Song des Tages (51).

Gesehen: Beim Laufen treffe ich schon wieder J., den ich diesmal nur noch an seiner Stimme und der John-Lennon-Brille erkenne. Er läuft nun völlig vermummt, damit ihn die Polizei beim Herumkurven durch den Park nicht mehr als „alt“ identifiziert und womöglich heimschickt. Langärmeliges Laufshirt von seinem Sohn (mit aufgedruckter Marathon-Werbung), dazu lange Hose und Sturmhaube, bei 20 Grad kein Vergnügen, aber J. ist ja hart im Nehmen.

Gestaunt: In meiner Armbeuge erstmals kein Bluterguss nach der Blutabnahme, das grenzt an ein Wunder. Auch, dass es direkt beim ersten Einstich ein „Ozapft is“ wurde – Reschpekt!
Dafür hat die Delegation vom Tropenmedizinischen Institut der LMU uns mit ihrem Desinfektionsmittel (mit dem sie herumpritschen als würden sie mit einem Gartenschlauch riesige Beete wässern) den Esstisch versaut, trotz Auffangwanne, die sie dabeihatten, damit nichts danebengeht. Kein Thema, ich bin ja beschwerde-erprobt (mit hoher Erfolgsquote) und aktuell gut in Übung (grad erst vom Hersteller der Duschtrennwand eine Entschädigung für all den Ärger ermailt), geht auch von Mal zu Mal schneller. Ein neuer Esstisch wäre eigentlich eh mal nett, diesmal dann aber einen aus Wenge (ich bedauere es bis heute, vor elf Jahren ein anderes Holz gewählt zu haben, nur weil Wenge so teuer war). Wird man ja wohl erwarten können, für unseren tapferen und blutigen Beitrag zur Forschung, jedenfalls ist es mit einem Werbe-Foto für „KoCo19“ in der heutigen FAZ als Wiedergutmachung für den verfleckten Tisch noch nicht getan. Der Zeitungsbeitrag wird uns nämlich nicht berühmt machen, da auf dem Foto leider das Dackelfräulein fehlt (vom Knie des Gatten verdeckt), dafür aber meine Sorge vor dem Anzapfen der Vene umso besser eingefangen wurde (so verspannt hocke ich sonst NIE am Tisch).

Geplant: 1. Impftermin fürs Dackelfräulein inkl. Zahnkontrolle und Haut-Check. Vermutlich sind es zwar altersbedingte Pigmentierungen, aber anschauen sollen sie sich’s lieber. 2. Inspektion und TÜV für den Kombi (inkl. Winterdreckbeseitigung und Reifenwechsel). 3. Loleks nächsten Besuch (ich vermeide den Plural bewusst, obwohl ich fürchte, dass das Aufstemmen der Wand, die Lecksuche, die Behebung der Misere sowie das Verputzen und Streichen der Wand länger dauern könnten als nur einen Tag).
Ansonsten plane ich nichts. Keine Urlaube, keine Besuche, keine Unternehmungen in einer Zukunft >2 Tage.

Gelesen: „Die kleinsten, stillsten Dinge“ von Sara Baume und „Walden“ von Henry David Thoreau. Ersteres ist an manchen Tagen kaum zu ertragen (irgendwo in Irland finden ein einäugiger Hund und ein einsamer Mann zueinander und brennen dann gemeinsam durch), der Thoreau hingegen erscheint mir hingegen wie die perfekte Prosa für Coronazeiten („Finde heraus, wo deine stärksten Wurzeln liegen, und verlange nicht nach anderen Welten.“ / „Hüte dich vor allen Unternehmen, die neue Kleidung erfordern.„).

Gegessen/getrunken: Spargel. Gugelhupf. Haferdrink. Schneider Weisse.
Von Spargel, vor allem dem grünen, krieg ich den Hals nicht voll. Habe mich sogar vor zwei Wochen als Erntehelfer registrieren lassen, sicherheitshalber, damit an der Front nichts schiefgeht, aber bislang verlangt niemand nach meiner Hilfe.
Zu dem Gugelhupf verleitete ein Zufallsreingucken in eine Gugelhupfreportage im Bayrischen Fernsehen. Ungeachtet all der Fett- und Zuckermassen musste ich sofort am Tag drauf einen backen und das hat trotz unpassender Backform hervorragend geklappt.
Haferdrink, weil: wir wollen schon länger weg von der Kuhmilch (bzw. von dem, was mit ihr verbunden ist), wo immer das halt möglich bzw. ersetzbar und geschmacklich vertretbar ist. Reismilch ist eine Zumutung für den Gaumen, auf Sojamilch bin ich allergisch, Mandelmilch hab ich noch nicht probiert. Hafermilch (besser: -drink) ist ideal fürs Müsli, im Morgenkaffee aber gar nicht. Also dranbleiben, weitersuchen und -probieren. Und an dieser Stelle ein Dankeschön an B. für den hilfreichen Input zur Thematik!
Zur Schneider Weissen dürfte in diesem Blog schon alles gesagt sein, vermutlich sogar schon mehrfach. Neu ist nur: der Gatte kauft mir seit Beginn der Pandemie komplette Kisten von dem köstlichen, bernsteinfarbenen Gesöff. Diese Bevorratung ist ebenso ungewollt wie ungewohnt, aber momentan wirklich praktisch und sinnvoll. Und da er derzeit nicht nach Frankfurt pendeln muss, hat er neben seinem Uni-Job und seinen zwei Nebentätigkeiten als Serien- und Pressespiegel-Beauftragter natürlich endlich auch mal Zeit für regelmäßige Fahrten zum Getränkemarkt.

