Kaufen Sie ein Bad!

Wie Sie ja vielleicht eh schon an dem aktualisierten Dive-In-Day-Countdown auf der Startseite meines Blogs gesehen haben: Das große Re-Opening des Lieblingsbades wurde nochmal um drei Tage verschoben.
Auf Fronleichnam, d.h. auf Donnerstag, den 11. Juni.

Als Grund wurde das Wetter vorgeschoben: von Montag bis Mittwoch sei es im schönen Bayernland leider zu regnerisch, deshalb eröffne man nun lieber erst drei Tage später. Hä?
Alles Mumpitz!
Der wahre Grund, Sie ahnen es eh: Bill Gates, der ja bekanntlich das Wetter unter Kontrolle hat, konnte Markus Söder, der ja bekanntlich Bayern unter Kontrolle hat, nicht rechtzeitig eine geeignete Software zuspielen, die dem schwimmenden Bayernvolke die Online-Reservierung seiner Schwimmbadeintritte erlaubt hätte.

Weil das aber niemand so offen zugeben wollte, schon gar nicht Markus Söder, der ja gerade einen sensationellen Lauf hat (um nicht zu sagen: das Momentum seiner Karriere) und sich das durch keinerlei Schlingern oder Stolpern verhunzen will, schon gar nicht durch etwas so Überflüssiges wie der popligen Freibadsaison im Freistaate, hat Bill kurzerhand seinem Kumpel Markus ein Tief nach Süddeutschland geschickt, das es den Bäderbetrieben ermöglicht hat, die abermals vertagte Wiedereröffnung der Schwimmbäder auf das schlechte Wetter zu schieben.
Speziell im Falle meines Lieblingsbades ist das allerdings ein ausgesprochen schwaches Argument, da das Bad, das ja ein Ganzjahresfreibad ist, seine Pforten in den letzten 20 Jahren kein einziges Mal wegen einer meteorologischen Lächerlichkeit wie „13 Grad & leichte Schauerneigung“ geschlossen hatte.
Das neue Online-Reservierungssystem wurde von den Stadtwerken also für den morgigen Mittwoch, für den Bill Gates der Deutsche Wetterdienst 15 Grad vorhergesagt hat, angekündigt.

Weil ich dem Braten nicht traue und mich in den vergangenen 10 Tagen eh längst dran gewöhnt habe, dreimal täglich auf die entsprechende Seite der Stadtwerke, auf der die News zu den Münchner Bädern veröffentlicht werden, zu gucken, staune ich heute Morgen nicht schlecht, als ich das bereits am heutigen Dienstag freigeschaltete Buchungssystem entdecke.
Sakkradi, da san’s aba flott gwen, die Diwellopper aus Minga!

Ganze Arbeit, das muss man der IT-Abteilung der SWM wirklich lassen!
Und so anwenderfreundlich gestaltet und erklärt! Da haben die echt gut dran getan, dass sie die Regentage noch für letzte Testdurchläufe und Feinschliff an der Anwendung genutzt haben, anstatt das Ding halbfertig auf den Kunden loszulassen, wie das ja leider viel zu oft passiert. Vorbildlich!

Ich zögere keine Sekunde und kaufe sofort das gesamte Bad.
Natürlich nicht für einen alten Tag, sondern für einen neuen, denn das will ich mir nach den drei echt harten Monaten fern der chlorreichen Fluten schon gönnen!

Zwar muss man bei der Reservierung zwingend ein Zeitfenster (im User-Guide „Terminnummer“ genannt) eingeben, aber bei der finalen Bestätigung, die einem das System per Mail zukommen lässt, nachdem man den Buchungsvorgang nur schlappe 3x in Folge abzuschließen versucht hat, ist keine Rede mehr von dem zuvor ausgewählten Zeitfenster, sondern es wird einem – wie ja auch schon im Guide angekündigt – der Kauf des gesamten Bades bestätigt.

Für 15,5 Stunden habe ich übermorgen Zugang – und das für lächerliche 4,50€, da kann man nu wirklich nicht meckern.
Mit zwei bis drei Pipipausen (die WCs haben ja – im Unterschied zu Duschen und Umkleiden – geöffnet) und den Umziehzeiten bringe ich es da locker auf 26 Kilometer, womit in einem Rutsch ca. fünfeinhalb verpasste Schwimmwochen nachgeholt wären, und wenn ich das 3x so praktiziere, was kein Problem sein sollte, da ich das Bad ja nun gekauft habe, hab ich die Pandemie-Pause streckenmäßig und muskulär locker wieder reingeholt.

Kurz nachdem ich meinen ersten QR-Code erhalten habe, ist der Link zum Online-Buchungssystem plötzlich verschwunden. Das stelle ich nur deshalb fest, weil ich mir als frischgebackene Badeigentümerin gleich noch den zweiten Tag reservieren wollte, die wollen sich dort ja schließlich auf meine Besuche einstellen.
Das gibt es doch nicht!
Das Reservierungssystem ist wie vom Erdboden verschluckt!
Ich überprüfe das parallel zur enervierenden Arbeit an der Steuererklärung im Laufe des Vormittags noch mehrfach – aber Tatsache: der Link taucht nicht mehr auf, bis jetzt nicht.

Daraus folgere ich messerscharf, dass das mit dem Kauf des Bades nicht der Hauch von Kundenverarsche war, sondern ich am Donnerstag die einzige Besucherin in meinem (!) frisch rausgeputzten und endlich wiedereröffneten Freibad sein werde.
Dass die Umkleiden zu sind, kann mir dann ja auch wurscht sein.
Traumhaft! Social distancing vom Feinsten!

