Gedacht Gehört Gekauft Gelitten Gespürt

Song des Tages (68).

In seiner Freizeit tourt er zudem als eine Art Lagerfeuer-Version von Bruce Springsteen durch die Lande und schreibt Gute-Nacht-Songs für ehemalige Punker-Mädchen, deren Tattoos so langsam verblassen.

Nun ja, ein Punk war ich nie, bloß mal eine kurze Phase mit pinkem Schopf und zusammengeklautem Cyndi-Lauper-Outfit, und Tattoos trage ich auch keine, allein aus Angst, dass mir das, was ich mir heut stechen ließe, morgen schon nicht mehr gefiele, einzig eine Strophe aus einem Song taugte vielleicht für die Ewigkeit, aber mir wär’s unangenehm, weil zu intim, wenn Fremde die am Seeufer dann auf meinem Schulterblatt lesen könnten.
Hab mich also sofort nicht gemeint gefühlt von dem mondgesichtigen Moderator und mir hernach ganz selig ein Kärtchen gekauft für einen Abend voller Lagerfeuergutenachtmusik für ehemalige Mädchen, zu denen ich mich nächstes Jahr um diese Zeit wohl zählen werde-darf-muss, denn die Halbjahrhundertfeier steht dann quasi vor der Tür, selbst wenn mir die Rheumatologin heute recht anlasslos – ich schlüpfte gerade nach der Untersuchung wieder in meine Jeans – mitteilte, für mein Alter sei ich wirklich in extrem guter Verfassung, da sähe sie in meiner Altersgruppe ganz anderes, und schon als sie’s kaum ausgesprochen hatte, durchströmte mich ein wohligwarmes Gefühl, einerseits weil einen das ab einem gewissen Alter tatsächlich zunehmend freut, wenn nicht immer nur der kleine Hund ein Kompliment abstaubt, andererseits weil ich mich gerade ziemlich furchtbar fühle, was nicht nur an der dritten leidlich durchlebten Knieschleimbeutelentzündungswoche liegt, sondern auch an anderen Verwerfungen und Zerwürfnissen, und daran, dass ich diese nicht endenwollende Kälte nicht mehr ertrage und keine Schneeflocke mehr sehen kann, die Sonne möge scheinen, die Wärme und das Grün zurückkehren, ja, überhaupt soll bitte endlich mal wieder eine Saftigkeit und ein Aufblühen übers Land hereinbrechen, wenn’s auch vorerst nur in der Natur zur vollen Entfaltung kommen wird-darf-muss, aber immerhin dort, nur bitte keinen Frost mehr und keinen Schneefall, und dazu wünsch ich mir ein wendiges Knie so wie es Ende März noch war, und alsbald ein Gewässer, in das ich mich stürzen kann, man will doch wirklich nicht so einen Unsinn erwägen, wie: ins Saarland fahren für einen Schwimmbadbesuch, ja, so ein Käse, dass man das überhaupt nur eine Sekunde lang gedacht hat, wo man ansonsten doch gern mal schimpft über diese Pandemieschlupflochpendler, zu denen man sich ja ebenso wenig zählen möchte wie zu den Leuten, also wenden wir uns lieber anderem Käse zu und schütteln darüber den Kopf, was in dieser Stadt so alles unter Schnäppchen vertickt wird.

2 Kommentare zu “Song des Tages (68).

  1. Die Bäder bleiben auch seit dem 6. April im Saarland weiterhin geschlossen. Trotz Saarland-Modell. Der Neopren-Anzug könnte sich noch auszahlen….
    🙂

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