(…) verweile doch, du bist so schön!

Momentan habe ich eine ganz gute Phase, was unsere Wohnungssuche angeht.

Gut ist sie nicht etwa, weil es irgendwie voranginge oder sich ein Licht am Ende des Tunnels abzeichnen würde, sondern nur insofern, da ich mir einen gewissen Sarkasmus als Grundhaltung zugelegt habe, der mich nun viel heiterer mit Maklern und Eigentümern kommunizieren und auch Besichtigungstermine mit einer bisher nie gekannten heiteren Gelassenheit (oder ist’s Galgenhumor?) und eloquenten Freundlichkeit absolvieren lässt.

Außerdem haben wir dank des Titels des Gatten, den wir in unseren Anschreiben nun stets an prominenter Stelle platzieren, mittlerweile eine recht gute Quote: In den wenigen Fällen, in denen wir durch unsere gründlichen Vorrecherchen zu dem Schluss kommen, dass wir die angebotene Wohnung tatsächlich besichtigen sollten, werden wir in 4 von 5 Fällen eingeladen und in die heiligen Hallen vorgelassen.
Natürlich nicht alleine, wo denken Sie hin!
Man schiebt sich da mit 4-5 anderen Paaren durch die Wohnung und muss schon auch mal hie und da ein bisserl schubsen, um sich in vorderster Reihe (mit Maklerblick) zu behaupten.

Zum Wochenausklang möchte ich Sie, werte Leserinnen und Leser, gern an meinen drei Highlights der Woche in puncto Wohnungssuche in unserer schönen Stadt teilhaben lassen.

Das Erste belegt Platz 1 in der Kategorie „Perlen der Offertenprosa“, das Zweite hat mühelos die Bestplatzierung in der Rubrik „Du Brunzkachl, du ogsoachte, du g’hörst ja mit der Scheißbürscht’n nausghaut!“ geschafft und das dritte Highlight fällt in die in diesem Haifischbecken Terrain vom Aussterben bedrohte Sparte „Ehrlich währt am längsten“ und landete dort sogleich auf dem obersten Siegertreppchen.

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[Inserat in Immoscout]

Wohntraum in Schwabing – komplett sanierte 3-Zimmer-Wohnung!

Lage: Schwabing-West
Baujahr: 1955
Wohnungstyp: Etagenwohnung
Etage: 4 von 5
Wohnfläche: 84m²
Zimmer: 3
Badezimmer: 1
Bezugsfrei ab: 15.02.2018
Personenaufzug: nein
Keller: ja
Einbauküche: ja
Stellplatz/Garage: ja

Kaltmiete (zzgl. NK): 1.780 €
Nebenkosten: 150 €
Heizkosten: 120 €
Gesamtmiete: 2.050 €
zzgl. Stellplatz/Garage: 120 €

Das Objekt liegt in Bestlage im Herzen Schwabings, welches bekannt ist für sein pulsierendes, urbanes Flair.
Fußläufig erreichen Sie die Geschäfte des täglichen Bedarfs und gute Restaurants, in denen man gerne verweilt. Der nahegelegene Englische Garten lädt zum Erholen ein.
Zugleich ist man durch die zentrale Lage hervorragend angebunden (4 Min U-Bahn Hohenzollernplatz).

Ein historisches Treppenhaus ohne Lift führt hinauf in das 4.OG, in dem sich Ihr neues Zuhause befindet.
Die Wohnung ist lichtdurchflutet mit modernem Grundriss und wurde mit Liebe zum Detail kernsaniert.
Durch den Flur betritt man in die Wohnräume, Küche, Bad und WC erreicht man ebenfalls durch den Flur.
Vom großzügigen Wohnzimmer aus gelangen Sie auf den schönen Südbalkon, der zum Verweilen einlädt.

Alle Wohnräume sind mit Eichenparkett in Fischgräten verlegt.
Küche, Flur und Badezimmer verfügen über graues Feinsteinzeug.
Das neuwertige Badezimmer (6m²) ist modern gefließt mit Regenschauerdusche und Fenster.
Die Wohnküche (10m²) ist mit einer hochwertigen Einbauküche ausgestattet, die vom Vormieter übernommen werden muss (Ablöse: 7.500€) und keine Wünsche offenlässt.

Zur Wohnung gehört noch ein Dublexstellplatz, der mit angemietet werden muss (120€).

Die Wohnung wird nicht an WG’s vermietet und ist vermieterseits nicht erwünscht.
Der Eigentümer bevorzugt ein solides Paar ohne Kinder. Keine Haustiere, Juristen und Musiker.

Bitte Anfragen nur per Email mit ausführlicher Selbstauskunft, Schufa, den letzten 3 Gehaltsnachweißen und Steuerbescheid.

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[Inserat in der Süddeutschen Zeitung]

4-Zi.-Whg, Mü-Neuhausen, sehr zentr., 96m², Blk., ab 01.03., 1.600€ zzgl. 350€ NK, von priv.

Sehr geehrte Frau Kraulquappe,

besten Dank für Ihre Email und Ihr Interesse betreffend die Anmietung der 4-Zimmer Wohnung in München-Neuhausen zum 01.03.2018.

Die Wohnung befindet sich in der xxx-straße 6 im 3. Stock. Der Balkon geht nach Süden, zur xxx-straße. Nächste Woche werden noch einige Arbeiten in der Wohnung durchgeführt (neue Armaturen im Bad, Erneuerung Stromkasten mit FI-Schalter, Rauchmelder), so dass die Besichtigung der Wohnung frühestens am 17. Februar 2018 möglich ist.

Vom Mieter müssten ein paar Renovierungsarbeiten bzw. Schönheitsreparaturen selbst durchgeführt werden, es handelt es sich im Wesentlichen darum:

  • Tapeten entfernen, Wände und Decken streichen; evtl. Zargen und Fensterrahmen streichen
  • Parkett im Wohnzimmer und in der Diele abschleifen und neu versiegeln
  • in einem Zimmer (12,92 qm) den Bodenbelag (Laminat) und den alten Küchenboden (PVC) zu erneuern
  • Die Wohnung wird ohne Einbauküche vermietet.

Der Vorteil für den Mieter besteht darin: Es sind bei Auszug keine Schönheitsreparaturen zu leisten und die Wohnung kann bei Einzug nach Ihrem eigenem Geschmack gestaltet werden. Ich bin an einem langfristigen Mietverhältnis interessiert. Da ich alleinstehend bin bzw. meine 87jährige, pflegebedürftige Mutter bei mir wohnt, haben Sie keine Kündigung wegen Eigenbedarf von mir zu befürchten.

Vorab sende ich Ihnen einen Plan der Wohnung sowie eine ausführliche Mieterselbstauskunft.

Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie am Samstag, den 17.02.2018 die Wohnung besichtigen möchten, so dass wir eine Uhrzeit vereinbaren können.
Mit freundlichen Grüßen
xxx

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[Inserat in Immowelt]

Lage: Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Baujahr: 1882
Wohnungstyp: Etagenwohnung
Etage: 3 von 4
Wohnfläche: 80m²
Zimmer: 3
Badezimmer: 1
Bezugsfrei ab: sofort
Garage: nein

Kaltmiete (zzgl. NK): 1.650 €
Nebenkosten: 150 €
Heizkosten: nicht in NK enthalten €
Gesamtmiete: 1.700 € zzgl. Heizkosten

Da das Haus 1882 erbaut wurde, unterliegt es den Bestimmungen des Denkmalschutzes. Daher ist es auch noch mit originalen Holzfenstern ausgestattet, was den Nachteil hat, dass diese teilweise recht luftdurchlässig sind.
Es befindet sich nur noch teilweise Stuck an der Außenfassade, da diese leider größtenteils im Krieg zerstört wurde.

