Von Subway-Sheriffs und anderen Scherzen.

Da will man sich mal in Klausur begeben, um konzentriert zu arbeiten, zu schreiben und anderes zu erledigen – aber ständig wird man gestört!

Erst wird zu Wochenbeginn das Dackelfräulein von einem Airedale Terrier gebissen, was uns beide dermaßen aufgescheucht hat, dass an Arbeiten erstmal nicht mehr zu denken war, denn das ist kein Spaß, wenn die Kleine da jaulend vor Angst auf dem Rücken liegt und der andere Hund nicht aufhört, sich in den kleinen Dackelkopf und -hals zu verbeißen, und man sich mit ganzer Kraft von hinten auf diesen großen, fremden Hund stürzen muss, um den wegzuzerren, was leider nicht mal klappt (kein Halsband an, schwer zu greifen, da sehr in Rage), so dass einem schlussendlich – bevor noch Schlimmeres passiert – nichts anderes übrig bleibt, als sich richtig dazwischenzuschmeißen und zuzutreten, auf die Gefahr hin, selbst was abzubekommen, aber dann lässt der Angreifer für einen kurzen Moment von Pippa ab, so dass ich sie mir schnappen kann und mit beiden Armen hochreiße und an mich drücke und sie immer noch schreit wie am Spieß, und ich dem Erdölterrier nochmal einen Tritt verpasse, weil der so guckt als würde er gleich an mir hochspringen wollen, und es dauert und dauert, bis endlich dessen lahmarschiges Frauchen herbeigeschlurft kommt, um in Zeitlupe nach ihrem Hund zu fassen, und der erste Satz, den ich mir von dieser plumpen Gestalt anhören darf, während mir aus dem Dackelschlappohr Blut auf meine Jacke tropft, dann auch noch der ist, dass mein Hund zuerst gebellt hätte, was zwar korrekt ist, aber völlig gerechtfertigt, weil der Riesenköter wie wild auf sie zugaloppiert kam als sie gerade mitten bei der Verrichtung dringender Geschäftchen war – na, stellen Sie sich einfach vor, Sie sitzen auf dem Klo und jemand tritt überraschend die Tür ein und springt mit Vollkaracho auf sie drauf, ja, denjenigen möcht‘ ich sehen, der dann nicht losbellt! -, nach dem Auftakt besinnt sie sich und gesteht ein (im Hintergrund halten sich, wie ich sehe, schon zwei Zeugen bereit: ein Pärchen, das aufmerksam hinüberschaut), dass ihr Hund der Beißer war, mit zittrigen Händen notiere ich mir dann Namen und Nummer, untersuche an Ort und Stelle das wimmernde Fräulein und finde zwei Bisswunden, die bluten, aber nicht allzu tief zu sein scheinen, zumindest kein Durchbiss des Ohres, sofern ich überhaupt in der Lage bin, das in dem Moment, also drei Minuten nach dem Vorfall, wirklich zu beurteilen. Fix und fertig schwanken wir zum Auto zurück, halb blind vor lauter Geheule rufe ich den Gatten an, der im fernen Frankfurt sitzt, und während wir telefonieren hör‘ ich von der Seite eine Stimme, die fragt, ob denn alles in Ordnung sei, sie kommt von dem Mann des Zeugenpärchens, die beiden haben selbst einen Hund dabei und sind so anteilnehmend und nett und haben außerdem das Auto-Kennzeichen des Terrierfrauchens fotografiert, nur für den Fall, dass die nicht den richtigen Namen genannt hätte, was sie aber sicher getan hat, wie ich meine, zumindest traue ich solch schlichten Gemütern in derartigen Situationen keine spontanen Namens- und Adress-Erfindungen zu, jedenfalls tut es gut, dass jemand da ist und bei uns steht und wartet, bis wir beide im Auto sitzen, wo ich dann tatsächlich kurz überlege, meinen großen Freund S. in seiner Kanzlei anzurufen, damit er uns abholen kommt, weil ich gar nicht weiß, wie ich jetzt das Lenkrad ruhig halten und fahren soll, aber nach einer Weile geht es dann doch und so spare ich mir das Hilfeholen für daheim auf, wo ich den ebenfalls dackelhabenden Nachbarn aus der Etage unter uns rausklingle, damit er mir assistiert, Pippa rundum gründlich zu untersuchen, denn die hält natürlich nicht still, verschreckt wie sie ist, aber man muss ja nachsehen, um entscheiden zu können, ob eine Fahrt zum Tierarzt angeraten ist oder ob es mit Betaisodona-Tinktur und derlei Hausmitteln auch geht, was gottseidank der Fall ist.

Ja was für ein Glück, das hätt‘ auch ganz anders ausgehen können, und im Übrigen eine krasse Erfahrung, wie lang das braucht, bis man sich nach so einem Erlebnis psychisch und physisch wieder beruhigt hat, weil sich das alles in dem Moment sowas von existenziell bedrohlich angefühlt hat: das Leben, es ist ein so fragiles (was man ja theoretisch weiß, dennoch ist’s gut, dass man da praktisch nicht ständig dran denkt).

Und kaum hat man sich wieder in die Arbeit hineingefieselt, reißt einen die Abendzeitung beim mittäglichen Gassigang mit dieser Wahnsinns-Schlagzeile aus den Gedanken…

…was die aktuellen beruflichen Überlegungen gleich erneut ins Wanken bringt, denn das wäre ja mal eine adäquate Option für das Dackelfräulein, um höchstselbst einen Teil zum Familieneinkommen beizutragen.

Eine Stellenanzeige, die Sie sich echt mal im Original reinziehen müssen!

