Gechillt Gehört Gelaufen Gesehen Gesucht Getan Gewerkelt Gewohnt

Himmel der Bayern (101): Walchensee-Blau & Gumbrecht-Rot.

Eine knackige Woche neigt sich ihrem Ende zu.
Viel Arbeit, viel Bewegung, viele Baustellen, viele Begegnungen, viele Farben und einigermaßen viel Sonnenschein.
Freude und Anstrengung hielten sich in etwa die Waage, was mir persönlich bereits als veritable Wochenbilanz erscheint, da ich a) weiß, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und b) meine Erledigungsliste erheblich schrumpfen konnte.

Das außerhäusliche Highlight:
Mit dem Dackelfräulein an den Walchensee gefahren, man kann das ja leider seit Langem nur außerhalb der Ferienzeiten und Wochenenden wagen, und selbst dann ist es dort noch so voll, dass man sich fragt: wo zum Teufel kommen die bloß wochentags alle her? / sind die alle Urlaub oder im Sabbatical? / sind die alle selbständig/pensioniert/krankgeschrieben/arbeitslos?

Zugegeben, wenn man den Walchensee an einem solchen Tag besucht, ist mühelos nachvollziehbar, wieso da immer so viel los ist. Es gibt, vielleicht mit Ausnahme des Eibsees, kein anderes bayerisches Gewässer, das je nach Lichteinfall so wundervoll türkis/smaragdgrün/azurblau leuchtet und sich in eine solch paradiesische Umgebung schmiegt.

Besonders gut sieht man das, wenn man aus der Höhe hinabschaut auf diesen Traumsee. Im Hintergrund der im Gipfelbereich schon verschneite Scharfreuter, das winterlich anmutende Karwendelgebirge und das südliche Isartal rund um Mittenwald.

Die Hundedame in bester Laune und Kondition, ein glückseligmachender gemeinsamer Aufstieg auf den Herzogstand, über etliche schmale und einsame Jägersteige, die die Orientierung im Gelände gut schulen.

Nach 900 Höhenmetern sind wir oben, sitzen ans Gipfelkreuz gelehnt in der Nachmittagssonne, genießen Käsebrot und Tomaten und (erstmals) einen Tee als Begleitgetränk, schicken der Brandenburger Freundin ein Foto vom gegenüberliegenden Jochberg (und lassen sie raten, welcher Berg das ist, immerhin war sie selbst erst vor zwei Wochen erstmals dort oben) und erfreuen uns ansonsten der Ruhe und des Prachtpanoramas.

Anschließend am Kochelsee den Tag ausklingen lassen, Schwanenseekitsch im Sonnenuntergang, dahinter der Berg, auf dem man ein paar Stunden zuvor saß, vor einem wälzt sich auf der Wiese der zufriedene Hund im herbstlich abendfeuchten Gras.

Auf der Heimfahrt den Tränen nahe, weil Musik und Landschaft ineinander überzugehen scheinen (vielleicht auch nur etwas zu viel Sonne erwischt oder mal wieder eine schräge Hormonlage).

Der Indoor-Höhepunkt:
Nach langem Ringen (und um die Arbeit an der Steuererklärung wirklich auch erst auf den allerletzten Drücker beginnen zu müssen) die Esseckenerneuerung angepackt, gemeinsam mit dem Gatten nach noch längerem Ringen eine Farbwahl getroffen.
Dann der unvermeidbare Gang in den Baumarkt (das Trauma aus der Post-Umzugs-Ära wird dort jedes Mal reaktiviert), dort tapfer durchgebissen (so viele Rottöne, so viele Optionen!) und nach 40 Minuten im Farbcenter mit dem benötigten Equipment wieder von dannen gezogen.

Per MyHammer einen Handwerker gesucht, gefunden und beauftragt, pünktlich zur verabredeten Zeit erscheint ein rüstiger Rentner mit nettem Dialekt und geschicktem Händchen sowohl für all die Pinseleien als auch im Umgang mit Pippa (frei nach dem Motto „Farbwalzenwerfen zur Morgenstund‘, erfreut den kleinen Dackelhund„).

