La cage aux Folien.

7 Uhr morgens. Der Handwerkertag beginnt.

Frühstück, Morgengassi, Zähneputzen, Arbeitsklamotten anziehen, Lagebesprechung und los geht’s.
Durch den Folienvorhang fällt gelegentlich ein Sonnenstrahl in die Wohnung…

…Zimmer für Zimmer werden die Türrahmen abgeschliffen und lackiert, es staubt und stinkt, täglich entsorgen wir zwei Mülltüten und einen Berg an Folien.

Während Wiktor werkelt, flüchte ich gelegentlich mit dem Dackelfräulein nach draußen – gottseidank muss der Hund ja bewegt werden! – …

…oder unternehme Fahrten in den nahegelegenen Baumarkt, wo ich ganz nebenbei die Entdeckung meines Handwerkerbetreuerinnenlebens mache:

Wenn man seine Wunschfarbe gefunden hat, zeigt man dem bärtigen Mitarbeiter aus der Abteilung „Farben & Lacke“ ein Kärtchen mit dem Skandinavisch-Rauchgraublau drauf und der bärtige Mitarbeiter lässt – ja, was es nicht alles gibt! – eine EDV-gesteuerte Maschine eben jene Farbe anmischen…

…danach kommt der zusammengemixte Eimer noch in den Rüttler, wo die Farbe „streichbereit“ verrührt wird. Super Sache und das alles in 5 Minuten! Anschließend wird einem der Farbkübel in den Einkaufswagen gestellt, man karrt alles nachhause, stellt Wiktor den 5-Liter-Pott hin und sagt: „Guckstdu – hier neue Arbeit für morgen!“.

Ich werde beim Abkleben und Streichen mithelfen, damit wir eine Chance haben, an einem Tag damit fertig zu werden (Diele rauchgraublau, Flur weiß). Nicht etwa, weil Wiktor langsam wäre, nein, nein, er ist ein Bollwerk an Fleiß und Ausdauer, sondern weil wir mal wieder durch etliche unvorhersehbare Aktionen aufgehalten wurden und ich damit rechne, dass uns noch ein paar weitere Überraschungen bevorstehen, für die ich nun vorsorglich einen zeitlichen Puffer eingeplant habe.

Da will man zum Beispiel eine Glühbirne in der Dielen-Lampe wechseln, damit der Handwerker besseres Lackier-Licht hat, dabei verbiegt es aber die Kontakte in der Lampenfassung, was nach sich zieht, dass Wiktor sogleich die Lackierrolle aus der Hand legt, auf eine Leiter steigt, die Lampe abmontiert und nachsieht, ob sich die Fassung wieder geradebiegen lässt, was leider nicht der Fall ist, so dass ich ins Auto steige und losfahre und eine neue Lampe besorge (die alte war eh zu klein für den Raum), die ich zwar 52 Minuten später in einem großen Karton in die dunkle Diele wuchte, aber beim Öffnen des Kartons bemerken wir, dass wir das neue Teil erstmal zusammenbauen müssen, was ziemlich saublöd ist, wenn es zum Zeitpunkt der Kartonöffnung schon 16:45 Uhr ist und zwei Mägen leer sind und die Cannelloni erst noch gefüllt werden müssen, damit man gegen 18 Uhr endlich mal was zwischen die Kiemen bekommt. Also verschieben wir diese Montagearbeit auf später und Wiktor lackiert weiter und ich stopfe die Spinat-Ricotta-Füllung in die Cannelloni, schiebe das Ganze in den Ofen, stelle den Küchenwecker auf 45 Minuten und verlasse dann mit einem großen Schritt die Küche Richtung Flur, weil ich nämlich auf keinen Fall auf die Türschwelle treten darf, deren Fuge zum Fliesenboden hin heute leider noch nicht wie geplant silikoniert werden konnte, weil Wiktor feststellte, dass der Untergrund der Türschwelle so wacklig ist, dass die neue Silikonfuge in Kürze einreißen würde, weil sie aufgrund der Wackligkeit nicht dort bliebe, wo sie hinverfugt werden würde, weshalb Wiktor am Nachmittag Löcher in den Untergrund der Schwelle bohrte und alle Hohlräume mit Montagekleber ausspritzte, den ich heute Vormittag so eigenständig wie unvorhergesehen im Baumarkt besorgen durfte.

Äh, wo waren wir stehengeblieben? Was hatten wir eigentlich vor?
Richtig: der letzte der 11 Türrahmen sollte heute noch fertig lackiert werden.

