute einen Trick.
In Insiderkreisen kursiert er unter dem Akronym DRT (Dried Rumen Trick).

In der Variante für kleine Hunde geht der so:

  • Locken Sie Ihr Fotomodell auf eine exponierten Platz (Tipp: ein Stück Brie auf die Stelle legen, wo der Hund hin soll, der riecht/klebt gut, so dass Sie Zeit gewinnen).
  • Schreien Sie „Halt-Sitz-Bleib!“ und werfen Sie sich dabei in Ihrer nagelneuen Thermohose in die hartgefrorenen Altschneereste vor Ihrer Versuchsanordnung.
  • Halten Sie währenddessen permanent Blickkontakt mit Ihrem schon wieder quengelnden Hund, damit er halbwegs bei der Sache bleibt.
  • Klemmen Sie sich so fix Sie können ein Stück getrockneten Pansen zwischen die Zähne und rufen Sie dann „Schau!“ oder verwenden Sie, falls „Schau!“ nichts bringt, das ultimative Schlüsselreizwort „Leckerlecker!“
  • Achten Sie auf behutsame Artikulation, damit Ihnen das Pansenstück nicht auskommt und der Hund es natürlich schneller aufhebt als Sie gucken können.
  • Passen Sie bloß auf, dass Sie beim Luftholen keinen bereits durch Ihren Speichel bzw. die vielen vorausgegangenen Fehlversuche aufgeweichten Pansenkrümel verschlucken, das schmeckt widerlich.
  • Drücken Sie ab!

Vergessen Sie übrigens nicht, zuvor die Kamerafunktion „Serienbild“ einzustellen, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eines der 10 Fotos vielleicht etwas wird.

Und wackeln Sie verdammt nochmal nicht mit Ihren eiskalten Händen herum!

21 Gedanken zu „DRT – try it!

      • Bestechung ist dafür wirklich nicht nötig. Und Tierfotografie ist auch nicht meine Kernkompetenz. 🙂
        Nur kennst Pippa so gut, dass Du weißt, wie sie ruhig wird. Also wenigstens für ein paar Sekunden. Insofern hülfe/ hölfe (?) die beste Technik(ausrüstung) nix.

        Gefällt 1 Person

  1. Also, ich folge ja diesem Blog schon lange und lese immer mit großem Vergnügen, wie frau und Dackeldame (auch) meine Wahlheimat durchwandern. Aber jetzt muss ich endlich mal was dazu sagen: Wunderbar geschrieben! Dankeschön für das Vergnügen am Abend!

    Gefällt 2 Personen

  2. Das kommt mir sehr bekannt vor 😂. Unsere Wanderungen werden begleitet von Hop (die Vorderpfoten auf einen Baumstumpf oder Felsen stellen) oder Hoppel die Hop (auf diesen Baumstumpf oder Felsen drauf springen) untermalt von Sitz, Platz, Bleib … mit Leberwurst in der Hand (im Mund ist aber ne super Idee, dann schmiert man sich nicht mit der gleichen Hand die Wurst auf den Fotoapparat 😉) Mittlerweile kennt Bobby das Spiel aber und scheint es sogar zu genießen. Noch ein Tipp für Aufnahmen mit kleinem Hund vor großer Landschaft: ein gutes Weitwinkelobjektiv. Aber der Blick von Pippa ist auch verwackelt einmalig ❤.

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    • Hoppeldihopp, ich lach mich schlapp… Super, dann haben andere also auch so viel Spaß beim Wandern wie wir!
      Ja, bei kleinem Hund vor Deutschlands größtem Berg braucht’s definitiv ein anderes Objektiv.
      (An der Stelle gestehe ich, dass das Blogfoto ein Handyfoto war, aber Pansen hatte ich trotzdem zwischen den Zähnen. Und ich fand gerade das Verwackelte so verdackelt nett.)

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Der Stress mit dem Hundefoto | Der rote Sonnenschirm

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