Ausstattung:
abgeschliffene, breite, helle Holzdielen
im Bad rechteckige, große, sandfarbene Fliesen, Badewanne vorhanden,Waschmaschinenanschluss
große, helle Fenster, getäfelte Türen mit Messinggriffen
Durchgangszimmer Küche mit Balkon/ Blick auf den begrünten Innenhof, Ausrichtung Süd/West, dort großer, sehr alter Kastanienbaum im Garten, mit Baumschaukel
überdachter Fahrradunterstand, Korbsitzecke, Tischtennisplatte, Grill

Sonstiges:
Da im Haus größtenteils Mieter jüngeren bis mittleren Alters wohnen, die gerne mal feiern, u. a. im Sommer im Garten und sich unten auch eine Galerie befindet, in der regelmäßig Parties, Vernissagen etc. veranstaltet werden, kann es durchaus des Öfteren lauter werden. Zumal das Haus auch schlecht isoliert ist. Deshalb ist die Wohnung eher ungeeignet für Familien mit Kindern oder Personen, die gerne ihre Ruhe haben möchten!!!
Außerdem ist das Viertel aufgrund der zahlreichen Bars stark frequentiert!
Nicht geeignet für lärmempfindliche Menschen!!!
Gerne Homosexuelle, die sich hier wieder mehr etablieren möchten!
Keine Maklerprovision! Auch keine Makler erwünscht!!!!
Wohnung von Privat.
Bei Interesse bitte keine E Mails, sondern unter der angegebenen Telefonnummer anrufen.

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Impressionen aus einer Unterführung in München. Bei dem Künstler handelt es sich vermutlich um einen Langzeit-Wohnungssuchenden.

DRT – try it!

Stellen Sie sich mal Folgendes vor:

Sie haben einen kleinen, quirligen und tendenziell ungeduldigen Hund.

Sie sind allein unterwegs mit diesem Hund.
Die Umgebung ist so dermaßen aufregend für Ihren Hund (Wildgehege, Mäuselöcher, andere Hunde, neuer Weg), dass „Komm!“, „Sitz!“ und „Bleib!“ ohnehin nur mühsam funktionieren.

Sie wollen aber, um ein bescheidenes Zubrot zum Rudeleinkommen beizusteuern, unbedingt Fotos von diesem Hund schießen, um Ihre Magazinbeiträge, auf die die Welt nicht gewartet hat Hundehalter dieser Welt geradezu brennen, hübsch zu bebildern.

Sie sind kein Profi, haben kein Stativ dabei, haben im Grunde auch keine Ahnung von Fotografie, weil Sie ja eigentlich mehr dem Wort als dem Bild zugetan sind, führen also nur eine alte, aber gerade so für die von den Verlagen gewünschte Auflösung taugliche Kamera mit sich, und selbst die können Sie meistens nicht kompetent bedienen, weil Sie das ausführliche Lesen von Bedienungsanleitungen hassen.

Außerdem sind Sie ähnlich ungeduldig wie Ihr Hund.

Ihr Hund ist zudem eine Hündin und gerade läufig, befindet sich also gewissermaßen in einer Art Ausnahmezustand. Sie will sausen, schnuppern, aufdringliche Aspiranten erst anschwänzeln und dann verbellen, nach Fressbarem suchen und alle 5 Meter die Botschaft „Huhu, ihr feschen Gebirgsjäger des Werdenfelser Landes, ich bin’s, die kesse Pippa aus der großen Stadt, und in ein paar Tagen darf der Beste von euch auf mich drauf!“ an ein Grasbüschel oder auch wahllos an den Wegesrand pinnen.

Na, schwant es Ihnen schon?
Genau!
Ihr Vorhaben ist nicht gerade das, was man eine Routineübung oder ein leichtes Unterfangen nennen könnte!

Fahren Sie also zeitig los und nicht erst am späten Vormittag, planen Sie für Weg und Bilder die doppelte Zeit ein. Oder die dreifache, wenn Sie der Kulisse wegen in den Bergen unterwegs sind, wo es ja auch mal unwegsames Gelände oder Höhenunterschiede geben kann. Oder biwakieren Sie gleich vor Ort auf dem schönen Höhenweg, Halbgefrorenes zappelt ja vielleicht auch weniger.

Wenn Sie aber nur ein paar Stunden Zeit haben, verrate ich Ihnen heute einen Trick.
In Insiderkreisen kursiert er unter dem Akronym DRT (Dried Rumen Trick).

In der Variante für kleine Hunde geht der so:

  • Locken Sie Ihr Fotomodell auf eine exponierten Platz (Tipp: ein Stück Brie auf die Stelle legen, wo der Hund hin soll, der riecht/klebt gut, so dass Sie Zeit gewinnen).
  • Schreien Sie „Halt-Sitz-Bleib!“ und werfen Sie sich dabei in Ihrer nagelneuen Thermohose in die hartgefrorenen Altschneereste vor Ihrer Versuchsanordnung.
  • Halten Sie währenddessen permanent Blickkontakt mit Ihrem schon wieder quengelnden Hund, damit er halbwegs bei der Sache bleibt.
  • Klemmen Sie sich so fix Sie können ein Stück getrockneten Pansen zwischen die Zähne und rufen Sie dann „Schau!“ oder verwenden Sie, falls „Schau!“ nichts bringt, das ultimative Schlüsselreizwort „Leckerlecker!“
  • Achten Sie auf behutsame Artikulation, damit Ihnen das Pansenstück nicht auskommt und der Hund es natürlich schneller aufhebt als Sie gucken können.
  • Passen Sie bloß auf, dass Sie beim Luftholen keinen bereits durch Ihren Speichel bzw. die vielen vorausgegangenen Fehlversuche aufgeweichten Pansenkrümel verschlucken, das schmeckt widerlich.
  • Drücken Sie ab!

Vergessen Sie übrigens nicht, zuvor die Kamerafunktion „Serienbild“ einzustellen, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eines der 10 Fotos vielleicht etwas wird.

Und wackeln Sie verdammt nochmal nicht mit Ihren eiskalten Händen herum!

Die Darmspiegelung oder: A Rua is.

Nach etlichen Tagen des strohwitwernden Hundhabens hatte ich gestern meinen wohlverdienten hundefreien Tag.

Während der Erledigung diverser Arbeiten im Haushalt und am Schreibtisch beschloss ich, mir nachmittags einen Saunabesuch zu gönnen. Wärme und Ruhe täten dem entzündeten Ellenbogen, mit dem ich seit Wochen rumziehe, bestimmt mal ganz gut (und mir sowieso).
Ich fahre zu meinem Lieblingsbad, dem einzigen Münchner Bad, das ganzjähriges Open-Air-Schwimmen im 50m-Becken ermöglicht, um die Unternehmung gleich noch mit einer Runde Schwimmen kombinieren zu können und freue mich wie ein Schnitzel auf die vor mir liegenden 4 Stunden.

Beim Betreten des Bades fällt mein Blick auf eine Hinweistafel neben dem Eingang: „Heute ganztägig Damensauna“.
Nun gut, denke ich, wird schon gehen, so in der Vorweihnachtszeit, wo doch alle so vielbeschäftigt sind.

