Mein erstes Mal oder: Der Shitstorm.

Braver Dackel? Unerzogene Bestie? Streuner auf Hetzjagd? In den falschen Händen? Oder in gar keinen, da ja sichtbar ohne Leine unterwegs?

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Vor ein paar Tagen war ich mitten in der Stadt in dichtem Schneetreiben mit dem Dackelfräulein spazieren.
Die Isarauen waren bis auf etliche Hundebesitzer und ein paar hartnäckige Jogger wie leergefegt. Ich entdecke unter einer Isarbrücke ein neues Graffiti, zu dem mir sofort ein Song einfällt: Three little birds. Wenig später entdeckt das munter durch den Schnee sausende Dackelfräulein ein Brotstück, für das sich zeitgleich auch eine Krähe interessiert. Ich schieße ein Foto. Die Krähe ist schneller. Dann fällt ihr das Brotstück aus dem Schnabel und Pippa will es sich schnappen. Wieder hüpft die Krähe zu ihr. Ich schieße wieder ein Foto. So geht das kurz hin und her. Als die Krähe heftig kräht, guckt mein Hund sie an und geht einen Schritt auf sie zu. Die Krähe setzt zum Wegfliegen an, das Dackelfräulein läuft ihr drei Meter hinterher. Ich schieße ein drittes Foto. Pippa dreht wieder um und will zu dem Brotstück zurück, das sie bedeutend mehr interessiert als jede Krähe. Derweil landet die Krähe wieder und linst zu ihr hinüber. Ich untersage dem Fräulein, das Brotstück zu fressen. Wir gehen weiter.

Später sitze ich im Café und stelle ich vier Fotos in meinen Blog: das Graffiti von den drei Vögeln sowie die drei Fotos vom Dackelfräulein und der Krähe. Dazu den Song, der mir ohrwurmartig während des Spaziergangs durch den Kopf ging.

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Zwei Tage später pöbelt mich ein Blogger an (nachzulesen in den Kommentaren zu diesem Beitrag): In der Momentaufnahme von Pippa und der auffliegenden Krähe sieht er einen Hund, der in einem Naturschutzgebiet auf der Hetzjagd war und dessen Besitzerin das als lustiges Spiel betrachtet und die ihrem Hund jederzeit gestatten würde, Wildtiere aufzuscheuchen, weil ihr nämlich Tier- und Naturschutz schnuppe sind.
Zugleich ist dieser Blogger sogar in der Lage, aus Fotos ein Bellen herauszuhören – manche Menschen haben erstaunliche Gaben!

Er fragt nun nicht etwa nach, wie die Situation eigentlich war: Befand sich der Hund in einem Gebiet, in dem Freilauf gestattet ist? Handelte es sich um ein Naturschutzgebiet? Ist der Hund überhaupt einer, der jagt? Hat die Besitzerin ihren Hund gut erzogen, so dass er abrufbar ist? Kam durch diesen Hund schon jemals irgendein Tierchen oder Menschlein zu Schaden?
Nein, er fragt gar nichts, sondern er weiß durch das bloße Betrachten eines einzigen Fotos Bescheid, was hier Sache war, und er weiß noch viel besser, wie die Sache zu bewerten ist und fällt deshalb sogleich sein Urteil: Es handelt sich um ein grobes Fehlverhalten eines „Dümmlings“ (=Hundebesitzer).

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Obwohl der Kommentar sprachlich wie inhaltlich ziemlich ungehobelt daherkommt, schalte ich ihn dennoch frei und nehme ausführlich Stellung zu dem Anwurf.
Erkläre dem Pöbler die konkrete Situation, stelle klar, wie wir unseren Hund erzogen haben, erläutere, dass sie keinen Wildtieren oder Vögeln hinterherjagt und wir sie auch niemals dazu animieren würden. Wir achten die Natur, wir lieben nicht nur unseren Hund, sondern alle Tiere, verhalten uns daher draußen angemessen achtsam und vorsichtig, in Naturschutzgebieten halten wir uns an die Regeln und meiden sie – unterwegs mit Hund – am besten ganz.

Das alles interessiert diesen Blogger aber gar nicht, er geht deshalb auch mit keiner Silbe darauf ein, sondern haut den nächsten pauschalen und oberlehrerhaften Kommentar raus, schert weiterhin alle Hunde und Hundebesitzer über einen Kamm, fordert eine grundsätzliche Anleinpflicht für alle Hunde (und zwar überall) und bezichtigt mich der Uneinsichtigkeit, Unbelehrbarkeit und Blödheit.

