Im Dunstkreis der Drusenfluh (III).

Quo vadis?

Nach der zweiten Nacht im Maiensäss spüren wir morgens eine leichte Körperschwere. Die ist nicht etwa der Nacht geschuldet, sondern dem Chrüz. Oder den sechs Stunden Draußensein. Oder dem Gewerkel im Haus. Oder dem Doppel-Gedöns rund um den Hund.

Egal. Jedenfalls ist klar, dass heute statt sechs auch fünf Stunden Draußensein und statt einer Bergtour auch eine Almenwanderung völlig ausreichen wird, deren Höhenunterschiede sich laut Wanderkarte hoffentlich und trotz einiger Gegenanstiege von dem unterscheiden würde, was das Chrüz uns am Tag zuvor aufgebürdet hatte.

Für den Abend ist schon seit Tagen der große Wetterumschwung angekündigt (womöglich gar der Schlussgong dieses Sommers?), von dem wir uns, noch daheim in München und im Stundentakt die diversen Wetter-Apps prüfend, beinahe von der gesamten Reise hätten abhalten lassen.

Nach einem bis aufs zu weiche Ei äußerst formidablen Frühstück schlüpfen wir daher alsbald in die Trekkingschuhe und brechen auf.

Über herrliche Almpfade wandernd werden die bisherigen Panoramaerlebnisse endlich noch um Ausblicke in den Westen ergänzt…

…und unterwegs etliche Maisensässe bestaunt, die wir alle sofort erwerben würden, wenn man nur wohlhabend wäre (oder einem ein Leben als Erbe beschieden wäre)…

…außerdem ist es der Tag des Rastens, Ruhens und Ratschens, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet.

Die Nusskipferl heißen hier Nussgipfel (alpenrepublikanische Angeberei?), zu den Semmeln sagen sie Weggli (was mich ungut an meinen Studienort erinnert), der Bergkäse ist zum Alpkäse mutiert und der Tretroller zum Trottinett, was deutlich netter klingt als die fußfaulen Gestalten dreinblicken, die da draufstehen und mit einem Affenzahn an uns vorbeiheizen, als wir mal ein Sträßchen queren müssen.

Am frühen Nachmittag bewölkt sich der Himmel über dem schönen Prättigau zusehends und ich bin erleichtert, dass wir unsere kleine Hütte gerade so rechtzeitig erreichen, dass der hübsch Bewimperte sich noch im Trockenen fürs Holzhacken und Ofenbeheizen aufwärmen kann:

Als bekennender Fan von Routinen und Gewohnheiten, die einem den Alltag nicht nur strukturieren, sondern auch erleichtern, endet der Tag so wie der vorige auch: in Etappen wird geduscht, erst die Hunde, dann wir, bald drauf bullert das Feuer im Ofen und die Nudeln köcheln auf dem Herd, das Weißbier perlt verheißungsvoll im Glase und die Themen an diesem langen Abend gleichen einer kleinen Familienaufstellung.

Zu später Stunde, als nur noch Noagerl in den Gläsern sind, basteln wir die Protagonisten aus den übriggebliebenen Holzscheiten und ein paar anderen Utensilien, die das Häuschen und sein Keller so hergeben, nach.

Ihnen diese Genossen nun einzeln näher vorzustellen, würde an dieser Stelle aber wirklich zu weit führen.
Nur so viel: die Figur ohne Gesicht, das bin nicht ich, und die mit dem Gummiknäuel auf dem stumpfen Schädel auch nicht.

Wenn Sie mögen (und noch nicht der Ansicht sind, dass sich langsam ein gewisser Höhenkoller in die Berichterstattung eingeschlichen haben könnte), sehen wir uns dann morgen zu einem (kurzen!) vierten und letzten Teil der Drusenfluh-Serie wieder.

Guäts Nachtli einstweilen!

10 Gedanken zu „Im Dunstkreis der Drusenfluh (III).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.