Ich bin kein Freund von diesen Frauentagen. Zwar bieten sie den Vorteil, sich unbehelligt von gelegentlich vorkommendem verstohlenen oder unverhohlenen Geglotze überall einseifen, abtrocknen und eincremen zu können sowie in der Sauna liegend ganz entspannt auch mit angewinkelten Beinen vor sich hin zu schwitzen ohne zuvor sorgfältigst den passenden Liegeplatz (und das Gegenüber) auszuwählen, aber das war’s dann auch schon mit den Vorteilen dieser Frauentage. Denn in erster Linie sind sie: überfüllte und laute Horte entgrenzter Schamlosigkeit.

Aufgekratze, kichernde Mädeltrupps, rudelweise ratschsüchtige, kiloweise mandarinenschälende Rentnerinnen und grimmig dreinblickende, männerfürchtende (und nicht selten für Männer zum Fürchten aussehende) Trullas aller Altersklassen bevölkern die Saunaanlage an diesen Frauentagen. Dazwischen vereinzelt ein paar Ruhesuchende oder aus Versehen Hineingeratene, verzweifelt nach Erholung suchend.
Es wird geschnattert, gefuttert, gebröselt, gegackert, geschmiert, gepeelt und geshaved, was das Zeug hält. Letzteres artet an diesen Tagen, an denen frau unter sich ist, völlig aus: Die Duschräume verkommen zu einem rutschigen Parkour durch glibberige Rinnsale aus wegrasierten Haaren aller möglichen und unmöglichen Herkunftsorte. Die albernsten Verrenkungen bei gegenüber oder nebenan Duschenden sind zu beobachten, und man darf schon froh sein, wenn einem nicht irgendein Schlonz, der gerade behände mit dem Lady-Shaver vom Nachbarbein abgezogen wird, an die eigene Wade spritzt. Ein Treiben, dem ein paar im Duschraum anwesende Männer sofort Einhalt zu gebieten wüssten – durch ihre bloße Präsenz würden die sich im Herumwerkeln krümmenden Leiber sofort wieder aufrichten, den Rasierer dort lassen, wo er hingehört (unter der heimischen Dusche) und sich stinknormal waschen.

Gestern scheint es zunächst so, als könne ich diesen Szenarien entkommen, denn anhand der noch freien Garderobenschränkchen stelle ich aufatmend fest: Allzu voll ist es noch nicht. Prima. Genüsslich breite ich mein Badetuch in der Sauna aus. Nur eine Frau dampft eine Etage über mir vor sich hin. Ich strecke mich aus und schließe die Augen. Sekunden später fliegt die Tür auf und Elvira tritt ein, als diese wird sie umgehend und lautstark von der über mir Schwitzenden – Margot heißt sie – begrüßt.
Die beiden beginnen einen dieser Saunadialoge, bei dem man Hoffnung auf ein schnelles Ende hegen kann.
Elvira: „Sakradi, is des wieda hoaß da herin!“
Margot: „Ja, es san weit über 90 Grad heid!“

Leider kennen sich die beiden offensichtlich schon länger, so dass diese Hoffnung sich alsbald zerschlägt. Es geht zunächst um Weihnachten und wer wo eingeladen ist oder welchen Besuch erwartet und was es zu Essen geben soll oder ja nicht schon wieder geben darf. Dauer dieser Sequenz: ca. 3 Minuten. Die Lautstärke steigert sich bei jedem Satz, was auch daran liegen mag, dass Margot sich währenddessen angestrengt schnaufend mit einem Sisalhandschuh den Schweiß abbürstet.
Das nächste Themenfeld ist das jeweilige Befinden, resp. Krankheiten. Elvira und Margot dürften, in der schummrigen Gnade des Saunalichts betrachtet, wohl um die Ende 60 sein, demnach gibt es da natürlich Einiges mitzuteilen. Rücken, Knie und Hüfte lasse ich noch tapfer über mich ergehen. Dann aber rückt Margot damit raus, dass ihr noch vor Weihnachten eine Darmspiegelung bevorstünde. Wegen dieser Sache am Dickdarm, woaßt scho, und weil die eine Behandlung ja nicht angeschlagen habe, „da will da Doktor doch nochamal genauer hischaun“, ihr tät‘ es jetzt schon grausen vor der Abführerei. Elvira antwortet, wie es so typisch ist für diese Gespräche, in denen jeder nur seins loswerden will, mit der Story zu dem Furunkel, den sie neulich am Steiß gehabt habe und wie langwierig das gewesen sei und das Aufschneiden ja so schmerzhaft (die Narbe bis heute eitrig und nässend).

Da reicht es mir. Ich richte mich auf und sage höflich, aber bestimmt zu den beiden, dass ich es schön fände, wenn sie ihre Unterhaltung draußen fortsetzen könnten, dabei deute ich auf ein hinter Elvira hängendes Schild, das dort schon seit Jahren stumm und vergeblich um Ruhe zu bitten versucht. Ein bajuwarisches Donnerwetter – noch heftiger als Darm-Malaise und Furunkel-Eiter – ist die Quittung dafür. Was mir einfiele, wo wir denn da hinkämen, wenn man sich in der Sauna nicht mehr unterhalten dürfe, warum mich das überhaupt störe und dass sie sich unterhalten würden, wo immer sie möchten.
„Mir red’n da herin seit 40 Jahr‘ und wenn eana des ned bassd, dann gehns hoid aussi!“

Ein Wort gibt das andere, bis ich mich schließlich erhebe und die beiden keifenden Weiber, die mich mittlerweile wegen meines Nicht-Dialekts als Zugroaste, die da herin eh nix verlorn hat beschimpfen, mit ihren Gebrechen in der Hitzekammer hocken lasse.
Ich gehe Schwimmen, extra lang, denn im Wasser ist es still, herrlich still. Einer der Gründe, weshalb ich das Schwimmen so liebe: Diese Ruhe, dieser Rhythmus, das Monotone, die Schwerelosigkeit.
Das nächste Mal, denke ich beim Bahnenziehen, gehe ich wieder an gemischten Tagen in die Sauna oder aber in Begleitung einer Freundin, mit der es sich zwischen den Saunagängen ebenfalls ratschen lässt, denn anders ist das ja nicht zu ertragen. Eigentlich wird es höchste Zeit, mal Freunde zu finden, die ein Eigenheim mit einer Sauna im Keller haben.

Auf dem Rückweg vom Becken zum Saunabereich laufe ich meinem Lieblingsbademeister über den Weg, Typ Bayrischer Bruce Willis in den 40ern. Er hat heute Saunameisterdienst, ist auf dem Weg zum stündlichen Aufguss. Wir unterhalten uns ein bisschen, ich berichte ihm von meinem Erlebnis mit Mrs. Darm und Mrs. Furunkel. Er sagt daraufhin, dass er diese Frauentage auch nicht leiden kann, den Krach, den Trubel, die Brotzeitorgien überall. Wir gehen gemeinsam zur finnischen Blockhaussauna. Er öffnet die Saunatür, hievt seinen Holzkübel mit dem Eukalyptusöl drin Richtung Saunaofen. Dort sitzen in vorderster Reihe – aufgusserwartend und natürlich ratschend – Elvira und Margot. Als sie Bruce Willis erblicken, der wegen der mörderischen Hitze beim Aufguss nur mit einem Lendenschurz bekleidet ist, geifern sie sofort los. „A Mo in der Sauna – am Damentag! Des geht fei überhaupts ned!“. Beschweren müsse man sich da, schließlich wolle man unter sich sein, da müsse eine Frau den Aufguss machen.