Ich beende die Diskussion, da man mit Rechthabern und Prinzipienreitern ja nicht diskutieren kann. Wenn man schon zu Beginn der Debatte spürt, dass einer eh nur seine eigene Sicht loswerden will, keinen Dialog führen kann, nicht genauer hinzusehen, zuzuhören oder zu differenzieren bereit ist und auch nur in einer Dimension denken kann, ist der Weg zum Fundamentalismus nicht mehr weit.

Am nächsten Morgen poltert der allwissende Leinenzwang-Vertreter in seinem Blog nochmal ordentlich los, verdreht die Situation erneut und stellt die Sache wieder so dar, als hätten wir im Naturschutzgebiet mutwillig Jagd auf Vögel gemacht und würden das auch grundsätzlich tun, weil wir depperte Rüpel sind. Hundehalter eben. Die sind nämlich größtenteils unfähige, uneinsichtige Idioten, im Grunde gehören die ebenso an die kurze Leine wie alle Hunde.
So dargestellt bekommt er natürlich eine Menge Zuspruch statt einen Maulkorb, der einer solchen Verleumdung angemessener wäre.

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Einer der großen Vorzüge Münchens ist, dass die Stadt ihren Zamperln in sehr vielen Gebieten Freilauf zugesteht und man kann nur hoffen, dass das so bleibt und einem nicht ein paar Deppen, die ja unter Hundebesitzern nicht mehr oder weniger vertreten sind als in allen anderen Personengruppen auch, diese Freiheit eines Tages beschneiden.
Nach meiner nunmehr siebenjährigen Erfahrung funktioniert dieses „Leben und leben lassen“-Prinzip hier auch relativ gut.
Die Idee, einen Hundeführerschein verpflichtend einzuführen, finde ich dennoch hervorragend.
Je besser der einzelne Mensch Hund erzogen und artgerecht ausgelastet ist und sozialisiert wird, desto weniger Konfliktpotential gibt es unter Hunden, die draußen aufeinandertreffen – dasselbe gilt für Begegnungen zwischen Nicht-Hundehaltern und Hunden.
Je mehr der einzelne Hundehalter über die rassespezifischen Bedürfnisse und Veranlagungen seines Hundes weiß und damit umzugehen lernt, desto besser für Mensch und Tier. Generell würde mehr Wissen – und wo dies noch fehlt: ein aufklärender Dialog, der respektvoll geführt wird – allen Beteiligten nicht schaden.

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Der Hund ist ein Bewegungstier.
Allen Hunden pauschal den Freilauf zu verbieten, sie immer und überall an der (kurzen) Leine zu führen, widerspricht einem der Grundbedürfnisse, die ein Hund hat. Wer seinem Hund nicht genug Bewegung ermöglichen kann, wer nicht die Zeit, Mühe und Geduld aufbringen möchte oder kann, um mit seinem Hund in Gebieten, in denen das erlaubt ist, einen verantwortungsvollen Freilauf zu praktizieren oder zu trainieren, der sollte sich vielleicht besser gar keinen Hund zulegen.
Die großen Jagdhunde (besonders modern hier in der Stadt: der Weimaraner), die von manchen Menschen wie edle Statussymbole an schicke Kinderwägen angebunden täglich nur eine Runde durch den Englischen Garten geschleift werden, sind ebenso zu bedauern wie die sogenannten „Handtaschenhunde“, die oft nur deshalb zu ängstlichen Kläffern werden, weil sie mehr in der Handtasche oder auf dem Schoß sitzen müssen als sich bewegen und mit Artgenossen oder ihren Menschen toben zu dürfen.

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Probleme kann es im öffentlichen Raum immer dort geben, wo einem Rücksichtslosigkeit, Aggression, Gewalt, Ignoranz oder Dummheit über den Weg laufen. Und das ist ja beileibe nicht nur auf Gassirouten begrenzt, sondern kann einem überall begegnen.

Wenn mich 1x nachts ein Mann auf der Straße angegriffen hat, kann ich das als schrecklichen Einzelfall betrachten oder unreflektiert und pauschal auf alle Männer übertragen und sie fortan als potentielle Täter betrachten.
Wenn ich 1x mitten auf dem Gehweg in einen Hundehaufen getreten bin, kann ich das als sehr ärgerlichen Einzelfall betrachten oder ab sofort allen Hundebesitzern unterstellen, dass sie die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner rücksichtslos liegen lassen.

