Haifischzähne und Healing Tootsies.

Wir danken recht herzlich für all die Genesungswünsche!

Das Dackelfräulein ist längst wieder fit (was natürlich die Hauptsache ist), ich hingegen musste mich heute nach kurzer Morgeneuphorie und verfrühtem Kaffeegenuss doch wieder in die Koje hauen. Dabei war ich gedanklich schon auf dem Weg ins Schwimmbad, zumal nach peinlicher, 3-wöchiger Übergangszeit im ausgeleierten, zerfransten und leicht durchsichtigem Schwimmanzug dieser Tage endlich ein passender neuer eingetroffen war.

[Ein Graus, dieser Kauf: Badeanzüge, selbst die namhafter Hersteller, halten mittlerweile keine 100 Schwimmbadbesuche mehr durch, dann beginnt das Material sich bereits an den chlordurchflussstärksten Zonen aufzulösen. Einen neuen Schwimmdress erwirbt sich’s leider keinesfalls en passant, weil a) sich alle Hersteller massiv in Größen und Schnitten unterscheiden (was einen beim Anprobieren bisweilen an der eigenen Figur verzweifeln lässt), b) die Ausgestaltung von „normaler/mittlerer/hoher Beinausschnitt“ eine Wissenschaft für sich ist (nur 1cm Stoff zwischen Taille und Beckenknochen ist schon eher arg wenig statt normal) und c) aufgrund der Farben und Muster sowieso 85% aller Schwimmanzüge ausscheiden (und die Auswahl ist ja ohnehin begrenzt, da es viel mehr plantschorientierte Bademode als schwimmtaugliche gibt). Künftig werde ich mir diese jährliche Qual ersparen und bei einem gut sitzenden Badeanzug gleich doppelt zuschlagen.]

Müssen wir wohl beide noch eine Weile herumhängen bis zur Einweihung.

Schonung ist also angesagt, nicht Ungeduld, denn morgen muss man hier wieder fit sein, wenn der Ernährer&Versorger frühmorgens für ein paar Tage zum Dienstort entschwindet.

Gucke YouTube-Videos über die Åland-Inseln (so viele Brücken, so viel Stein, so viel Wasser!), die Gemeinden tragen so schöne Namen wie Lumparland, Jomala und – nomen est omen – Hammarland. Sich ein paar Monate in so eine Hütte am Wasser verkriechen, mit eigenem Steg und Boot, dort ein Buch oder auch nur eine Reisereportage schreiben – das wär’s. Hin über Stockholm, zurück über Turku.
Im Hintergrund läuft der näherliegendere Traum in Endlosschleife: das 360-Grad-Panorama von der Skisprungschanze in Garmisch, wo es Neuschnee hat, die Sonne die Gipfel leuchten lässt und aus der Partnachklamm die letzten Nebelschwaden aufsteigen. Ich hasse Krankdaheimrumliegen und sehne mich nach frischer See- oder Bergluft.

Zu Wochenbeginn diesmal keinen Pressespiegel vom Gatten erhalten, sondern das großformatige Ungetüm selbst gelesen und so auch mal wieder amüsante Annoncen mitbekommen. Wäre ich ungebunden und zu Experimenten aufgelegt, tät‘ ich mich glatt melden auf eine Bekanntschaftsanzeige mit der Überschrift „Der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht!“, ein Spitzen-Intro, wie ich finde, und das nicht nur im Vergleich zu „Gutsituierter Akademiker in den besten Jahren…“ oder „Einsamer Bengel sucht hübschen Engel“ oder dem brechreizerzeugenden „Nur mit dem Herzen sieht man gut“ (und offenbarte der Kandidat tatsächlich Haifischzähne oder ein Pferdegebiss, könnte man ja immer noch das versteckte Messer zücken und die Sache abkürzen).

Staubtrockener Zwieback rutscht besser with a little coke and sympathy & some music und das viele Liegen wird einem doch erheblich versüßt von einer kleinen Beiliegerin, die einem die reizenden Hasenfüßchen fast ins Gesicht streckt.