Mein Tipp für Sie: Falls morgen Früh dann das Schyrenbad, das Prinze und die Georgenschwaige zum Verkauf stehen, womit zu rechnen ist, da der Launch für das Buchungsportal ja offiziell für Mittwoch angekündigt war, seien Sie fix und sichern Sie sich mit nur wenigen Mausklicks diese sensationellen Schnäppchen.

Und wenn Sie das Schyrenbad erwerben sollten, geben Sie doch bitte unbedingt Bescheid.
Denn dann könnten wir mal tauschen: Sie für einen Tag in mein Dantebad, ich in Ihr Schyrenbad.
Ein bisschen Abwechslung schadet ja nicht bei diesen 15-stündigen Schwimmmarathons.

20 Gedanken zu „Kaufen Sie ein Bad!

  1. Ist das eine GoogleTranslater-Translation aus dem Chinesischen ins Englische ins Deutsche (möglicherweise mit einem kleinen Umweg übers Klingonische, aber mit gehörigem Abstand (mindestens 1,5. Meter) zum Verständlichen).
    Usability ist aber auch so 2019er.
    Aber mit eingeschränkter Usability bei Bädern kennst dich ja aus.

    Gefällt 2 Personen

    • Dein intellektueller Horizont verschlägt mir immer wieder die Sprache… Klingonisch!? Hast du dir das angeeignet, als du „ta’puq mach“ gelesen hast oder seinerzeit im Kino (oder wie diese Orte hießen, in denen man Filme auf großen Leinwänden gucken konnte)?
      Was die Usability angeht, werde ich dann dieser Tage mal berichten. Vielleicht ist die eher 1950er und man wird 2019 noch vermissen.

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  2. Meinen herzlichsten Glückwünsch!
    Hier drüben kommt immer an, dass München ein teures Pflaster wäre. Dem ist offensichtlich nicht so. Danke für den Tipp. Mein Timer tickt: Ich kauf mir morgen früh die restlichen Bäder und vermiete sie halbstundenweise zu Deinem Ganztagespreis ganz ohne Ei-Tie.
    Wenn Du so freundlich wärst und schon mal ein hübsches Gartengrundstück mit Töpferwerkstatt organisieren könntest? Das würde ich dann gern nach dieser oder der nächsten Badesaison käuflich erwerben.
    Erwartungsvolle Grüße. Birgit

    Gefällt 1 Person

    • Und? Wie ist die Lage? Wie stehen die Aktien?
      Ich sehe nämlich nach wie vor den Link zum Reservierungssytem nicht auf der SWM-Homepage. Aber das mag durchaus daran liegen, dass Brandenburg einfach früher aus den Federn kommt als Bayern und die Ei-Tie die Links dann gleich wieder deaktiviert hat, nachdem du um 6:42 Uhr bereits alle drei Freibäder für 13,50€ eingesackt hattest.
      Gern steh ich dir als Maklerin zur Verfügung, den Preisverfall muss man natürlich nutzen.
      Gespannte Grüße,
      Natascha

      Gefällt 1 Person

  3. In dem Berner Hallenbädern kann seit dem 25. Mai wieder geschwommen werden. Die Hallenbäder werden gut gereinigt. Die Stadt hat die Gültigkeit der Hallenbad-Abos um insgesamt 90 Tage verlängert. Nach einer über zweimonatigen Zwangspause gehe nun wieder regelmässig schwimmen.

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  4. Ein lieber Gruß zum Eröffnungsschwumm!

    Viel Spaß beim Bahnenziehen bzw. Schwimmkreisen … Kreisschwimmen … noch schlägst Du Wellen – bis heute abend vermutlich Deine Haut … 😉
    Wie fühlt sich’s an, so als Freibad-Besitzerin … ist es tatsächlich so einsam oder haben doch noch ein paar andere – vielleicht ja bekannte Gesichter – ein Ticket ergattert?

    Gut schwimm!
    Es grüßt herzlichst Commentatore Spike
    p.s.: Frotteekabine dabei?

    Gefällt 1 Person

    • Das war ja fast schon Gedankenübertragung!
      Als ich mich nämlich umzog sah ich doch tatsächlich eine Omi in so einem Ringsgwandl-Zelt aus Frottee, wie es in dem Sketch zu sehen war, den du mir geschickt hast, wild umanander hantieren, zum Piepen! E
      h vieles zum Piepen (oder auch zum Peepen) heute im Bad: die Schwimm-Community kennt einander geschlechtsübergreifend ja nicht nackig, aber was soll man machen, wenn’s keine Umkleiden gibt und man sich bei 13 Grad und Nieselregen im einzig überdachten Bereich des Bades trifft, in den man – selbstverständlich nur mit Maske – hinein darf, um im Trockenen seine Jeans abzulegen…? Gut, immerhin konnte man sein Gesicht verhüllen, das verfremdet ja auch ein bisschen.
      Ausführlicher Lagebericht folgt. Wahrscheinlich sogar in einer großen Münchner Zeitung, die es sich nicht nehmen ließ, die Besitzerin des Bades, also meine Wenigkeit, zu interviewen und abzulichten.
      Mit etwas müden Armen grüß ich dich einstweilen mit einem herzlichen Blubb-Blubb zurück!

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