Himmel der Bayern (69): Von Wallfahrten & Wallungen.

Mit dem Waldi nachmittags zweieinhalb Stunden bergauf geschnauft, auf den Wallberg. Zwar wenig winterlich, diese Tour, dafür viel besinnlicher als gedacht.

Herrliche Ruhe auf dem gesamten Weg, mit zwei Almöhis als einzige Gäste im alten Wallberghaus gesessen, in der Stubn läuft Peter Cornelius, exakt die passende Musik für Tage, an denen ich den Papa besuche. Danach anderer Austro-Pop, sogar eine österreichische (!) Coverversion von „Point blank“, die da lautet „Blattschuss“ (jo gibt’s des? vom wem is des? helft’s ma!), jedenfalls klasse – und mal wieder die Feststellung: Er ist überall!

Hinterm Setzberg spitzt die Sonne hervor, links leuchtet das Mangfallgebirge, rechts die Tiroler Berge, die heiße Schokolade schmeckt in dem Ambiente natürlich viel besser als im Tal, obwohl sie vermutlich aus schlechteren Zutaten besteht.

Kurzer Abstecher zum Gipfel, dann der obligatorische Besuch der Bergkapelle (beachten Sie die bayerische Opferkerze!), abschließend noch eine Runde auf dem Panoramaplateau gedreht (dort sogar mal ein paar Menschengrüppchen gesehen: lauter kieksende und in Turnschühchen im Schnee ausrutschende Asiaten), 900m unter uns schlummert der See in zarten Vorabendfarben.

Dann mit der Seilbahn wieder obi (mia san jetz in am Alter, wo ma des ab und zu derf).

Recht geschafft, das gestrige Spätabendschwimmen war vielleicht nicht die ideale Vorbereitung für so eine Tour. Trotzdem sehr zufrieden, aufgeräumte Grundstimmung, innerlich in guter Balance.

Die später auch vonnöten sein und auf die Probe gestellt werden wird, was ich aber in der Gondel sitzend gottseidank noch nicht ahne, womöglich wär ich sonst oben geblieben oder gleich danach heimgefahren.

Eine lange, haarsträubende Diskussion mit der Lebensgefährtin des Papas ergibt sich, über Bio-Lebensmittel, ökologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, und endet beinahe in einem ähnlichen Fiasko wie wir das hier vor acht Jahren mal hatten. Ein so dermaßen dummer und bornierter Satz fiel vorhin, dass mir der Kragen platzte und ich sogar laut wurde.

Dank der heute guten inneren Verfassung hab ich – dem Papa zuliebe! – dann doch nochmal die Kurve gekriegt und dageblieben. Und ich werde sogar über Nacht bleiben.

Das Mondlicht gleitet über den Nordhang des Wallbergs und von dort direkt zu mir ins Bett. Allzu oft wird das nicht mehr so sein. Meine eh schon seltenen Nächte in diesem Haus sind gezählt. Auf dem Nachttisch liegt das Weihnachtsgeschenk des Papas, das unterschwellig dieselbe Botschaft vermittelt: beiß die Zähne zusammen, so lange du noch welche hast, und lass uns die Zeit, die uns noch bleibt, so gut es geht vergolden.

Er hat mir ein Tütchen überreicht mit allem, im Laufe der Jahrzehnte entfernten und gesammelten Altgold aus seinen Zähnen. Inklusive Brücken und anderem Zahnersatz, das hängt da halt noch so dran.

Frohe Weihnachten, sagte er und drückte mir das klackernde Tütchen in die Hand. Morbide Optik irgendwie, das sei ihm schon bewusst, kommentierte er diese Übergabe, aber ich solle mir das ja auch nicht für den Rest meines Lebens auf den Nachttisch legen, sondern zur Degussa tragen. So isser, der Papa.

24 Gedanken zu „Himmel der Bayern (69): Von Wallfahrten & Wallungen.

  1. „Blattschuss“ ist vom Ostbahn-Kurtl! Ist schon Mitte der 1980er Jahre auf der „Ostbahn-Kurti und die Chefpartie“ erschienen, aber da ich nicht so ein großer Ostbahn-Fan bin, wird Mr. Spike bald korrigierend, ergänzend seinen Senf dazugeben.
    Und halt Dich fest: Es gibt eine schwyzerdütsche Version von „Point Blank“, nennt sich „Flachgleit“ und besungen hat es eine Kombo namens „Züri West“. (Dass Züri West und Patent Ochsner so etwas wie die Schweizer Pendanten zu den Beatles und Rolling Stones sind… ups, ich hör‘ schon mit meinem unnützen Musikwissen auf.)
    Nur noch zwei Tage arbeiten!!!

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  2. Liebe Natascha,
    schöne Stunden mit Deinem Papa wünscht der Norden!
    Apropos Norden: Hier schmecken die Brezen nach nix, die Laugenbrötchen nach gar nix.
    Einen dicken Kutscher für die zuckersüße Pippa!