Die Münchner CSU ist also davon überzeugt, „(…) dass gerade Dackel als Streifenhunde für die U-Bahnwache sehr gut geeignet sind. Denn: Sie sind typisch münchnerisch, ein echter Sympathieträger und können in jeder Hinsicht zur Deeskalation beitragen.

Ausnahmsweise mal ein Statement aus dieser Fraktion, das ich voll und ganz teile: der Dackel ist wahrlich die Deeskalation in Person, ein Airedale-Terrier wäre beispielsweise nicht so geeignet.
Und ein schickes Dienstmäntelchen hätten wir auch schon für unseren schlappohrigen Sympathieträger, und die liebe D. wäre sicher gern bereit, uns noch ein Münchner-Kindl-Stadtwappen aufzunähen.

So, und nun sind wir auch wieder weg – in der Hoffnung, dass die nächsten Tage deutlich ungestörter verlaufen.

19 Gedanken zu „Von Subway-Sheriffs und anderen Scherzen.

  1. Sie sieht so verschreckt aus, oh!

    Es wird Dich nicht trösten, aber wir teilen seltsamerweise wieder einmal das Schicksal. Wir waren Dienstag beim Tierarzt mit dem schwarzen Kater wegen eines… halt Dich fest… tiefen Bisses – vermutlich von einem Artgenossen auf dem nächtlichen Wachgang bekommen. Ein ähnlich leidender Blick + Antibiotikum und Mullbinde am Hinterlauf.
    Liebe Grüße des unbekannten Leidensgenossen an Pippa. Er meint, dass man Jeden zweimal im Leben trifft… 😉 darauf bitte ein mutiges „Wuff“!

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    • Ist ja nicht zu fassen – bei uns war’s auch am Dienstag!
      Vielleicht ist da der „Internationale Tag der Bisswunde“ gewesen?

      Als Katzenbesitzer kann man ja nicht mal eingreifen/helfen…, allerdings sind die Gegner zumindest annähernd gleich groß.
      Wurscht, hoffen wir einfach, dass solche Vorfälle die absolute Ausnahme bleiben und immer gut ausgehen – und verkriechen wir uns am 02.04.20 lieber mal daheim.

      Gute Besserung dem Hinterlauf und ein anteilnehmendes Miau!

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      • Naja… meist sind die Gegner lt. Auskunft des Tierarztes annähernd groß. Selten sind jedoch (gerade nachts) auch Maulgrößen von Ratte bis Wolf (ha… wir leben in Brandenburg!) bissfähig. Egal wie und wer… blöd und schmerzhaft ist’s immer. Aber innenhäusig und damit überwiegend bissfrei lebende Katzen (und Hunde) passen nun mal nicht in mein Tierhalter-Weltbild…

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      • Herrje, an Wölfe wagte ich gar nicht zu denken…
        Und nebenbei – noch eine erfreuliche Parallele zwischen uns entdeckt: wie du bin ich der Ansicht, dass die ausschließlich im Haus gehaltene Katze niemals ein artgerechtes Leben führen kann, genausowenig wie der Hofhund an der Kette oder im Zwinger (erst letzten Herbst ein paarmal in Südtirol gesehen). Diese Kasernierung verstößt meiner Meinung nach gegen das Tierschutzgesetz (und dann wundern sich die Menschen, die ihre Tiere so halten, über alle möglichen Verhaltensstörungen, wir hatten mal eine Nachbarin mit zwei so armen, reinen Hauskatern, die noch nie einen Grashalm in echt gesehen hatten, da könnt‘ ich Geschichten erzählen…, aber nix da, jetzt wird weiter gearbeitet!)
        Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

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  2. Oje. das Scheißgefühl kenn’ich. Hab deshalb trotz dem ich ja einen vornehm braven Collie hab. ne dicke Lederleine. Hatte ich vorher auch beim ersten Hund. Die tat als Notfallpeitsche mit all den Karabinerringen gute Dienste.

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    • Wahrlich ein Scheißgefühl war das.
      Tja, da kann die Dackelleine mit schmalem Karabiner und Ringen nicht mithalten, allerdings wäre ich vermutlich eh nicht so geistesgegenwärtig gewesen, sie mir von der Schulter zu reißen und damit zuzupeitschen. Das geht ja alles rasend schnell und da ticke ich dann sehr analog und greife mit den Händen hin, so mulmig mir dabei auch war.
      Liebe Grüße!

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  3. Da fehlen mir die Worte und ich schluck einfach nur mal heftig beim Anblick von Pippa auf dem Foto … gut, daß es nicht noch schlimmer ausgegangen ist! Gut daß Du so mutig und beherzt dazwischengegangen bist! Gut daß da noch Leute waren, die Dir den Rücken gestärkt haben … und verdammt nochmal, daß sowas überhaupt passieren kann!

    Liebe Grüße & alles Gute!
    Spike

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    • Da fehlten auch mir ein paar Tage lang die Worte, lieber Spike.
      Und der eigene Mut überrascht einen tatsächlich sehr: erst da wird einem erst klar, was für Löwenkräfte man entwickeln kann, wenn ein geliebtes Wesen in Gefahr ist – ich würde nahezu alles tun, um Pippa zu retten!
      Einen schönen Endspurt nach Ettlingen und dann wieder einen feinen Musikabend dir!
      Natascha

      Liken

  4. Was lese ich da für schreckliche Neuigkeiten? Ich hoffe sehr, dass Pippa diesen Vorfall gut wegsteckt – körperlich und psychisch. Du hast echt super reagiert. Zum Glück haben wir so etwas noch nie erlebt. Einen dicken Schmatzer vom großen Braunen für Pippa und ganz liebe Grüße von mir! Andrea

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  5. Pingback: Freaked out. | Kraulquappe

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