Hello sunshine & hydrangea, so blue.

Gestern Nacht schon wieder eine Whatsapp-Botschaft von T., der gerade mitten im Umzug steckt und mich alle Nase lang wegen rechtlicher Fragen kontaktiert.
Aber der Terror lohnt sich. Guck ich mir die Tage seinen uralten Mietvertrag von der Wohnung, die er nun verlässt, genauer durch und kann ihm sofort sagen: Musst du nix renovieren, starrer Fristenplan usw., hat der Vermieter keine Schangse. Besenrein, Bohrlöcher zu – und tschüss.

Der erleichterte T. meint daraufhin, jetzt hätt‘ ich was gut bei ihm. Ich möchte, obwohl er sich nun ein paar Hunderter spart, nicht maßlos sein und eine Reise nach Lissabon oder Turku vorschlagen, obwohl ich da schon immer mal hinwollte, sondern nenne ihm einen anderen Herzenswunsch: eine blaue Hortensie.
T. ist sofort sehr einverstanden mit der blauen Hortensie, wahrscheinlich sogar erleichtert, dass es kein roter Fächerahorn oder ein Zitronenbaum sein soll.

Seit über zwölf Jahren sehne ich mich nach einer blauen Hortensie. Seit damals, als ich mit U. in dem Haus (kleine, steinerne Villa in Hanglage, sogar irgendwas mit romantica im Namen) am Lago Maggiore war – eine überwiegend schreckliche Erinnerung übrigens, was ganz und gar nicht am Lago Maggiore lag – da stand der große Garten voll mit blauen Hortensien.
Neben der Aussicht, dem See, den Bergen, dem guten Wetter und dem köstlichen Eis in Piazzogna, war das mit Abstand das Beste, das dieser (erste und letzte) Urlaub mit U. zu bieten hatte. Blaue Hortensien, wohin das Auge nur blickte.

Heute dann die große Gassirunde in den Münchner Westen verlegt, wo das große Gartencenter ansässig ist. Die bieten gerade ein paar Tage lang einen kostenlosen „Einpflanz-Service“ an.
Bring your own Topf, buy some flowers – und die Erde & Arbeit schenken sie dem treuen Kunden. Ich muss das nutzen, mein Ellbogen ist vollkommen im Eimer von den anderen Arbeiten auf unserem Balkon (24 kaputte Holzfliesen, noch vom Vormieter, ins Auto geschleppt und auf dem Wertstoffhof entsorgt, und fragen Sie nicht, wie es unter den 24 Holzfliesen aussah).
Am Telefon erfrage ich die günstigste Zeit, um nicht in eine ellenlange Schlange zu geraten, schließlich habe ich das Dackelfräulein dabei und die kann Shopping, Warten und Rumstehen nicht leiden. Die Dame am Telefon nennt mir die beste Stunde, von 13 bis 14 Uhr, denn Da san d’Leit beim Essen.

25 Grad, die Sonne knallt vom Himmel runter, der Parkplatz ist gut voll. Ich packe Pippa auf einer Matte oben in den Einkaufswagen, das haben wir noch nie gemacht, aber das funktioniert prima, so ein Dackel hat wirklich praktische Maße.

Und man kommt so auch gleich viel leichter durch den Markt, weil alle zur Seite huschen und mitleidig gucken, wenn sie das etwas unglücklich dreinblickende Hündchen sehen, das sich die Ladefläche nach und nach mit großen Blumentöpfen teilen muss und sowieso nicht begeistert ist von den im unteren Wagenteil klappernden Tontöpfen.

Seien Sie versichert: es ging ihr gut dort oben, sie hat einfach einen Hang zum dramatischen G’schau, im Grunde ist sie nämlich froh, mit dabei zu sein, und hernach waren wir im Wald und am See, dem Tier geht es also prächtig und es hat auch was vom Tag gehabt, ehrlich! Und ich habe nun eine blaue Hortensie und freue mich sehr daran.

