Cevedale oder: Neue Horizonte.

Heute die erste einer Handvoll (therapeutisch begleitender) Sitzungen, die zu Beginn dieses neuen Jahres (vielmehr aber zum Beginnen des Beendens eines langgehegten Lebensmusters) äußerst sinnvoll bzw. geradezu notwendig schienen.

Coach und Couch sind vertraut, das Dackelfräulein darf auch mit und rollt sich nach kurzem Begrüßungswälzen auf dem roten Teppich genüsslich auf selbigem ein (Donut-Style) und verschläft dort, selig berieselt von ihr bekannten Stimmen, das Stündchen.

Es geht heute um die „Blutegel“ in meinem Leben.
Nicht etwa um die, nach deren Ansetzen man angeblich schmerz- und entzündungsbefreit wie ein junges Reh durchs Leben springen würde. Sondern um die, deren Biss nichts als weh tut und deren Saugen überhaupt nichts bringt, sondern nur wertvollen Saft abzapft, der dann anderswo fehlt, nämlich im eigenen Energie- und Lebensfluss.

Warum aber – und das ist das eigentlich Spannende dabei – geht man wider besseren Wissens immer wieder in die Sümpfe hinein und holt sich dort einen neuen Blutegel? Und setzt den nutzlosen Sauger wieder an, mit dem ewig gleichen, negativen Resultat? Was soll diese Reinszenierung?

Etwas leer im Kopf verlasse ich die Praxis und spaziere durch die Altstadt Richtung Isar.
Am Isartorplatz fällt mein Blick in das Schaufenster eines großen Sport- und Outdoorladens. Auf einem der Riesenplakate erkenne ich die Birkkarspitze. Drüber zieht ein Adler seine Kreise, drunter steht „Neue Horizonte“.
Sehr ansprechend. Mir fallen sofort meine alten, undichten, abgelaufenen Bergstiefel ein, in denen ich neulich mit eiskalten Zehen durch den Schneesturm den Berg hinunterrutschte und in denen man dem Ruf des Adlers nicht mehr allzu gut folgen könnte.

Ich gehe in den Laden hinein. Paradiesische Ruhe dort, so am späten Vormittag. Die Symmetrie, mit der die Langlaufski an der Wand lehnen, farblich und nach Größe geordnet, eine wahre Augenweide.
Ein netter Verkäufer, dem ich im Unterschied zum IKEA-Katalog das (an sich unpassende) Geduze sofort nachsehe, kümmert sich mit einer Engelsgeduld um die Neueinkleidung meiner Füße, vermisst sie, bemerkt die beiden Spezialzehen und erhält dafür sofort einen Vertrauensvorschuss.
Das Dackelfräulein beobachtet das Geschehen ebenfalls mit ungewöhnlicher Engelsgeduld (gestern noch, mit dem Gatten telefonierend, lang über ihre Unart geschimpft, sich nicht einfach mal ohne Umschweife an einem ihr zugewiesenen, warmen und sicheren Platz ruhig niederlassen zu können – sie muss es gehört und sich zu Herzen genommen haben) und erhält dafür sofort einen Fressensvorschuss.

Die Atmosphäre ist so angenehm, dass sogar Zeit ist, sich mal mit ausführlichen Instruktionen zu Schnürtechniken zu befassen (wahlweise straff am Rist oder an der Ferse oder oben gelockert für den Aufstieg) und schlussendlich staube ich nebenbei auch noch fürs Fräulein einen hilfreichen Bergtipp ab, weil ich – mittlerweile in Plauderlaune – von der Kängurunummer neulich berichte und der Verkäufer dazu eine Idee hat: „Kennst du die Filz- und Lodenmanufaktur in der Rumfordstraße? Der Chef fertigt spezielle Rucksäcke für Jäger, in die der Waldi neipasst, wenn er mal nimmer ko oder derf!“.
Nein, kenn‘ ich nicht. Ist aber der Brüller: Schau’n Sie sich DAS mal an (unter dem Menüpunkt „für den Hund“, ganz links unten) – ja da möchte man sich doch auf der Stelle einen Zweitteckel zulegen, damit die dann im Doppelpack so keck rausgucken aus dem Rucksack (und auch die lässige Hundetragtasche, echt spitze, braucht man nur noch einen Sponsor für die noble Dackelsänfte)!

So macht Einkaufen tatsächlich mal wieder Spaß, was für jemanden wie mich wichtig ist, da ich grundsätzlich nicht gern „shoppe“ oder „bummle“, sondern nur losgehe, wenn ich konkret was brauche und selbst dann dauert’s, bis ich mich zu der Besorgung aufraffen kann.

