Meeting Wolfgang oder: Jraaduss.

Es ist nicht zu fassen. Der Wolfgang!

Da geht mal EINMAL ohne Handy aus dem Haus, und zwar auch noch alle beide OHNE Handy, was eigentlich quasi nie vorkommt, nur eben heute Abend. Meins hing daheim am Ladekabel, der Gatte hatte seins auf dem Schreibtisch liegen lassen. Schließlich wollten wir nur kurz was Essen gehen, weil mir nach meinem Hüttenwochenende schlicht und einfach die Kraft fehlte, mich heute Abend wie gehabt an den Herd zu stellen (Hüttenbericht folgt noch, aber klar!).

Im netten Lokalgarten angekommen, wies uns der Kellner den reservierten Tisch zu und als ich mich setzte und noch damit beschäftigt war, unterm Tisch das ideale Plätzchen für das alte, abgewetzte Restaurantkörbchen vom Dackelfräulein zu suchen, da raunt mir der Gatte schon zu: „Hast du das gesehen? Ist das nicht der Niedecken, da am Nebentisch?“

Und tatsächlich.
Ich gucke jraaduss und da hockt Wolfgang Niedecken (na klar, morgen und übermorgen spielt der ja hier! – fällt’s mir dann ein, ich seh ja schon seit Wochen immer beim Vorbeiradeln am Circus Krone die Plakate hängen).
Umringt von ein paar jungen Kerlen, vielleicht die Jungs, die als Vorgruppe auftreten (blöder Scherz) oder irgendwelche anderen Musiker-Spezln oder -Jünger, mit denen man sich halt so trifft, wenn man in der Stadt ist (der Gatte meint, es waren Journalisten, aber ich hätte gern, dass es Musiker waren). Ins Gespräch vertieft, bei einem frisch gepressten Obst-Gemüse-Saft. Nebst Gattin.

Jetzt bin ich kein riesiger BAP-Fan, aber ich mag manches von denen schon gern, sind halt so Ohrwürmer aus der Jugend (oder auch noch ein paar spätere) und zweimal hab ich die sogar live gesehen und fand’s doch recht gut (freilich auch, weil er „Hungry heart“ spielte 🙂 ). Einmal hab ich ihn solo erlebt mit dem „Niedecken singt Dylan“-Programm, bei dem mir seinerzeit sogar ein Tränchen über die Wange kullerte vor Rührung. Den Dylan ins Kölsche zu übersetzen, das hatte schon was, das war beinahe so gut wie „Ambros singt Waits“, damals im Circus Krone (die Waits-Songs ins Wienerische zu übertragen, das hat mich einfach noch mehr begeistert).
Ach ja, und als Gast auf Springsteens Bühne hab ich ihn auch erlebt, an jenem denkwürdigen Abend in der Kölnarena.

Obwohl ich kein Fan bin, denke ich sofort: Das ist ja toll, dass der Wolfgang da sitzt. Sieht man den mal aus der Nähe (hat sich verdammt lang gut gehalten) und hört den netten Dialekt (für mich gibt es außer München nur noch zwei andere deutschsprachige Städte, die ich – auch sprachlich – liebe: Wien und Köln). Ob man um ein Foto bitten soll? Wenn ja, wie macht man das, ohne dass es völlig peinlich ist? Und dann fällt mir ein, dass mein Handy daheim liegt, und ich frag den Gatten: „Hast du dein Handy dabei?“, er verneint und dann verwerfe ich diese vielleicht eh etwas kindische Idee.

Wir unterhalten uns, wir essen und trinken – und wir bändigen das Dackelfräulein beim Fliegenfischen.
Wie so oft ist es Pippa zu verdanken, dass Kontakte entstehen, wo ohne Hund nie welche zustande gekommen wären. Sie liegt nach einem ihrer zahlreichen und erfolglosen Nach-der-Fliege-schnapp-Versuchen sehr erbärmlich dreinblickend in ihrem Körbchen (in das sie zitiert wurde), in unglücklicher Seitenlage (weil sehr unfreiwillig), mit leicht irrsinnigem Blick nach schräg oben (die blöde Fliege könnte schließlich wiederkehren).
Dieses Bild des Jammers sieht einer der Jungs am Niedecken-Tisch, grinst breit und ruft schließlich etwas zum kläglichen Dackelchen herüber, worauf das Fräulein natürlich nicht antworten kann, also tun wir das. Daraufhin drehen sich alle am Nebentisch zu uns um. Auch der Wolfgang. Und schon ist man im Gespräch. Er hat auch einen Hund, einen Tibetterrier, hätte aber immer gern einen Dackel gehabt, weil er die toll findet, aber leider ist sein dreistöckiges Haus dafür nicht so geeignet. Tja, das stimmt natürlich, Treppen und ein Wursthund sind keine gute Kombination, da ist man als armer Mietwohnungsbewohner definitiv besser dran, denn da kann man problemlos einen Dackel halten.
Ein kleiner Plausch unter Hundefreunden. Anschließend wendet er sich wieder den Jungs zu.

