Sozialtraining im Landkreis STA.

Fährt man für ein paar Sonnenuntergangsfotos, die man für den nächsten Magazinbeitrag braucht, zur Abendstunde nochmal raus an den noblen See.

Schloss Berg, Dampfersteg, Votivkapelle, Schlosspark – und natürlich die Stelle, wo der Kini ins Wasser ging.

Das Dackelfräulein macht dort, wo sie als Model gefragt ist, recht gut mit.
Alles bestens also, nach einer guten Stunde sind die Fotos im Kasten. Zur Belohnung noch ein neues Wegerl: hoch in den oberen Ortsteil, über einen steilen Waldpfad. Sehr lauschig, noch nie dort gewesen, man tendiert ja immer nur zum Seeufer. Ein bisserl durch den Ort spaziert, ein Haus schöner als das andere, keine Bausünden im Toskana-Stil oder pseudo-griechische Säulen auf der Veranda. Der 911er steht hier heroben eher etwas versteckt hinter der Thujenhecke anstatt protzig mitten vorm Haus.

Weil nix los ist, läuft das Fräulein schon den ganzen Abend friedlich ohne Leine vor sich hin. Auch dort oben im Wohngebiet.
Bis sie dann den klopsigen Garfield dummerweise eine Sekunde vor mir entdeckt, wie er da bräsig in einer Einfahrt hockt und sich putzt. Was er dann sehr schnell bleiben lässt, als Pippa mit Vollgas und sirenenartigem Spurlautgeheul auf ihn zuprescht. Er flüchtet, so gut das halt in seiner Gewichtsklasse geht, durch ein offenes Gartentor in den dahinter liegenden Garten. Pippa hinterher. Und ich ebenfalls.

In einem fremden Garten zwischen Rhododendren stehend höre ich in einiger Entfernung meinen Hund wild jaulen. Renne dann durch den weitläufigen Garten, immer dem Gejaule nach, am Springbrunnen vorbei, am Gewächshaus vorbei, am japanischen Steingarten vorbei – bis ich vor einer Terrasse stehe.
Die Schiebetüren der idyllischen Villa stehen sperrangelweit offen. Drinnen sitzt bzw. saß ein gediegenes Paar beim abendlichen Glas Rotwein.
Garfield hat sich auf seinen Katzenbaum gerettet. Das Dackelfräulein steht davor und bellt, was das Zeug hält (und denken Sie bloß nicht, dass ein Dackel bellen würde wie andere kleine Hunde bellen, so blechbüchsenartig und hell und nicht weiter ernstzunehmen – nein, der Dackel hat eine Stimme wie ein Großer und er/sie fühlt sich auch so).

Was tun?
– Natürlich beherzt diese perfekte Gelegenheit für ein spontanes Sozialtraining ergreifen, sowas bietet sich an einem gewöhnlichen Dienstagabend um 21:23 Uhr ja eher selten!
Festen Schrittes und erhobenen Hauptes die Terrasse betreten, sich die vom Sprint etwas verrutschten Klamotten und die Frisur richten, andeutungsweise an die Glastür klopfen (die ja eh offen ist und man wurde ja eh längst gesehen, weil der Bewegungsmelder die gesamte Terrasse justament ausleuchtet wie eine Bühne), und freundlichst fragen, ob man hineinkommen dürfe, ja vielleicht gar solle.

Das ältere Paar übernimmt ebenso spontan die Gastgeberrolle wie ich die des Überraschungsbesuchs und bittet mich ohne Umschweife hinein.
Ich trete ein, gehe an der blütenweißen, ledernen Rolf-Benz-Eckcouch, vor der die beiden zur Begrüßung des Dackelfräuleins aufgesprungenen Eheleute etwas aufgeregt stehen und mit den Armen herumfuchteln, vorbei und tappe vorsichtig mit meinen Trekkingsandalen über das französische Eichenparkett in die hintere Ecke des riesigen Raumes, wo der Katzenbaum steht – und wo es so laut ist.