Der freundliche Verkaufsbursche holt mir vier Paar Bergstiefel in meiner Größe aus dem Lager. Ich turne nacheinander mit allen Modellen über die Fels-Attrappen, die als Teststrecke für den Schuhkauf dienen, steige Treppen hinauf und hinab, marschiere in aller Ruhe durch die gesamte, herrlich leere Bergsportetage.
Die seit 40 Jahren bewährte Marke bewährt sich auch jetzt wieder. Passt wie angegossen.
Sehen sogar fesch aus. Und sind nach dem Monte Cevedale benannt, den man beispielsweise über einen Grat von den Zufallsspitzen aus erreichen kann, was irgendwie leicht/locker und so gar nicht schicksalsträchtig/düster klingt, und die Region stimmt eh.

Eine Dreiviertelstunde später treten meine neuen Stiefel und ich hinaus in die Kälte. Auf der überdimensionierten Tasche, die ich stolz über meine Schulter gehängt habe, prangt ebenfalls der Schriftzug „Neue Horizonte“ (was bin ich nur für ein schlichtes Konsumentengemüt an diesem Montagvormittag nach Termin 1 zum Blutegel-Thema, nach den noch folgenden Terminen werde ich künftig sicherheitshalber mit der U-Bahn zur Isar fahren).

Die scarpe cevedale turchese werden locker drei Birkkarspitzen in Serie packen (was ich gar nicht vorhabe, aber es muss ja noch Luft nach oben sein bei solchen Anschaffungen).
Kein Tiefschnee der Welt wird ihnen etwas anhaben können und auch kein noch so sumpfiges Gelände.
Und mit ihrem „aggressiven Profil“ (Zitat aus dem Verkaufsvortrag) können sie auch jedem Blutegel auf Anhieb den Garaus machen oder der kleine Parasit beißt sich zumindest gscheid seine Zähne aus an der Hard-Shank-Brandsohle (nie gehört, klingt aber wichtig und wie eine Lebensversicherung).

So wie jeder Weg mit dem ersten Schritt beginnt, schreite man neuen Horizonten am besten mit geeignetem Schuhwerk entgegen.

Lovely things.

Mit schwerem Rucksack und einer verheißungsvoll betitelten Tragetasche spazierte der Handwerksfreund gestern vom Münchner Hauptbahnhof zu seinem Einsatzort…

…drin aber nur ein neues Schrauben- und Dübelsortiment, sonst keine spannenden Mitbringsel für die Damen des Hauses.

Kurze Fäschprr (Vesper) und dann ab in den Baumarkt, wo ich mittlerweile kleine Aufgaben übertragen bekomme und eigenverantwortlich erledigen darf – gestern: Schleifpapier in 4 Körnungen besorgen. Eigentlich nichts weiter als ein fieser Trick, denn so wird man(n) die Frau für mindestens 20 Minuten los…

…und kann in Ruhe den ganzen Bretterkram besorgen.

Bevor’s dann so richtig losgeht, wird die Kundin noch mit zwei lang ersehnten Haken ruhiggestellt…

…und schon beginnt das Dauergesäge.
Abends steht dann der Sockel und die Arbeitsplatte darf bereits probeweise auf der Konstruktion nächtigen.

Mittwochmorgen.

Seit kurz nach 8 Uhr jault die Säge wieder vor sich hin, ich schleppe die Tagesration Getränke und Verpflegung ins Haus. Am Vormittag ersucht der Handwerksfreund um einen zweiten Baumarktbesuch – er braucht ein anderes Sägeblatt. Teures Teil, aber einen super Namen hat’s: „Craftomat“. Überhaupt haben sie dem Werkzeuggeraffel ja tolle Namen verpasst: „Herkules“, „Wolfcraft“ usw., soll ja schließlich den Käufer auch emotional ansprechen.

Tut es auch, er strahlt übers ganze Gesicht. Spontan schenken wir ihm das funklende Silberstück vorweg zum Geburtstag. Darauf erstmal ein „Jever fun“ (zur Zweit-Fäschprr)!

Die Tiere machen ebenfalls ein Päuschen und ich verzieh‘ mich jetzt ins Schwimmbad, da ich hier eh nur störe.

Dr. Schmitt bewacht die Konstruktionsskizzen und die To-Do-Listen.

Das Dackelfräulein bewacht die Sägestation auf dem Sonnenbalkon.

