Mountaindog.

Die Goldigkeit dieses Oktobers nimmt einfach kein Ende.

So der Papa heut Morgen am Telefon. Und: Dort draußen in den Bergen sei schönstes Wetter.

Echt? Der Blick aus dem Fenster der Münchner Wohnung verlor sich nach wenigen Metern im dichten Nebelgrau!

Wenngleich in post-konzertanter und frauenspezifisch etwas angeschlagener Verfassung gab ich mir um 11 Uhr doch noch einen Ruck, packte die Bergsachen, etwas Verpflegung und natürlich das Dackelfräulein ein – und fuhr los.


Zu einem der Hausberge, der Benediktenwand. Wie oft ich da wohl in meinem Leben schon war? 20x, 25x, noch öfter? Und es wird nie langweilig!

Weil der Berg ja jedesmal anders ist zu dir, und du dich auf ihm auch jedesmal anders bewegst, weil du dich nie gleich fühlst, weil du immer in anderer Verfassung hochsteigst als du hinunterkommst, weil dein Gepäck stets ein anderes ist und weil sowieso nichts im Leben wiederholbar ist (wir gaukeln uns das manchmal nur gern vor).

Heute also von Benediktbeuern aus durchs Lainbachtal hinauf, ein Traumweg zu jeder Jahreszeit. Nicht ganz hoch auf die Wand, versteht sich, weil da muss man schon früher aufstehen und fitter sein, das dauert mit Auf-, Abstieg, Pausen und Grat-Querung mal locker 8 Stunden.

Heute nur auf die Tutzinger Hütte, aber was heißt „nur“? Bei flottem Tempo sind das hoch und runter auch schon gut viereinhalb Stunden, plus Rast auf der Hütte.

Übrigens eine der am schönsten gelegenen Hütten im Voralpenland, sollten Sie mal in der Gegend sein, lassen Sie sich das nicht entgehen. Herrliches Hochplateau am Fuße der Felswand. Wirkt viel höher und alpiner als es ist.

Eine Stunde dort gesessen und geradeaus geguckt. In der Ferne ein paar Steinböcke gehört. Die herbstliche Bergluft inhaliert. Dazu ein Reutberger. Mich sehr heimisch gefühlt dort oben und überhaupt.

Große Harmonie heute auch zwischen Pippa und mir. Perfekte Kommunikation unterwegs, einer achtet auf den anderen. Die Trageübungen klappen auch immer besser. Man muss sowas ja frühzeitig trainieren, damit es dann sitzt, wenn man mal regelmäßiger drauf angewiesen sein wird.

Heut erstmals das klare Gefühl: Sie wird das lernen, mir zu signalisieren, wenn sie nicht mehr kann. Und ich werde lernen, dass ich das Gewicht – hinten Rucksack, vorne Hund – so verteile, dass ich sicheren Schrittes weitergehen kann und sich die Nackenschmerzen anschließend in Grenzen halten.

Noch ein, zwei heftigere Herbststürme und das letzte Laub wird zu Boden gegangen sein. Der Lauf der Dinge: ein ewiges Erblühen und Verblühen. Alles Leben ist letztendlich kompostierbar – mich persönlich beruhigt das.


In der Dämmerung wieder unten im Tal angekommen.

Der Abendnebel wickelt sich gerade um die Türme des Benediktinerklosters. Ich wickle den müden Mountaindog in eine Decke, mich in meine Fleecejacke und fahre zufrieden heimwärts.

7 Gedanken zu „Mountaindog.

  1. Berghund? Bergtag? Gibt es einen vierten Teil zur Dog-Trilogie?
    Hier in Wien ist es ähnlich wie in München: Die erste Tageshälfte zäher Nebel, dann bekommt mensch den goldenen Herbst mit. Ich werde es am kommenden Wochenende nutzen, bevor es zu spät ist und wir dazu dann gezwungen werden, Tom Waits oder die „Nebraska“ hören zu müssen.

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    • Mia cara Sorina,
      du hast das schon richtig erspürt: es bleibt bei der Trilogie, folglich gibt’s keinen vierten Teil, außerdem ist morgen eine Mischung aus Arbeits- und Beauty-Dog dran (Fräulein geht zum Coiffeur, nicht ich), da bietet sich nix an, das mit -dog enden würde.
      Liebe Grüße aus einer Münchner Badewanne!
      Natascha
      PS: Das einzig Gute am November sind Tom Waits (1. Wahl an ultragrauen Tagen: „Hold on“) und Nebraska (auf der gibt’s nix, was 2. Wahl wäre).

      Gefällt 1 Person

  2. Naja, vermutlich wäre Teil 4 der „Skydog“ gewesen mit einem Bericht vom FC Bayern Champions-League Fernseh-Abend, den Pippa aber gottseidank verweigert hat … 😉
    Wobei „Skydog“ Duane Allman einer meiner großen Gitarrenhelden ist – einer von denen, die obwohl sie es leider nichtmal bis in den Club 27 geschafft haben, doch zur absoluten Legende wurden …
    Keine Sorge, der spielt nicht nächste Woche im STROM – der ging schon vor Deiner Geburt auf Tour in Rock’n’Roll Heaven … ich glaub der letzte Song, auf dem seine Gitarre zu hören ist, paßt ganz gut zu Deiner Wanderung – posthum 1972 veröffentlicht:
    The Allman Brothers Band – Blue Sky … einfach nur schön …

    Danke für die schönen Herbstimpressionen!
    Spike

    Gefällt 1 Person

    • Pippa musste keinen Fernsehabend verweigern, denn der liebe Gatte weilt in Frankfurt und hier läuft nie der TV, schon gar nicht nach einem Bergtag.
      Dank dir für das Video, hab’s eben erst angeguckt, aber optimistisch schon vorher deinem Kommentar ein „Like“ verpasst, weil ich du ja bereits einen Vertrauensvorschuss genießt, erst recht, wenn’s um Musik aus meinem Geburtsjahr geht 😉
      Liebe Grüße aus dem heut herbstlichkühlen München,
      Natascha

      Liken

      • Okay, das war vielleicht ein wenig mit der Brechstange den Skydog untergebracht … ich hoffe das Like war zumindest auch nach durchhören – anzukucken gab’s nicht viel: gute bewegte Bilder von Skydog Duane sind leider rar – noch gültig … 😉

        Ein sonniger Mittagsgruß aus Ettlingen!
        Spike

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