Es geziemt sich leider nicht, in solchen Momenten die Kamera zu zücken, um dies seltene Schauspiel festzuhalten, sondern sofortiges Handeln ist angesagt.
Hund zusammenstauchen, in möglichst distinguierter Wortwahl, versteht sich – man ist ja schließlich bei besseren Leuten eingekehrt -, Hund anleinen, dem dicken, fauchenden Kater ein paar tröstende Bemerkungen zurufen, sich dann mit dem angeleinten Hund umgehend wieder Richtung Terrasse bewegen.
Währenddessen mehrfaches Exkulpieren bei den Hausherren. Die das gottseidank locker nehmen und sich bereits an einem etwas gequälten Lächeln und ein paar lockeren Kommentaren versuchen: „kein Problem“ – „kann ja mal vorkommen“ – „ein Einbrecher wäre unangenehmer“ – „ist ja eigentlich ein recht hübscher Dackel“.

Wir danken Garfield und den Bewohnern der schönen Hütte in der Bäckerstraße in Berg für das gemeinsam erfolgreich absolvierte Sozialtraining und wünschen allseits eine gute Nacht!

11 Gedanken zu „Sozialtraining im Landkreis STA.

  1. Nein! Schön vorzustellen… die Überraschung der Bewohner. 😏

    Wir haben auch öfter fremde Hunde im Garten. Meist sind sie jedoch sehr still… schnuppern rum und gehen irgendwann wieder…
    Und meine Katzen sind deutlich wehrhafter…😉.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, peinlich war’s… 😉

      Dass bei dir ab und an Hunde im Garten stehen, wundert mich nicht und hat nichts mit deinen Katzen zu tun – da braucht man ja nur deinen letzten Beitrag angucken: die denken, sie stehen im „Shop der schönen Näpfe“ (und dass sie sich in stiller Depression wieder schleichen, liegt an dem fehlenden Inhalt).

      Gefällt 2 Personen

  2. Au weia, liebe Natascha, das hätte auch anders laufen können, wenn die werten Hausbewohner nicht über so eine Grundsouveränität verfügt hätten … je nach Divenpotential der Gnädigsten hätte da auch eine Therapie für den traumatisierten Rasse-Kater in Rechnung gestellt werden können … oder zumindest die professionelle Reinigung der immens teuren Auslegeware … ;o)
    … und danke für den Terminus „Exkulpieren“, hinter dem jemand ohne großes Latrinum und den textlichen Zusammenhang womöglich Unappetitliches oder zumindest unangenehmes Medizinisches vermuten würde …
    Einen sonnig-schönen Tag wünscht
    Commentatore Spike
    (kann man einen Hausfriedensbruch schienen oder braucht’s da ne OP?)

