Bene.

Mit zwei Hunden an meiner Seite, was nicht nur wegen der nächtlichen (fast) null Grad und zu dünnem Schlafsack ein Segen war, schlief ich in der Tutzinger Hütte meiner alljährlichen Alterung entgegen.

Ein mehrstimmiges Geburtstagsständchen um 7:13 Uhr vor der Bergkapelle und ein hübsch dekorierter Frühstückstisch trösteten perfekt über das mit Kümmel versetzte Hüttenbrot, die coronabedingt geschlossene Dusche und den allgemeinen Schlafmangel hinweg. Von der Tour rund um diesen Berggeburtstag berichten wir ein andermal, das Bildmaterial muss noch sortiert sowie Falten und Schweiß retuschiert werden.

Nur so viel: Beinahe auf die Geburtsminute genau standen wir bei perfektem Wetter und Weitblick zu viert mit unseren beiden Hunden in 1.801 Meter Höhe auf dem Gipfel der Benediktenwand und waren ebenso glücklich wie fix und fertig – drei Stunden Schlaf kommen in meinem Alter einem Genickbruch nahe, zumindest wenn am Tag drauf anderthalb Stunden Aufstieg, vier Stunden Abstieg und abends noch eine Party mit mehr als 2 Teilnehmern/Präsenten ansteht.

Künftig werde ich mich bei der Begrüßungsansprache für die Gäste eigenständig mit der Ziach begleiten können, sofern der mir zugedachte Akkordeonlehrer dieses Vorhaben nicht als aussichtslos einschätzt.
Auch jenseits der musikalischen Karriere kann einer Zukunft im Spätsommer des Lebens (oder dieses Jahres) nun mit noch mehr Optimismus begegnet werden: an unterstützender Lektüre besteht jetzt keinerlei Mangel mehr und in (beinahe beängstigender) Kürze winkt bereits ein Coaching durch einen echten Österreicher!

Mental health allein ist ja wenig seligmachend. Dank eines umfassenden architektonischen und kulturgeschichtlichen Führers kann ich ab sofort endlich in der Schweiz zum Schwimmen gehen (auch die Vignette traf schon ein), mich vorher und nachher mit edler Seife reinigen, im Anschluss einen Film über schwimmende Männer angucken und dabei in die Genusswelten eines der 12 Weißbiere eintauchen (winziger Kritikpunkt: warum waren in dem Karton nicht gleich 13 drin und wozu soll das eine alkoholfreie Flascherl gut sein?).

Die anderen 11 Halben werde ich mir während der viertägigen Springsteen-Klausur (DVD des letzten real erlebten Konzertes plus zig CDs anderer, legendärer Live-Perlen von Bruce) reinpfeifen. Zwischendurch wird der Blutzuckerspiegel mit bestem brandenburgischen Quittengelee und den einzigen Kirschen, von denen mir nicht der Hals zuschwillt, bei Laune gehalten.

Wenn mir dann mal nicht mehr nach New-Jersey-Flair, sondern nach schick & hip ist, schwinge ich mich mit sommerlich lackierten Zehennägeln (exakt in Schwimmflossenfarbe!) in einen roten Alfa Spider und lasse mich zum Eisessen chauffieren. Weil einem diese sommerlichen Cabriofahrten ja selbst die noch so kurze Frisur zerzausen können, hat man mich mit einem teckelverzierten Kosmetikspiegelchen für die Handtasche, die ich nicht habe, bedacht (überhaupt nehmen ja die schönheitsbezogenen Geschenke von Jahr zu Jahr zu, und ich wage nicht, mir auszumalen, wie der Gabentisch zum nicht allzu fernen 50. oder gar nach der nächsten durchlebten Dekade aussehen wird).
Und von den sieben Brücken, über die man angeblich gehen muss, ziert nun schon die zweite den Flur, und da wohl noch fünf folgen, habe ich offenbar noch ein paar weitere Geburtstage vor mir, was mich grundsätzlich eher hoffnungsfroh stimmt.

So sperre ich also rundum zufrieden, zuversichtlich und vermuskelkatert die Tür zum neuen Lebensjahr auf, am Schlüssel baumelt ein neuer Anhänger (raten Sie mal, welches Tier!) und all der vergangene Käse interessiert nicht mehr – denn den kann ich ganz elegant und diskret unter dem hübschen Almwiesen-Käseglöckchen verschwinden lassen und mich auf all das vor mir Liegende fokussieren konzentrieren freuen.

All den lieben, treuen und wohlmeinenden Gefährtinnen und Gefährten ein ganz herzliches: Danke, danke, danke!

16 Gedanken zu „Bene.

  1. bene.idenswert, dieser Gabentisch … ! Herrlich bunt und vielfältig …
    … ich seh aber nur 7 Flascherl – hast Du die anderen 5 etwa schon gezischt? 😉
    Und hab ich jetzt eigentlich den richtigen Tag erwischt?
    Liebe Grüße,
    Spike
    p.s.: Na, wie fühlt man sich nun mit 30?

    Gefällt 2 Personen

    • Der Herr Naturwissenschaftler hat also wieder ganz genau geguckt…!
      Ich wollte dem Alkohol optisch nicht zu viel Raum gewähren, also hab ich ihn in der Kiste belassen (3 der 5 von dir vermissten Flaschen) und als Bildstütze verwendet (2 der 5 von dir vermissten Flaschen).
      Mittlerweile fühlt man sich – zumindest mit 42 Stunden Abstand zu der Mega-Tour – wieder einigermaßen so alt wie man auch ist, kurzfristig war ich ja nah am Reha-Gefühl einer Frührentnerin und Lichtjahre von deiner schmeichelnden 30 entfernt 😉
      Liebe Grüße zurück (alles Weitere auf anderem Kanal)!

      Liken

      • Ja, das ist wohl eine Berufskrankheit … danke für die detaillierte Auskunft über den Verbleib der Weißbierchen … und die 30 sind durchaus korrekt – zumindest, wenn man wie ich oft im Hexadezimalsystem rechnen muß … okay, vielleicht hätte ich 30h oder 0x30 schreiben sollen … 😉

        Ich wünsche weiterhin gute Rekonvaleszenz von den Geburtstagsstrapazen!
        Liebe Grüße direkt aus dem täglichen Statusmeeting …
        Spike
        p.s.: Wie ich auf dem anderen Kanal lesen durfte, war es der richtige Tag … Tschakka!

        Gefällt 1 Person

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