Himmel der Bayern (33): Wanderer, kommst du nach GaPa…

verkündige dorten, du habest den Rucksack bestücket, wie es der Vater einst befahl.
(frei nach Simonides von Keos)

Nach einigen Pannen zu Berge halte ich mich ja nun wieder strikt an das früh mir Anerzogene, das da lautete:

  1. Bereite deine Tour am Vorabend gewissenhaft vor.
  2. Nimm immer ausreichend Proviant, ein Erste-Hilfe-Set, Kleidung zum Wechseln und allerhand weiteres Glump mit, das du zwar nur 1x in 10 Jahren brauchen wirst, aber dann sowas von froh bist, wenn du’s im entscheidenen Moment dabei hast.
  3. Konkret mahnte der Vater vor allem zu vier Dingen unter dieser von mir als Glump verunglimpften Rubrik: eine Karte, ein Taschenmesser, eine Wäscheklammer und ein Stück Schnur.

Und so trug es sich zu, dass wir gestern, bei unserem vierstündigen Marsch oberhalb von GaPa (für die Nicht-Bayern unter den Lesern: Garmisch-Partenkirchen) dieses eine Mal in 10 Jahren erlebten und wirklich sowas von froh waren, weil sonst wären wir glatt verhungert!

Oberhalb von Grainau beginnt der Kramerplateauweg…

… ein Höhenweg am Fuße des Kramers, der sich zu jeder Jahreszeit lohnt, besonders aber dann, wenn die allgegenwärtigen GaPa-Touristen mit anderen Vergnügungen abgelenkt sind (diesmal: Skifahren, neue Zugspitzbahn).

Diesen herrlichen Panoramaweg kann man bis zur Burgruine Werdenfels (über Burgrain, dem nördlichsten Ortsteil von GaPa) in sanftem Auf und Ab entlangmarschieren.

Aus den alten Gemäuern tun sich neue Perspektiven auf, selbst der sonst eher langweilige Hausberg der Garmischer, der Wank, macht mit dieser Umrahmung was her…

…aber auch der Blick nach Farchant und ins Estergebirge lohnt sich von hier oben.

Die unterhalb der Ruine gelegene Werdenfelser Hütte hat ganzjährig geöffnet und bietet Riesenportionen für den Riesenhunger…

…und da wir uns gerade erst ein Paar Wiener (Würstchen!) geteilt haben, ziehen wir noch weiter, bergauf zum Pflegersee…

…der uns mit geschlossener Eisdecke, aber geöffneter Wirtschaft empfängt.

Der Magen knurrt, das Dackelfräulein wetzt schon zur Terrasse, ich pfeife sie zurück. Setze den Rucksack ab, öffne das obere Fach, um die Hundeleine herauszuholen – und greife ins Leere. Das ist das Doofe am Prinzip Zweitrucksack, der mit Thermoskanne und Hundefutter für danach – und heute auch mit Leine drin – auf dem Beifahrersitz schlummert, da kommt man beim Packen halt leicht durcheinander.

Aber: Nach Jahren nutzlosen Mitherumtragens ist nun die Stunde der Paketschnur gekommen!

Die drei Meter reichen problemlos für eine Kurzleinenkonstruktion samt Griffschlaufe und wenn der Hund nur 7kg wiegt, braucht man ja gottseidank kein Schiffstau, um ihn zu bändigen bzw. am Stuhlbein zu befestigen.

Ich schicke dem Papa live eine Mail mit diesem Foto, das ihm zwar spät, aber immerhin überhaupt beweist, dass seine Erziehungsbemühungen Früchte gezeitigt haben.

Noch schönere Früchte finden sich jedoch in dem Streuselkuchen, der mich auch darüber hinwegtröstet…

…dass ich wegen zu hoher Rüdendichte auf der Sonnenterrasse leider drinnen sitzen muss.

Anschließend wandern wir auf dem selben Weg die ganze Strecke retour…

…das Weißblau hat der Bayernhimmel zwischenzeitlich durch Weißgrau ersetzt, aber dem Hund ist das genauso wurscht wie der Alp- und Zugspitzblick und wahrscheinlich das gesamte Panorama unterwegs.

Und wenn man heute Morgen so aus dem heimischen Fenster schaut, weiß man, dass man gestern alles richtig gemacht und nun in aller Ruhe die nächsten Tage am Schreibtisch sitzen kann.

34 Gedanken zu „Himmel der Bayern (33): Wanderer, kommst du nach GaPa…

  1. Moment! Ich kann Dir natürlich nicht durchgehen lassen, ein Schweizer Taschenmesser als “Glump” zu benennen.. Ich habe meins auch immer dabei und schon oft gebraucht!! Ich habe mich auch sonst sehr über Deinen Beitrag gefreut, denn unsere Sofie kam von einem Züchter aus dem Werdendelser Land. Ich weiß nicht, ob Du Dich daran erinnerst?

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    • Meine Liebe!
      Du hast dich, scheint’s, recht weit von deiner Heimat entfernt: Glump meint der Bayer eher salopp und wirklich nicht nur negativ! Und ich sag ja auch, dass mein Papa da absolut recht hat mit den alpinen Pflichtutensilien. Das Schweizer Messer hab uch natürlich auch von ihm (und niemals hätte er mir Glump geschenkt)…
      Bei „Sofie“ stutzte ich erst kurz, dann fiel der Groschen: du meinst die Soffi 🐕😊
      An die erinnere ich mich, aber dass sie aus dem Werdenfelser Land war, wusste ich nicht. Vor 25 Jahren hätte ich mit dem Begriff auch noch nicht so viel anfangen können.
      Grüezi & pfiat di,
      Deine T.

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  2. Erfreulich, dass sich hinter der freien Abwandlung von Heinrich Bölls „Wanderer, kommst du nach Spa….“ eine schöne Geschichte verbirgt.
    Übrigens: Ist das Bobby auf dem eingerahmten Foto neben der Möwe auf dem ersten Foto?

    Liebe Grüße aus dem nasskalten Wien,

    S.

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  3. Ich liebe die Berge. Die Alpen. Das Werdenfelser Land und natürlich auch GP (und dort ganz besonders den Riessersee), dementsprechend beneide ich Dich um diese Wanderung. Und ich halte es da ganz mit Deinem Vater, eine Tour durch die Berge gehört gut geplant und versorgt – nur der Schnaps, der hat gefehlt in Deinem Päckchen.

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    • Das freut mich, dass du die Gegend auch kennst und so magst!
      Was die Bestückung des Rucksacks angeht: da hab ich zwar nicht alles aufgezählt, aber Schnaps gehört nicht zu den verheimlichten Inhalten (mochte ich noch nie und vertrag ich auch nicht). Liebe Grüße!

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