„A Rua is!“ schnautzt Bruce Willis in die Runde, „und wem’s ned bassd da herin, der soll si verzupfn.“ Sprach es und haut mit seinem tätowierten, muskulösen Arm drei Schöpfkellen Eukalyptusbrühe auf die heißen Steine, packt das über seinen breiten Schultern baumelnde Handtuch und fächert mit geräuschvollen Wedelbewegungen den aufsteigenden Dampf durch den Raum. Japsend und fluchend flüchten Elvira und Margot nach draußen, ich strecke mich auf der Holzbank aus, schließe die Augen und inhaliere den befreienden Duft.

Endlich is a Rua da herin.

Ins Licht.

Nach fünf zähen, ziemlich anstrengenden und überwiegend verregneten, grauen, trüben und von diversen Ängsten, Ärgernissen und Beinahe-Amokläufen (Vodafone!) geprägten Tagen, kommt langsam das Licht zurück.

Das Internet funktioniert nach tagelangen Kämpfen mit der Hotline nun endlich, als Entschädigung für den ganzen Ärger fällt die Grundgebühr für die ersten drei Monate des Anschlusses weg und die Fritzbox bleibt ab sofort vertragslang gebührenfrei. Dafür habe ich ein paar Falten und graue Haare mehr. Hauptsache, online. 

Jetzt muss nur noch die Versicherung der Umzugsfirma die hinterlassenen Schäden regulieren, der Obertürschließer der Wohnungstür fachmännisch ausgehängt werden, das Rausfahren aus der viel zu steilen Tiefgaragenausfahrt und die Bedienung des Trockners geübt und wieder sowas wie ein normaler Alltag jenseits von Handwerker- und Lieferterminen in Betrieb genommen werden.

Ach ja, und Licht in der Wohnung, so ab 20 Uhr und in der Form von Lampen, die über einen Lichtschalter bedient werden können, das wäre auch noch eine feine Sache.

Müde in der Sonne sitzend grüßt 

Die Kraulquappe.

Cessante causa cessat effectus.

So simpel ist das: Wenn die Ursache (z.B. vergebliches, stundenlanges Warten auf DHL oder spontan verschobene Handwerkertermine oder unter krassem Unterzucker beinahe verursachter Unfall) wegfällt, entfällt auch die Wirkung (z.B. Wutanfälle, Frust, Kniezittern).

Distanz ist schon was Wohltuendes. Noch dazu bei Sonnenschein.

Gestern war schrecklich. Bis auf den Balkontisch hat nix so geklappt wie es sollte. Nix! Und im Grunde war ja selbst die Sache mit dem Balkontisch eine Abweichung vom Geplanten.

Zur Krönung am Abend: Die mörderisch steile Auffahrt aus der neuen Garage war so sandig, dass die Reifen durchdrehten (und ich mit ihnen). Steht man da, mitten auf der Schräge, mit angezogener Handbremse, weil zuvor fast an die Wand gedotzt, und von oben kommt Nachbar Herr T. mit dem Radl und staunt nicht schlecht als er mich da so kreidebleich hängen sieht. 

Nach 20 Minuten hatten wir’s dann zu zweit geschafft, den Kombi rauszufahren. In solchen Situationen lernt man sich ja gleich richtig gut kennen. Nett ist er, und geduldig. Auto hat er keins, beinahe hätte ich ihm das Geständnis entlockt, dass er’s kurz vor seinem Einzug verhökert hat.

Wenn ich das alles mal hinter mir habe, schreibe ich vielleicht einen Umzugsratgeber inkl. der Kapitel „Bestellungen und Lieferungen ohne Amoklauf meistern“, „Der erfolgreiche Beschwerdebrief als Ventil und Ersatz für die Boxbirne“ sowie „Making friends: In 15 Minuten auf Du und Du mit den neuen Nachbarn“.

Heute bewusst nach drei Stunden am Schreibtisch einen Schnitt gemacht, ab ins Schwimmbad und danach raus zum See. Das Endziel „Bootsverleiher“ muss im Blick behalten werden.

Erholsame Ostertage wünscht 

Die Kraulquappe.

PS: Wegen des lateinischen Zitats und bevor da wieder eine Frage kommt: Nein, das ist kein Klugscheißerblog. Ich mag Latein einfach. Es gehörte zu den wenigen Schulfächern, an denen ich Freude hatte. 

Neu_hausen (Part II).

So schön diese Stadt auch ist, so blöd ist es, dass so viele finden, dass sie so schön ist.

All die vielen trifft man nicht nur auf dem Viktualienmarkt, sondern auch auf dem Mietmarkt. Der gleicht einer Stierkampfarena, da sich aus der Knappheit bezahlbaren Wohnraums in dieser schönen Stadt dermaßen unverschämt und grenzenlos Kapital schlagen lässt (und das auch mit Erfolg), so dass einem ungeachtet aller Freude über die Attraktivität Münchens oft wirklich die Spucke wegbleibt.

Wir haben uns erstmals nach 17 Jahren mit dem Thema „Wohnungssuche in München“ befasst. Seit letztem Sommer, mit etlichen Unterbrechungen, und in den letzten Wochen dann intensiv. Diese Betätigung hinterlässt schon nach kurzer Zeit Risse im Nervenkostüm, die schwer zu flicken sind.

Der Frust beginnt bei den Inseraten: Die spärlichen Angebote, die es jenseits der Preisklasse für Großverdiener oder qua Geburt Gutbetuchter gibt, reduzieren sich bei gründlicher Durchsicht auf noch weniger Angebote: Haustierhaltung verboten (der Boden könnte verkratzt werden, selbst wenn’s ein Billig-Boden ist), 4. Stock ohne Lift (Treppen sind für Dackel Gift und wir wollen nicht mehrfach täglich 7kg Hund rauf und runter schleppen), keine Garage (und das in Gegenden, in denen es keine Parkplätze gibt), scheußliche oder völlig veraltete Ausstattung der dennoch teuren Wohnung (Böden, Fenster, Heizungen, Bad, Küche), hohe Ablösesummen für Einbauten, die man nie haben wollte, aber übernehmen muss (Küchen, Einbauschränke, Markisen etc.). Ein eigenes Kapitel müsste auch dem beigefügten Fotomaterial gewidmet werden, aus Zeitgründen nehme ich davon Abstand (nur so viel: manchmal gibt’s nur das Handyfoto eines verblichenen Grundrisses anno 1962, mit Knicken im Papier, so dass man die Quadratmeterangaben garantiert nicht lesen kann – und vermutlich soll das auch so sein).

Hat man sich mit den diversen, durchs Inserat schon erahnbaren Kompromissen, Haken und Ösen innerlich einigermaßen arrangiert und ringt sich zu einer Anfrage durch, kommt Hürde Nr.2: Die inquisitorische Vor-Selektion, auch „Selbstauskunftsbogen“ genannt.Was dabei hauptsächlich ge- und verbogen wird, sind existiernde Datenschutzbestimmungen und die eigene Selbstachtung.