Da das Eis aber nun gebrochen ist, greife ich meine kindische Idee wieder auf, überlege, wie wir das technisch lösen könnten und beim Bezahlen überreden wir die sehr junge Bedienung (die so jung ist, dass sie nicht mal weiß, wer oder was da am Nebentisch bappt), uns doch bitte ihr Smartphone zu leihen, damit wir ein Foto machen und es mir auf mein daheim ladendes Handy schicken können.

Ich klopf dem Wolfgang also auf die Schulter und frag ihn, ob er vielleicht mit dem schönen Dackelfräulein auf einem Bild verewigt werden möchte – und natürlich möchte er das unbedingt.

(Hundefotografie-Gesetz Nr. 1: So ein Hund guckt grundsätzlich nie wie gewünscht in die Linse, schon gar nicht, wenn’s mal schnell gehen muss.)

Aff un zo merk ich dann, wie joot et dunn kann,
Wemmer Luffschlösser baut un op Zofäll vertraut,
Jar nix mieh plant, op jar nix mieh waat – nur su!

Ja, so isses.
Danke, Wolfgang, und dann mal ein gelungenes Konzert an den nächsten beiden Abenden hier in unserer schönen Stadt!

Und natürlich darf das hier nicht fehlen (with special greetings to Sori in meiner österreichischen Herzensstadt!):

19 Gedanken zu „Meeting Wolfgang oder: Jraaduss.

  1. Herzlichen Glückwunsch.. Du un de pippa un de wolfjang…👍
    Und ich hatte gehofft, dass einer Deiner liebsten Dialekte das Berlinische ist. Dit kann ick nämlich perfekt! Naja. Muss ick mit lehm‘. Liebe Grüße auf den Berg. Birgit

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  2. Schöne Begegnung! BAP begleitet mich auch schon gefühlt ein Leben lang. Früher mit den Texten und deren Übersetzungen in der Hand vor meinem ersten Plattenspieler, später zu meiner Kölner Zeit im Stadion, in der Fußgängerzone oder zum Kölsch in der Kneipe… Wolfgang Niedecken gehörte irgenwie immer dazu. Einfach nur sympatisch, der Typ. Und jetzt ist er auch noch Pippa-Fan! Ich muss gleich mal in meiner Plattensammlung kramen … Ne schöne Jrooss 😘

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    • Dachte schon an dich und dass Köln ja eine deiner Lebensstationen war! Ich war da nur als Jugendliche öfter (erste Liebe! allein mit dem Zug dorthin, das war was!) und später halt, wenn der Bruce dort war.
      Ja, der ist echt sympathisch und hat sich nicht groß verändert. Solche Konstanten braucht man im Leben (ich zumindest).
      Liebe Grüße nach Braunschweig!

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  3. oh, wie schön, wolfgang niedecken mit euch! bap sind großartig! es gibt so viele situationen, wo mir textzeilen aus bap-liedern einfallen. 🙂 (nur jetzt gerade keine). ah, doch! do kanns zaubre wie die mang? die karten, irjend sujet muss et sinn. (keine ahnung, wie man kölsch schreibt 🙂 ). tolle erinnerungsfotos!