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Mein erster kleiner Shitstorm…
Wie sich das anfühlt? Nicht gut!

Weil es sich nie gut anfühlt, es mit Menschen zu tun zu bekommen, die so schnell und unhinterfragt urteilen, zudem noch pauschale und harte Urteile fällen, andere auf Basis ihrer nicht überprüften Unterstellungen verurteilen und die sofort „wissen“, wie etwas gewesen ist, obwohl sie selbst nicht mal dabei waren.

„Ich wollte dir nicht zu nahe treten“, schrieb mir jener Blogger.
– „Nein, zu nahe getreten trifft es auch nicht. Sondern plump und blindlings drübergetrampelt.“

Wie schön, dass es in der Blogosphäre mit nur einem einzigen Klick möglich ist, jemandem nachhaltig aus dem Weg zu gehen.

Von einem sonnigen Spaziergang an der südlichen Isar grüßt Euch (mit wohlerzogenem, frei laufendem und vergnügten Dackelfräulein an meiner Seite) –
Die Kraulquappe.

30 Gedanken zu „Mein erstes Mal oder: Der Shitstorm.

  1. Ich kenne diese Situationen (als Hundehalter) auch. Auch ich leine meinen Hund (Bordercollie-Mix) wann immer es geht, nicht an. Wir beide sind ein Team, er weiß worum es geht, er versteht, was er „darf“ und was nicht. Auch ich werde dabei hier und da (niemals aber über meinen Blog) „angegiftet“: Meist von Menschen, denen die Liebe zu einem Hund (und vermutlich zu jedem Tier) einfach abgeht. Mich ärgert dabei (wie dich) vor allem der Ton und die pauschale Dämonisierung von etwas, was nicht im Ansatz verstanden wird. Offensichtlich aber leben wir in Zeiten, in denen schnelle pauschale Urteile einfach angesagt sind.
    Du hast Recht: Klicke es weg!
    Ich wünsche dir viele „leinenlose“ Wege!
    Liebe Grüße,
    Werner

    Gefällt 4 Personen

    • Genau: der Ton und die pauschale Dämonisierung (toll ausgedrückt!) ärgern mich und genau dagegen verwehre ich mich auch.
      Danke für deinen Kommentar und auch dir weiterhin viele leinenlose Wege mit deinem Hund und möglichst wenig Pöbler unterwegs!
      Liebe Grüße von Natascha

      Gefällt 1 Person

    • Das handhabe ich sonst auch so, in dem Fall dachte ich, die Fehlinterpretation eines Fotos sei flugs erklärt.
      Lustig, dass du die Wohnung ansprichst… Für die mutmaßliche Ordnung (!) in meiner Wohnung bin ich auch schon mal per Blogkommentar blöd angemacht worden, das hab ich damals gleich (ordentlich wie ich bin) entsorgt 🙂

      Gefällt 3 Personen

  2. Ich habe sowohl die Beiträge von Frau Kraulquappe als auch die des Herrn J. in ihren jeweiligen Blogs verfolgt und die Kommentare gelesen.
    Mit Hunden ist es eigentlich wie mit Menschen – mit manchen machst Du gute Erfahrungen, mit anderen viel weniger. Im Vorschulalter wurde ich beinahe von einem Golden Retriever gebissen, weil ich ihn unbeabsichtigt provoziert hatte. (Es wurde daraus nur ein tiefblauer Fleck an meiner Wange.) Hat mich aber nicht dazu geführt, von diesem Tag an alle Hunde zu hassen.
    Wo ich arbeite, ist auch ein Hund im Haus. Eine nicht angeleinte englische Bulldogge und ich brauche mir keinen Kopf zu machen, das Büro von Frauerl zu betreten. Weil erzogen. Und Frauerl sagt selbst, sie hätte sich ihre vierbeinige Gefährtin nicht geholt, wenn sie nicht die Möglichkeit hätte, mit ihr viel Zeit verbringen zu können.
    Dagegen bin ich für jeden weiteren Tag ohne einen Zwischenfall dankbar, wenn ich meine Wohnung betrete oder verlasse. In der Nachbarwohnung sind zwei Hunde, die ich am liebsten *** könnte. Ihr Frauerl zeigt sich total uneinsichtig und es kommt, wenn überhaupt, ein lapidares „Entschuldigung“ von ihr heraus.
    Pippa durfte ich kennenlernen. Sie gehört zu den wohlerzogensten Hunden, die mir bisher begegnet sind. Großen Anteil daran hat ihr Frauerl.
    Und die Geschichte mit dem Leinenpflicht oder -zwang: Vereinfacht gedacht, gehören dann ziemlich viele Menschen angeleint.
    Das ist leider das Gefährliche im WWW und in den sogenannten „sozialen Medien“: Aus einer Entfernung (Vor)urteile abzugeben, ohne sich mit dem Hintergrund beschäftigen (zu wollen).
    Liebe Grüße aus der Hundestadt Wien,
    Sori

