Himmel der Bayern (75): Über den Berg.

Alle Sommerkonzerte abgesagt, das Tollwood abgesagt, die Wiesn abgesagt – und obwohl mir von den drei genannten Absagen zwei ziemlich wurscht sind, war diese Stornoserie für mich der Anlass, endgültig umzudenken und umzuplanen, was die nächsten Monate angeht. Merkel, Söder, Reiter – alle sagen’s, mia san no lang ned überm Berg.

Dann ist das wohl jetzt so.

Bis man also wieder Schwimmen gehen auf Almen oder Hütten ein frisch gezapftes Weißbier wird konsumieren können, kann es noch dauern. So muss eben künftig das Weißbier mit auf den Berg kommen. Da hat es der Fan vom Hellen, vom Pils oder vom Kölsch eindeutig leichter, weil diese Biersorten auch problemlos aus der Flasche getrunken werden können. Nicht so das Weißbier. Allein schon wegen des Schaums haut das nicht hin und auch sonst wär’s ein Sakrileg.

Flasche und Glas mit in die Höhe zu schleppen behagt mir aber gar nicht und würde auch allmählich zum Platz- und Gewichtsproblem ausarten (nein, nein, nicht das Biertrinken, sondern Stauraum und Schwere des Rucksacks!). Mit Proviant für Mensch und Hund, Wechselwäsche, Verbandskasten, Hundetrage und -decke schlepp ich ja schon genug Krempel durch die Gegend.

Deshalb mal ganz zaghaft nach „Weißbierglas Plastik“ und – noch kühner! – nach „Weißbierglas faltbar“ gegoogelt, und siehe da: das gibt’s alles!
Das faltbare Modell nehm ich dann doch nicht, es ist potthässlich, wirkt arg instabil und erinnert mich zu sehr an den faltbaren Trinknapf des Dackelfräuleins. Man wird einander im Laufe der gemeinsamen Jahre ohnehin immer ähnlicher (optisch, mental, emotional und habituell), diese Entwicklung muss jetzt nicht noch durch die Anschaffung fast identischer Schlürfschüsseln forciert werden.

Trotz der COVID-19-bedingt deutlich längeren Lieferzeit, auf die Amazon auf jeder Seite fettgedruckt hinweist, rechne ich noch vor Pfingsten mit einem ersten glücksüberschäumenden Gipfelschluck aus meiner geschätzten Schneider Weissen TAP7. Gute Aussichten (und bis dahin behelf ich mir halt irgendwie).

Nach einem Arbeitsvormittag dann mittags rausgefahren, zur Vor-Ort-Recherche. Sie wissen schon: Strecken erkunden für das Büchlein „Panoramaschleichwege durch die Pandemie“.

Heute: der Rechelkopf.

Wir grasen jetzt einfach nacheinander alle Touren ab, die wir in den letzten 30 Jahren ebenso arrogant („Ein Berg unter 1.565m Höhe ist kein richtiger Berg!„) wie ignorant („Zwiesel, Rechelkopf, Sonntratn – nie gehört! Wo soll das denn sein?“) links liegen ließen.

Bis wir damit durch sind, ist das Coronavirus längst über alle Berge. Und wir auch.

Dem Dackelfräulein gefällt das neu organisierte Programm ganz ausgezeichnet, bietet es doch ein ideales Ventil, den urbanen Überdruss abzubauen und sich fern aller kritischen Blicke und Streifenwagen mal so richtig auszutoben.

Zwar hadere ich etwas mit dem Hellen, aber übergangsweise geht’s schon mal.

Ein Prosit der Gemütlichkeit aus der Abendsonne in der vollkommenen Stille auf der Schwaigeralm!

Auf dem Abstieg entdeckt: die Schwaigeralm.

Windgeschützt kann das Fräulein sein Abendmahl einnehmen…

…leider ist die Portion wie immer lächerlich klein…

…weshalb direkt danach gebettelt wird…

…aber nix da, mein Brot gehört mir!

17 Gedanken zu „Himmel der Bayern (75): Über den Berg.

    • Auf der Wiesn gibt’s leider keine Weißbiergläser aus Plastik und es wird dort auch kaum Weißbier getrunken. Und die Kaufhäuser haben hier ja alle zu. Da bin ich mal ganz froh um Amazon.

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  1. Du hadernst mit dem Hellen? Ich hadernere mit fast allem, was Kohlensäure hat. Wozu ist die nochmal gut?
    Deine Suche nach faltbaren Gefäßen bringt mich gedanklich gleich wieder zu den DDR-Reisezahnputzbechern. Gut, dass Du Dich gegen so etwas in der Art entschieden hast. Potthäßlich trifft es ziemlich genau.
    Außerdem stelle ich fest, dass die fliegenden Öhrchen schneller als die Kamera sind….😄
    Schönen Abend Dir. Liebe Grüße.

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    • Liebe Birgit,
      hab deinen Kommentar eben erst gesehen: auf einmal werden die nicht mehr unter „Benachrichtigungen gelistet“ (und man bekommt auch keine Benachrichtigung mehr). Seltsam. Aber es war zu erwarten, dass Corona auch die Strukturen der World of WordPress zersetzt.
      Mit Kohlensäure hadernere ich auch, selbst Schorle „strecke“ ich oft mit Wasser, leichtes Prickeln stört mich dann nicht mehr. Weißbier ist für meinen Gaumen und Magen einfach grundsätzlich bekömmlicher als die herberen Biersorten, außerdem (der größte Vorteil) lässt sich Weißbier auch mit Kuchen kombinieren, das wäre bei Hellem undenkbar (zumindest für mich).
      DDR-Reisezahnputzbecher kenn ich natürlich nicht, aber – wenn ich deine Anmerkung so lese – umso besser, dass ich mir die jetzt nicht in groß bestellt habe!
      Schönen Tag für dich und liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Panoramawanderung Wildemann [Lieblingsrunden im Harz] – anwolf.blog

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