Gefreut: Freundin A. schickt uns Mundschutzmasken. Zwei für jeden, blaue für den Gatten, rote für mich, wie sich das eben gehört. Sie und ihr Gatte tragen die gleichen Modelle. Alle vier sind wir der Ansicht, dass das Dekor des Stoffes perfekt zu uns passt, Uneinigkeit herrscht lediglich darüber, ob das Motiv einen Labradoodle oder einen Rauhaardackel darstellt. Im Juli, wenn wir uns wiedersehen, inklusive beider Hunde, tragen wir die Dinger hoffentlich längst als Sonnenhütchen und können das mit dem Motiv im Biergarten ausdiskutieren.
Der Papa legt ein ordentliches Osterei in mein Konto und ich gönne mir sofort ein neues T-Shirt, für dann, wenn mal Sommer ist und man wieder so richtig rausdarf und es sich lohnen wird, schöne Kleidungsstücke auszuführen. Die Ausgangsbeschränkungen ziehen ja eine gewisse Verlotterung nach sich, außer der Gatte hat berufliche Skype-Sitzungen oder es steht ein Treffen mit dem gepflegten Männerpaar aus unserem Hause zum Osterspaziergang an.

Gehört:
Neben dem Ostbahn Kurti grad vor allem Lou Reed und die neue Frauenpower-CD. Sonst den üblichen Mix, ich werd mich da nicht mehr groß weiterentwickeln, fürchte ich.
Gestern hat der Shuffle-Modus des Walkman mal wieder einen Corona-Song parat. Lang nicht mehr gehört, nie einer meiner Favoriten gewesen, weil ein bisserl seicht, zu poppig und arg wenig e-streetig, aber gestern fand ich den Text und vor allem den Takt zum Auslaufen nach der Joggingrunde richtig gut.

You might need somethin‘ to hold on to
When all the answers they don’t amount to much
Somebody that you can just talk to
And a little of that human touch

Kommen Sie gut durch die Woche und genießen Sie zumindest die Sonne!

9 Gedanken zu „Song des Tages (51).

  1. Das „Human Touch“ Album gehört für mich nicht zu den Springsteen-Highlights, aber das Titelstück ragt heraus. Es ist diese Allerweltsgeschichte, die sicher jedem schon einmal passiert ist. Wer sich zu sehr ins Privatleben pfuschen lässt, der verliert unter Umständen diese Menschlichkeit. Und diese Menschlichkeit ist das, wonach man sich dann sehnt.

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    • Für mich gehörte es lange zusammen mit „Lucky Town“ zu seinen schwächsten Alben. Mit einem Viertel der Songs von „Lucky Town“ hab ich mich dann mit der Zeit erstaunlicherweise doch noch innig befreundet, beim „Human Touch“-Album beschränkt es sich bis heute auf den titelgebenden Song (mehr als ein dezentes Mögen ist es aber auch nicht geworden), je nach Stimmung auch mal „Man’s Job“. Aber sonst gehen mir die Stücke (ich sag’s echt ungern) zu einem Ohr rein und zum anderen raus.
      Liebe Grüße in die Schweiz!

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      • Mehr als das Titelstück begeistert mich alles andere deutlich weniger. Es wäre besser gewesen, wenn Springsteen die stärkeren Songs der Alben „Human Touch“ und „Lucky Town“ zu einem einzigen Album vereint hätte. Liebe Grüsse nach München! Hoffentlich regnet es bald mal wieder…

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    • So wünscht man sich seine Leser: immer hellwach bei der Sache, immer die Brille auf und überdies alle Fotos vom Dackelfräulein sofort parat (im Hinterkopf, im Herzen, wie auch immer).
      Prost von der Parkbank & liebe Grüße!

      Liken

      • Naja, die Kacheln am Rand haben geholfen … und der Strubbel auf dem Kopf hat’s verraten: den konnte ich auf den Labradoodle-Bildern nicht finden … 😉

        Übrigens: Die Brille hilft mir da kein bißchen – die brauch‘ ich für die Ferne …

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  2. Ha! Gugelhupf gab’s zu Ostern bei uns auch, ganz ohne BF.

    Masken habe ich seit heute auch: getauscht gegen Getöppertes – mit Nähen habe ich wenig zu schaffen.

    Und zum erfolgreichen Direktpieks plus Foto (sehr wissensdurstig und konzentriert, keinesfalls angstvoll für die Zeitung geschaut!): ist es gar möglich, dass Du vor lauter Erfolgseuphorie noch Plasmaspenderin wirst…?
    Schöne Grüße. Birgit

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    • Essenstechnisch würden wir es wirklich prima miteinander aushalten! Und wie sehen deine Masken aus? Katzenmuster? Oder kleine Tässchen drauf? Oder Tomaten?

      Was die Plasmaspende angeht, so wollen wir nun erstmal das Ergebnis abwarten (Geduldübung gibt’s bei der Studie gratis dazu: 2 Wochen bis zum Ergebnis!), denn ohne erfolgreichen Antikörpernachweis werden sie uns uns wohl diesbezüglich eher nicht hofieren, sondern uns bloß weiterhin den Esstisch mit ihren Tinkturen bekleckern…
      Die Kraulquappenredaktion wird jeweils zum neuesten Stand der Dinge berichten!
      Herzliche Grüße nach Brandenburg,
      Natascha

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