Zurück zu gestern.
Die Whatsapp-Nachricht von T., die er kurz vor der Geisterstunde sandte, bot leider keine Gelegenheit, mir noch durch Hobby-Juristerei eine weiße Hortensie zu verdienen, denn ausnahmsweise hatte T. mal keine Frage zu Schönheitsreparaturen, Wohnungsübergaben oder selbst verlegtem Laminat, sondern er schickte mir ein Foto und zwei Zeilen dazu.

Schlaftrunken blinzelte ich auf das kleine Display und erkenne einen Gaul. Überschrift „Western Stars“.

Ja, Umzüge sind ätzend, anstrengend und zum Davongaloppieren. Oder was will er mir sagen?

Dann setzte ich meine Brille auf und las: Mr. Springsteen hat ein paar ominöse Fotos auf Instagram veröffentlicht und die Fan-Gemeinde damit in Aufruhr versetzt. Irgendwelche Wüstenfotos: Bäume, Sonne, Pferde, Sand.
Die Gerüchteküche brodelte sofort los wie wild, denn seit fünf Jahren hat uns Bruce Almighty keinen neuen Song mehr geschenkt – nicht einen Ton, nicht einen Vers. Wir sind am Verhungern und Verdursten. So gesehen passt das mit der Wüstenszenerie schon recht gut.

Heute Nachmittag dann die Bestätigung vom „Rolling Stone“: Der erste Song kommt bereits morgen raus, das Album dann Mitte Juni. Was für gute Nachrichten!

Ostern ist kaum vorbei, da legt uns Bruce noch ein Ei ins Nest: Hello sunshine!

Ich informiere sofort meine paar Fan-Freunde. Alles freut sich. So sehr, dass wir alle zusammen gnädig drüber hinwegsehen wollen, dass die erste Auskopplung den Titel „Hello sunshine“ trägt, denn – herrje! – das klingt verdammt nach „Queen of the supermarket“, also einem dieser Songs, die mir nichts bedeuten, weil sie einfach nur öde dahinplätschern und man in ihnen nichts außer der gesamten Saturiertheit unseres verehrten Barden aus New Jersey hört, weil ihnen jeglicher Hauch darkness abgeht (von lyrischen Untiefen wie in Nebraska wollen wir gar nicht erst sprechen, sowas gab’s eh nie wieder), die seine depressiven Phasen so zauberhaft umwitterte, und weil es ihnen aber ebenso an der authentischen und saftigen Vitalität eines „Badlands“ oder „Prove it all night“ mangelt.

Nun ja, wir werden es hören und spüren.

Jedenfalls ein guter Tag heute: früh aufgestanden, viel geschafft – und draußen fühlte sich’s schon nach Sommer an.

Bathing beauty.

30 Gedanken zu „Hello sunshine & hydrangea, so blue.

  1. Ich mag „Queen Of The Supermarket“… und an manchen Tagen sogar „Waitin‘ On A Sunny Day“ und „Girls In Their Summer Clothes“.
    Ich glaube, Bruce braucht auf seine alten Tage mal wieder einen Top-Ten-Hit und das geht besser mit „Hello Sunshine“ als mit „Somewhere North Of Nashville“.

    Voller Vorfreude auf den 14. Juni!

    Die S.
    (‚tschuldigung, aber dieser Senf musste einfach sein!)

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    • Nein, ehrlich? Das ist ja klasse, das hätte ich denen gar nicht zugetraut, weil man immer hört, die wären dort eher nicht so hundefreundlich (ich reise nie nach Italien, daher weiß ich das nur aus Reiseführern).

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      • In Italien gibt es inzwischen mehr Hunde als Kleinkinder. Da sieht man „Tierfreunde“, die ihre Schosshunde in Decken einwickeln und ihnen Schleifchen umbinden, und gleich daneben, erbärmliche Kreaturen, kranke und und verstümmelte Strassenhunde, die gequält vor sich hinsiechen.