Alles wollen sie wissen, einfach alles. Ein Wunder, dass nicht auch noch die bevorzugte Tageszeitung oder die Automarke abgefragt wird. Aber ansonsten alles: allerhand persönliche Daten, Hobbies, Musikinstrumente, Einkünfte (selbstverständlich per eingescannten Gehaltszetteln der letzten 3 Monate nachzuweisen), Einkommenssteuerbescheid (ebenfalls eingescannt zuzusenden), Vorhandensein einer Privat-Haftpflicht-Versicherung, Zustimmung zur Einholung einer Bank- und Schufa-Auskunft, Anschrift des aktuellen Vermieters (damit Erkundigungen eingeholt werden können, ob man ein aufmüpfiger Mieter war, der es gewagt hat, sich wegen Schimmelbildung oder Ausfall der Heizung zu beschweren).
Und, wohl gemerkt: Man weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, ob man jemals einen Fuß in diese Wohnung setzen wird, um einen Blick auf bzw. in sie zu werfen.

Es gab Situationen, in denen wir an dieser Stelle des Kampfes ausgestiegen sind: Ein Makler wollte vorab den Arbeitsvertrag in Kopie sehen. Oder: Man hätte sich verpflichten müssen, vor Einzug 200€ an die Hausgemeinschaft zu zahlen, falls beim Einzug irgendwo im Treppenhaus eine Schramme hinterlassen würde. Irgendwo ist wirklich mal Schluss. Falls aber doch noch nicht das Ende der Dreistigkeitsskala erreicht sein sollte, so gehe ich davon aus, dass in Kürze noch psychiatrische Gutachten vorzulegen sind, mit dem sich potenzielle Vermieter absichern wollen, dass ihnen da ja nicht ein Depressiver unterkommt, der die Bude zu sehr abwohnt (er ist ja womöglich viel daheim, so ein Depressiver).

Ist Hürde Nr. 2 erfolgreich absolviert, darf man abwarten, ob man eine Vorladung erhält. Wenn ja, muss man sich ob der Gnade freuen. Wenn nein, darf man sich nicht ärgern, dass man per Mail womöglich einen halben Offenbarungseid verschickt hat, aber daraufhin nie wieder einen Ton hört. Denn bei so viel Nachfrage kann einfach nicht jedem dahergelaufenen Popel unterhalb des Spitzensteuersatzes persönlich Bescheid gegeben werden.

Wenn man zu den Glücklichen gehört, die ins Allerheiligste eingeladen werden, folgt Hürde Nr. 3: Der Besichtigungstermin. Wenn es gut läuft, bekommt man einen Einzeltermin, der, wenn es blöd läuft, auf 15 Min. begrenzt ist. In 15 Minuten soll man eine Entscheidung für womöglich die nächsten 15 Jahre treffen! Jeden Ehemann schaut man sich länger an, bevor man zum Standesamt rennt!

Da heißt es ausgeschlafen hingehen und bereits im Treppenhaus den Zollstock ausklappen, damit man ruckzuck die kritischen Flächen (4 Meter Bücherregal, großes Ecksofa, diverse Schränke) im potenziellen neuen Zuhause überprüfen kann, bevor einem die Interessenten, die für den nachfolgenden 15-Min-Termin bestellt wurden, im Weg rumstehen oder man sich gar mit den Zollstöcken verheddert.

Gut, wenn man zu zweit ist bei der Wohnungssuche. Einer rennt durch die Bude und misst aus, der andere bemüht sich, alle zuvor notierten Fragen in größtmöglicher Freundlichkeit und mit stets interessiertem Dauerstrahlen im Gesicht durchzuhecheln, während der Makler/Eigentümer/Vormieter nur halberlei zuhört und antwortet, da er nebenbei noch die Kleinfamilie, die den Termin vor einem hatte, verabschiedet oder einem zu früh kommenden Interessenten die Tür öffnet oder den wegen all des Trubels brüllenden Säugling beruhigt.

Ich hab nie an einem Speed-Dating-Termin teilgenommen, aber so ungefähr stell‘ ich mir das vor. Nur dass man da wohl wenigstens mehrere Kandidaten an einem Abend und ohne Ortswechsel zwischendrin begutachten kann.

Wenn die Wohnung nicht total kacke ist, endet der Besichtigungstermin stets mit verbindlichem Händeschütteln und einem mit fester Stimme geäußertem „Wir sind sehr interessiert“, denn man muss ja irgendwie im Spiel bleiben. Deshalb schreibt man, wenn man nach dem Termin (oder mehreren Terminen) gerädert nachhause kommt, umgehend eine schleimige Mail, die natürlich unschleimig formuliert sein muss, bedankt sich überschwänglich für diese 15 Minuten und bekundet erneut sein großes Interesse.

Sollte es überzogene Ablösen geben, sichert man auch diese nochmal freundlich zu, dasselbe gilt für den Mietbeginn (meist vorgestern oder ab sofort). Kein Problem, wenn sich daraus 3 Monate doppelte Mietzahlungen ergeben, eine bessere Demonstration der eigenen Liquidität kann es gar nicht geben als diesen Umstand locker zu nehmen und ihn nicht in Form einer kleinlichen Nachfrage, ob man da nochmal drüber reden könne, zu erwähnen.

Womit wir bei der 4. und vorletzten Hürde angekommen wären: Die Tage nach dem Besichtigungstermin. Man hockt zuhause und wartet auf eine Reaktion. 1-3 Tage dauert das im Schnitt. In dieser Zeitspanne entfaltet sich eine meist ungute Mixtur an Emotionen/Gedanken/Aktivitäten:

  1. Wenn die Wohnung mittelprächtig war:
    – Wut darüber, auf was man sich alles einlassen müsste: Staffelmiete oder Indexmiete, Letzteres quasi einer Entrechtung von Anfang an gleichzusetzen, Übernehmen einer unrenovierten Wohnung, Ablösen, doppelte Mietzahlungen etc.
    – Überdenken der ganzen Sache: Hat einem die Wohnung wirklich gefallen? Bringen wir unsere Möbel alle dort unter oder müssen wir hier nochmal investieren? Wie lebt sich’s mit der abgewetzten, hippverklebten Küche für 5.000€ Ablöse und dem fensterlosen Bad, bei dem der Lüftungsschacht ziemlich klein und staubverkrustet wirkte? Kommt irgendwann nochmal was Besseres oder soll man nicht doch lieber zuschlagen?
  2. Wenn die Wohnung gut war:
    – Wildes Hin- und Herrechnen, wie man das finanziell stemmen könnte
    – Liste mit den einzugehenden Kompromissen erstellen und über Lösungen/Alternativen nachdenken
    – Übertragen des Grundrisses auf Millimeterpapier und erste Planungsversuche für die Möblierung
    – Mehrfache Streifzüge durch die evtl. neue Gegend per Google-Streetview, Suche nach dem nächsten Bäcker, Abchecken der Einkaufsmöglichkeiten, Grünanlagen, Kalkulation der Wege mit dem öffentlichen Nahverkehr zum Hauptbahnhof (wg. des Pendelns des Gatten)
    –  Umgebung 100m links und rechts ums neue Mietshaus in Google-Streetview bis auf Grashalmgröße heranzoomen: Genug Grünstreifen für Pippa vorhanden?
  3. Wenn die Wohnung super war:
    –  bis auf den zweiten Spiegelstrich wie 2.
    – mit Arbeit ablenken
    – Bierkonsum erhöhen, um gut gehopft noch irgendwie schlafen zu können und nicht zu viel an die total schöne Wohung zu denken
    – zuhause Gesprächsverbot über die total schöne Wohnung verhängen (und trotzdem heimlich dran denken)
    – Sportprogramm erhöhen, um die innere Unruhe wegen der total schönen Wohnung zu reduzieren
    – hoffen, dass der Sonntagabend mit in die Wartezeit fällt, weil da Serien-Abend ist (aktuell: der Island-Krimi)

Bei Variante 1 verkraftet man die Absage hervorragend, und im Falle einer Zusage sagt man doch lieber selbst ab (auch mal ein kurzes gutes Gefühl: sollen die sich doch einen anderen Deppen suchen, der für 17€ pro m² und samt Indexmiete an der Backe da einzieht).

