Schon der Hammer.

Um 9:35 Uhr kurvt die erste Polizei-Patrouille durch die menschenleere Allee vor der Haustür. Mit Durchsage, versteht sich. Megalaut. Wacht mit Sicherheit auch die letzte Schnarchnase davon auf.
Bitte nicht noch früher!, denkt man da kurz, denn wenn man schon nicht hinausdarf ohne triftigen Grund, dann möchte man wenigstens auch ohne triftigen Krach da draußen sein Frühstücksei löffeln und die Zeitung lesen können.
Meine diesbezügliche Empfehlung heute: der Artikel „Die gehorsame Gesellschaft“ aus der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung. Am besten noch nicht vor dem Erstkaffee und auch erst, wenn die schlafverklebten Augen schon etwas klarer in den Tag blinzeln, da sonst womgölich intellektuell noch zu herausfordernd, zumindest ging es mir so.

Beim Morgengassi entdecke ich, dass jemand auf jede vierte Windschutzscheibe in der Reihe der parkenden Autos „Wir lieben Demokratie“ geschrieben hat. Nein, nein, nicht etwa mit einer Spraydose! Sondern einfach mit dem Finger in den Schnee gekratzt. Über Nacht hat es nämlich wieder geschneit. Vorgestern noch mit hochgekrempelten Ärmeln und Hosen (und sogar barfuß) auf einer Bank gesessen, heute wieder Mütze und Handschuhe, aber allmählich wundert man sich ja über gar nichts mehr.

Der Schwimmbadentzug macht sich langsam bemerkbar, und das offenbar nicht nur bei mir.
Der Gatte, der ja neben seinem Zweitjob als häuslicher Serienbeauftragter (ein nicht zu unterschätzendes Amt in Corona-Zeiten) ja noch einen Drittjob als Pressespiegelbeauftragter hat (damit ich nicht ständig mit dem großformatigen Papier hantieren muss), legt mir kichernd eine Zeitungsmeldung neben mein Quittengeleebrot.

Da es in meinem Ganzjahresfreibad keine Scheiben gibt, die man einschlagen könnte, behelfe ich mir erstmal anderweitig, schnüre nun wieder meine Asics und sprinte springsteenbeschallt und selbstverständlich schön sozialdistanziert ein paar Runden durch den nahegelegenen Park.
Fürs Immunsystem, fürs Abschalten, fürs Frischlufttanken. Und mittlerweile scheint sogar die Sonne.
Das sollten genug der triftigen Gründe sein.

Ihnen allen einen schönen Sonntag!

PS: Weiß zufällig jemand, wieso der angeratene Abstand zum Mitmenschen hier in Deutschland mindestens 1,5 Meter betragen soll, man in Österreich aber nur 1 Meter empfiehlt? Husten unsere Nachbarn etwa anders, haben sie eine geringere Tröpfchendichte im Ausgehusteten oder fliegen die Aerosole dort einfach langsamer durch die Luft, quasi eine österreichische Variante des Virus, die sich dem nationalen, so angenehm unhektischen Tempo dort angepasst hat?

19 Gedanken zu „Schon der Hammer.

  1. Der Ingenieur würde beim p.s. ja erstmal auf die Zahlen schauen, aber da läßt der erste Blick eher das umgekehrte vermuten, da die Einwohnerdichte in Austria um den Faktor 2,3 kleiner ist als hierzulande … aber man könnte sich vorstellen, daß der Anteil an zur Abstandnahme nutzbaren Fläche in Österreich im Verhältnis zur Gesamtfläche des Landes durch geologische Auffaltungen von Hochgebirge deutlich geringer ist als in good old Germany, wo ja z.B. die Norddeutsche Tiefebene großflächig Raum zum Abstand nehmen bietet … 😉
    Beste Grüße und bleibt’s gsund!
    Spike
    p.s.: Sori, ich bin gespannt auf Deine Recherchen über die wahren Hintergründe …

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    • Mit so einem Inschinör hätt ich’s manchmal schon schwör (ich Geschöpf aus den geistes- und sozialwissenschaftlichen Gefilden), Zahlen-Anteile-Dichten-Fächen-Auffaltungen-Räume, herrje, aber bereichernd ist’s allemal, deine Analyse 🙂 und die Wahlwienerin veröffentlicht ihre Recherchen ja vielleicht auch noch hier, mal schauen.
      Schönen Abend von der Couch & ebenfalls weiterhin Gsundheit!
      Natascha

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      • Leider hat die Wahlwienerin nicht herausfinden können, warum die Sicherheitsabstände in Deutschland und in Österreich unterschiedlich geregelt sind, obwohl ich auf einen Artikel der überaus seriösen „Wiener Zeitung“ gestoßen bin, in dem sogar ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern empfohlen wurde.