    Gefällt 2 Personen

    • Da hast du natürlich recht, aber ich hab den Herrschaften im Rahmen des Exkulpierens selbstverständlich gleich mitgeteilt, dass wir über eine adäquate Tierhalterhaftpflichtversicherung verfügen, falls eine Tannennadel aus meiner Trekkingsandale das Geflecht des Berbers beschädigt haben sollte. Und da es eine gute Versicherung ist, deckt die sicher ggf. auch eine Traumatherpaie für Garfield ab.
      Wobei: da fällt mir Fridolin ein – Gott hab ihn selig! -, dessen zartes Wellensittichbeinchen sich einst in den Fängen meiner Dogsharing-Dackeldame Hummel verfing, als er gen Abend von seinem Freiflugbaum zurück zum Käfig wollte und dabei zu Boden stürzte und quasi dem Hund vor die Nase fiel. Hummels Herrchen hatte auch eine teure Tierhalterhaftpflichtversicherung, aber die war nicht bereit, die mehrtägige stationäre Behandlung von Fridolin in der Vogelklinik der Universität München zu bezahlen. Dabei war diese Behandlung – sie schienten ihm das verletzte Bein, damit die angerissenen Sehnen sich nicht vollends durchtrennten – einfach spitze und vor allem beinerhaltend, denn andernfalls hätte eine Amputation gedroht. Außerdem saß ich mit einem Fasan und einem Huhn im Wartezimmer, auch das war großartig.
      Und weißt du was die doofe Allianz zu dem absolut ehrlich von uns geschilderten „Schadenshergang“ sagte? Dass sie jederzeit den Neupreis (!!!) für einen Wellensittich erstatten würden (lag damals bei 25€, wohingegen die Klinikkosten sich auf über 150€ beliefen), nicht aber dessen Behandlung nach dem Zuschnappen des versicherten Hundes!
      Glücklicherweise war Hummels Herrchen mit dem Versicherungsfuzzi befreundet und der riet ihm dann (hinter vorgehaltener Hand) zu einem kleinen Versicherungsbetrug statt bei der Wahrheit zu bleiben: eine Quittung zu einer Anschaffung heraussuchen, bei der wir glaubhaft vermitteln können, Hummel hätte diesen Gegenstand zerstört, diese Quittung dann mit einer fingierten Story einreichen – und so auf eine Erstattung von 150€ kommen.
      Huch, jetzt bin ich ja mal ähnlich ausführlich geworden wie sonst nur du ;-), fiel mir halt grad ein, diese kleine Lektion im Versicherungsrecht.
      Nun muss ich mal die Sonnencreme runterduschen, der Schreibtisch klebt schon und das mag der Gatte gar nicht.
      Schönen Abend dir und bis bald wieder!
      Natascha

      Liken

      • Ja, da sind wir wieder mal an dem Punkt, wo der gesunde Menschenverstand ungläubig den Kopf schüttelt und der empathische Mensch fragt „Wie kann man nur?“ – und die deutsche Gesetzgebung, die es erst 2002 geschafft hat, den Tierschutz ins Grundgesetz zu schreiben, erklärt lapidar – ich zitiere Tante Wiki:
        „In dem 1990 durch das TierVerbG eingefügten § 90a BGB wird ausdrücklich festgestellt, dass Tiere keine Sachen sind. Allerdings sind auf sie grundsätzlich die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden.“
        Hey, ihr Juristen, der Wiederbeschaffungswert von Fridolin ist nicht in € zu bemessen, denn Fridolin ist ein Einzelstück mit wort-wörtlichem Liebhabe(r)-Wert … außerdem löst die Wiederbeschaffung zu 25€ gar nicht das Problem, denn der gute Fridolin lebt noch und hat Schmerzen – der „Ersatz-Frido“ hilft ihm nicht … aus Sicht der Versicherung mag Fridolin einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten haben, aber denken die eigentlich nur ne Sekunde nach, was sie da entscheiden?
        Ich glaub ich hätte da angerufen, ob sie jemand vorbeischicken, der Fridolin’s Leiden beendet und ihm den Hals umdreht, oder ob sie die zusätzlichen Kosten tragen für’s „sachgerechte“ einschläfern und die Entsorgung …
        Tschuldigung, aber angesichts der „immensen“ Kosten von 150€ (denke der Verwaltungsakt an sich hat die Versicherung schon mehr gekostet), kommt mir da die Galle hoch. Hätt‘ man das nicht einfach im Sinne aller durchwinken können? – Zumal die Kosten schon angefallen waren, weil Hilfe nicht aufschiebbar … sonst ja Verstoß gegen den Tierschutz!

        Ich denke da hat der Gesetzgeber noch was zu regeln … umgehend …

        Lieber Mittagsgruß aus dem wieder trüben Ettlingen!
        Spike
        p.s.: Ach ja, eine Hummel kenn ich auch … allerdings aus Kölle, sehr angenehme Person, steht auf Stones, Neil Young und BAP … und kann feiern sag ich Dir ;o)

        Gefällt 1 Person

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