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  2. Nur kurz, weil ich zurück von der Insel bin und sooooo viel zu tun hab:
    1. Ich adoptiere diesen Kölle-Pippa-Blick bzw. zeige ihn wenigstens meinen Katzen zur Erbauung.
    2. Ich war gestern auch bei jenem Anbieter, um Gurkenpflanzen zu kaufen.
    3. Du weißt, dass Hortensien nicht von Natur aus ewig blau sind sondern regelmäßig den entsprechenden Dünger brauchen, um so zu bleiben?
    4. Ich dachte im ersten Augenblick, ER -himself- knuddelt Pippa… musste direkt ranzoomen.
    5. Viel Freude allen Bruce-Fans demnächst…🤗
    Liebe Grüße, Birgit

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    • Liebe Birgit,
      Deinen Kommentar musste ich erstmal sacken lassen.
      Punkt 1 und 2 natürlich nicht, und zu Punkt 4 hat ja die Sori aufgeklärt und den falschen Hase enttarnt.
      Aber die Nr.3, die hatte es in sich. NEIN, das wusste ich nicht. Ich dachte die sind so ewiglich blau wie der Alpenenzian und das ohne jedes Doping. Und jetzt schreibst du mir sowas: dass ich da einen Spezialdünger brauche… 👿
      Hast du da einen Tipp: gibt’s da irgendwas Selbstzubrauendes oder muss man da Chemie draufschütten, und wenn ja, welche?
      Vielleicht können wir für nächstes Frühjahr so verbleiben: du darfst Patin von Pippas Kölle-Blick werden und ich darf dich zur Live-Beratung aus dem Pflanzenmarkt anrufen? Wär das ne Option?
      Nun aber weiterhin gutes Ankommen, Auspacken, In-Betriebnehmen des Alltags, ich hoffe, du bist gut erholt (das Wetter dürfte ja gepasst haben)!
      Liebe Grüße von Natascha 🙋‍♀️🐕🌱

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      • Liebe Natascha,
        so schlimm wird’s wohl nicht… der Boden muss halt nur sauer sein bzw. bleiben. Da reicht ein handelsüblicher Dünger des Gartenfachmarktes Deines Vertrauens, z.B. bei dem, bei dem Pippa so selige Augen bekommt.
        Und ja klar: nächstes Frühjahr gibt es eine Liveschaltung beim Einkauf…😉
        Ich bin so erholt! Wir hatten Traumwetter. Ein bisschen Urlaub habe ich noch. Erst Mitte nächster Woche geht’s wieder los…
        Liebe Grüße, Birgit

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  3. Ditha Holesch. „Der schwarze Hengst Bento“. Nun DOCH Weltliteratur, weil dieser Bruce sie/ ihn kennt. Oder er hat ne Enkelin mit Pferdemacke. Oder er selber hatte als Kind n Western-Tick, wie ich.
    Oder er hat sich meinen Blog-Post übersetzen lassen. (Hm. Unwahrscheinlich.)
    Aber ’n seeehr schönes Bild.

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  4. Liebe Natascha,
    kam gestern von drei Tagen „hinterm Mond“ zurück und bin noch etwas im „mentalen Jetlag“ – sprich immer noch am Schweben vom tollen Wochenende auf ner Hütte mit knapp 25 Musikverrückten – und das trotz absolutem Drisswetter … knapp 5 1/2 Stunden Schlaf gehabt zwischen Freitagmorgen und Sonntagabend – daher erst jetzt mein „Senf“ zu Deinem Post:
    Ja, die einen jubeln „Endlich wieder was vom Boss!!!“, die anderen hadern mit dem mangelnden Tiefgang – ich seh mich irgendwo dazwischen, denn oft sagt die Single nicht viel über die Qualität des Albums aus, weil die Single ja mit dem Blick auf Verkaufszahlen ausgesucht wird – also Radio-tauglich und nah am Massengeschmack sein muß. Es besteht also noch Hoffnung, daß unter den anderen 12 Songs vielleicht ja doch noch das ein oder andere ist, was nicht so glattgebügelt und hochglanzpoliert daherkommt … ich wart erstmal ab, was da kommt im Juni …
    Aber zum Thema „Tiefgang“ … darf ich mal kurz klugscheißern?
    Ich fürchte Du bist da verbal auf eine Sandbank gelaufen bei den „lyrischen Untiefen von Nebraska“, denn der Seemann meint genau das – eine Sandbank – wenn er von Untiefen spricht … die Vorsilbe „un“ ist nicht steigernd, sondern verneinend gebraucht … das Wasser ist da untief und damit für Schiffe gefährlich …
    Einen guten Wochenstart wünscht
    der Spike
    p.s.: … und dem dauer-maladen Arm gute Besserung!

