Gelaufen Gereist Gespürt

Einen Sonnenaufgang auf dem Jochberg werde ich niemals erleben.

Lese ich dieser Tage in irgendeinem dieser Was-man-als-Münchner-mal-gemacht-haben-muss-Artikel, dass man doch unbedingt mal um 3:30 Uhr aufstehen solle, damit man um 4:45 Uhr vom Kesselbergparkplatz aus den Aufstieg zum Jochberg beginnen könne, um pünktlich zum Sonnenaufgang (bzw. besser bereits eine halbe Stunde eher, also gegen 6:15 Uhr, so empfiehlt es der Verfasser des Artikels zumindest, warum auch immer) oben auf dem Gipfel zu stehen. Halleluja!

Ein einzigartiges Spektakel sei das, nicht nur für ambitionierte Hobbyfotografen und bettflüchtige Bergsteiger, sondern für jeden Münchner und jede Münchnerin. Aha.

In der Tat ist das Foto, das diesen Wahnsinnstipp begleitet, ein äußerst ansprechendes.

Das ist natürlich ein anderes Foto, aber der Jochberg ist drauf und die Nachmittagsstimmung war auch schön.

Und dennoch: so schön das dort oben auch ausschauen mag um kurz vor 7, und so erhebend das Gefühl auch sein mag, wenn man mal völlig mühelos und ohne rangieren zu müssen, das Auto auf dem Kesselbergparkplatz abstellen kann – für mich ist das gar nichts, mein Tag wäre schon gelaufen, weit bevor die Sonne überhaupt ans Aufstehen denkt.

Aus mir wird in diesem Leben kein Frühaufsteher mehr und deshalb werde ich niemals einen Sonnenaufgang auf dem Jochberg erleben, dachte ich erst gestern, während ich mit dem Fräulein durch die Sindelsbacher Filze flanierte und dabei den Jochberg immer immer vor der Nase hatte.

Und heute Morgen denke ich das gleich nochmal, als ich um kurz nach 6 Uhr (!) todmüde aus den Federn krieche und um 7:13 Uhr (!) im Münchner Morgennebel (oder sind’s die verklebten Augen, die den Blick so eintrüben?) zur U-Bahn stiefle. Das einzige Gold, das diese Stund im Mund hat, befindet sich in meinen Backenzähnen.

Auch das Dackelfräulein ist fassungslos, dass sie nach erfolgreicher Verrichtung ihrer Morgengeschäfte nicht stante pede umdrehen darf, heimwärts, zurück in die Koje (oder gern auch in die Küche, eh klar). Stattdessen geht’s zum Bahnhof, na gut, immerhin mit Zwischenstopp beim Brezenbäcker Nr.1, wo noch ein Frühstück besorgt wird, oder sogar zwei, weil das wird ja was Längeres heute, eine Premiere zudem, denn wir haben in all den Jahren noch nie eine so weite Reise per Bahn miteinander gemacht.

Bislang läuft’s jedenfalls wie am Schnürchen (die Formulierung „wir genießen die Reise in vollen Zügen“ ist in Zeiten wie diesen ja nicht mehr erstrebenswert und für unseren ICE gottseidank auch nicht zutreffend) und so uns der Schienengott weiterhin gewogen bleibt, werden wir wohl pünktlich zur Mittagsgassirunde an der Außenalster sein.

1 Kommentar zu “Einen Sonnenaufgang auf dem Jochberg werde ich niemals erleben.

  1. Morgenstund ist ungesund, auch darin sind wir uns einig.

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