Die Liebe in den Zeiten der Coronakrise.

(Ganz neue) Szenen einer Ehe.
München, im März 2020, ein relativ gewöhnlicher Dienstagmorgen.
Der Gatte kehrt vom morgendlichen Ausritt mit dem kleinen Jagdhund zurück, dreht sich auf dem Absatz wieder um und ruft voller Tatkraft treppabwärts sprintend, er begäbe sich nun direkt ins nahegelegene Jagdrevier, um dort gleich in der Früh sein Glück zu versuchen (seit Wiedereinzug in unserer Wohnung fehlen uns ja ein paar essentielle Utensilien im Haushalt, wir berichteten hier).

Eine halbe Stunde später sperrt er die Wohnungstür wieder auf und ich höre den Erfolg seines Jagdausflugs schon vom Arbeitszimmer aus auf dem Parkett aufschlagen, springe hoch, laufe ihm durch den langen Flur entgegen, sehe die Beute auf dem Boden liegen – und falle ihm freudig um den Hals.

Der Held des Tages aus der Münchner Ludwigsvorstadt und sein Riss.

Auch die Liebe verändert ihr Antlitz in den Zeiten der Coronakrise:
Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Mann küsse, weil er mir Klopapier nachhause bringt!
Und das erste Mal, dass in unserem Haushalt zwei Packungen von dem weißen Gold, wie es die Leute hier im Viertel bereits nennen, vorrätig sind.

Sollten Sie keinen so beherzten Gatten im Haus haben, der frühmorgens zur Jagd geht oder es bei Ihnen aus anderen Gründen zu einem Toilettenpapier-Engpass kommen – ich kann Ihnen nun gern mit einem Röllchen aushelfen!

12 Gedanken zu „Die Liebe in den Zeiten der Coronakrise.

  1. Dafür habe ich noch genügend Akten – die ich dann nicht mehr brauche.
    Erschüttert hat mich heute ein Hochlager-Regal in der Metro (Grosshandel) 40 Meter lang und ca. 8m hoch, eigentlich lagern hier Nudeln, Pasta, Reis, und Mehl. Ausser 5 Sack Mehl zu 25kg war das gesamte Hochlager-Regal leer.

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    • @Metro: Absurd, wirklich!
      Die Frau, die ich gestern vor dem leeren Nudelregal bei Edeka in Tränen ausbrechen sah, heulte übrigens nicht wegen Corona im Allgemeinen, sondern weil ihr Hamstervorhaben scheiterte (ich bekam zufällig das Gespräch zwischen ihr und dem Marktleiter, der sich um sie kümmerte, mit).
      Heb deine Akten also sicherheitshalber mal gut auf.

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  2. Sicher und sanft! Der Held weiß, was er seiner Dame schuldig ist … 😉
    Tja, wozu die Welt zu Füßen legen, wenn’s aktuell auch zwei Zehnerpacks 3-lagiges tun …?
    (naja, die Welt würde den Job auch machen, sofern die Druckerschwärze schon trocken ist … aber eben nicht so sanft … )

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      • Wie ist denn nun die Lage?
        Reichen die Taschentücher mittlerweile für die Folgen der Seifenoper, die Ihr nun – leider natürlich ohne Publikum außer Pippa – in Euren grundsanierten, letzt-geschliffenen vier Wänden mit der frisch erstandenen Seife aufführen könnt, um Euren nach Kultur darbenden Seelen ein klein wenig Frischfutter zu gönnen?
        (Man kann ja auch kulturell nicht ewig nur von Konserven leben … 😉 )
        Ein herzlicher Gruß aus Baden,
        Spike

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      • Danke der Nachfrage! Bis auf Seife hat der Gatte nun jeden Morgen eines der fehlenden Güter erjagen können. Der Heuschnupfen darf also weiterhin Hatschi machen und morgens wird’s auch am Wochenende noch Kaffee geben. Im Biomarkt hab ich gestern eine Olivenseife gekauft, die das Händewaschen zwar etwas verteuert, aber mei.
        Und da der Gatte ja nicht nur Jäger ,sondern auch Serienbeauftragter ist, sind wir an der „kulturellen Front“ für die nächsten Wochen gewappnet.
        Wie ist die Lage bei dir?
        Herzliche Grüße aus München
        Natascha

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      • Hier bei mir ist im Grunde alles recht ge-chillt … Home-Office funktioniert ganz gut, wobei mit gewissen Kollegen die Diskussionen auch per Video-Call nicht weniger anstrengend und erst recht nicht kürzer werden – Du weißt schon, „Mr. X“, mein chinesischer Lieblingskollege … wobei ich mit Kollege K. per Jabber-Videocall vorhin mit Kaffee angestoßen habe … der ist wie ich entspannt trotz ungewohnter Situation … ansonsten verlasse ich nur für absolut nötige Besorgungen das Haus und stelle fest, daß auch andere mittlerweile die Lage begriffen haben und z.B. von sich aus 2m Abstand in der Kassenschlange halten, auch wenn niemand mit rot-weißen Klebebändern Markierungen gemacht hat … oder eben vor der Metzgerei warten, wenn schon 3 Kunden im Geschäft sind … meine Versorgung für die nächsten 10 Tage ist gesichert, ich seh dem Kommenden recht entspannt entgegen … ich hoffe, die radikale Ausgangssperre wird zu vermeiden sein …

        Ansonsten kommuniziere ich fleißig per Email oder Telefon mit Freunden und bekam z.B. aus Holland eine schöne Rückmeldung, daß eine chronisch kranke BAP-Freundin, also Risikogruppe, aktuell relativ wohlauf ist … eine Sorge weniger also …

        Ein lieber Gruß aus der Ortenau,
        Spike

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