Songs des Tages (46).

Manche der Songs umweht glatt ein Hauch von „Nebraska“ oder „Darkness“, und mit Krähenvögeln und einer 13 im Bandnamen kann eh nix schiefgehen – das waren meine ersten spontanen Gedanken, als ich mich so durchhörte durch die diversen Playlists der „13 Crowes“.

Eine ordentliche Prise Brian Fallon hier, eine große Schippe Bruce Springsteen dort. Melodiöse Melancholie, betörende Balladen und herzergreifende Hymnen wechseln sich ab mit den rauen, herben Klängen eines rockigen, fetten Gitarrensounds.

Geschichten von Verlierern und Verlorenen, denen der Rauch aus Fabrikschloten den Blick auf ein sorgloseres, freieres, selbstbestimmteres Leben vernebelt, diese atmosphäreverpestenden und seelenzermalmenden Grauschleier hängen natürlich nicht nur über den Arbeiterstädten New Jerseys, sondern auch über denen Schottlands (und auch über so etlichen gläsernen Großraumbüros unserer modernen, digitalisierten, prozessoptimierten Arbeitswelt).

Storys über das Leben, über Liebe und Leiden(schaft) – und was Lady Luck sich halt sonst noch so alles auszudenken vermag, wenn sie nach dem Malochen müde im Pub abhängt und sich dort ihr hübsches Köpfchen mit ein paar Gläsern Single Malt zurechtrückt, um sich wieder aufs Wesentliche zu besinnen.

Ein bisschen Punkrock, ein bisschen Folk und Americana, alles in allem eine recht ausgewogene Mischung, die die vier vollbärtigen, schottischen Burschen von „13 Crowes“ da präsentieren.
Nur den gelegentlichen Bon-Jovi-Touch, den hätt’s nicht unbedingt gebraucht, aber Schwamm drüber, das kann sich ja noch abwetzen und justieren, sind schließlich noch jung, die Kerle (und, herrje: hat diese Generation denn echt geschlossen das Bedürfnis, sich die Konterfeis ihrer Familienmitglieder, Exfreundinnen und Haustiere sowie deren Sternzeichen, Spitznamen und Sportvereinlogos auf all ihre Extremitäten tätowieren zu lassen?)

Und – last but not least – eine Musik, die durchaus als ein ebenso erfreuliches wie rares Fundstück zu bezeichen ist, für all die, die wie ich auf der Suche sind nach denen, die in der Lage sein könnten, in die Fußstapfen jenes Mannes zu treten, der bislang den zentralen Soundtrack zum eigenen Leben komponiert hat, einem aber dummerweise 33 Lenze voraus ist, weshalb es leider absehbar sein dürfte, dass er diesen Soundtrack nicht beständig und bis zum Ende meiner Tage wird fortschreiben können, so dass ein rechtzeitiges Umsehen nach tragfähiger Zukunftsmusik keinesfalls als ein Akt der Blasphemie, sondern als vernünftig betriebene Altersvorsorge gewertet werden muss.

Die eine, ganz große Liebe bekommt dadurch nicht den geringsten Kratzer, sie schwankt auch nicht, weil sie nun etwas in die Jahre gekommen wäre oder sich allmählich ihrem letzten, gemeinsam lebbaren Abschnitt nähert – ja wo denken Sie denn hin!?, natürlich ist das eine Sache für die Ewigkeit, sonst wär’s ja nicht diese eine, ganz große Liebe!
Sie könnte nun lediglich ergänzt werden um ein paar Liebschaften drumherum, die sie nicht von ihrem Thron stoßen, sondern nur ein wenig entlasten würden, bei denen sich aber erst noch wird erweisen müssen, welche davon wirklich das Zeug zu „mehr“ haben.

„No guts, no glory“ heißt einer der Songs von den „13 Crowes“ und so wollen wir es halten: mutig, zuversichtlich und mit offenen Ohren nach neuen Akkorden Ausschau (besser: Aushorch) halten, auf denen einst das Fundament des eigenen musikalischen Spätsommers und Herbstes errichtet werden kann.

Ein Forenbacher fällt schließlich nicht alle Tage vom Himmel, und wir wollen das Firmament ja ruhig recht gut ausstaffieren mit ein paar funkelnden Sternen, die das bossianische „Dry lightning“ adäquat umrahmen, und die all sein Licht bis zu jenem Tag, an dem es zu verblassen droht, ganz in ihre Strahlkraft aufgesogen haben werden und dann sowohl durch sich als auch mit ihm weiterleuchten, bis ans Ende meiner Zeit.

Amen.