        Darüber hinaus gibt es sogar einen weiteren Unterschied: Wir benötigen (noch) keinen Passierschein, wenn wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren (müssen).

        Das lässt mich an den Spruch erinnern, in dem der Preuße sagt, dass die Lage ernst ist, aber nicht hoffnungslos und der Österreicher behauptet, dass die Lage hoffnungslos ist, aber nicht ernst.

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      • Liebe Frau S. aus W.,

        die Redaktion dankt Ihnen herzlich für Ihre ausführlichen Recherchen zu den Distanzfragen, möchte aber höflichst darauf hinweisen, dass in Beautiful Bavaria derzeit noch keine gesöderten Passierscheine nötig sind, wenn man sich mit dem schönsten aller Fräuleins aus dem Homeoffice zur Isar begeben möchte, gottseidank (auch wenn wir nicht an ihn glauben)!
        Besonderer Dank gebührt auch Ihrem hoffnungslos ernsten Schlusssatze, den Sie Ihren Ausführungen beifügten – ja so san’s, unsere Nachbarn, eh klar!

        Pfiat Eana, Servus und Baba, mia hörn uns,
        gez., die Redaktion.

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      • @Sori: Meines Wissens gibt’s die Passierscheine nur bei den Franzosen, und laut Alphonse sind die super-sinnvoll, da man sie nicht beantragen muß, sondern das Formular im Internet herunterladen kann und selbst auszufüllen hat. Ungeklärt sei allerdings, ob man für das tägliche Gassigehen jeweils einen neuen Passierschein braucht, oder eine einmalige Ausstellung und Wiederverwendung zulässig ist.
        Typisch französisch sei allerdings, daß trotz der einfachen Beschaffung doch einige diese staatliche Bevormundung ablehnen und ein erhebliches Bußgeld in Kauf nehmen … 😉

        In diesem Sinne wahrt den Anstand, nutzt den Verstand und haltet’s Abstand bis der leidige Umstand ausg’standen ist … 😉
        Es grüßt herzlichst
        Commentatore Spike

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  2. An sich sind weder 1m noch 1,5m genug – Hustenviren fliegen nämlich 6m … soviel dazu. Und ich frage mich auch immer, ob die Hustenviren denn schön brav in den eingehusteten Armbeugen hocken bleiben. Ironiemodus aus.
    Über den Zeitungsartikel musste ich grinsen, nu sitzt er auf der Wache, schon dumm gelaufen!
    Huch, ich bin ja immer nch irnonisch, also jetzt mal schnell winken und ab mit mir.
    Herzlichst, Ulli

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  3. … womöglich misst man in österreich etwas lässiger als hier, also irgendwie schleppender, so dass, was hier ein meter fünfzig ist, dort grad mal für einen gilt … wer weiß …
    lieben gruß u schönen restsonntag dir!

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    • Werte Pega,

      die Theorie hat was … ich kenne einen ähnlichen Effekt bei Konzerten des Karlsruher „Cover-Königs“ Sean Treacy, seines Zeichens gebürtiger Ire aus Kilkenny, aber vor 30 Jahren in Karlsruhe gestrandet und seither wichtiger Bestandteil der lokalen Musikszene.
      Bei den Konzerten der Sean Treacy Band gibt es traditionell zwischen den zwei Sets eine Pause von 10 Minuten – aber es sind irische Minuten, wie Sean immer betont: praktisch dauert die Pause meist 25 bis 30 deutsche Minuten … die Iren sind in Sachen Zeit einfach gechillter als wir pünktlichen Deutschen … also warum sollte nicht auch der Österreicher bezüglich Längenmaßen etwas entspannter sein … ?
      Aan Meta? Aan Meta fuchzig? Awa, wos juckn die poa Zentimeta: des is doch a Lercherlschas … 😉

      Hochachtungsvoll, und bleiben’s gsund!
      Commentatore Spike

      Gefällt 2 Personen

  4. bei dem Abstand gibt’s wohl ein Nord-Süd-Gefälle …. hat wahrscheinlich mit der umgekehrten Verbreitung des Viruses zu tun … in Italien gab’s zunächst so gut wie keinen Abstand – in Österreich dann 1m – als der Virus dann in D ankam wurden daraus 1,5m (sicherheitshalber) – und in Skandinavien sollten es dann schon mehr als 2 Meter sein … ich denke mir halt, dass je schlimmer die Nachrichten und Berichte wurden, umso größer wurde der Abstand … aber mit konkret begründeten wissenschaftlicher Erkenntnis hat es nix zu tun – der definierte Unterschied, denn wenn man nicht aufpasst und ungeschützt niest und hustet sind es schon mal auch 6 Meter ….
    PS: wer hätte mal gedacht dass ungeschützter Husten irgendwann genauso verpönt ist wie ungeschützter Sex … 😉

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