Danach wollten wir noch die Lampe zusammenbasteln und aufhängen, damit nachts keiner im Flur über die Lackwanne und den Farbeimer stolpert. Selbstverständlich bemerkten wir dabei, dass die neue Lampe an einzelnen Lamellen beschädigt war, weshalb wir sie wieder verpacken und in den Karton zurückstecken mussten, damit ich das Ding wieder umtauschen kann. Bzw. zurückgeben, denn zwischenzeitlich ist beim Rumwurschteln, Drüberreden und -nachdenken eine neue Lampenidee gereift, die Wiktor und ich sogleich mit dem Gatten besprechen, der vom fernen Frankfurt aus seine Zustimmung zur Plan- und Designänderung (und der nicht unerheblichen Investition) geben muss und auch gibt.

So vergehen die Stunden und Tage und abends kippen wir hier völlig fertig in die Betten, bis das Dackelfräulein mich um 6:50 Uhr weckt, weil es sich natürlich längst gemerkt hat, dass es um Punkt 7 Uhr nach nebenan flitzen darf, um dort Wiktor aus dem Schlaf zu reißen.
Und täglich grüßt das Murmeltier der Dackelbleschl.

Heut wird also gestrichen!

Es geht sehr gut voran hier, aber eines sag‘ ich Ihnen:
Für die nächsten Jahre will ich die Worte „Umzug“ und „Renovierung“ nicht mehr hören.

22 Gedanken zu „La cage aux Folien.

  1. Ich wollte auch schon den mahnenden Zeigefinger heben, von wegen Point Blank 2012.
    Aber Sori hat dich da ja schon korrigiert. Genau, das war 2009, und sogar das von Sori erwähnte „Jungleland“ wurde ebenfalls an jenem Abend zelebriert (damals noch von unserem geliebten Big Man)
    Wobei Holzfällerhemden-Bruce ja sowohl 2009 als auch 2012 eigentlich nicht mehr auf der Bühne zu sehen war, sondern Patti ihn mit unifarbenen Hemden, Krawatte und Chiliweste einkleidete.
    Aber ich wollte doch eigentlich was ganz anderes loswerden – nämlich eine Frage zu Wiktor. Durchaus möglich, dass auch hier bei mir demnächst Umzugs/Renovierarbeiten anstehen.
    Also meine Frage lautet: würde ein werkelnder Wiktor auch in die Pfalz pendeln?
    Wecken würde den werkelnden Wiktor ein Wecker.
    Hab nämlich keinen Hund, der das übernehmen könnte, dafür aber ein Gästezimmer samt erprobtem Gästebett.

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    • Da ich Wiktor vorerst noch weiterbeschäftigen werde und danach nahtlos die Wiktor-Management GmbH gründen und leiten werde, kämen Einsätze in der Pfalz erst nach der Schneeschmelze 2019 in Frage. Für dich hätte das aber konkret den Vorteil, dass du dir bis dahin einen Weckhund zulegen könntest, der Wiktor dann (so wie er das gewöhnt ist) zum Start in sein herausforderndes Tagwerk wachschleckt. Wir wollen den Zauber des wiktorianischen Zeitalters nicht durch unnötiges technisches Gerät stören!

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  2. Oh Natascha, ich weiß, wovon Du schreibst… wir hatten in diesem Jahr zu Ostern unser dreiwöchiges wiktorianisches Zeitalter (an dieser Stelle sei auch von mir erwähnt, wie wunderbar ich dieses Wortspiel finde, die kleine versehentliche Verschreibung von Bobby Jean ist das Sahnehäubchen). Wir waren allerdings selbst zwei Wiktoren, die sich mit den Baumarktkärtchen wunderbar auskennen.
    Mich freut, dass Du sogar über die Leitung der WM-Gmbh nachdenkst. Das klingt nach Zukunft, nach Motivation, nach Zufriedenheit…. solltet Ihr einen Homeoffice-Controller benötigen, schicke ich gern meine Bewerbungsunterlagen.

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  3. Da kann man nur viel Glück beim Umbau wünschen! Wir hatten vor ein paar Jahren auch selbst renoviert. Ich hörte dabei oft Radio, am liebsten Populärwissenschaftliches, über seltsame Meeresfische, über Echsen, über die neusten Versuche auf dem Gebiet der Kernfusion. Manchmal hatte ich auch eine CD in den Player geschoben – dann waren John Coltrane oder Lou Reed aus den Lautsprechern gekommen.

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  4. Pingback: Ein Gefühl von „Finale“ oder: Klappe, die letzte. | Kraulquappe

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