    Gefällt 4 Personen

    • Danke, Sori. Dein Kommentar zeigt sehr schön, dass es immer der Einzelfallbetrachtung bedarf: es gibt solche und solche.
      Und wie du richtig sagst: eine Leinen- oder eine Maulkorbpflicht wäre auch für manche Zweibeiner nicht das Verkehrteste.
      (Apropos Maulkorb: heißt es bei euch nicht „Beißkorb“? Der Wiener wählt ja öfter mal die deftigere Formulierung. 🙂
      Liebe Grüße zurück!

      Gefällt 2 Personen

  3. Ich folge Euren beiden Blogs und bin ziemlich entsetzt, welche Eigendynamik sich seit heute vor allem auf dem Kommentarstrang der ‚anderen Seite‘ entwickelt hat. Ich empfinde es als überwiegend schwarz-weiß und undifferenziert, bin gleichzeitig erschreckt, wieviel Menschen ‚aufspringen‘, ohne die ganz spezifische Situation beurteilen zu können. So etwas habe ich allerdings auch schon in den Kommentaren anderer Blogs gesehen. Möglicherweise schalten daher einige die Kommentarfunktion ganz aus, was ziemlich schade (aber vor solchem Hintergrund verständlich) ist. Liebe Grüße, Birgit

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Birgit,
      das mit dem Leinenzwang ist schon lange ein Thema, das die Gemüter schnell erhitzt oder zum Überkochen bringt. Da hörst du dann sofort all die Stimmen, die losschreien, wie oft sie schon im Wald von drei Hunden auf einmal attackiert wurden und dass die Hundehalter dann grundsätzlich antworten „Die wollen nur spielen!“.
      Natürlich geht sowas gar nicht! Der Halter ist dafür zuständig, dass sein Hund niemanden belästigt, anspringt oder gar angreift. Das kann man trainieren, Hunde sind sehr lernfähige Wesen – und bis der Hund das beherrscht, muss er in entsprechenden Situationen natürlich angeleint bleiben.
      Es gibt m.E. nach nur wenige Ausnahmen, für die ein Leinenzwang eine sinnvolle Lösung ist (Problemhunde gibt es, auch stark jagdlich orientierte, und um die muss man sich selbstverständlich besonders achtsam und konsequent kümmern). Aber pauschal zu behaupten, dass die meisten Hundebesitzer ihre Tiere machen lassen, was diese halt grad machen wollen, ist ebenso wenig zielführend, wie alle Hunde überall (also auch außerhalb von Naturschutzgebieten) anzuleinen.
      Ich habe gestern durchaus eine Weile überlegt, ob ich den Kommentar überhaupt freischalte, entschied mich dann aber, es zu tun, weil ich dachte, dem Verfasser die spezifische Situation erklären zu können und weil ich seinem Blog schon länger folge, der schönen Fotografien wegen. So ging ich davon aus, dass seine spontane Fehleinschätzung bei der Betrachtung meines Fotos mühelos geklärt werden könnte. Und obwohl ich entsetzt bin, wie er damit umging und das Beispiel später in seinem Blog aufgegriffen und so tendenziös und diffamierend präsentiert hat, würde ich mich wieder so entscheiden: Erstmal versuchen, ein Missverständnis mit demjenigen persönlich zu (er-)klären.
      In der Sache (Natur- und Artenschutz) sind wir ja auch auf einer Linie, was der Blogger aber nicht mal bemerkt hat, da er aufgrund eines Fotos und ohne Kenntnis der Details und auch nicht willens, mal nachzufragen oder zuzuhören, mich lieber pauschal verurteilen wollte. Und vom Diskussionsstil her liegen wir eben auch nicht auf einer Linie, so dass der Versuch, sich zu verständigen, wohl nur scheitern konnte.
      Ich lese die Kommentare dort nicht mehr, da ich ähnliche Schimpftiraden schon von anderen Foren kenne, das wiederholt sich dann bzw. wird oft auch aggressiver (schon sprachlich: ein Kampfjargon sondergleichen) und einseitiger, weil sich die meisten ja nur gegenseitig bestärken und anfeuern.
      Liebe Grüße,
      Natascha