Well, we all need someone we can lean on
And if you want it, you can lean on me

She said „My breasts, they will always be open
Baby, you can rest your weary head right on me
And there will always be a space in my parking lot
When you need a little coke and sympathy“

We all need someone we can feed on
And if you want it, well you can feed on me
Take my arm, take my leg, oh baby, don’t you take my head.

[Das Video muss leider wegen der grimassierenden Fratze von Mr. Jagger, die meiner Übelkeit heute gar nicht zuträglich wäre, entfallen.]

Männer beim Einkaufen.

Heute Nachmittag im vorweihnachtlichen Trubel.
Ein zur „Brotmanufaktur“ geschickter und von vermutlich diversen vorangegangenen Einkäufen bereits reichlich strapazierter Familienvater (Anfang 50) vor mir in der Schlange. Zettel in der Hand, ganz klar von der Frau geschrieben (man erkennt das an den vielen Zusätzen, gelegentlich habe ich solche Männer schon bzgl. der korrekten Interpretation all der Zusätze beraten).

Es steht an: Brot-Hamsterkauf für die Groß-Sippe nebst 16 Semmeln zum Einfrieren (Sorten sind detailliert aufgeführt) und – Obacht! – einem von der Frau recht offen formuliertem Listeneintrag „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“.
Familienvater kommt dran. Brot- und Semmel-Order verläuft reibungslos. Dann aber: Familienvater begutachtet Gebäcksortiment, man kann ihm ansehen, dass das Sortiment (ca. 12 verschiedene Plunderteilchen, Schnecken, Krapfensorten, Hefestückchen etc.) ihn völlig überfordert und er am liebsten 8x irgendwas kaufen würde. Aber auf seinem Zettel steht „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“, puh!

Die Bäckereifachverkäuferin (Typ Mehlmade: bleich, hefige Optik, etwas verschwitzt, spröde im Ton und schon recht müde vom langen Tag) will genau wissen, was denn jetzt und wieviel wovon. Da die Schilder fehlen, deutet der Familienvater verzweifelt mit dem Finger auf die gewünschten Stücke. Mehlmade kann den Fingerzeig nicht genau erkennen und verlangt nach dem Produktnamen. Familienvater ist genervt, aber in Gottes Namen, dann versucht er’s eben: „2 Quarktaschen, 2 Krapfen, 2 Nussschnecken und 2 von denen da in der Mitte“.

Verkäuferin ist noch mit den Zwischenlegpapierchen zur Trennung der klebrigen Quarktaschen von den Nussschnecken beschäftigt und fragt nach: „Welche da in der Mitte?“ (was in der Tat schwierig ist, da es bei den 4 Sorten direkt vor ihrer Nase keine Mitte gibt, wenn man die Sache sortenrechnerisch betrachtet, räumlich – wie es vom Familienvater natürlich gemeint war -, gäbe es die sehr wohl).

Familienvater zeigt mit den Finger drauf und sagt etwas ungehalten: „Na zwei von diesen Busen-Dingern da!“ – und treibt damit der Mehlmade eine entzückende Schamesröte auf ihre ansonsten so blassen Bäckereifachverkäuferinnenbäckchen. Ihr entfährt sogar ein kleines Kichern, während sie zielsicher und beherzt nach den Busen-Dingern greift (und auch die nachfolgende Kundschaft schmunzelt vor sich hin ob dieser netten Unterbrechung der allgemeinen Vorweihnachtshektik).

Frohe Weihnachten all den tapferen Männern, die ihre Einkaufslisten ähnlich erfolgreich abgearbeitet haben
wünscht
Die Kraulquappe.

Unable to withstand the simplest moments.

Jacke ist schön, Jacke passt, Jacke ist federleicht, wasser- und winddicht. Jacke ist sogar reduziert.
Das trifft auf etliche Winter-Trekking-Jacken zu. Welche soll man nun nehmen?

Menschen wie ich kaufen die, an der Schildchen mit solchen Slogans hängen und schämen sich dann ein bisschen für ihre Schlichtheit und Empfänglichkeit für derlei Sprüche.