Kann man jetzt nicht meckern: die Männer arbeiten und man selbst schwimmt mal ein bisschen im güldenen Wasser des geliebten Freibads ein paar Erholungsrunden.
Trotz der vielen Planung, Arbeit und Ausgaben irgendwie eine durchaus erfreuliche Lebensphase!

Routinen.

So langsam entsteht eine gewisse Routine, was den Wochenablauf angeht.

Und ich bin ja ein Freund von Routinen, da sie das Gemüt und den Geist entlasten und so zu einem ressourcenschonenderen Alltag beitragen.

Morgen Früh verlässt der Handwerksfreund wieder seine Allgäuer Bergwohnung und fährt auf Montage nach München.

Hier ist für die ersten Arbeitsstunden schon alles vorbereitet, nur die Fleischpflanzerl und die Brezen werden noch tagesfrisch herangeschafft. Eh klar!

Verpflegung für den Handwerkervormittag.

Nicht, dass Sie jetzt denken, in dem abgebildeten Papiersackerl wären schon die Brezen für morgen drin. Nein, nein!
Da ist das Handwerker-Power-Müsli drin, das er sich selbst eingetütelt und mitgebracht hat: Feinster und reinster Allgäuer Gips. Den rührt er sich gern mit Vollmilch an und genießt das Ganze zum Zweitkaffee oder zum Erstzigarillo.
Umgerührt werden darf der Powerbrei nur mit den langen Schrauben, die Sie im Bild sehen. Für jedes Müsli eine frische, versteht sich (das beansprucht mit den Wochen zwar auch das eh schon extrem beanspruchte Budget, aber mei, und auch der Gatte hat gesagt: „Lass ihn! Wenn es ihm so am besten schmeckt, soll er die Dinger eben haben!“). Ich kauf‘ jetzt auch immer eine Schraube mehr als nötig, denn nicht dass mal eins der Dinger zwischen die Balkonbodenplatten fällt und der Handwerksfreund dann die Arbeit niederlegt, weil er sein Kraftsupperl nicht korrekt hat umrühren können (sicher ist sicher – denn bis Ende Juni wollen wir hier ja fertig werden mit unserem Großprojekt.)

Ein bisserl speziell ist er halt schon, aber wie gesagt, wir gewöhnen uns von Woche zu Woche besser aneinander, suchen und finden Kompromisse oder alternative Lösungen, und außerdem es ist ja nicht so, dass ich dem Herrn Handwerker nicht auch Einiges zumuten würde: konsequenten Schuhwechsel zwischen den unterschiedlichen Sauberkeitszonen (der Säge-Balkon, das Wohnungsinnere, die Welt da draußen) oder gründliches Späneabklopfen vor den Mahlzeiten am Esstisch oder mitten im Arbeitstag eine schwierige Zeckenentfernung in der Leiste des Dackelfräuleins (um nur ein paar Beispiele zu nennen – die Gesamtliste der Zumutungen korrespondiert locker mit der Anzahl an Flaschen in der obigen Abbildung!).

Ab morgen ist übrigens die Küche dran.
Sie bekommt Licht, Haken für die Geschirrtücher, eine zweite Küchenzeile mit Pfannenabstellfächern in exakter Pfannenhöhe und -breite. Ich bekomme mein erstes Weißbierkasten-Fach und der Kühlschrank darf endlich seinen Anschlag wechseln, damit man da auch mit kaputtem Ellbogen ergonomischer hineingreifen kann. Der Gatte erhält ein schönes Rotweinfach und der Dachshund einen Dachsbau im unteren Teil des Hochschranks.

Bleiben Sie also dran – bestimmt können Sie hier noch das eine oder andere lernen über Handwerkskunst, Biersorten, Neurosen, Putztechniken, Raumgestaltung, Tierhaltung und Teambuilding!

Der Arbeitsbalkon, noch schlafend.

Song der Woche.

Rain pourin‘ down, I swing my hammer
My hands are rough from working on a dream
I’m working on a dream

Let’s go!

I’m working on a dream
Though trouble can feel like it’s here to stay

Drei Tage hatten wir hier bei absolutem Mistwetter Besuch vom Handwerksfreund – und ich muss sagen: Diridari hin oder her, es hat sich dermaßen gelohnt, die ganze Aktion, und am Ende waren alle glücklich und zufrieden.

Das Gepäck vom Handwerksfreund aus dem Allgäu (ein Ausschnitt).