Fall 2 ist schon heikler: Wenn es eine gute Wohnung war, ist man bei einer Absage heftig enttäuscht und für ein paar Tage deprimiert. Eine Zusage bringt einen in die Bredouille, weil man nun sofort entscheiden muss, ob man’s macht oder nicht. Trotz der eigentlich zu hohen Miete, trotz der einzugehenden Kompromisse. Beziehungsstress ist vorprogrammiert, denn meist ist einer eher dafür und der andere dann doch eher dagegen. Letzterer hat die größere Arschkarte gezogen, weil er dann als Verhinderer dasteht. Mit ein bisschen Übung in der Wohnungssuche, schleift es sich dann aber ein, dass man a) munter diese Rollen wechselt und b) keine Energie mehr hat, sich länger als 1/2 Tag deswegen zu zanken. Schließlich wartet schon das nächste Inserat, der nächste Selbstauskunftsbogen oder gar der nächste Besichtigungstermin, da kann man nicht zerstritten antreten. Macht keinen guten Eindruck.

Dramatisch wird es bei der 3. Option. Die Wohnung war super, man schlich unruhig daheim herum, die Arbeit ging zäh von der Hand, man hat zwei Tage zu viel oder zu wenig Verdauung gehabt, schlecht geschlafen, zu viel getrunken und sich auch noch durch übertriebenes Sportprogramm körperlich ramponiert.

Kurz: Dann, wenn die Reaktion kommt, liegen die Nerven bereits blank. Eine Absage ist dann schwer zu ertragen, je länger man schon sucht, desto schwerer. Die Zusage ist eine Erlösung, aber man ist zu k.o., um das sofort zu realisieren und dann, wenn man sich endlich hemmungslos freuen möchte, merkt man die ganze Erschöpfung vom Suchen, Warten, Hoffen und all den Selbstauskunftsbögen und Terminen und Überlegungen, die man schon hinter sich hat.

Dem Himmel (oder wem auch immer) sei Dank, dass wir Variante 2 und 3 nur je 1x erlebt haben. Und dass es letzte Woche tatsächlich geklappt hat, mit genau der Wohnung, aus der wir nach dem Besichtigungstermin rausgingen und uns nichts zu sagen hatten. Weil es nichts zu sagen gab. Außer, dass alles passen würde, aber das ist ja schnell gesagt.

Die beiden Wartetage waren grauenhaft, uns war klar, wenn das nicht klappt, dann beenden wir die Suche und arrangieren uns doch hier, wo wir sind. Als die Zusage kam, konnten wir’s kaum glauben, obwohl ich eigentlich fand, dass es mal wieder an der Zeit war, Glück zu haben.

Im Nachhinein bin ich heilfroh, trotz massiver (angeborener) Ungeduld an meinen 3 Prinzipien festgehalten zu haben:
1. Die Suchkriterien so eng wie möglich fassen.
2. Wenig Kompromisse eingehen.
3. Nur einen normalen Mietvertrag unterschreiben.

Den nächsten Weltfrauentag verbringe ich in dieser Küche 🙂

Und dieses Foto&Zitat einer München-Seite aus Facebook pinne ich mir an die Kühlschranktür. Jawohl!

Gute Nacht wünscht
Die Kraulquappe.

Hund haben (2).

Es ist mal wieder so weit: Die drei Ausnahme-Wochen des Jahres haben begonnen und wir haben schon fast ein Viertel davon überstanden.
Das Dackelfräulein ist läufig (bzw., wie der Gatte zu sagen pflegt: „hat ihre Tage“). Diesmal haben wir uns sogar gefreut, als es losging. Allerdings nur aus dem schlichten Grund, weil es seit Wochen überfällig war.

Alle 10-11 Monate ziehen wir Pippa drei Wochen lang mindestens 3x am Tag, wenn wir nach den Spaziergängen in die Wohnung zurückkehren, ein Schutzhöschen an. Diese Dinger sind allesamt eine Fehlkonstruktion. Entweder sie verrutschen oder sitzen zu eng oder sind kompliziert anzulegen. Oder alles auf einmal.
Innen haben sie eine doppelte Stoffschicht eingenäht, deren obere Lage eine Öffnung hat. Zwischen die Stoffschichten soll man ein Taschentuch schieben, das scheint dann durch die Öffnung und darauf soll dann das Blut landen. Das klappt nie, absolut nie! Das Blut landet überall, aber niemals auf diesem Taschentuchkreis.

Also wurden preiswerte Slipeinlagen ohne Duftstoffe und Plastikbestandteile im Großpack besorgt. Davon schneiden wir zu Beginn einer neuen Läufigkeit 30 Stück in der Mitte durch, das reicht so in etwa. Die ganz billigen taugen nichts, da sie schlecht kleben, die mittelpreisigen funktionieren halbwegs. Die pappen wir innen in das Läufigkeitshöschen, an eine von uns durch genaue Beobachtung ermittelte, passende Stelle. Bei jedem Höschen-Ausziehen wird das Ding rausgezupft, entsorgt und ein frisches reingeklebt. Klappt echt super.

Solides Schutzhöschen mit halbierter „Jessa“.

Am Ende der Läufigkeit waschen wir alle Höschen und beten, dass keiner der Nachbarn die Dinger auf der Leine im Wäschekeller näher betrachtet und/oder blöde Fragen dazu stellt.

Bleibt nur noch das Gefummel beim Anziehen. Hund hinstellen, Höschen mit halbierter Slipeinlage drin bereitlegen, dann Rute durch das Loch fädeln, anschließend Höschen am Hund positionieren, Gürtelband durch die Schlaufe fädeln, die befindet sich schwer einsehbar unten am Bauch des Hundes und dabei rutscht garantiert die Rute wieder aus der vorgesehenen Öffnung – und man beginne von vorn. Meistert man diese Hürde im dritten Anlauf, muss das Ende des Gürtelbands nur noch in den Klemmverschluss geschoben werden. Auch hierfür bedarf es meist mehr als eines Versuchs. Hat man auch das geschafft, wird das Höschen nur noch festgezurrt, so dass es gut sitzt, aber nirgends kneift, und man klappt den Verschluss um und wischt sich genervt über die Stirn. Fertig. Die Konstruktion hält dann für Stunden.

Tanga-Modell für den Hochsommer: Ein Hauch von nichts.

 

Robustes Einsteiger-Modell in Schottendesign mit Klettverschluss: Easy to fix, verrutscht aber total.

Nachteil der wenigen gut sitzenden Höschen: Die Hündin kann sich nicht mehr selbst putzen, also zwischendurch mal das Höschen abnehmen, um das natürliche Bedürfnis des Tieres nicht zu lange zu unterbinden, dann das Teil wieder anziehen.

Auch innerhalb der Partnerschaft bringt das ganz neue Impulse: Mal flucht der eine, mal der andere, mal hilft man einander und steht einträchtig über den Hund gebeugt, einer hält, der andere wurschtelt und fädelt herum, denn die ganze Aktion geht mit vier Händen doppelt so schnell über die Bühne, dauert also gemeinsam nur 2 Minuten statt 4 oder 5. Gute Teamarbeit schweißt ja immer zusammen.

