See_lenfrieden.

Eine überwiegend aufreibende, anstrengende Woche. Am Schreibtisch ebenso wie draußen – und überhaupt.

So ein Tierkliniktermin hängt mir tagelang nach, vor allem, wenn auch die Diagnosen erst Tage später eintreffen. Selbst, wenn man bewusst nicht wartet, so wartet man eben unbewusst doch.

Seit gestern wissen wir mehr. Giardien. Na super. Den Hundekundigen unter Ihnen ist klar, was das bedeutet. Den anderen empfehle ich, nicht nachzuschlagen. Immerhin ist nun die fünfwöchige Leidenszeit des Dackelfräuleins hinreichend erklärt.

Dann noch ein anderer Verdacht, aufgrund der Blutwerte. Gar nicht schön. Das bleibt hier aber so lange unerwähnt, bis es endgültig abgeklärt ist, denn ich bilde mir gelegentlich ein, dass man manchen Dingen durch ihr Nicht-Niederschreiben auch ihre Existenzgrundlage entziehen kann.

Überhaupt stand Fräulein Hund diese Woche etwas arg im Vordergrund. So lang war sie noch nie paarungswütig, so oft hab ich noch nie „Ist das ein Rüde?“ durch die Gegend geplärrt oder mein Bein trennend zwischen sich begegnende, hormongesteuerte Vierbeiner gestellt.

Und nebenher noch viele andere Dinge, die einen beschäftigen (zwischendurch den rechten Arm endlich dem Osteopathen anvertraut).

Deshalb bin ich jetzt mal kurz weg.
Auf Mutter-Kind-Kur quasi. Nur ohne Kind. Das ist daheim, beim treusorgenden Gatten.
Ich hab mal nachgerechnet: 2019 war ich bislang genau 4 Tage/Nächte als Individuum ohne Anhang unterwegs. Da schlag ich doch nun glatt nochmal zwei Tage obendrauf!

Muss mal für mich sein. Aber nicht irgendsoein Wellnesskörperpamperseeleaufweichprogramm (schade eigentlich), sondern eine kleine Arbeitsklausur. Ein Text möchte fertig werden. Bzw. überhaupt erstmal geschrieben werden. Ein wichtiger Text. Das erfordert Ruhe und Abstand – und einen geeigneten Ort fürs Anfangen.

Dieser Ort ist hier. Am See. Mit Blick auf den See. Grau sieht er aus, im November, aber das passt prima.

Nebenan das Bootshaus, vor dem in den Kindheitsommern der S. saß, der immer mit der Mutter flirtete (und sie mit ihm), wenn wir bei ihm ein Ruderboot ausliehen, um rauszufahren auf den See.

Unverändert steht es da, das Bootshaus. Ich kann das Knarzen der Holzplanken noch hören, wenn die Mutter über den Steg lief, um trockenen Fußes das Boot besteigen zu können (es ging wohl eher drum, sich von S. ins Boot hineinhelfen zu lassen, denn er hielt sie immer an der Hand, sobald sie die erste Sprosse der Leiter betrat, die vom Steg ins Wasser hinunterragte).

Kann das Knirschen und Klackern der Uferkiesel noch hören, über die ich in dem türkisen Jerseykleidchen mit dem Segelbootmuster (die Basttasche über der Schulter und die Sandalen in meiner Rechten) ins Wasser hineinging, um von dort aus ohne helfende Hand in das Boot zu klettern, in dem die Mutter bereits saß und selten selig vor sich hin lächelte.

Der S. wohnt im oberen Ortsteil, ist nun 79 und längst nicht mehr Bootsverleiher, bestimmt aber immer noch so braungebrannt wie 1979.

Haben Sie ein schönes Wochenende & bis demnächst!