Dank an den Papa für das tolle Weihnachtsgeschenk, mit dem ich the best out of it squeezen werde (whatever it may be).

Hund haben (8).

Eigentlich bloß ein Nachtrag zu meinem vorigen Beitrag, in dem ich etwas arg achtlos und nebenbei diesen Werbeaufkleber an der U-Bahnstation Thalkirchen erwähnte:

Mittlerweile hab‘ ich die „Couture“ recherchiert und traute meinen Augen kaum.
Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt, aber sehen Sie selbst:

Homepage der Dachshund-Couture.

Luxusprobleme: Bavarian vs. Chagall coat.

240€ ?!? So teuer ist ja mein eigener Wintermantel nicht…

Be the center of attention!

Das ist ja bitter. Da liegen wir also mit unserem letztjährigen 35€-Fleece-Fetzen (wegen dessen Anschaffung ich schon schwer mit mir gerungen habe) quasi unter C&A-Niveau, was die Dachshundmode angeht. Au weia!

(@Freundin D.: Vielleicht kannst du diese erschütternde Tatsache beim demnächst geplanten Engernähen des Fetzens irgendwie berücksichtigen? Eine Edelweiß-, Brezen- oder Weißwurstappliaktion aufnähen oder so? Ginge das?)

Offerten.

Ich mag Rewe nicht. Atmosphärisch nicht, und auch sonst nicht. Häufig hohe Proletendichte. Und oft gibt’s genau das nicht, was wir bräuchten oder möchten. Heute: kein Rahm-Porree. Vorgestern: keinen griechischen Rahmjoghurt. Haben die was gegen Rahm? Blöder Laden jedenfalls.

Bei Edeka fühl ich mich trotz der FDP-affinen Farbgebung wohler. Das Sortiment taugt mir auch mehr, die Klientel ebenso. Gerade habe ich erfolgreich all die Sachen mit Rahm gekauft, die Rewe mir die ganze Woche über verweigert hat.

Hinter mir in der langen Freitagnachmittagskassenschlange ein gepflegter Mittfuffziger, lässige Frisur, coole Brille, abgewetzte Lederjacke, sportliche Statur. Sein Handy klingelt, während ich meine Rahmporreepakete aufs Warenband staple.

(…) [Intro-Geplänkel, dem zu entnehmen ist, dass es sich bei dem Anrufer um eine Mischung zwischen gutem Bekannten und beruflichem Kontakt handelt.]

„Ja, danke, dass du zurückrufst. Wir brauchen da jetzt dringend jemanden, denn die Paula ist plötzlich abgesprungen.“

(…) [Gesprächspartner scheint Paula zu kennen und hat Einiges dazu zu sagen oder zu fragen.]

„Genau, möglichst sofort.“

(…) [Das andere Ende der Leitung stellt eine kurze Frage.]

„Nein, nur für die Sexkolumnen. Das andere schreibt der Herbert erstmal.“

(…) [Sexkolumnen! Alles glotzt den Mittfuffziger an, ich dreh mich samt Rahmjoghurt in der Hand um, kann mir das Schmunzeln nicht verkneifen. Telefonat nähert sich dem Ende.]

„Super, dann ruf mich einfach an, wenn du jemanden weißt. Servus!“

Mittfuffziger verstaut Handy wieder in seiner Lederjacke, guckt mich an und grinst zurück.

„Tja, also, wenn Sie das ganze Gemüse verzehrt haben und dann Zeit hätten…? Wir zahlen auch ganz anständig. 25€ pro 1.000 Zeichen. Allerdings müssten Sie wöchentlich eine Kolumne liefern.“

[Spontan aufkommende, kurze Freude, dass man mir ansieht, dass ich gern schreibe, dann kurzes Nachdenken, was ich entgegnen soll.]

