Just as I thought it was going alright
I find out I’m wrong, when I thought I was right
It’s always the same, it’s just a shame, that’s all
.

Ich könnte Ihnen jetzt erzählen, wie das ist, wenn ein paar Tage am Stück fast nichts so läuft, wie man dachte, dass es laufen sollte oder würde oder dürfte, aber ich möchte Sie wirklich nicht belätschern mit diesen temporären Unbilden des Alltags, die Sie ja auf die eine oder andere Art und mit persönlichen Girlanden garniert eh aus eigener Erfahrung kennen würden.

Ebenfalls verschonen möchte ich Sie mit weiteren Ausführungen zu der letzte Woche erstmals nach sieben Dekaden völlig überraschend aufgetauchten Psyche meines in der Rehaklinik weilenden Herrn Vaters – es genügt, festzuhalten, dass sie auf den Plan getreten ist, dieses seelenvolle Wesen, und dass sie auch, wie es scheint, nicht wieder abzutreten gedenkt und nun ihr Unwesen treibt (und der Papa manchmal kaum wiederzuerkennen ist, mit dieser neuen Gefährtin an seiner Seite).

Was Sie darüberhinaus auch eher nicht en detail würden hören wollen, ist die Geschichte von der Odyssee, zu der ich mich gestern mit dem Dackelfräulein aufmachte, nachdem sie mich nach einer kurzen Abwesenheit mit einer noch nie dagewesenen Mischung aus Apathie, Verstörtheit und Lähmungserscheinungen begrüßte (sofern man dieses Entgegenschwanken überhaupt noch als Gruß bezeichnen möchte).

Pünktlich zum Ferien-Gongschlag der bayrischen Schulen kann einem nämlich, wie ich jetzt weiß, nichts Passenderes passieren als ein urplötzlich malader Hund, für den nach einer halbtägigen Beobachtungsphase (man ist nach bald 10 Jahren Hundhaben ja kein Hysteriker oder Paniker mehr, der sofort losrennt, wenn der Hund mal kurz hinkt oder einer Stimmungsschwankung anheimfällt), ad hoc, weil sich die Symptomatik festtritt und sogar noch verschlimmert, ein Termin in einer Tierarztpraxis oder -klinik gefunden werden muss.
Denn Hand in Hand mit dem Massenstart in den Urlaub geht offenbar ein Massenansturm auf die paar, noch nicht in die Ferien geflüchteten Tierärzte, ein Ansturm, wie er sich sonst nur kurz vor den jedes Jahr aufs Neue unfassbar überraschend vor der Tür stehenden Weihnachtsfeiertagen ereignet, wenn allen zeitgleich einfällt, dass sie a) einen Hund daheim hocken haben und b) dieser Hund ja schon seit dem ersten Advent konstant Magen-Darm hat und es ja echt blöd wäre, wenn er (die Rede ist vom Magen und vom Darm) sich dann im Kreise der glockensüß singenden Kernfamilie unter dem hübsch dekorierten Baume entlüde und damit den Heiligen Abend irgendwie ziemlich verunheiligen würde.

Mit Sommerferienbeginn setzt also, wie ich gestern lernen durfte, ein ähnlicher Run auf die Veterinäre ein, weil den Leuten, also jener Plebs, zu der man selbst niemals nicht gehört, sobald man sein Mundwerk zu irgendeiner Lästerei öffnet, beim Kofferpacken auf einmal der Köter über ihre zurechtgelegten Strandutensilien stolpert und ihnen just in den Sinn kommt, dass ihr vierbeiniger Genosse ja auch mit an Bord gen Süden sein wird, aber dummerweise noch nicht gegen Leishmaniose geimpft wurde oder dringend für die achtstündige Autofährfahrt noch diese Pillen gegen Reiseübelkeit braucht oder dieses Spezialmittel zur Prophylaxe gegen die südliche Sandmücke, die gemeine.

Nach diesen wenigen Andeutungen ist es auch ganz und gar überflüssig, Ihnen zu schildern, dass drei von vier Tierkliniken gestern Wartezeiten von 2-3 Stunden für „Vorbeikommende ohne Termin“ nennen, und: ja, das gilt auch für Notfälle, die selektieren sie vor Ort nach Schweregrad, und: klar, Apathie, Ganzkörperzittern und Humpeln ist noch lange nicht das Ende von Fifis Fahnenstange, also stehen wir die Nacht schon noch irgendwie durch und probieren es morgen Früh (also heute) nochmal zu normalen Geschäftszeiten und hoffen auf einen nächtlichen Spontanbesuch von Lady Luck, die alle Malaisen wegzaubert.
Leider bleibt die Nacht jedoch gänzlich besuchsfrei und der Hund phasenweise so reglos, dass Sie sich auch ohne viele Worte meinerseits mühelos werden vorstellen können, wie klamm und bang einem da zumute ist, wenn man alle zwei Stunden die Hand auf das Tier legt, um zu fühlen, ob es denn noch atmet (tat es und tut es).

