Hund haben (21).

Gestern, nach einem in vielerlei Hinsicht aufwühlenden und anstrengenden Tag, gibt man sich abends um Viertel vor Acht noch einen Ruck und chauffiert das Dackelfräulein bei endlich moderaten Temperaturen zum Spazierengehen und Baden an den Starnberger See.

Wunderschöne, kleine Bucht gefunden. Geschwommen und gespielt.

Den Sonnenuntergang genossen. Durch- und aufgeatmet.

Bei Einbruch der Dunkelheit die Sachen zusammengepackt. Eine putzmuntere Pippa rennt im ufernahen Wäldchen übermütig ein paar Achter. Man freut sich des Lebens.

Und plötzlich hinkt der Hund und leckt sich wie wild die Pfote. Ameisen? Ein Dorn? Ich kann nichts ertasten. Die ganze Heimfahrt über wird ununterbrochen die Pfote abgeleckt. Es schwant einem deshalb allmählich (und auch aufgrund der Uhrzeit, denn – die Hundehalter unter den Lesern werden es mir bestätigen – die Dinge, wegen denen man zum Tierarzt muss, widerfahren einem meist spätabends, am Wochenende oder im Urlaub), dass da was passiert ist.

Zuhause, mit Brille und bei gutem Licht, wird die Pfote untersucht.

Es hat die Daumenkralle erwischt. Sie ist zu zwei Dritteln abgebrochen und der Rest ist eingerissen und das sogenannte Leben schaut heraus und blutet.

Es ist mittlerweile 22:15 Uhr. Wir desinfizieren die Wunde mit Betaisodona und legen einen Verband an, fixieren diesen mit Leukoplast und freuen uns auf die Nacht. Die auch entsprechend unruhig wird.

Nach dem Frühstück in die Tierklinik, erst lange Wartezeit, dann herzzerreißendes Gejammer auf dem Behandlungstisch (wegen kleiner Beinrasur und großer Untersuchung) und schließlich die Botschaft, dass es mit Salbe, Desinfektion und täglichem Verbandswechsel schon gehen müsste und die Reise nach Graz angetreten werden könne, freilich ohne Badespaß in der Steiermark, man kann also nur hoffen, dass es dort nicht allzu heiß wird. Und falls sich der Zeh doch noch entzünden sollte, gibt es auch in Graz ein paar Tierärzte, die sich auskennen, man ist ja nicht in der Wildnis oder auf Hüttentour.

Schlussendlich muss ich zwischen fünf Verbandsfarben wählen, nehme kurzentschlossen die Vereinsfarben des Gatten, die zugleich die der österreichischen Flagge sind, und verlasse schweißgebadet und erleichtert zugleich die Tierklink.

19 Gedanken zu „Hund haben (21).

  1. Oje, arme Pippa … ich wünsch‘ gute Besserung und schnelle Heilung!
    … und in Zukunft beim Achter laufen besser Acht geben … 😉
    Ein „Heile heile Gänsje!“ aus der gut aufgeheizten Bude!
    Spike

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    • Lieber Spike,
      die Art Acht_samkeit ist dem Fräulein leider ähnlich schwer zu vermitteln wie langsames Fressen und gründliches Kauen. Jetzt ist hier Schonung angesagt. Und Schauspielübungen. Und Packen. Wie ich den Verbandswechsel in Graz alleine bewerkstelligen soll, ist mir noch ein Rätsel, aber zur Not muss ich halt dort eine Ordination aufsuchen. Wird in jedem Fall eine etwas andere Reise…
      Liebe Grüße aus München bei herrlichem Regen!
      Natascha

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  2. Oh, dieser Blick.
    Liebe Pippa, das wird alles wieder gut! Lass dir vor und nach jedem Verbandswechsel ein Leckerlie zum Trost geben. Leg ruhig eine kleine Dramaschippe drauf, so werden die Wurstzipfel noch größer! Genauso macht deine Kollegin Bonnie das aktuell auch. Es funktioniert zuverlässig.
    Tröste deine Menschen, denn die leiden vielleicht mehr als Du 😉
    Ganz liebe Grüße und gute Besserung!!!

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    • Liebe Christine,
      du darfst das doch nicht öffentlich verraten, dass mein großes Hundeleid zu 10% aus Mimose, zu 25% aus Schlawiner und zu 15% aus Prinzessin-auf-der-Erbse besteht! Meine Menschen funktionieren nämlich gerade so, wie ich mir das wünsche: habe heute nicht nur einen winzigen Krümel Käse in der Küche abstauben können, sondern auch Honigmelone, Quark und Banane!
      Sorry, muss aufhören. Muss jetzt ins Wohnzimmer flitzen, äh, humpeln und schauen, was die schon wieder futtern…
      Dramatische Grüße an euch beide
      Eure Pippa
      PS: Was fehlt meiner werten Kollegin denn aktuell?

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  3. Oh was habe ich verpasst… ein paar Stunden nicht online und dann das!
    Gute Genesungswünsche ans Fräulein …. wobei: auf dem vorletzten Bild finde ich Pippas Gesichtsausdruck regelrecht stolz, verwegen und rauh(haardackel)beinig!

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    • Gell, da siehst du mal… Von einer Minute auf die andere hat sich hier die Gemengelage umgekrempelt, und du warst einfach offline!
      Aber ich ahnte das eh, dass die Glückssträhne sich gemeinsam mit dem Juli allmählich verabschieden würde.
      Wir winken mit rotweißer Pfote gen Norden und wünschen einen schönen Sonntag!

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    • Vielen Dank, liebe Andrea!
      Mal gucken, vielleicht setzen wir uns mit Strohhut vor der armen Pippa auf den Grazer Schlossplatz und verdienen so ein Vermögen 🙃
      Dir eine gute Heimreise mit erholsamem (😇) Zwischenstopp in München!
      Bis bald, Natascha

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  4. Pingback: Schluss mit dem elenden Schönwettertourismus für Hochglanzmagazine. | Kraulquappe

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