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  4. Was für eine schöne Begegnung. Ich war letzten Samstag in Köln, um Niedeckens BAP in ihrem „Heimspiel“ zu sehen. Und was soll ich sagen? Es war ein großartiges Konzert, alte Songs in neuem Gewand mit Bläsersätzen versehen. Einfach irre gut.
    Der Wolfgang gehört auch bei mir zum „musikalischen Inventar“.
    Lg,
    Werner

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  5. Ich freue mich für Euch mit, dass Ihr ein solches Erlebnis hattet.
    Wäre Bruce anstelle von Wolfgang gewesen, hätte ich mich überhaupt nicht getraut, ihn anzusprechen… da ist ein Hund zwecks „Brückenbau“ sehr vorteilhaft 😉

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    • Danke für den Link, Sori, der mich rechtzeitig erreichte, um den Blogeintrag noch am Vorabend meines München-Trips zu lesen.
      @Kraulquappe: Danke für diesen schönen Bericht. Das ist Wolfgang wie er leibt und lebt: herrlich entspannt und null abgehoben. Wenn sich sowas aus der Situation heraus ergibt und er hat Zeit, dann ist er für einen Plausch zu haben und hat auch nix gegen ein „Wolfgang-und-ich“-Foto. Und Pippa als „Anbahnerin“ war perfekt, da Wolfgang selbst ja auch immer einen Hund hatte. In den 80ern war „Blondie“ mit auf Tour, dann kam irgendwann „Fussel“ … alles wie Wolfgang selbst „reinrassije Strooßekööter“ ;o)
      Ich hatte gestern abend das Vergnügen im ausverkauften Circus Krone 3 1/4 Stunden Kölschrock vom Feinsten zu erleben und hab natürlich meinen Begleitern von Deiner Begegnung mit Wolfgang erzählt. Die jungen Männer in seiner Begleitung waren vermutlich entweder Bandmitglieder (die Bläser und der Schlagzeuger sind Ende 20 bis Mitte 30) oder vielleicht auch Jungs von der „Krassen Horde“, wie Wolfgang die Tour-Crew zu nennen pflegt …
      Ich würde diesen Post sehr gerne im BAP-Forum verlinken, wäre das in Ordnung für Dich?
      (man kann dort nur allerdings als registriertes Mitglied lesen)
      Grüße aus dem Badnerländle,
      Spike

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      • Hallo Spike,
        dank dir für deinen ausführlichen Kommentar, der mich sehr gefreut hat! Das glaub ich gern, dass es ein langes und gutes Konzert war (gestern und auch vorgestern), hier in München.
        Ich dachte ja auch, die Jungs um ihn herum könnten die jüngeren Bandmitglieder gewesen sein (ich muss mir die einfach mal hergoogeln und dann gucken, kam nur noch nicht dazu), aber mein Mann fand, dass es was von spätnachmittäglicher Pressekonferenz hatte, was strukturell (es war ein Kommen und ein Gehen am Tisch) schon gepasst hätte. Wie dem auch sei: es war einfach eine total nette Begegnung, die mich sehr beseelt in die Sommernacht entlassen hat.
        Du kannst den Post gern im BAP-Forum verlinken, kein Problem!
        Liebe Grüße aus München
        Natascha

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      • Hallo Natascha,

        ich schmunzel gerade, denn ich war mit meiner besten Freundin Natascha im Circus Krone bei BAP. Und ich freu mich, daß ich Dir da ein wenig Hintergrund-Info geben konnte. Danke für die ver-Link-Erlaubnis, ist erledigt ;o)
        Es kann natürlich auch noch ein Promotion-Termin gewesen sein, den er entspannt am Off-Tag erledigt hat, um am Konzert-Tag aktuelle Interviews in den Münchener Tageszeitungen zu haben. Das mit „beseelt“ klingt jedenfalls ganz nach Wolfgang, und ich find’s schön, eine solche Aussage mal von jemand zu lesen, der eben nicht seit den 80ern am „Fliegenfänger“ hängt und durch die Fan-Brille kuckt …

        Liebe Grüße aus der Ortenau,
        Spike
        p.s.: Irgendwie kann ich nicht auf Deine letzte Antwort antworten – hoffe das ist jetzt nicht zu unübersichtlich … aber vielleicht kannste das ja hinbiegen und dann das p.s. löschen … ;o)

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  6. Tolle Episode. Ich war Bap-Fan. In den 80ern. „Hey du da“ traf den Nagel auf den Kopf über die DDR 1984 und kostete der Band ne geplatzte DDR-Tournee, weil sie sich nicht zensieren lassen wolllten. Irgendwann in den 90ern wurde er mir zu penetrant. Seine Dylan-Cover-Platte übertraf nicht die „Wie im Schlaf“ vom Ambros. Österreichisch scheint mir besser zu passen.

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