Gemeinsame Unternehmungen wie Baumarktbesuche können die Freundschaft festigen (alleine Ausladen ebenfalls).

Kammerspiel, Part I: Rohrumbauungen.

Kammerspiel, Part II: Weitere Rohrumbauungen.

Kammerspiel, Part III: Rohrkurven ohne Ende.

Kammerspiel, Part IV: Die Kammerzofe erhält ein maßangefertigtes Stiefelfach.

Kammerspiel, Part V: Sonderschnitzerei für den Sicherungskasten.

Kammerspiel, Part VI: Das Kammerkonzert kann beginnen!

Eine Spitzen-Abstellkammer ist das geworden, sag‘ ich Ihnen!

Individuellst gestaltet, jeder noch so schräge Wunsch wurde berücksichtigt („Könntest du die Regalhöhe bitte an die Klorollenhöhe anpassen?“ / „Ich bräuchte bitte noch einen Haken für die Fliegenpatsche!“).

Gut, ein bisserl viel Leergut ist zammkemma, aber im Kammerl drin ist’s halt recht warm, da laufen die Heizungsrohre durch, die man jetzt auf einer Seite gar nimmer sieht, weil sie – schick holzverschalt – das kritische Hausfrauenauge nicht mehr beleidigen.
Also hat er eben an Durscht ghabt, der Herr Handwerker. Zum äußeren Abkühlen isser eh immer raus aufn Balkon – immerhin eine Loggia! – so dass er nicht im strömenden Regen hat sägen müssen.

Mit dem Dackelfräulein hat er lustiges Werkzeug- und Krepprollen-Kullern im Flur gespielt und tapfer das Scheinmutterschaftsgejammer ertragen.
Gekehrt hat er auch ordentlich und für die im Sitzen eingenommenen Imbisse auf den cremeweißen Vitra-Stühlen hat er sich stets brav alle Sägespäne vom Gwand geklopft. Solche Sperenzchen würd‘ ein „normaler“ Handwerker, den man sich ins Haus bestellt, ja niemals mitmachen (aber dem serviert man auch kein indisches Curry oder einen Quinoa-Salat nebst einem Schoppen Roten).

Letzter Akt nach dem Kammerspiel: Zusammenpacken der Gerätschaften für das Pfingstprojekt (Renovierung der alten Wohnung).

Insgesamt waren und sind wir hochzufrieden mit der ersten Werkelwoche im neuen Zuhause.
Es lebe das Handwerk & das Hausmöbel!

„Das Hausmöbel“ (Aus dem Konversationslexikon „Der Große Polt“)

Und genau so war’s: zum Abschied sagte er leise „Service!“ und „Bis Sonntag!“, man klopfte einander anerkennend für das gemeinsam Durchgestandene und Entstandene auf die Schulter (schnaufte dann unbeobachtet erst amal durch) und versprach zum Abschied, nach einem wohlverdienten Pausentag dahoam die To-Do-Liste für die vier Tage ab Pfingsten zu studieren (Schwerpunkt „Speisekammer“ und „Kleinkram, vermeintlicher“).

Wir wünschen der Leserschaft schöne Feiertage, tolle Ferien und erholsame Urlaube und was die Menschheit halt so macht, wenn sie nicht gerade den letzten Zaster in den Um- und Ausbau der Wohnung steckt.

Herzlich grüßt Euch –
Die Kraulquappe.

Hund haben (12).

Nach 6 Jahren und 5 Tagen innigen und relativ sorglosen Zusammenlebens wird es nun nächsten Donnerstag soweit sein: Das Dackelfräulein muss operiert werden.
Ihre erste Vollnarkose, für anderthalb Stunden…

Drei ominöse, dunkle Flecken am Hinterlauf sind nun doch zu groß geworden, sollten lieber früher als später herausgeschnitten und histologisch unter die Lupe genommen werden.

Neben diversen Sorgen und Ängsten, die so ein bevorstehendes Ereignis schürt, wollen auch praktische Aspekte der Post-OP-Phase bedacht werden. Als die Ärztin in der Tierklinik was von „10 Tagen Trichter“ faselt, wagen der Gatte und ich es kaum, uns anzusehen.

Trichter? Ja, schon klar, damit das Fräulein nicht an der frisch genähten Wunde nagt. Mal abgesehen davon, dass eh fast alle Hunde diesen sperrigen Plastikkragen hassen wie die Pest: wie soll das denn nachts gehen, unter einer gemeinsamen Bettdecke, mit Hund und Trichter? Fragen wir natürlich nicht die Tierärztin, sondern diskutieren das anschließend diskret im Auto.