      Gefällt 3 Personen

  4. Hut ab, liebe Natascha, für diesen Artikel. Mir hat es regelrecht den Bauch zusammengeschnürt, als ich gerade noch den zweiten (Hass-) Artikel von besagtem Blogger gelesen habe. Toll, dass du die Kraft zusammengesammelt hast, diese ganze Geschichte in diesem Artikel noch mal darzustellen. Man erlebt es ja immer wieder, dass Einzelne oder Angehöriger bestimmter Gruppen als Sündenböcke herhalten müssen, um die eigene Meinung zu bekräftigen und zu rechtfertigen. Das nun bei dir miterleben zu müssen und zu wissen, dass du so gar nichts mit dem Bild zu tun hast, das derjenige über dich (die „Dame“) zeichnet, tut wirklich weh. Dieser Vorfall sollte einen noch sensibler machen, immer genau hinzuhören, nie aufzuhören zu fragen und den Geist stets offen und beweglich zu halten für die Vielseitigkeit dieser Welt. Ganz liebe Grüße und ich habe bei WordPress auch gerade „Klick“ gemacht 😉 Andrea

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    • Auch mir wurde übel von dem Hauch an Fundamentalismus, der mich da anwehte, und tatsächlich wollte ich im ersten Moment einfach nur wegklicken und mich nicht weiter mit dieser dreisten Verleumdung befassen.
      Als Pippa heute Mittag so beschwingt mit zwei anderen Hunden durch den Schnee flitzte und spielte und ich währenddessen mit den anderen Hundehaltern darüber ins Gespräch kam, wie schön es ist, dass das hier an vielen Stellen möglich ist, den Hunden dieses Austoben mit Artgenossen zu gönnen, da wusste ich plötzlich, dass ich diesen Artikel schreiben werde. Jedes Käseblatt druckt schließlich Gegendarstellungen, warum nicht also auch der Kraulquappen-Blog. Die Leserschaft (die sich allerdings kaum überschneidet) kann sich ja so am besten ihre eigene Meinung bilden. Sollte ich dadurch 5 Follower verlieren, juckt mich das wenig, im Gegenteil.
      Danke für deine Worte und ich kann mir gut vorstellen, dass auch dir so eine pauschale Verurteilung an die Nieren geht: Du, die du sogar ein Anti-Jagd-Traininig mit deinem Hund absolviert hast und immer und überall darauf achtest, dass der große Braune sich vorschriftsmäßig verhält. Nur gut, dass unsere Hunde bei den allermeisten Menschen sehr beliebt sind – und um die anderen machen wir besser einen Bogen.

      Gefällt 4 Personen

  5. Liebe Natascha,

    ich habe nun schon drei Entwürfe einer Antwort auf den letzten Kommentar von Linsenfutter wieder verworfen in der Einsicht, daß eine Diskussion mit ihm nicht möglich ist. Aus meiner Sicht mißt er mit zweierlei Maß, was den Schutz der Tiere betrifft, denn zum einen sollte eine Krähe gewohnt sein, um ihr Futter mit einem Konkurrenten zu streiten, und muß daher nicht vor dieser Situation geschützt werden – zum anderen jedoch hat er kein Problem damit, den natürlichen Bewegungsdrang eines Hundes ohne akute Notwendigkeit generell per Leinenzwang zu beschränken. Hat der Hund keinen Anspruch auf artgerechte Haltung?
    Tier- und Naturschutz heißt für mich, nur da natürliches Verhalten einzuschränken, wo es wirklich nötig und angebracht ist um drohenden Schaden zu verhindern. Verantwortlicher Umgang mit Tieren sollte selbstverständlich sein, unverantwortliches Handeln gehört entsprechend angemahnt und im Zweifel bestraft.