Das Gumbrecht-Rot, wie wir es nach dem farbgebenden Buchdeckel getauft haben, sieht bei Sonnenlicht nun ein bisschen nach FC Bayern aus (was den Gatten erfreuen dürfte, wenn er es in ein paar Tagen, nach seiner Rückkehr aus der Hansestadt, sehen wird), erst abends, im Schein der gedimmten Esstischleuchte (so sie denn schiene, wäre der Maler nicht mit dem Schädel dagegengerumpelt), nimmt es den Ton an, den wir uns vorgestellt hatten. An grauen Tagen wird es fortan den Raum wärmen, im Winter wird es dabei von der Heizung unterstützt werden.
Der November kann jedenfalls kommen – ich fühle mich besser denn je gewappnet.

Außerdem wird die neue Wandfarbe auch Verhaltensänderungen mit sich bringen: Künftig dürfen bei eventuellen Disputen zu Tisch die Löffel wutentbrannt in die mit Nudeln an Tomatensauce gefüllten Tellen gepfeffert werden, niemand wird anschließend mehr Spuren des Zorns an der Wand entdecken. Hingegen sind Kleidungsstücke, die einen Rotton beinhalten, der mit dem Gumbrecht-Rot nicht harmoniert, ab sofort vor den Mahlzeiten zu wechseln oder – wenn es mal schnell gehen muss, weil andernfalls das Nudelgericht (aka Pasta mit Sugo) zu erkalten droht – abzulegen.
Und der Adventskranz, den wir eh nicht brauchen haben, wird natürlich keinesfalls mehr mit roten Kerzen bestückt werden.

Nun aber hinaus, in einen der womöglich letzten sonnigen und warmen Herbsttage, die unbedingt zu genießen nutzen man allerorten mit Nachdruck ermahnt wird (wie dieser Tage bereits der geschätzte Bonner Blogkollege konstatierte, der sich heute mit Sicherheit auch dem Ambulieren hingibt).

Ein Appell, dem ich gerne Folge leiste, obwohl mir dieser „Greifen Sie zu, es ist vielleicht das letzte Angebot dieser Art„-Terror sonst extrem widerstrebt.

9 Kommentare zu “Himmel der Bayern (101): Walchensee-Blau & Gumbrecht-Rot.

  1. Glückwunsch zu der mutigen Rot Entscheidung. Sieht im übrigen auf jedem Foto anders aus, wärmt mit Sicherheit und ist auf jeden Fall gewagt, so für täglich….

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    • Danke! Ja, je nach Lichteinfall wirkt das Rot anders, allerdings auf allen Fotos irgendwie greller und knalliger als ich es in echt empfinde. Mal sehen, wie es uns nach ein paar Wochen damit geht.

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  2. Herzlichen Dank für die freundliche Erwähnung! Das Wort „ambulieren“ war mir bislang unbekannt, vielen Dank auch dafür. Selbstverständlich ambulierte ich heute, wie jeden Sonntag.
    Die neue Farbe Ihres Speisezimmers gefällt mir gut. Neben den bereits genannten Vorzügen erwiese sie sich auch als praktisch, falls es einmal zu einem Blutvergießen kommen sollte, was wir natürlich nicht hoffen.

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    • Um keinen falsche Vorstellung von unserem bescheidenen Domizil entstehen zu lassen, möchte ich anmerken, dass es sich nicht um ein Speisezimmer, sondern lediglich um eine Essecke handelt, die sich im Westflügel des Wohnzimmers befindet.
      Dass das Gumbrecht-Rot nicht eines Tages in Gemetzel-Rot umgetauft werden muss – diese Hoffnung teile ich voll und ganz!
      Herzliche Grüße!

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  3. Hauptschulblues

    Welch schöner Film auf bekannter Strecke. Welch schöner Film des Hundeaufstiegs auf den Herzogstand.

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  4. Die Brandenburger Freundin freute sich ob der schönen Bilder und liebäugelt eventuell schon wieder mit neuen Routen im nächsten Jahr. Da käm diese ganz gut weg in der Beurteilung; gerade die 25cm Wegbreite, die das ohrenwedelnde Fräulein Maß nahm, erfreuen mein Betrachterauge.
    Hach, es war so schön…

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    • 🙂 🙂 🙂
      Wir sind gerne jederzeit wieder behilflich bei der Tourberatung oder sogar -begleitung, das weißt du ja.
      Auf diesen dackelbreiten Pfaden hat unsereins ja auch den Vorteil, dass einem nicht ständig die Gräserspitzen über dem Gesichtsfeld zusammenklappen und man streckenweise fast gar nichts mehr sieht.

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  5. Pingback: Ganz schön was los im Moos. – Kraulquappe

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