Meine Freundin Andrea, die ich sofort kontaktierte, gibt mir den Tipp, bei medpets nach einem Hinterbein-OP-Schutz zu schauen. Manchmal muss man ja überhaupt erstmal wissen, wie das Zeug heißt, nach dem man suchen könnte! Haben wir sofort bestellt. Ebenso eine vielgepriesene Trichter-Alternative: Comfy-Collar zum Aufblasen, mit verstellbarem Klettverschluss.

Was es nicht alles gibt!

Offenbar gibt es auch Hunde zum Aufblasen: Siehe Aufkleber auf der Hinterbeinschutz-Tüte.

Für die Nächte brauchen wir aber was großflächiger Abdeckendes ums Bein herum. Und da so ein Dackel ja ähnliche Maße hat wie ein Baby, komme ich mit meinen 45 Jahren glatt noch in den späten Genuss, die Babyklamottenabteilung im Kaufhaus zu durchstöbern. Natürlich mit Spickzettel (alle Maße des Fräuleins gründlich notiert) und Maßband in der Jackentasche.

Eine Verkäuferin eilt herbei, als sie mich mit einem zartrosafarbenen Strampelanzug und dem Maßband herumhantieren sieht.

Sie: „Kann ich Ihnen helfen? Was suchen Sie denn?“
Ich: „Einen Strampelanzug ohne Ärmel, aber mit geschlossenen Beinen.“

Sie: „Ich nehme an, es ist ein Mädchen?!“ (deutet auf das rosa Teil in meinen Händen)
Ich: „Äh, ja. Aber Farbe und Design sind trotzdem völlig egal.“

Sie: „Wie alt ist das Mäuschen denn?“

Tja, an der Stelle muss ich Farbe bekennen und antworte, dass es sich um ein sechsjähriges Rauhaardackelmäuschen handelt.

Da ich an eine professionelle Verkäuferin geraten bin, entsteht keine Sekunde der Peinlichkeit und das Verkaufsgespräch geht nahtlos weiter.
Die Dame legt sich nun richtig ins Zeug: Es käme gar nicht so selten vor, dass sowas für Hunde nachgefragt würde, sagt sie, und lässt sich meinen Notizzettel mit den Maßen zeigen.

Wenig später ist klar, dass wir Größe 92 bräuchten, was die Länge des Stramplers angeht, nur passt dann der Umfang überhaupt nicht mehr (zu viel Stoffgeschlabber). Die Verkäuferin meint, dass es geschickter sei, eine Hose mit offenem Bein zu nehmen, ungefähr in Größe 80, so dass sie etwas besser an der Dackeltaille anläge und der Wunde an der Schenkelinnenseite ausreichend Schutz böte. Zudem würde der Hund nicht im Ganzkörperdress schwitzen oder sich zu eingeengt fühlen. Die offenen Beinenden müssten natürlich zugenäht werden, damit Pippa die Schnauze nicht durch diese Öffnung zwängt, um an der Wunde herumzubeißen. Und ein Loch fürs Schwänzchen muss noch hineingeschnitten werden – dann sollte alles passen.

Nach etlichem Herummessen und -suchen breitet die Verkäuferin schließlich 5 Hosen vor mir aus, die alle meiner Vorgabe „möglichst unter 10€“ entsprechen:

  • Die pinke mit glitzernden Prinzessinnenapplikationen lege ich sofort beiseite – der Gatte würde mich erschlagen!
  • Das winterliche Modell aus Nickistoff scheidet auch aus – viel zu warm für nachts unter der Decke.
  • Eine Frotteehose in Ringel-Optik behagt nun mir nicht – erinnert mich an Pyjamas der Grundschulzeit.
  • Am Schluss muss ich wählen zwischen zwei im Grundton grauen Modellen. Das eine mit lustigen Kolibris und Schmetterlingen drauf, das andere mit maritimen Motiven.

Obwohl ich ein großer Vogelfreund bin und die Verkäuferin meint, dass das Bunte für ein Mädchen ja vielleicht „frischer und netter“ wäre, nehme ich die andere Hose. Anker, Boot und Schiffssteuer sind als regelmäßiges Muster aufgedruckt (ich mag eh keine wirren Muster). 7,99€, faire Sache.
Das Teil ist langweilig und beruhigend zugleich. Genau das, was ich für so einen Anlass brauche. Und außerdem steht dem Dackelfräulein das Nautische definitiv näher als das Ornithologische oder Lepidepterologische. Sie ist nunmal ein Wander- und Wasserhund – da kriegste beim besten Willen nicht die Kurve zu Kolibris und anderem Geflatter.