Man muss das einfach mal so beschreiben, denn ein Rüdenhalter oder ein Nicht-Hundehalter oder ein Nichts-von-Tieren-Halter macht sich da ja keine Vorstellung davon!
Auch ich habe an solche Tätigkeiten & Utensilien nicht im Entferntesten gedacht, als wir vor sechs Jahren mit dem Gedanken schwanger gingen, uns einen Hund zuzulegen.
Und das ist ja nur einer der Indoor-Aspekte, die so eine Läufigkeit mit sich bringt. Ein weiterer ist die größere Anhänglichkeit des Dackelfräuleins, tagsüber, nachts, immer. Ebenso eine höhere Sensibilität gegenüber Geräuschen, Wortgefechten, ach, eigentlich gegenüber allem. So eine Art Langzeit-PMS, nur nicht vorher, sondern währenddessen.

Außerhalb der Wohnung müssen wir jetzt noch mehr mit anderen Hundehaltern sprechen: Man muss „Ist das ein Rüde?“ auf 100m Entfernung plärren und anschließend ggf. höflich, aber nachdrücklich ein „Könnten Sie ihn bitte anleinen, unsere Hündin ist läufig!“ nachschieben. Parallel dazu schirmt man den eigenen Hund ab so gut es geht, je nach Zudringlichkeit der Rüden hilft Pippa dabei hervorragend mit und ist sehr zickig zu den teils dreisten Aspiranten, die ihr mit den Nasen am Hinterteil kleben.

Demnächst folgen noch die 3-4 Tage, an denen Pippa nicht mehr zickig ist, sondern ihrerseits Interesse an der Männerwelt hätte, wenn man sie ließe. An den Tagen heißt es von der Wohnung aus direkt in die Garage flüchten, um den hinreißenden Duft nicht zu sehr in den Rüdennasen der näheren Umgebung zu verteilen, und die an Orten spazieren gehen, an denen man möglichst niemanden trifft. Da fährt man dann schon mal mehr als 20 Minuten, um die Hündin ungestört ihre Geschäfte erledigen zu lassen.

Nach 18 bis 21 Tagen ist alles überstanden. Naja, fast alles. Ungefähr 9 Wochen später, zum fiktiven Wurfzeitpunkt, geht’s nochmal weiter: Mit der Scheinträchtigkeit- und mutterschaft. Häufig eine sehr verzwickte Phase, in der die Hormone erneut alles auf den Kopf stellen…

Zu dem Thema melden wir uns dann im Wonnemonat Mai wieder.
Womit keinesfalls gesagt sein soll, dass die Beiträge auf diesem Blog bis dahin hundefrei bleiben 😉

Einen schönen Sonntagabend ohne lästiges Gepfriemel mit Tier-„Dessous“ wünscht euch
Die Kraulquappe.

Song des Tages (1).

 

Ein Top-Song!

Spiegelt in Text, Farben, Rhythmus und Intonation exakt meine Stimmung wider. War nämlich auch ein Top-Tag.

  • 7:00 Uhr, für unsere Verhältnisse früh aufgestanden. Um richtig was zu schaffen.
  • Entdeckung: Warm ist außer dem Morgenkaffee nichts. Heizung kalt, Wasser kalt. Ich dann auch kalt.
  • In Wolldecke gehüllt und mit Heizkissen unterm Hintern mit der Arbeit begonnen.
  • Um Punkt 8 Uhr Hausverwaltung zusammengefaltet.
    (Das mit den Stadtwerken war eine Lüge. Seit Montag wissen sie, dass der Gasbrenner der Heizungsanlage irreparabel defekt ist, am Dienstag lügen sie einen an, schieben alles auf die Stadtwerke und vertrösten einen, gestern ist der geizigen Hausbesiterin dann klar geworden, dass man den Brenner nicht mehr reparieren kann, also hat sie den billigsten Ersatzbrenner auftreiben lassen, der seit heute Morgen um 9 Uhr von einem Stümper eingebaut werden soll. Stümper deshalb, weil der Typ entweder Pause macht und raucht oder zum Baumarkt fährt, weil irgendein Teil fehlt.)
  • Kurze Konsultation des Tierarztes als Kreislauf-In-Schwung-Bringer eingeschoben, da sich gestern im Wald eine kleine Katastrophe ereignet hatte, deren Nachwirkungen ich dann doch lieber den Fachmann begutachten lassen wollte.
  • 10:30 Uhr, genug gefroren, als Eiszapfen zum Schwimmbad gefahren. Unter der Dusche aufgetaut, geschwommen, nochmal heiß geduscht. Danke, Stadtwerke!
  • 12:30 Uhr, Aufbruch zum großen Gassi. Mit großem Rucksack, um groß einzukehren, irgendwo, wo’s warm ist.
  • 13:30 Uhr, Mittagsmenü in der Menterschwaige. Beilage ist nur lauwarm, ich beschwere mich, denn meine Geduld für falsch Temperiertes ist heute bereits überstrapaziert.
  • Nach dem Essen einfach sitzengeblieben, Sachen aus dem Rucksack geholt – Lammfellmatte für Pippa, Laptop für mich – und dort ein bisserl gearbeitet. Kellner spendiert einen Kaffee, als Entschuldigung für das laue Gemüse. Kaffee ist sogar warm.
  • 15:00 Uhr, weiter an der Isar entlang. Nachbarin eine WhatsApp geschickt, ob die dämliche Heizung wieder läuft. Nein. Im Keller herrscht Ruhe, antwortet sie. Der Stümper ist vermutlich beim Zigarettenholen, denke ich. Ich warne den Papa vor, dass ich vielleicht heute noch zu Besuch komme.
  • 15:30 Uhr, Ankunft im Café Isarfräulein, wo das Dackelfräulein Stammgast ist. Matte und Laptop wieder ausgepackt. Tee bestellt. Dackelfräulein knurrt, weil der Rüde der Cafébesitzerin dauernd lüstern rüberschaut. Das Gezicke beende ich, indem ich verfrüht die Futterbox aus dem Rucksack hole. Hab‘ alles dabei – zur Not können wir über Nacht hier campieren.
  • 16:15 Uhr, WhatsApp von der Nachbarin. Die Heizung sei nun lauwarm. Wir packen langsam zusammen. Nochmal 30 Min Fußmarsch bis zum Auto. Dann stehen wir im Stau. Aber mit Sitzheizung. Und Tom-Waits-CD.
  • 17:30 Uhr, Ankunft daheim. Die Heizung läuft. Bis der Gatte nachher aus Frankfurt heimkommt, wird’s warm sein in der Bude.
  • Richtig was geschafft heute, wirklich.

Hund haben (1).

Hund hat seit gestern Mittag keinen Stuhlgang mehr gehabt.
Also heute Morgen zeitig raus, in der Gewissheit, dass nun ein dringendes Geschäft anstünde.
Hund begibt sich auch sogleich auf den Grünstreifen vor dem Haus. Legt einen Zahn zu, was immer ein eindeutiges Zeichen ist.
Mensch saust beflissen hinterher, die Leine ggf. geschickt um Bäume oder geparkte Fahrräder herumfädelnd.