    Und zum Thema Vorbildfunktion: Ist ein gut erzogener Hund, der auf Kommando sofort eine Verfolgung abbricht und zu Frauchen / Herrchen kommt, nicht ein weit besseres Vorbild, als es jeder brave Anleiner sein kann, dessen Hund ihn an gespannter Leine zum Geschwindschritt nötigt, oder der seinem kurzbeinigen Gefolge per Leine sein Tempo aufnötigt?
    „Warum darf der/die ohne Leine und meine(r) nicht?“ … „Weil er/sie gelernt hat, keinen Scheiß zu machen!“

    Was mir jedoch vor allem sauer aufstößt, ist daß der Herr Naturschützer in seinem Blogbeitrag „Uneinsichtig“ keinerlei Fakten zum konkreten Fall nennt, die den Kommentierenden ermöglichen, die „Schwere des Verstoßes“ selbst abzuwägen, nein, er pocht auf Prinzipien und bittet um Zustimmung, die ihm auch blind gewährt wird. Wieviele der Kommentierenden wissen, daß es sich nicht um auf Graugänse gehetzte Dobermann-Rüden, sondern um eine harmlose Begegnung einer kleinen Dackeldame mit einer selbstbewußten Krähe handelt?
    So wird die Dackel-Mücke zum Killer-Elefanten aufgeplustert … ein Schelm, wer böses dabei denkt … ;o)

    Insofern Respekt vor Deiner Einstellung, seine Kommentare und auch die Verlinkung zu seinem Blog hier stehen zu lassen, so daß jeder Leser sich seine Meinung selbst bilden kann. Ich bin in allen von Dir gebrachten Punkten Deiner Meinung, Deine Argumentation zeugt von Verantwortlichkeit, Achtsamkeit und von Tierliebe …

    Sauber argumentierte, wohlüberdachte und dabei herzliche Grüße!
    Spike

    Gefällt 7 Personen

      • Ja, die Kängurumama im Schneetreiben weiß aus Erfahrung, daß der Begriff Mücke hier dem Sachverhalt nicht wirklich gerecht wird …;o)

        Was mir noch ein- bzw. auffiel: Der Herr Naturschützer erwartet von Dir Einsicht für Prinzipien, die er nicht mit Argumenten untermauern mag (oder kann?). Einsicht erfordert jedoch zwingend, eine Argumentation nachzuvollziehen, und deren Richtigkeit zu erkennen. Er braucht sich also über Deine „Uneinsichtigkeit“ nicht wundern. Andererseits lieferst Du eine schlüssige Argumentation, die nachzuvollziehen – und im Zweifel zu widerlegen – er konsequent verweigert, ja er diffamiert sie ohne nähere Betrachtung als „Ausflüchte“. Auch hier wieder zweierlei Maß: Er erwartet von Dir, wozu er selbst nichtmal im Ansatz bereit ist …

        Tja, da steht nun also Dogma gegen „Dog-Ma“ … meine Wahl fällt nicht schwer ;o)

        Gefällt 3 Personen

      • Das fiel mir auch gleich auf: dass er so tat, als habe er irgendwas erklärt und die Dame hat’s aber nicht eingesehen.
        Dein Schlusssatz ist ja der Knüller und man möcht‘ sich fast in den Kängurupopo beißen, dass einem der nicht selbst einfiel!
        Darauf ein Prosit der Gemütlichkeit, friedlich mit dem blutrünstigen Jagdmonster unter einer Wolldecke kuschelnd!

        Gefällt 2 Personen

    • Lieber Spike,

      vor lauter Geblogge und Shitstormstress kam ich noch überhaupt nicht dazu, auf deine Neujahrswünsche zu reagieren und zwischenzeitlich sind wir ja eh schon mittendrin in den Niederungen des neujährlichen Alltags, so dass es vielleicht auch schon gar nicht mehr passt (falls doch: ich wünsch dir ein gutes neues Jahr, danke dir fürs Followen und Commenten!).
      Tja, leider geht es hier nicht nur um die ultimativ beste Zeile aus „Jungleland“, den herzzerreißendsten Dackelblick oder die adäquate Fellpflege von Goldfischen, sondern eben leider auch mal richtig ans Eingemachte. Ich freu mich über jeden Kommentar und jede Kritik, so lange deren Verfasser mir nicht pöbelnd, besserwisserisch und maßregelnd daherkommt. Je reflektierter, desto besser. Zu dem Thema gibt es wahrlich viele Erfahrungswerte und auch Einiges zu bedenken, zu respektieren und zu diskutieren. Auf das Wie kommt’s halt schon auch an.

