Nicht ohne meinen Dackel…

… und auch nicht morgens um 5:30 Uhr!
So mein zweiter Gedanke, bei näherer Betrachtung der Details.

Der erste, als gestern diese Mail aus Hamburg hereinflatterte, war: Ey cool, mal so im Oldtimer durch England zuckeln und abends die Füße in irgendwelchen Schlossgemächern hochlegen!

Schon lustig, wozu man so eingeladen wird: eine Charakterreise!?

Aber auch ein ganz schöner Stress – vier proppenvolle Tage, ein Programmpunkt nach dem anderen, eine Menge Fresserei und permanente Gesellschaft (ohne das tägliche „enjoy the end of day with a nice drink“ defintiv nicht zu verkraften).

Um 5:30 Uhr am Hamburger Flughafen aufkreuzen? Echt nicht!
Da wär‘ ich schon fertig mit dem Tag, bevor’s um 9 Uhr das breakfast in dem award-winnig country pub gäbe (nüchtern fliegen? undenkbar!) und würde wohl um 11 Uhr von der Hufeisensammlung in Oakham Castle nicht mehr viel mitkriegen, außer eines der edlen Stücke fiele von der Decke und mir auf den Kopf…
Kein Vergleich zu der Pressereise nach Hall in Tirol, wo man uns artgerecht anreisen und das Programm ganz gemütlich zu zweit mit privater Fremdenführerin oder privatem Bergführer abwickeln ließ!

Habe natürlich professionell auf die Einladung geantwortet (man will sich ja nix verbauen: wer weiß, was die noch so in petto haben):

„Lieber Herr N.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Einladung zu dieser äußerst verlockenden und interessanten Pressreise. Prinzipiell käme Ihr Angebot für mich sofort in Frage, sofern es denn auch die Mitnahme meiner aristokratischen Dackeldame inkludieren würde (die aufgrund ihrer adligen Abstammung gut in die Gärten und Teesalons der von Ihnen zur Übernachtung ausgesuchten Herrenhäuser passen würde), der uns zugedachte Oldtimer über einen adäquaten Hundeplatz auf der ledergepolsterten Rückbank verfügte (eine kuschlige Lammfellauflage versteht sich sich von selbst), die Abflugzeit erst nach geruhsamer Erledigung unserer Morgengeschäfte läge (was üblicherweise gegen 8:30am der Fall ist), wir nicht in einer Gruppe reisen müssten (wir haben’s nicht so mit andauernder Gesellschaft) und der Reisezeitraum einigermaßen mit der Blütephase der Bluebells korrespondierte, was dann nach sich zöge, dass als Gefährt auch ein netter kleiner Oldtimer-Roadster wie beispielsweise der Triumph TR6 denkbar wäre (das gäbe hübsche Fotos: das Fräulein und ich mit Fliegermützen im Cabrio durch South Yorkshire brausend).
Vielleicht ließen sich diese Kleinigkeiten ja noch anpassen?
Besprechen Sie sich doch diesbezüglich nochmal mit Ihrem Auftraggeber und kontaktieren Sie uns dann gern erneut!
Mit freundlichen Grüßen aus München
Mrs. N. & Miss P.“

7 Gedanken zu „Nicht ohne meinen Dackel…

  1. Gute Entscheidung, liebe Kraulquappe: Diese Einladung verstößt eindeutig gegen die Genfer Konventionen!
    Ein Treffen um 5:30 ist nicht nur sittenwidrig, es ist auch schlicht und einfach nicht zweckdienlich: Wer will, daß seine touristischen Highlights in adäquatem Licht in Presseerzeugnissen / Internet-Reviews dargestellt werden, der sollte dafür sorgen, daß sich die dafür vorgesehenen Journalisten tatsächlich auch wohl fühlen und – vor allem – aufnahmefähig sind.
    Habe mal versucht, diesen ersten Tag per google Maps nachzuvollziehen, und wage zu bezweifeln, ob der Zeitplan des Vormittags überhaupt per Oldtimer zu schaffen ist – es sei denn es handelt sich um Boliden der Marke Jaguar oder Aston Martin nicht älter als die ersten James Bond Filme … da frage ich mich doch, ob es tatsächlich vorgesehen ist, Frühstück und Lunch wirklich zu sich zu nehmen, oder ob das doch nur als Foto-Termin gedacht ist: Schlemmer-Buffet knipsen und weiter geht’s! (Okay, bei der englischen Küche ist ohnehin die Frage, ob es nicht besser ist, wenn man das Menü nur ankuckt … ;o)
    Auf jeden Fall würde ich es nicht empfehlen, die Dackeldame mit auf diesen Trip zu nehmen: Die guided Tour durch die jeweiligen Räumlichkeiten wären nur im Geschwindschritt zu meistern, und Schleifspuren sind in englischen Herrenhäusern nicht gern gesehen …

    Insgesamt umweht diesen Trip ein Hauch von „Besuchen sie Europa solange es noch steht“ … touristisches Insel-Hopping mit garantiertem Highlight-Highscore gemacht für Menschen, die erzählen wollen, was sie alles gesehen haben – nicht davon, wie sie es genossen haben …

    Kurz gesagt: Dieser schlecht gemachte Bestechungsversuch der britischen Touristik-Branche kann sein Ziel im Grunde nur verfehlen …

    Mit einem munteren „God shave the Queen!“,
    herzlichst, Spike

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Spike,
      Mannomann, klar, wie konnte ich die Genfer Konventionen als das k.o.-Kriterium überhaupt nur vergessen – hab der Agentur umgehend ein PS geschickt und auch deinen klugen Hinweis bzgl der Essenszeiten eingeflochten. Jetzt haben sie mich zu fünf anderen Reisen eingeladen (kein Scherz!), da muss ich mich nun erstmal durch die Programme wühlen.
      Auf bald & bis dahin auch meinerseits ein fröhliches „God shave the Queen“!

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