Himmel der Bayern (39): Ozapft is.

Noch nie zuvor im Leben einen ersten Arbeitstag gehabt mit a) 66km Anreise zu einem Herzensort, b) ausgelatschten Trekkingsandalen an den Füßen und c) einer Kiste voller Sport- und Arbeitsklamotten für die kommende Saison im Kofferraum.

Das Tölzer Land empfängt mich gestern – entgegen der frühmorgendlichen Wetterprognose! – mit blauweißem Bayernhimmel über der Benediktenwand…

…und am vertrauten Wanderparkplatz ist erstmals keine Gebühr zu zahlen…

…sondern ein Zettel hinter die Windschutzscheibe zu legen, der mich als Mitarbeiterin der Berghütte ausweist.

Die Wirtin nimmt mich und mein ganzes Glump von dort aus mit nach oben. Der Dienst beginnt quasi mit dem Zuschlagen der Jeeptür, denn ab da geht’s los mit dem Input und den zahlreichen Infos.

Mein Personalkammerl, das ich nach Ankunft beziehen darf, ist vergleichsweise luxuriös…

…und sogar mit eigenem Bad (samt warmer (!) Dusche) ausgestattet.

Die Einarbeitung dauert keine 15 Minuten und besteht aus dem Satz „Am besdn is lörning bei duing, des hod si hier herobn allwei bewährt“, einer Ultrakurzeinführung in die Bedienung der zwei Spülmaschinen und einem Blitzrundgang durch die gesamte Hütte.

Dann sind wir auch schon mittendrin im Arbeitsmarathon – und ich bin saufroh, durch die Umzugswochen bereits einigermaßen trainiert zu sein…

…weil so eine Großküche, die fordert einen scho gscheid und als allzu verzärtelter Städter hätt‘ man da eher schlechte Karten.

Nach etwa einer Stunde sitzt die Geschirreinschichttechnik…

…und man hat kapiert, warum in der Küche geschlossene Schuhe mit gutem Profil das einzig Wahre sind.

Für Zimperlichkeiten ist hier ohnehin weder Raum noch Zeit…

… – der Schweinsbraten muss um 18 Uhr resch und in einer Stückzahl aus dem Rohr kommen, dass es einem zunächst ein Rätsel ist, wie das eigentlich parallel zu all dem anderen Gewurschtel gelingen soll.

Die knappen Pausenzeiten richten sich ganz nach Witterung und Gästeandrang (@Hr. Speed: nix 5x am Tag Fäschprr nach Belieben oder gar mit a paar Minuten Kontemplation inklusive!), und man lernt extrem fix, die wenigen Lücken effizient zu nutzen, weil sonst verhungert man nämlich…

…während sich die Gästeschar drumherum spinatknödelrund frisst.

Was einem als Mitarbeiter aber schon auch passieren könnte, da man jederzeit Zugriff auf die frisch gebackenen Kuchen hat…

…daher dreh ich dem Süßkram lieber schnell den Rücken zu und erarbeite mir einen Platz am Ausschank.

Mein persönliches Highlight des Tages: Nach einigen Stunden Durchschuften steh‘ ich dann irgendwann tatsächlich allein an den 7 Zapfhähnen, der bräsige Hüttenhund Tessa vom Nibelungenblut liegt zu meinen Füßen (oder besser gesagt: mitten im Weg), bediene eigenständig einige Gäste sowie die Kasse, fülle ohne Überschäumen drei Russn in Maßkrüge ab und aus dem Küchenradio dröhnt Bruce Springsteen hierüber.

Ja, das war ein prima Gefühl! So konkret und unmittelbar: einfach Dastehen und Machen – und kein langes Gefasel und Gegrübel!

Der Wirt ist recht zufrieden mit meiner rasanten Karriere und weil eh grad zwei Fässer leer sind, weiht er mich gleich noch ins Ozapfn ein und bekräftigt dabei zum x-ten Mal, dass ich keine Hemmungen haben solle, mich am Faß zu bedienen („…wannsdes verdrogst“).

Aber schon kurz drauf komm‘ ich wieder an meine Grenzen, als die Stamperl mit dem Hochprozentigen befüllt werden sollen (eine neue Begriffswelt tut sich auf: „Gebirgsenzian“, „Hirschkuss“, „Willi“ u.v.m.)…

…es gibt also noch viel zu lernen da herobn.

Hoff‘ ma nur, dass der Ellbogen es auch mitmacht!

[6:30 Uhr, am Tag nach dem Einstand: Wenn da Hahn kräht aufm Mist, woaßt, dass’s Zeit zum Aufstehn ist.]

11 Gedanken zu „Himmel der Bayern (39): Ozapft is.

    • Von Dauerfäschperer keine Spur und ich gönne Ihnen jedes Ihrer wohlverdienten Fäschprr-Päuschen von Herzen – ich wollte nicht Sie kritisieren, sondern mich bemitleiden!
      (Und freu mich, wenn Sie mich hier oben mal besuchen – 1,5 Std Gehzeit für die Allgemeinheit, <50 Min für Sie, schätz ich!)

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  1. Glückwunsch zu diesem mega steilen Aufstieg auf der Karriereleiter: Am ersten Tag bereits an den Zapfhähnen! Ich freue mich sehr für dich, dass alles so gut „läuft“. Und der Blick aus der Tür in die Bergwelt ist einfach fantastisch! Alles Gute weiterhin und bis bald auf’m Berg! Liebe Grüße von Andrea

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    • Danke, danke!
      Gerade eben den ersten Kaiserschmarrn (12 riesige Portionen) in der Großküche produziert, leckomio, sog i amoi, wann hat man je in 2 Minuten 40 Eier in eine Wanne gehauen…
      Aber ob das wirklich unter „Karriere“ fällt?
      Nun ja, darüber denkt man nach 4 Std ununterbrochenem Schuften gar nimmer nach, das ist das Schöne.
      Da hockst nur no do und isst dei Kasspatzn, trinkst dei Weißbier (für dich: Weizenbier) und schaugst grodaus ins Karwendel. Scho schee.
      (Auch, dass man sein monatliches Stunden-Soll an einem einzigen Wochenende abfackelt 🙃)
      Liebe Grüße von Natascha

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  2. Mann, das ist ja super-spannend! Ich wünsch Dir alles Gute und hoffe, dass es nicht in reine Plackerei ausartet! Sondern neben den interessanten Einblicken in das „Innenleben“ einer Berghütte auch Zeit für Ausblicke in die schöne Gegend bietet 🙂

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  3. Beim Anblick des Geschirrspülers fällt mir ein, dass ich vor Jahren auch in der Küche eines Heurigen in Perchtoldsdorf mitgeholfen habe. Und an den Wochenenden war an Mittagspause vor 14 Uhr nicht zu denken!
    By the way… ist das nicht der Pflügler Hansi neben dem roten Küchenschild? Letztes Foto. Vielleicht kann mir der Stern des Südens behilflich sein?
    Liebe Grüße aus Wien,
    S.

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  4. Pingback: Auf ein Isarkindl! | Kraulquappe

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