      Ich hätte den heutigen Beitrag niemals verfasst, wenn auf dem Blog des Herrn Naturschützers nicht dieser unsägliche Artikel erschienen wäre, in dem die Fakten zu seinem „Erlebnis“ mit jener „Dame“ (huch? ich? Dame?), auf das/die er sich ja explizit bezieht, verdreht worden wären bzw. fehlen. Wenn man das einfach so liest und nichts Näheres zu dem „Vorfall“ weiß, sieht man – wie du es ja auch beschreibst – schnell den Dobermann-Rüden bei der Hatz auf 20 Graugänse, die grad friedlich in einem Naturschutzgebiet zwischen all dem Schnee ein Körnchen Nahrung zu finden versuchen und in aller Gemütsruhe die Wiesen vollkacken. Und schon stimmen alle blind in den wütenden Chor ein, fallen schnaubend über die bösen Hundehalter und ihre unangeleinten, ungezogenen Monster her und ermutigen den Master of Desaster, seine Hetzjagd auf dieses Pack auch ja so engagiert weiterzuführen: Kämpfen muss man, um dieses Heer an Trotteln zu bekehren, jawoll!

      Ich aber halte es wie du und sage: Freiheit und artgerechte Haltung für alle Tiere! Auch für Hunde! Und zwar mit Respekt, Verantwortung und Verstand!

      Herzliche Grüße,
      Natascha

      PS: Eines muss man ja schon sagen: Am Goldfisch würden sich derlei Diskussionen nicht entzünden.
      PPS: Hast du eigentlich auch ein Haustier?

      Gefällt 2 Personen

      • Stimmt … wo bleibt die flammende Rede zum Schutz der schuppigen Schwimmblasenträger bei meinem schaumschlägerischen Vorschlag, das Schuppenproblem per Shampoo zu lösen … ? ;o)

        Nein, ein Haustier hab ich nicht … wäre dem Tier auch nicht zumutbar – okay, von nem Goldfisch mal abgesehen – den ganzen Tag alleine zu bleiben, wenn ich auf Arbeit bin … oder mal schnell auf einem Vier-Tage Konzert-Trip um Bruce in M’Gladbach / München und 2 Tage später in Leipzig / Berlin zu erleben … hab allerdings seitens der Großeltern Dackel- bzw. Spitz-Hintergrund … der eine hieß Wastl, der andere Strolch …

        p.s.: Nix zu danken … ;o)

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  6. Also, ich bin ja voll und ganz deiner Meinung, eh klar, aber ein bisschen tendenziös ist dein Einstieg in den Beitrag ja schon. Da ich das Dackelfräulein ganz gut kenne, muss ich sagen, das Foto gibt leider nur eine, wenngleich besonders liebenswerte und zum Glück sehr regelmäßig gezeigte Seite von ihr wieder. Ganz so unschuldig, wie sie hier blickt (du könntest mal wieder auf die berühmte Dackelblickabhandlung verweisen!), ist sie nämlich nicht immer. Aber natürlich planetenweit von einem Hundemonster entfernt, das anderen Lebewesen auch nur ein einziges Härchen oder Federchen krümmt. (Gut, die Fliegenflügel klammern wir hier mal aus.) Chapeau für deinen hervorragenden, weil differenzierten, den richtigen Ton treffenden und eloquenten Beitrag!

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    • Du kannst froh sein, dass ich nicht ein noch tendenziöseres Foto verwendet habe, nämlich das mit dem Kleeblatt zwischen den Zähnen und dem zur Seite geneigten Köpfchen!
      Zu den Fliegen- und Mückenleichen stehe ich übrigens (und auch da sind wir ein super Team, das Dackelfräulein und ich, sie hört mittlerweile perfekt auf „Such die Fliege/Mücke“).

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  7. Mein lieber Scholli, so viele Wortmeldungen und Kommentare zu einem Beitrag gab es ja schon lange nicht mehr hier, oder!?