Jetzt üben wir schon mal ein bisschen „Schlafen mit Halskragen“.

Post-OP-Vorübung: Schlafen mit Halskragen (Stofftier als Kinnstütze).

Haifischzähne und Healing Tootsies.

Wir danken recht herzlich für all die Genesungswünsche!

Das Dackelfräulein ist längst wieder fit (was natürlich die Hauptsache ist), ich hingegen musste mich heute nach kurzer Morgeneuphorie und verfrühtem Kaffeegenuss doch wieder in die Koje hauen. Dabei war ich gedanklich schon auf dem Weg ins Schwimmbad, zumal nach peinlicher, 3-wöchiger Übergangszeit im ausgeleierten, zerfransten und leicht durchsichtigem Schwimmanzug dieser Tage endlich ein passender neuer eingetroffen war.

[Ein Graus, dieser Kauf: Badeanzüge, selbst die namhafter Hersteller, halten mittlerweile keine 100 Schwimmbadbesuche mehr durch, dann beginnt das Material sich bereits an den chlordurchflussstärksten Zonen aufzulösen. Einen neuen Schwimmdress erwirbt sich’s leider keinesfalls en passant, weil a) sich alle Hersteller massiv in Größen und Schnitten unterscheiden (was einen beim Anprobieren bisweilen an der eigenen Figur verzweifeln lässt), b) die Ausgestaltung von „normaler/mittlerer/hoher Beinausschnitt“ eine Wissenschaft für sich ist (nur 1cm Stoff zwischen Taille und Beckenknochen ist schon eher arg wenig statt normal) und c) aufgrund der Farben und Muster sowieso 85% aller Schwimmanzüge ausscheiden (und die Auswahl ist ja ohnehin begrenzt, da es viel mehr plantschorientierte Bademode als schwimmtaugliche gibt). Künftig werde ich mir diese jährliche Qual ersparen und bei einem gut sitzenden Badeanzug gleich doppelt zuschlagen.]

Müssen wir wohl beide noch eine Weile herumhängen bis zur Einweihung.

Schonung ist also angesagt, nicht Ungeduld, denn morgen muss man hier wieder fit sein, wenn der Ernährer&Versorger frühmorgens für ein paar Tage zum Dienstort entschwindet.

Gucke YouTube-Videos über die Åland-Inseln (so viele Brücken, so viel Stein, so viel Wasser!), die Gemeinden tragen so schöne Namen wie Lumparland, Jomala und – nomen est omen – Hammarland. Sich ein paar Monate in so eine Hütte am Wasser verkriechen, mit eigenem Steg und Boot, dort ein Buch oder auch nur eine Reisereportage schreiben – das wär’s. Hin über Stockholm, zurück über Turku.
Im Hintergrund läuft der näherliegendere Traum in Endlosschleife: das 360-Grad-Panorama von der Skisprungschanze in Garmisch, wo es Neuschnee hat, die Sonne die Gipfel leuchten lässt und aus der Partnachklamm die letzten Nebelschwaden aufsteigen. Ich hasse Krankdaheimrumliegen und sehne mich nach frischer See- oder Bergluft.

Zu Wochenbeginn diesmal keinen Pressespiegel vom Gatten erhalten, sondern das großformatige Ungetüm selbst gelesen und so auch mal wieder amüsante Annoncen mitbekommen. Wäre ich ungebunden und zu Experimenten aufgelegt, tät‘ ich mich glatt melden auf eine Bekanntschaftsanzeige mit der Überschrift „Der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht!“, ein Spitzen-Intro, wie ich finde, und das nicht nur im Vergleich zu „Gutsituierter Akademiker in den besten Jahren…“ oder „Einsamer Bengel sucht hübschen Engel“ oder dem brechreizerzeugenden „Nur mit dem Herzen sieht man gut“ (und offenbarte der Kandidat tatsächlich Haifischzähne oder ein Pferdegebiss, könnte man ja immer noch das versteckte Messer zücken und die Sache abkürzen).

Staubtrockener Zwieback rutscht besser with a little coke and sympathy & some music und das viele Liegen wird einem doch erheblich versüßt von einer kleinen Beiliegerin, die einem die reizenden Hasenfüßchen fast ins Gesicht streckt.

