Leipzig (1): Drinking warm beer in the soft summer rain.

Eigentlich müsste es heißen „barefoot girl sitting on the hood of a Dodge drinking warm beer in the soft summer rain“, aber wir waren nunmal nicht barfuß und hockten auch nicht auf einem Dodge rum.

Aber der Rest stimmt so – und nach 21 Stunden mit S. musste dieser Beitrag einfach mit einer Songzeile von Springsteen beginnen. Noch dazu mit einer, in der es regnet und aus der man zugleich spürt, wie unerheblich so ein Regen doch sein kann, wenn man in der richtigen Gesellschaft und am richtigen Ort ist.

Es war wirklich ein kleines, feines Open-Air.

In der „Parkbühne“ standen wir mit Bier und bester Sicht (schätzungsweise Reihe 13) umeinander. Kein Show-Schnickschnack, der abgelenkt hätte, kein Gedränge und Geschubse, das den Musikgenuss gestört hätte.

Im Gegenteil. Als der Sommerregen begann, flohen ein paar Sensibelchen aus den vordersten Reihen an den überdachten Rand der Arena, so dass wir ganz locker noch ein gutes Stück weiter vorsprinten und dort am Wet-T-Shirt-Contest in front of Mr. Sutherland teilnehmen konnten.

Da S. mir freundlicherweise kurz vor Konzertbeginn noch erzählt hatte, dass sich bei Kiefer-Sutherland-Konzerten auffällig viele Ü40-Frauen aufführen würden wie die Teenager, nahm ich das als Freibrief und tat mir von Anfang an keinerlei Zwang an.

Nach anderthalb Stunden hemmungslosem Mitsingen und -tanzen schwappten wir triefnass, aber glücklich zum Ausgang, holten uns noch einen Absacker und da eh schon alles wurscht war (die Welt so rund, die Seele so weit, das Herz so erfüllt von Musik!) nahm ich sogar eine der halbfeuchten Gauloises von S. – noch nicht ahnend, wie schicksalhaft diese erste Zigarette seit ewigen Zeiten sein würde.

Denn hätten wir nicht so gemütlich vor uns hingequalmt und herumgestanden, hätten wir vermutlich längst das Areal der Parkbühne verlassen gehabt. Was fatal gewesen wäre, weil wir dann nicht mehr mitbekommen hätten, dass an einem Hinterausgang des Geländes eine Handvoll Fans eisern an einem Tor ausharrten und als wir gucken gingen, was es da wohl zu gucken gäbe, kam auch schon der Kiefer zum Tor geschlendert, verteilte großzügig Autogramme und ließ sich cheek to cheek mit seinen Fans ablichten.

Klein isser, dafür umso großflächiger tätowiert. Und ein bisserl fertig und versoffen schaut er aus und gar nicht so muskelbepackt wie zu 24-Zeiten. Trotzdem immer toll, wenn man als Teenager mal so nah rankommt an seinen Star.

Ganz beseelt ins Hotelzimmer zurück, dort sofort raus aus den nassen Klamotten und rein in die skurrile Badewanne…

…in der auch zwei Platz gehabt hätten (und so ein kleiner Kanadier erst recht).

Nach dem Bade war’s nur noch ein Hupf rüber ins Bett und keine 5 Minuten später sind die Lichter ausgegangen (nicht nur die grünen).

Denn man ist halt doch kein Teenager mehr, sondern nach so einem Tag echt platt und richtig froh, wenn man in Morpheus‘ Armen ruhen kann.

Lesen Sie morgen dann „Leipzig (2)“, wo es weniger Kiefern, dafür umso mehr Brucen wird (schließlich war ich ja mit der Sori dort, und es war Sonntag, bekanntlich der Tag des Herrn 😉) oder – wenn Ihnen das Thema auf den Senkel geht oder Sie einer gänzlich anderen Glaubensgemeinschaft angehören – warten Sie einfach ein paar Tage ab, dann gibt’s hier wieder den gewohnten Hunde- und Handwerker-Content.

Herzlich grüßt –
Die Kraulquappe.

14 Gedanken zu „Leipzig (1): Drinking warm beer in the soft summer rain.

  1. Ich glaub, mein Kommentar ist irgendwie verloren gegangen…🤔
    Ich habe heute zum Töppern den Kiefer und seine rauchige Stimme höchstselbst gehört. Dabei ist mir einiges gelungen. 😃 Er erinnert mich ein bisschen an Glen Hansard.
    Welches Hotel in Leipzig ist das (um Himmels Willen) eigentlich?
    Schöne Sonntagabendgrüße zu Dir, sicherlich wieder zu Hause. Birgit

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    • Na das freut mich aber, dass du den Kiefer gleich als Inspiration einsetzen konntest! Und: ja, der hat durchaus was von Glen Hansard (der, was hier erwähnt werden MUSS, mal ein sensationelles „Drive all night“ mit Mr. Springsteen himself zum Besten gegeben hat 🙂 ).
      Das Hotel war eine Notlösung: wegen der Bach-Tage war Leipzig nahezu ausgebucht, und das war das einzige noch halbwegs bezahlbare Hotel in Bahnhofs- und Parknähe. Ziemlich stylish (und spooky grün eben), aber sauber und eine Spitzen-Matratze (schön fest). Travel24Hotel hieß es.
      Dass ich die Wanne nutzen würde, hätte ich nachmittags, bei Sonne und 31 Grad draußen, nicht für möglich gehalten, aber nachts und nach dem Regenguss hat’s dann echt gut gepasst.
      Liebe Grüße zurück, wieder back in Munich bei Mann und Hund. Natascha

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      • Spooky auf jeden Fall…!
        Ich bin oft und gern in einer der beiden Motelone (wenn ich nicht in der WG meines Sohnes unterkomme), aber ich glaub gern, dass wegen der Bachtage alles voll und überteuert ist.
        Bei der heutigen Kiefer-Gelegenheit hab ich gleich zusätzlich auch den Glen mal wieder gehört… war wieder sehr schön…
        Ich muss zugeben, kein riesengroßer Bruce-Fan zu sein, obgleich ich 1988 bei seinem größten (und längsten?) Konzert zugegen war (vermutlich warst Du da noch zu jung)… aber ein paar Songs mag ich schon immer noch…
        Eine schöne Woche Dir, liebe Grüße, Birgit

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      • Liebe Birgit,
        ich, 1988, zu jung?!? Da war ich knackige 16 und hatte mein erstes Bruce-Konzert bereits seit 3 Jahren hinter mir 🙂
        Aber in der Tat war ich bei dem legendären Konzert in Ost-Berlin nicht dabei und auch bei seinem längsten Konzert (Helsinki, 31. Juli 2012) nicht 😦
        Man kann brucemäßig einfach nicht alles haben (leider).
        Dir auch einen schönen Start in die neue Woche,
        Natascha

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      • Kurz vor dem 46. hört man das natürlich gern (möchtest du deine Schätzung nicht noch präzisieren 😁?).
        Beim ersten Konzert war ich sogar noch 12 – und es war Liebe auf den ersten Blick.
        (Jetzt aber fix den Dackel unter den Arm geklemmt und heimgeflitzt, im Süden wird’s zappenduster…)

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  2. Pingback: Leipzig (2): You sit and wonder just who’s gonna stop the rain. | Kraulquappe

  3. Pingback: 09.06.2018 – Kiefer Sutherland in Leipzig oder Driving into Leipzig City, me and N. on the Ninth of June – sori1982

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