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    • Liebe Christine,
      tja, das ist so einer der Gründe, weshalb ich Oberbayern nur über meine Leiche verlassen würde. Ich bin in meinen 17 Berufsjahren viel herumgekommen in Deutschland, und wirklich nirgends sind die Brezen das, was sie hier sind. Solltest du je an den Tegernsee kommen, fahr zur Bäckerei Tremmel in Rottach-Egern, mein jahrzehntelanger Brezentest hat diesen Bäcker ganz klar auf Platz 1 gesetzt. Da Brezen frisch sein müssen, kann ich dir leider keine schicken…
      Ganz liebe Grüße in den Norden, den wir, vom Brezendesaster abgesehen, ja sehr mögen, wie du weißt.
      Natascha

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      • Da hast Du mich nun auf die Idee gebracht, bei genannter Bäckerei nach einem Rezept zum Nachbacken anzufragen. Quasi ein Hilferuf aus der Diaspora. Vielleicht zeigt man ja Erbarmen? :-))

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  3. Guten Morgen Natascha,
    und danke für’s mitnehmen auf die schneebefleckten Höhen – auch die Hornisgrinde hatte die Tage mal ein weißes Kapperl, aber im Moment ist zu neblig, als daß ich das kontrollieren könnte …
    Und wie schön, daß mir gleich zwei zuvorgekommen sind mit dem Hinweis auf den Kurti: Mit Sori hatte ich gerechnet, aber offensichtlich ist der Willi Resetarits, wie er bürgerlich heißt, doch bekannter als ich dachte … unter diesem Namen sieht ihn die liebe Sori öfters, mal mit Ernst Molden, mal mit dem Stubnblues und auch immer wieder mit anderen musikalischen Partnern und Partnerinnen … sein Bruder ist übrigens der „Kottan ermittelt“ Darsteller Lukas Resetarits, den man bei Kabarettabenden erleben kann – letztens mal sogar auf 3Sat …
    Ein Morgengruß vom Rand des Schwarzwalds,
    Spike

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    • SO oft habe ich den Willi R. auch nicht gesehen, obwohl ich ihn in 2019 2x gesehen habe, was ich schon als „oft“ durchgehen lassen kann.

      Übrigens, ich hatte gehofft, Mr. Spike würde das Thema „Ostbahn-Kurti“ ausweiten, aber dann muss es halt die Frau machen: Es gibt noch weitere Springsteen-Nummern im Ostbahn-Stil… „Oabeit“ und „A Schritt vire“ müssen Dir, liebe Frau Kraulquappe, doch bekannt vorkommen?

      Und den Ostbahn-Kurtl habe ich einmal live gesehen. Ein verregneter Samstag im August 2011. Wobei ich mich lieber an das sehr gesellige Vorglühen erinnere als an das eher maue Konzert. (Ich kann bis heute immer noch nicht die Begeisterung einiger Leute verstehen, die für die aktuellen „Klassentreffen“ mittlerweile 70 EUR Eintritt zahlen.)

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      • Unter „A Schritt vire“ hab ich sofort die passenden Klänge im Kopf, aber „Oabeit“? Na, pfiat di, echt ned… (mit da Oabeit hob i’s nimma so, s’Lebn is scho hoad gnua!).
        Was dein Kopfschütteln über manche Leute angeht, die 70 Öcken für sowas hinblättern: es wird wohl dasselbe Unverständnis sein, das manche Leute haben, wenn man ihnen erzählt, dass man 3x 95€ für drei Springsteen-FOS-Tickets hingelegt hat, für 3 Konzerte in 8 Tagen 😬🤠👍

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      • Hihi… bei der nextn Tournee kostet die FOS-Karte dann mindestens 140 EUR.
        (Und frag mich bitte nicht, wieviel ich für Zürich 2016 zu zahlen bereit war. Aber ich möchte es nicht missen!)

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      • Verzeih, liebe Sori, aber ich war heute früh etwas in Eile. Mit „öfters“ meinte ich einerseits im Vergleich zu mir, der ich ihn leider noch nie live erlebt habe – ich leb‘ da ausschließlich von Konserven – und andererseits meinte ich mit „öfters“ eben auch akkumuliert über die Jahre … werd mich lieber nicht auf’s dünne Eis wagen, da Zahlen zu nennen, aber Du hast sicher ’ne schöne Liste an Terminen mit dem Willi, um die ich Dich durchaus beneide …
        Ergänzen möchte ich die Ostbahn-Cover-Liste noch um „Feiertog“ (Independence Day) auf der „Trost & Rat“ Unplugged Live CD und „Feier“ (Fire) und „Stadt aus Stan“ (Hearts of Stone) auf dem Erstling von 1985 … wobei er auch sehr viele andere wirklich toll gemachte Coversongs hat – einer meiner Lieblinge ist „Loss ollas liegn & steh“, das ich im englischen Original „Ride the Night away“ von Little Steven 2017 und 2018 live erleben durfte – zu schade, daß das nicht im August im HsD im Set war …

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      • Sog amoi, bin i deppert? I hob des „Rendezvous“ vergessn … im Duett mit Bessie Brühl gesungen … hat was von Nickerbocker & Biene, aber rockt weit besser …

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      • Nicht so schlimm. „Rendezvous“ gehört zu meinen weniger Lieblingsliedern von Brutsche und die Nummer 2x live in Wien (2009 und 2012) gehört zu haben, war nicht so prickelnd…

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      • Es ging mir ja auch mehr um die Vollständigkeit der Liste …
        Tja, und da ich „Rendezvous“ zuerst nur vom Kurti kannte – die Tracks kam ja erst 1998, meine Kurti-Infektion begann schon 1993/94 – und diese Duett-Version doch irgendwie einen herben Charme hat, mag ich den Song eigentlich, aber hatte noch nicht das Glück, ihn auch von Bruce live zu hören … das Leben ist manchmal ungerecht … 😉

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    • Guten Morgen zurück, mit Bergblick, Kaffee und bester Breze! Hier schläft noch alles, so dass ich meine Frühstücksruhe habe und Blogkommentare beantworten kann 🤗
      Schönen Dank für die Ergänzungen sowie für die Erwähnung der Hornisgrinde, ein noch feineres Wort als Flachgleit.
      Bergluftgrüße aus Rottach-Egern,
      Natascha

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