Well, we all need someone we can lean on
And if you want it, you can lean on me

She said „My breasts, they will always be open
Baby, you can rest your weary head right on me
And there will always be a space in my parking lot
When you need a little coke and sympathy“

We all need someone we can feed on
And if you want it, well you can feed on me
Take my arm, take my leg, oh baby, don’t you take my head.

[Das Video muss leider wegen der grimassierenden Fratze von Mr. Jagger, die meiner Übelkeit heute gar nicht zuträglich wäre, entfallen.]

Männer beim Einkaufen.

Heute Nachmittag im vorweihnachtlichen Trubel.
Ein zur „Brotmanufaktur“ geschickter und von vermutlich diversen vorangegangenen Einkäufen bereits reichlich strapazierter Familienvater (Anfang 50) vor mir in der Schlange. Zettel in der Hand, ganz klar von der Frau geschrieben (man erkennt das an den vielen Zusätzen, gelegentlich habe ich solche Männer schon bzgl. der korrekten Interpretation all der Zusätze beraten).

Es steht an: Brot-Hamsterkauf für die Groß-Sippe nebst 16 Semmeln zum Einfrieren (Sorten sind detailliert aufgeführt) und – Obacht! – einem von der Frau recht offen formuliertem Listeneintrag „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“.
Familienvater kommt dran. Brot- und Semmel-Order verläuft reibungslos. Dann aber: Familienvater begutachtet Gebäcksortiment, man kann ihm ansehen, dass das Sortiment (ca. 12 verschiedene Plunderteilchen, Schnecken, Krapfensorten, Hefestückchen etc.) ihn völlig überfordert und er am liebsten 8x irgendwas kaufen würde. Aber auf seinem Zettel steht „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“, puh!

Die Bäckereifachverkäuferin (Typ Mehlmade: bleich, hefige Optik, etwas verschwitzt, spröde im Ton und schon recht müde vom langen Tag) will genau wissen, was denn jetzt und wieviel wovon. Da die Schilder fehlen, deutet der Familienvater verzweifelt mit dem Finger auf die gewünschten Stücke. Mehlmade kann den Fingerzeig nicht genau erkennen und verlangt nach dem Produktnamen. Familienvater ist genervt, aber in Gottes Namen, dann versucht er’s eben: „2 Quarktaschen, 2 Krapfen, 2 Nussschnecken und 2 von denen da in der Mitte“.

Verkäuferin ist noch mit den Zwischenlegpapierchen zur Trennung der klebrigen Quarktaschen von den Nussschnecken beschäftigt und fragt nach: „Welche da in der Mitte?“ (was in der Tat schwierig ist, da es bei den 4 Sorten direkt vor ihrer Nase keine Mitte gibt, wenn man die Sache sortenrechnerisch betrachtet, räumlich – wie es vom Familienvater natürlich gemeint war -, gäbe es die sehr wohl).

Familienvater zeigt mit den Finger drauf und sagt etwas ungehalten: „Na zwei von diesen Busen-Dingern da!“ – und treibt damit der Mehlmade eine entzückende Schamesröte auf ihre ansonsten so blassen Bäckereifachverkäuferinnenbäckchen. Ihr entfährt sogar ein kleines Kichern, während sie zielsicher und beherzt nach den Busen-Dingern greift (und auch die nachfolgende Kundschaft schmunzelt vor sich hin ob dieser netten Unterbrechung der allgemeinen Vorweihnachtshektik).

Frohe Weihnachten all den tapferen Männern, die ihre Einkaufslisten ähnlich erfolgreich abgearbeitet haben
wünscht
Die Kraulquappe.

Unable to withstand the simplest moments.

Jacke ist schön, Jacke passt, Jacke ist federleicht, wasser- und winddicht. Jacke ist sogar reduziert.
Das trifft auf etliche Winter-Trekking-Jacken zu. Welche soll man nun nehmen?

Menschen wie ich kaufen die, an der Schildchen mit solchen Slogans hängen und schämen sich dann ein bisschen für ihre Schlichtheit und Empfänglichkeit für derlei Sprüche.

Dank an den Papa für das tolle Weihnachtsgeschenk, mit dem ich the best out of it squeezen werde (whatever it may be).

Hund haben (8).

Eigentlich bloß ein Nachtrag zu meinem vorigen Beitrag, in dem ich etwas arg achtlos und nebenbei diesen Werbeaufkleber an der U-Bahnstation Thalkirchen erwähnte:

Mittlerweile hab‘ ich die „Couture“ recherchiert und traute meinen Augen kaum.
Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt, aber sehen Sie selbst:

Homepage der Dachshund-Couture.