I threw my robe on in the morning
Watched the ring on the stove turn to red
Stared hypnotized into a cup of coffee
Pulled on my boots and made the bed

Screen door hangin‘ off its hinges
Kept bangin‘ me awake all night
As I look out the window
The only thing in sight

Is dry lightning on the horizon line
Just dry lightning and you on my mind

PS:
Falls es unter der geneigten Leserschaft jemanden gibt, der am nächsten Dienstag nicht im Skiurlaub ist, sich nicht ins Faschingstreiben stürzen will und auch nicht das Champions-League-Spiel gucken muss, der möge sich bitte gern melden – ich hab noch ein Ticket übrig für das Konzert der „13 Crowes“ hier in München, das ich zum rabattierten Stammleserpreis von 13€ rausrücken täte (wahlweise auch für einen Zehner und eine Weiße).

Melden Sie sich einfach per Kommentar hier im Blog oder via Mail unter kraulquappe@web.de, und keine Sorge: Sie müssen weder Springsteen-Fan sein noch an dem Abend 20 Songs lang neben mir stehen, ich komme mit solcher Live-Musik auch wunderbar alleine klar, und Ihnen würde das ggf. auch die Peinlichkeit ersparen, offenkundig die Begleitung von derjenigen zu sein, die sich womöglich auf ein „Tougher than the rest“-Duett zu Cammy Black auf die Bühne hinaufwagt, obwohl sie wirklich tausendmal besser Schwimmen als Singen kann 😉

PPS:
Wen’s interessiert, hier noch zwei Links:
1x das reife, rauchige Destillat und 1x der neue, nachwachsende Gerstenhalm.
(Wir wollen das jetzt nicht ernsthaft vergleichen, aber ein Potenzial ist da, und ansonsten gilt auch hier: No guts, no glory!)

14 Gedanken zu „Songs des Tages (46).

  1. Danke für diesen Tip, Natascha … hab zwar schon diverse Krähen im Portfolio, wie z.B. die „Counting Crows“ (die 2016 für Bruce in Rom Vorgruppe gemacht haben) und die „Black Crowes“, die mehr in Richtung Southern Rock gehen, aber auch eine geniale Live-Scheibe mit Jimmy Page aufgenommen haben …
    Auch wenn die Krähen nicht wirklich die Star-Tenöre unter den Singvögeln sind, scheint’s unter ihnen immer wieder Exemplare zu geben, die mit ihrer markanten Stimme etwas in uns bewegen …
    Für’s Ticket kann ich leider keine Bewerbung abgeben – das ist arbeitstechnisch nicht drin … aber ich bin überzeugt Du wirst einen tollen Musikabend haben …!

    Ein lieber Gruß,
    Spike

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    • Bislang kannte ich auch nur die „Black Crowes“, aber Facebook meinte neulich, dass mir die „13 Crowes“ doch auch gefallen müssten – und hatte recht damit.
      Bislang für nur (neben Sori und dir) nur zwei Interessenten für das Ticket, aber leider aus Hamburg und Berlin, ein bisschen zu weit für einen Abend…, naja, vielleicht meldet sich ja noch ein Sponti aus Oberbayern.
      Etwas bergtourerschöpfte Grüße und ein schönes Wochenende,
      Natascha

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      • Hier eine Kostprobe der Counting Crows von ihrem Debut-Album „August & Everything after“ von 1993:


        Das war einer der zwei Ohrwurm-Songs, mit denen sie mich eingefangen haben … der andere heißt „Rain King“ …

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      • Liege schon im Bett und via Smartphone lässt sich der Link im Blog nicht öffnen, lieber Spike. Könntest du ihn grad nochmal per Mail schicken? Dann hätte ich noch eine kleine Nachtmusik…

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      • Ahhh! Verstehe, dass Mrs. Jones dir gefällt! Der Kerl ist nicht so mein Fall, also rein optisch, hab heut Abend zu viele alte Springsteen-Videos geguckt, da hat jetzt eh jeder schlechte Karten, eigentlich in jeder Hinsicht.
        Rain king sagt mir musikalisch eher zu als die Jones.

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      • Es handelt sich um einen Herrn: Der Song heißt „Mr. Jones“ … und ja, die Optik von Adam Duritz, dem Sänger und Kopf der Band, ist gewöhnungsbedürftig, zumal mittlerweile sowohl Pfunde als auch Rasta-Mähne deutlich zugenommen haben … aber die Stimme und deren Umfang bis hoch hinauf hat’s eben doch in sich … ich hab sie 2014 auf einem ihrer raren Deutschlandkonzerte im E-Werk Köln erlebt und live sind sie wirklich grandios …

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