So geht’s den Grünstreifen entlang. Kurz vor dem Buckeln (für Nicht-Hundehalter: Hunde machen einen Buckel, wenn „es“ soweit ist) stört eine auf dem Grünstreifen herumflatternde Plastiktüte die für das Geschäft benötigte Ruhe.
Hund bricht ab und saust weiter. Mensch hinterher. Straße inkl. Grünstreifen endet. Da Hund immer noch in Geschäftslaune zu sein scheint, dreht Mensch um und geht mit Hund eine Teilstrecke zurück. Kurz vor dem Buckeln stören nun ein paar Scherben und ein geparktes Rad, das dort sonst nie steht.
Erneute Umkehr. Also doch die große Runde, was soll’s.

Um die Ecke wartet der nächste Grünstreifen. Hund gibt wieder Gas. Bremst ab, geht in die Hocke und pieselt. Nun ja. Weiter geht’s, denn das war’s ja noch nicht.
Für den Hund aber schon. Er verlässt den Grünstreifen, wechselt mit angelegten Ohren in seinen typischen „Ich will sofort nach Hause“-Gang und saust im leicht geduckten Schützengrabenmodus dicht an der Mauer oder den Zäunen entlang und guckt nicht mal mehr rüber zum Grünstreifen.

Mensch geht nicht darauf ein, biegt nicht an der vom Hund gewünschten Ecke Richtung Zuhause ab, sondern wechselt die Straßenseite. Weiter geht’s.
Hund stemmt sich mit allen Vieren gegen die Leine und guckt grantig. Mensch zieht an der Leine und sagt „Mach mal schön.“. Hund legt die Ohren ganz an, geht pflichtschuldig auf den Grünstreifen. Stemmt sich nach ein paar Metern wieder gegen den Zug der Leine und guckt nun extrem armselig und beleidigt drein.

Stimmung droht zu kippen, da Hund spürt, dass Mensch ungeduldig wird. Da reicht schon ein Atemzug oder Blick.
Hund trottet mit geknechteter Miene im Schneckentempo weiter bis Mensch endlich aufgibt und umkehrt. Plötzlich kann Hund wieder ganz schnell gehen.
Und siehe da: Hund nochmal mit Vollgas voran und rauf auf den Grünstreifen. Mensch atmet innerlich auf und nestelt schon siegessicher in der Jackentasche nach dem Gassisackerl.
Hund zieht zum äußersten Grünstreifenrand hinüber, Mensch muss hinterher, dem Geschäftserfolg zuliebe tut er jetzt alles.

Aber was ist das? Dieses glitschige Gefühl unter dem linken Schuh? Mensch ist in einen völlig aufgeweichten Haufen getreten, den der letzte Altschneerest aufgetaut und freigegeben hat. Farblich nicht zu unterscheiden von dem restlichen Untergrund, weshalb der Grünstreifen zur Zeit eigentlich Braunstreifen heißen müsste. Die Kacke ist am Dampfen!

Mensch flucht. Hund bezieht wie immer alles auf sich, dreht sich um, guckt schuldbewusst und wuselt sofort beschwichtigend auf Mensch zu. Und tappt ebenfalls in den aufgeweichten Haufen rein.
Mensch und Hund gehen nun im Stechschritt heimwärts. „Scheiß auf die Verdauung“, denkt sich Mensch. „Frühstück winkt“, denkt sich Hund.

Im Treppenhaus und im Aufzug hinterlassen Mensch und Hund eklige, klebrige braune Spuren. Vor der Wohnungstür muss Hund warten, bis Mensch seinen Kackstiefel in die Badewanne bugsiert hat, wo er – Hund –  dann auch landet.
Hund und Stiefel werden geduscht.
Dann Frühstück für Hund. Mensch ist mittlerweile der Appetit vergangen. er geht mit einem Lumpen ins Treppenhaus, um den besch… Tagesbeginn wegzuputzen.

35 Minuten sind vergangen und das alles für 1x Pieseln, was Hund zur Not auch schnell vor der Haustür hätte machen können.

Manchmal ist Hund-Haben wirklich zum Haare raufen.

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Aber wenigstens scheint heute mal wieder die Sonne, so dass der zweite Anlauf in Sachen Geschäftsbesorgungen gleich unter angenehmen äußeren Bedingungen stattfinden kann.

 

Breaking & aching news.

Liebe Münchner, liebe Bayern,
lieber Rest der Welt,

zefix no amoi – jetzt ist es passiert!

Auf dem Weg zum Olympiapark stolperte ich fast vor Entsetzen über den Zeitungskasten der Münchner Abendzeitung.

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Der Rest Deutschlands säuft nicht nur unser köstliches Bier und müht sich leidlich ab, unsere Brezen nachzubacken, sondern promeniert ab sofort auch mit unserem Waldi über seine Jungfernstiege, Ku’dämme oder Königsalleen.

Muss das sein? Könnt ihr Nord-Danubier den Dackel nicht dort lassen, wo er hingehört – nämlich hier?

Und wisst ihr eigentlich, was ihr euch da antut? Nein, gell!? Recht g’schieht’s euch! Ihr werdet’s euch noch umschauen, wohin euch die Wastlphilie führt. Denn der Dachshund ist kein Hund für einen Preußen.

Man stelle sich nur vor: Eine distinguierte Hamburgerin, die an der Binnenalster mit spitzen Fingern die Hinterlassenschaften ihres Lieblings in ein Schietbüdel packt und ihrem davonflitzenden Teckel ein spitzes „Fiiiiete“ hinterherkreischt. Geht gar nicht! Das ist doch kein Name für einen bajuwarischen Erdhund – und Schietbüdel keiner für ein Gassisackerl.

Auch ein Berliner am anderen Ende der Dackelleine wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Sprüche wie „Haste’n Waffenschein für deine Säbelbeene?“ oder „Da jibs nüscht zu meckaan!“ empfände ein waschechter Waldi entweder als grobe Beleidigung seiner edlen Statur (zu der die Achondroplasie nun mal dazugehört wie der Händlmaier-Senf zur Weißwurst) oder als blanke Missachtung seines soliden Grundcharakters (25% Grantler, 25% Schlawiner und 50% Löwe).

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Und mit rheinländischer Lockerheit – „Et kütt wie et kütt“ oder „Küss de hütt nit, küss de morje“ – käme man der Dackelnatur schon gar nicht bei. Laissez-faire (oder Laissez-aller) beschert einem bei dieser Rasse lebenslang einen unerzogenen Rabauken an seiner Seite. Da vergeht selbst dem Rheinländer sein angeborener Frohsinn.

Als Dackelhalter hat der Bayer an sich einfach die besseren Karten, um nicht zu sagen: die Trümpfe ebenso fest in der Hand wie die Leine.

Die Naturelle von Herr und G’scherr passen da von Haus aus zusammen. An Grant und Größenwahn kann jeder dem anderem locker das Wasser reichen (und zwar im Maßkrug), genauso verhält sich’s mit der Sturheit, dem Festhalten an Traditionen und der Liebe zu den Bergen, allen voran den Fleischbergen.

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So schaud des aus, wenn ois bassd: Da Waldhütter Werner mit da Sissi und am Kini!
(Für Preußen: So ist es stimmig: Werner Waldhütter mit Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn und König Ludwig II. von Bayern.)

Bevor ihr euch also übernehmt, liebe Preußen, weil ihr diesem buddelnden Kraftpaket und ausg’schamd’n Schlawuzi nicht gewachsen seid, empfehle ich: Begnügt euch mit einem selbst gebastelten Wursthund. Das ist herausfordernd genug!

Pfiats eich, Tschö, Moin Moin, Tschüssikowski oder was auch immer!
Eure Kraulquappe.