Song des Tages (52).

Mittwochmorgen, 7:35 Uhr in München, Ludwigsvorstadt. Links: Die bergpfadstaubigen Flossen von Frau Kraulquappe. Rechts: Die baustellenstaubigen Treter von Herrn Lolek. Er deutet auf unsere Schuhpaare, sagt augenzwinkernd „Wir passe gut zusamme!“ und betritt voller Tatendrang die Wohnung.

Sie brauchen also nicht denken, wir würden hier nur noch durchs sonnige, erblühende Voralpenland hüpfen und uns auf versteckten, einsamen Nebenpfaden einen Lenz machen.

Bereits frühmorgens ging es heute meinem Osterhäschen an den Kragen.
Kaum mit anzusehen, dieses Massaker!

Der Osterhase dankt ab – und macht Platz für den Heiligen Geist!

Es verging keine Stunde und Lolek hatte ihm das Fell über die Ohren gezogen, aber so richtig!

Erst ein brutaler Kopfschuss…

…und kurz drauf liegen sie frei, die Eingeweide 😦

Wir tragen das Unsrige zum Gelingen bei:
Ich verklebe Malervlies im Flur und assistiere Lolek beim Testlauf der Waschmaschine.
Das Dackelfräulein steckt seine Nase sachkundig in jedes neue Loch und hilft beim Aufspüren des Lecks.
Und dem Gatten gelingt es, trotz längst beendeter Faschingssaison, immer noch in irgendeiner Bäckerei einen Krapfen für Lolek aufzutreiben.

Eine Stunde später: Haarriss im Rohr gefunden. Fehler behoben. Alles dicht. Hoffentlich.

Natürlich war’s das jetzt noch nicht.
Das Mauerwerk muss nun trocknen, eine gute Woche lang. Morgen bringt Lolek einen Heizlüfter vorbei. Nächste Woche kommt er insgesamt 3x vorbei: zum Verputzen, zum Streichen und den dritten Anlass hab ich vergessen.
Ich erwäge, ihm einen Hausschlüssel nachmachen zu lassen und zum Du überzugehen, schließlich habe ich mittlerweile in 2020 mehr Zeit mit Lolek als mit irgendwem sonst verbracht.

Als ich dem morgendlichen Spektakel so beiwohne, drängt sich mir der Song des Tages geradezu auf, denn beim Blick auf die häsischen Innereien singt es in mir:

Well, lights out today
Trouble in the bathland
Got a hare on collision
Smashin‘ in his guts, man
I’m caught in a Polish fire
That I don’t understand

(….)

Talk about a drain
Try to make it sane
You wake up in the night
With a fear so tight
You might spend your life waiting
For a moment that just don’t come
Well, don’t waste your time waiting

Bathlands, you gotta bear it everyday
Let the broken walls stand
As the price you’ve gotta pay
Keep pluggin‘ ‚til it’s understood
And these bathlands start treating us good!

In dem Song ist aber gottseidank auch noch von einem Leben jenseits der Badsanierungen und Wasserschäden die Rede, zumindest für diejenigen, die tief in sich drin eine Ahnung davon vernehmen können:

For the ones who had a notion, a notion deep inside
That it ain’t no sin to be glad you’re alive

Fahren wir also morgen am besten gleich wieder hinaus ins Oberland, wo wir uns so glad und so alive fühlen und die zersmashten guts und all den Schutt der Bad-lands nicht mehr sehen müssen.

Ihnen auch noch eine schöne Woche!

15 Gedanken zu „Song des Tages (52).

  1. Na, selten hat ein Song so gepasst, was?! 🙂 und „irgend wie gings immer guuuuut!“ Halte die Daumen.
    Hatte ja eigentlich eher „glory days“ erwartet: Söder sagt Wiesen 2020 ab! Schon alle Freudentänze durch? Ruhe dies Jahr! .. musste da irgendwie gestern sofort an’ne Kraulquappe denken, die da in der Nähe wohnt.

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    • So isses! Der Song passt wie noch nie. Und hätten wir’s nicht schon hinter uns, würden wir jetzt auch die passende Serie gucken: „Breaking Bad“.
      Spaß beiseite. Nach einem Vierteljahr geht mir das alles granatenmäßig auf den Keks.
      Aber es passieren ja in der Tat auch erfreuliche Dinge: auf meiner Feierabendbierprivatbank vor dem Haus (= an der Wiesn) stoße ich gerade mit mir auf die große Freiheit an.

      Dass diese Freifläche nun den ganzen Sommer und Herbst über frei bleibt, ist super.
      Super ist auch, dass das jetzt ausgerechnet in einem Jahr so ist, in dem man ja nicht mal in den Süden flüchten könnte…
      Wie sich die Dinge doch manchmal fügen!

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    • Wie meinte der Kinderarzt, als meine Schwester mit meinem damals 4-jährigen Neffen zum drittenmal in 10 Tagen mit einer Rißwunde an der Stirn – immer an der gleichen Stelle – kam, zum kleinen Rabauken:“Ich glaube wir sollten da lieber einen Reißverschluß reinsetzen …“ 😉

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      • Der Rabauke paßte etwas besser auf beim herumtoben, hat Bio studiert und schreibt aktuell eine wissenschaftliche Arbeit über invasive Flußkrebsarten in der Rheinebene … die Story ist 25 Jahre her … 😉

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  2. Pingback: Possierlichkeiten in Paarbeziehungen oder: Die Staublaus. | Kraulquappe

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