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    • Lieber Spike,
      freut mich, dass du eine gute Zeit hattest auf der Hütte und im Kreise der Musikfreunde und hoffe, das Wieder-Einfinden in den schnöden Alltag bleibt frei von Untiefen.
      Klugscheißerei?!? Nix da! Ich möcht‘ ja nicht als Hein Janmaat durch die Weltmeere von WordPress schippern, lern‘ also gern dazu, danke für die Aufklärung und verbleibe mit irritierten Grüßen, weil der Duden uns beiden Recht gibt. Wie dem auch sei: Revanchiere mich demnächst mit einem mehrseitigen User-Manual zur korrekten Verwendung des Apostrophs in unserer schönen Sprache, natürlich in der Seebär-Edition.
      Ahoi & herzliche Grüße –
      Die Chefredaktion vom Kraulquappen-Blog (*winkt etwas schlaff mit dem linken Arm, um den rechten zu schonen, schaltet den PC wieder aus und sucht nun ein neues Schwimmbad auf, da das Lieblingsbad momentan seine jährliche Revisionszeit hat*).

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      • Werte Kraulquappen-Redaktion,
        auch ich danke für die Aufklärung und lerne da gerne dazu – vor’m klugscheißen ein Blick in Tante Wiki’s Nachschlagewerk hätt’s auch getan, und ich lerne dabei noch den schönen Terminus „Januswort“ (Antagonym) für Begriffe, die zwei gegensätzliche Bedeutungen haben. Mea maxima Pulpa …! (oder wie das heißt ;o)
        Ich war bisher in der irrigen Annahme, daß „Untiefe“ wie „Platzangst“ ein Begriff ist, der im allgemeinen Sprachgebrauch falsch verwendet wird … nun bin ich eines besseren belehrt!
        Den eklatanten Apostrophenmangel in meinem Kommentar schieb ich einfach mal frech auf den mentalen Jetlag … ;o)
        Übrigens: Die Frühwerke von Ton Steine Scherben, wie z.B. „Keine Macht für niemand“, zeichnen sich oft gleich durch mehrere APO-Strophen aus … !
        Wünsche erquickenden Vormittags-Schwumm!
        Spike

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      • Es war so dermaßen erquickend (ein prima Bad, zwar kein 50m-Becken, aber so leer, so sauber, so wunderbar), dass ich mich nun erstmal beim Gassigehen im Nieselregen wieder abregen muss – melde mich daher später, aus dem Trockenen, wieder. Und nix für untief, äh ungut wg der kleinen Klugscheißerei, da stehen wir drüber 🤓

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      • Na das ist doch ganz wunderbar (mal abgesehen vom Nieselregen) … und beim vorlauten klugscheißen laß ich mich eigentlich fast lieber von einer kompetenten Kraulquappe erwischen, als schnöde beim wikipedieren zu erkennen, daß ich falsch lag … bin zwar von Herrn Niedecken als „unheilbar“ eingestuft, aber gottseidank nicht unbelehrbar …

        Ein herzlicher Gruß auch an die wetterfeste Dackeldame …

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