Luxusprobleme: Bavarian vs. Chagall coat.

240€ ?!? So teuer ist ja mein eigener Wintermantel nicht…

Be the center of attention!

Das ist ja bitter. Da liegen wir also mit unserem letztjährigen 35€-Fleece-Fetzen (wegen dessen Anschaffung ich schon schwer mit mir gerungen habe) quasi unter C&A-Niveau, was die Dachshundmode angeht. Au weia!

(@Freundin D.: Vielleicht kannst du diese erschütternde Tatsache beim demnächst geplanten Engernähen des Fetzens irgendwie berücksichtigen? Eine Edelweiß-, Brezen- oder Weißwurstappliaktion aufnähen oder so? Ginge das?)

Offerten.

Ich mag Rewe nicht. Atmosphärisch nicht, und auch sonst nicht. Häufig hohe Proletendichte. Und oft gibt’s genau das nicht, was wir bräuchten oder möchten. Heute: kein Rahm-Porree. Vorgestern: keinen griechischen Rahmjoghurt. Haben die was gegen Rahm? Blöder Laden jedenfalls.

Bei Edeka fühl ich mich trotz der FDP-affinen Farbgebung wohler. Das Sortiment taugt mir auch mehr, die Klientel ebenso. Gerade habe ich erfolgreich all die Sachen mit Rahm gekauft, die Rewe mir die ganze Woche über verweigert hat.

Hinter mir in der langen Freitagnachmittagskassenschlange ein gepflegter Mittfuffziger, lässige Frisur, coole Brille, abgewetzte Lederjacke, sportliche Statur. Sein Handy klingelt, während ich meine Rahmporreepakete aufs Warenband staple.

(…) [Intro-Geplänkel, dem zu entnehmen ist, dass es sich bei dem Anrufer um eine Mischung zwischen gutem Bekannten und beruflichem Kontakt handelt.]

„Ja, danke, dass du zurückrufst. Wir brauchen da jetzt dringend jemanden, denn die Paula ist plötzlich abgesprungen.“

(…) [Gesprächspartner scheint Paula zu kennen und hat Einiges dazu zu sagen oder zu fragen.]

„Genau, möglichst sofort.“

(…) [Das andere Ende der Leitung stellt eine kurze Frage.]

„Nein, nur für die Sexkolumnen. Das andere schreibt der Herbert erstmal.“

(…) [Sexkolumnen! Alles glotzt den Mittfuffziger an, ich dreh mich samt Rahmjoghurt in der Hand um, kann mir das Schmunzeln nicht verkneifen. Telefonat nähert sich dem Ende.]

„Super, dann ruf mich einfach an, wenn du jemanden weißt. Servus!“

Mittfuffziger verstaut Handy wieder in seiner Lederjacke, guckt mich an und grinst zurück.

„Tja, also, wenn Sie das ganze Gemüse verzehrt haben und dann Zeit hätten…? Wir zahlen auch ganz anständig. 25€ pro 1.000 Zeichen. Allerdings müssten Sie wöchentlich eine Kolumne liefern.“

[Spontan aufkommende, kurze Freude, dass man mir ansieht, dass ich gern schreibe, dann kurzes Nachdenken, was ich entgegnen soll.]

„Hm, meine Themen sind eher Hunde und Outdooraktivitäten.“

„Das lässt sich ja vielleicht ausbauen!?“

Mit seinem Kärtchen in der Hand trete ich den Heimweg an, setze mich in die U-Bahn, den mit Rahmjoghurt bis obenhin vollgestopften Schwimmrucksack neben mir, den eiskalten Rahmporree auf meinem Schoß. Ich rechne. Für eine gute Wintertrekkinghose müsste ich 7.200 Zeichen zustandebringen… Plus Stirnlampe, plus Grödel, plus neue Stöcke wären wir bei 16.800 Zeichen. Was schreibt man da nur alles?
Nee, echt nicht, da setze ich lieber auf die Weihnachtsgroßzügigkeit des Papas oder auf überraschenden Geldsegen aus anderen Quellen.

Dennoch: Edeka ist ganz klar der bessere Laden, sogar Jobs gibt’s da und die Männer sehen dort auch besser aus als bei Rewe.
Nun verkaufe ich erstmal meine alte Matratze und arbeite weiter an dem Artikel über Urlaub mit dem Zamperl in der Zugspitzregion.

Ein schönes Wochenende wünscht
Die Kraulquappe.