17 Gedanken zu „See_lenfrieden.

  1. Erinnerungen an „früher“, immer wieder schön.
    Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, was die kleine Dame so hat. Aber gib mal „Silberwasser“ in die Suchmaschine deines Vertrauens, das soll auch für Haustiere gut sein. Ich nehme das aus Gründen auch seit einer Woche. Das Ergebnis wird sich Anfang Dezember zeigen.

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    • Dank dir für den Hinweis! Ich belasse es vorerst bei der Lektüre von zwei veterinärmedizinischen Fachartikeln und gebe voller Vertrauen das angeratene Fenbendazol. Parallel dazu betätige ich mich noch ghostbustermäßig in der Wohnung und wasche/desinfiziere das Mögliche. In normalen Fällen reicht das dann auch, die Nachkontrolle wird’s erweisen.
      Liebe Grüße in den hohen Norden!

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  2. Klare Diagnose und konkrete kurze Zeitangabe, das ist gut – das Dackelfräulein hat es also hoffentlich bald überstanden … und nach so einer Woche sind Ruhe und Abstand mehr als verdient …

    Ich wünsch einen guten Anfang … der Rest kommt dann von alleine …

    Ein lieber Gruß ins Haus am See …
    Spike

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    • Genau so wollen wir’s sehen, lieber Herr Spike: jetzt eine große Generalreinigung und dann ist hoffentlich alles überstanden und Reinfektion bleibt ein Fremdwort.
      Gerade vom kurzen Nachtspaziergang (nicht etwa aus Gewohnheit, sondern um das Hirn nochmal durchzulüften) zurückgekehrt sende ich die besten Wünsche zur guten Nacht!

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    • Ich hoffe natürlich, dass ihr Immunsystem intakt ist, aber das sieht man dem Hund ja nur bedingt von außen an (und wie gesagt: ein Blutwert muss nun nochmal abgeklärt werden, wenn das mit den Giardien durch ist). Hast du denn Erfahrung damit, hatte Bonnie sowas schon mal?
      Herzliche Grüße vom See, der grad aussieht wie das Meer, weil man nicht mal bis zum anderen Ufer gucken kann vor lauter Nebelsuppe.

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  3. Ja, Bonnie hat eine Giardose, kurz bevor sie zu mir kam. Damals lernte ich, dass sehr viele Hunde Giardien in sich tragen, eine Erkrankung dadurch, also eine Giardose, aber nur in Einzelfällen zustande kommt. Zum Glück! Eine nicht intakte Darmflora, ein angeknackstes Immunsystem, welches nicht adäquat Paroli bieten kann, sind u.a. mögliche Ursachen. Die Giardien, die bei stabilen Verhältnissen in der Darmschleimhaut unbemerkt ihr Dasein fristen, werden bei Irritationen zum Problem. Als Bonnie ein paar Wochen bei mir war, bekam sie wieder diese üblen Durchfälle. Ich habe damals die Möhrensuppe nach Moro ( oder so ähnlich) gegeben. Es wurde dann langsam immer besser. Wichtig ist wohl nach meinem Kenntnisstand, für gesunde Darmverhältnisse, sprich für das passende bakterielle Milieu zu sorgen. Gute Besserung für die Süße !!!

    Ich bin keine Tierärztin, berichte nur aus persönlichem Erleben.

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    • Ich dank dir sehr, liebe Christine, für den langen Kommentar. Das alles deckt sich mit meinem Kenntnisstand. Die Moro-Suppe habe ich anfangs auch gegeben, hat aber nicht nachhaltig zu einer Besserung geführt. Jetzt können wir nur hoffen, dass die Chemie Wirkung zeigt und anschließend gehen wir der anderen Sache, die da noch als Verdacht im Raum steht, nach, die, wenn sie sich denn bewahrheitet, eine Erklärung für das angeknackste Immunsystem sein könnte (ich hoffe aber auf irgendeine andere Erklärung). Mehr demnächst oder aber auch gleich auf anderem Kanal.
      Schönen Sonntagabend für euch beide, gutes Couchkuscheln!

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