Vom morgendlichen Drama vor dem Napf möchte ich auch nichts berichten, weil ich mich daran ebenso wenig erinnern mag wie an die Telefonorgie, die daraufhin folgte.
Keine Praxis kann das Fräulein dazwischenschieben, die Kliniken wiederholen ihren Text vom Vorabend und leicht verheult kann ich es zwei Stunden später kaum glauben, dass bei der Tierärztin des hübsch Bewimperten a) nach bloß einem Dutzend Versuche telefonisch durchzukommen ist und b) die Stimme am anderen Ende der Leitung sagt, sie hätte eigentlich nichts mehr frei, aber weil ich eine Freundin von Herrn M. wäre, solle ich doch einfach sofort vorbeikommen, damit sie sich das Dackelchen mal ansehen könne – also ab aufs Fahrrad, das Fräulein gut abgepolstert in den Korb gesetzt und schnell hinüber ins Dreimühlenviertel!

Eine Stunde später, und das ist das Einzige, was ich Ihnen heute Abend mitteilen will, spazieren wir aus der Praxis heraus und wissen, dass das Dackelfräulein von einem fiesen Viech gestochen wurde und deshalb so fix und fertig war und ist, und dass sich das mit der entsprechenden Medikation binnen 24 oder 48 Stunden wieder legen sollte. Draußen wartet der beste Freund mit des Fräuleins bester Freundin und weitere zwei Stunden später sieht die Welt deutlich freundlicher aus und wir können uns wieder ungestört Absatz 1 und 2 dieses Beitrags widmen: den verbliebenen Unbilden des Alltags und dem Kümmern um die diversen Belange des Papas, der, als ich ihn zum dritten Mal an ein und demselben Tag anrufe, bereits zum zweiten Mal vergessen hat, dass ich ihn heute wegen der Hundeumstände nicht mehr besuchen kommen kann.

Weil sich für heute kein Schwimmbadticket mehr buchen lässt (Corona, Scheißsoftware, 27 Grad, erster Ferientag), um dieses gräusliche Glump von Nervenkostüm abzulegen (und this crazy little thing called Psyche chlorreich zu ertränken), erwerbe ich nach der Erledigung des Wochenendeinkaufs ersatzweise eine Eintrittskarte zur (immerhin) äußerlichen Reinigung und kaum habe ich den gelobten Einweichbogen passiert, spielt oder spült das Schicksal mir zur Säuberung einen Sound dazu, der sich gewaschen hat (gucken Sie sich unbedingt ab Minute drei diese fetzige Choreografie in der Trocknungsphase an).

Nächste Woche, wenn auch Termin Nr. 2 des Zugspitzvorhabens geplatzt sein wird (nach der Überschwemmung ist vor der Wanderwegrestaurierung & bei zu erwartenden drei Grad und Schneematsch im Zielbereich schmeckt das Gipfelbier nicht), haben wir bestimmt wieder Zeit und Gelegenheit, Sie mit frischeren und fröhlicheren Notaten zu unterhalten – bis dahin bitten wir unsere Wortkargheit zu entschuldigen und wünschen Ihnen und Ihren Haustieren einen störungsfreien Start ins Wochenende oder die Ferien.

13 Kommentare zu “That’s all.

  1. Hauptschulblues

    Das arme Fräulein und auch die Frau dazu!

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  2. Gute Besserung für Pippa!!!!!!

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  3. That’s what Friends are for … wie gut, daß mit Hilfe von „Vitamin B“ (wie passend: der hübsch Bewimperte) zumindest die Sorge um’s Dackelfräulein relativ schnell aus der Welt geschafft werden konnte … 😉

    Ansonsten danke für die ausführliche nicht-Information … ich drück die Daumen, daß Frau Psyche kooperativer wird …

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  4. Drücke aale Daumen für alle Schwachstellen. Um mal das Thema zu wechseln: sehr cooles rotes Fahhrad!

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  5. Drücke Dich und die Pippa mal hier so durch den Äther.

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  6. Alles Gute für Pippa und Pappas Psyche.

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  7. Malades Dackelfreulein eine schöne Wortkombination. Gute Besserung von den bösen Bissen.

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  8. Christine

    Tierärztlicher Notdienst München Hausbesuch an 365 Tagen im Jahr
    Telefon: 0160 8811884
    Ein Service, um den ich Sie beneide. Wir können nachts und am WE 80 km in die nächste Tierklinik reisen….

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  9. Gute Besserung für Pippa!

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