    Irgendwie wurde jetzt auch schon alles dazu gesagt/geschrieben.
    Mein Kommentar fällt daher etwas kürzer und ganz ohne Meinung aus (selbstverständlich bin ich pro Pippa samt Frauchen):

    Als ich die Überschrift las, so von wegen „mein erstes Mal“ und „Shitstorm“ war mein erster Gedanke, dass es sich im Beitrag (hauptsächlich) um Pippa drehen würde.
    Nur war meine Vermutung, dass es sich bei Frauchen’s Überschrift um ein Wortspiel handeln könnte – und dachte so: „wahrscheinlich hat Pippa mitten auf den Marienplatz gekackt und dadurch vor Ort einen Shitstorm ausgelöst.“

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  8. Ich habe mir das lesen aller Kommentare erspart und bin erst gar nicht auf die Seite „des Herren“ gegangen. Meine Erfahrung zu Hunden, die ich mit Tierheimhunden als Gassigänger gemacht habe, wenn es Probleme mit Hunden gibt, fangen die in der Regel am anderen Ende der Leine an. Leinenzwang per-se finde ich für ein Lauftier wie den Hund unangebracht. Hier in NIedersachsen muss jeder Hundehalter (sofern er nicht eine schon länger andauernder Hundehaltung ohne Auffälligkeiten nachweisen kann) einen Sachkundenachweis zum Halten und Führen von Hunden machen. In Theorie und Praxis. Die Theorie ist nicht ohne. Auch wenn ich keinen Hund halte, habe ich den Nachweis gemacht, da ich früher viel mit Tierheimhunden unterwegs war.

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  9. Shitstorm ist immer etwas gruseliges. Ist mir hier auch schon passiert, als ich über meine Finanzlage mal ein wenig heulte. Da bügelte mich mit einem Mal eine Person ab, die mich und meinen bisherigen Werdegang überhaupt nicht kannte, bezeichnete mich mehr oder weniger als Luxusschlampe, die froh sein könne, dass sich der Mann noch nicht von mir hätte scheiden lassen und so weiter und so fort. Ich dachte im ersten Moment ich spinne und mir blieb die Spucke weg! Immer wieder nicht schön, wenn sowas passiert. Ich habe mir die Artikel und Bilder von Dir und diesem anderen Wesen noch nicht angetan, werde es aber gleich mal nachholen. Mir fiel nur ganz spontan ein:
    Zieht der auch über Kinder so her und pocht auf den Artenschutz, wenn die in der Stadt eine Schar Tauben just for fun aufscheuchen? Müssen die dann auch angeleint werden? Und gefesselt noch dazu, da sie ja mit den Armen wedeln dabei?

    Gefällt 1 Person

    • Ja, das sind wirklich unangenehme Erfahrungen, gottseidank aber die Ausnahme.
      Die Frage nach der Anleinpflicht für Kinder, die sich Tieren oder Menschen ggü schlecht benehmen, darf man natürlich oder leider nicht stellen 😉

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  10. Woach, habe jetzt gerade die Kommis gelesen. Ey was für ein Haufen. Und ich bin jetzt mal schwer gespannt, wann bei mir der Shitstorm losgeht. Denn leider, leider ist mir nach den letzten Absätzen echt die Hutschnur geplatzt und ich musste mich räuspern bei dem Kerl…. Was für ein Vollpfosten!

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    • Ich nehme an, du meinst die Kommentare dort und nicht die hier im Blog?
      Hab grad dort nochmal reingeschaut – das wird ja immer furchtbarer! Mit einem Tag Abstand muss ich sagen: völlig schräg! Was der seine Leserschaft glauben lässt durch diese in die Welt gesetzte Lüge (Hund im Naturschutzgebiet auf Hetzjagd), ist wirklich unfassbar. Scheint ihm aber gut zu tun, dass die aufgescheuchte Meute ihm fraglos folgt.
      Sei’s drum.

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    • @LadyAngeli: Keine Sorge, Deine geplatzte Hutschnur behandelt Linsenfutter wie es aussieht sehr vertraulich und stellt sie auf seinem Blog nicht unnötig zur Schau … der neueste für mich von außen sichtbare Kommentar ist von heute früh 6:14 … wäre ja auch echt bloßstellend, so alleine mit gesundem Menschenverstand zwischen all den Leinenzwang-Fetischisten – fragt sich allerdings für wen ;o)

      Zwanglose Grüße,
      Spike

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      • Lieber Spike,
        auch ich suchte gestern vergeblich die Hutschnur im Minenfeld… Aber du hast natürlich recht: was nicht ins gewünschte Meinungsbild passt, muss draußenbleiben. Hab es dann selbst noch getestet, ob dem so ist und auf den jüngsten der Leserkommentare zu antworten versucht (à la „der Fall, um den es hier geht, ist übrigens mein Fall und verhielt sich ganz anders“, von wegen NSG und so…). Ließ die Fundamentalistenfirewall aber nicht durch 🙉🙈🙊.
        Wünsche dir einen guten Morgen und einen schönen Tag!
        Natascha

        Liken

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