„Hm, meine Themen sind eher Hunde und Outdooraktivitäten.“

„Das lässt sich ja vielleicht ausbauen!?“

Mit seinem Kärtchen in der Hand trete ich den Heimweg an, setze mich in die U-Bahn, den mit Rahmjoghurt bis obenhin vollgestopften Schwimmrucksack neben mir, den eiskalten Rahmporree auf meinem Schoß. Ich rechne. Für eine gute Wintertrekkinghose müsste ich 7.200 Zeichen zustandebringen… Plus Stirnlampe, plus Grödel, plus neue Stöcke wären wir bei 16.800 Zeichen. Was schreibt man da nur alles?
Nee, echt nicht, da setze ich lieber auf die Weihnachtsgroßzügigkeit des Papas oder auf überraschenden Geldsegen aus anderen Quellen.

Dennoch: Edeka ist ganz klar der bessere Laden, sogar Jobs gibt’s da und die Männer sehen dort auch besser aus als bei Rewe.
Nun verkaufe ich erstmal meine alte Matratze und arbeite weiter an dem Artikel über Urlaub mit dem Zamperl in der Zugspitzregion.

Ein schönes Wochenende wünscht
Die Kraulquappe.

Die Nasenkongestion.

Heute habe ich ein neues Wort gelernt.

Statt zu sagen „Meine Nase ist zu“ oder „Ich bin verschnupft“ kann man auch von einer „Nasenkongestion“ sprechen.
Das klingt distinguierter, weil es sozusagen weniger rotzig daherkommt.

Diese kleine Erweiterung meines Wortschatzes bescherte mir Amazon, genauer: Eine Produktbeschreibung auf Amazon. Noch genauer: Die Produktbeschreibung zu einem Seitenschläferkissen.

Auf diese Kissenkonstruktion bin ich gestoßen, weil ich seit Wochen nach etwas suche, das meine nächtlichen Schulter-Rücken-Nacken-Kiefer-Beschwerden lindert. Wenn ich mich umdrehen möchte, wache ich vor lauter Schmerzen auf, morgens bin ich wie gerädert. An eventuelle psychosomatische oder präklimakterielle Einflüsse soll an dieser Stelle mal kein Gedanke verschwendet werden. Ich habe nämlich beschlossen, es ist in erster Linie ein orthopädisches Problem – und zwar keines von mir, sondern von meiner Schlafstatt.

Erst haben der Gatte und ich die Matratzen getauscht, weil ich der Ansicht war, die meine sei zu weich und der Gatte hätte es besser, weil fester, erwischt. Fehlanzeige. Testweise habe ich dann eine Nacht auf der Gästecouch verbracht, die das härteste Stück Bett ist, das es in unserem Haushalt gibt (nach 2-3 darauf verbrachten Nächten reist selbst der Tapferste freiwillig wieder ab). Hat auch nichts gebracht.

Anschließend habe ich „Schlafen ohne Hund“ ausprobiert, da dieser eine nicht unerheblich große Fläche des Bettes zu okkupieren imstande ist, wenn Herrchen/Frauchen nur tief genug schläft. So ein Dackeltier, ab dem menschlichen Steißbein (irgendeine Kontaktstelle muss stets gegeben sein) im 90°-Winkel komplett ausgestreckt liegend, benötigt gut einen Meter Spannbreite bis zur Bettkante, man selbst quetscht sich dann etwas verhutzelt auf einen 40cm breiten Restmatratzenstreifen an die Wand. Auch die hundelosen Nächte brachten keine Verbesserung.

Der nächste Verdacht fiel auf meine Kissen (40×40 und 80×40), mit denen ich nachts tatsächlich oft herumhantiere, um die schmerzende Schulter abzupolstern oder den ganzen Arm etwas erhöht legen zu können oder den Nacken einigermaßen bequem zu betten oder sie ganz beiseite zu legen. Nicht ideal, dieses Umschichten und Herumstopfen mitten in der Nacht. Immer verrutscht was. Vielleicht ist also die Kissensache die Wurzel des ganzen Übels?

Ich machte mich auf die Suche nach einer Alternative. Und stieß auf nie geahnte Möglichkeiten: Es gibt Kissen in H-Form, in I-Form, in J-Form und in U-Form. Nach einigen Recherchen fiel meine Wahl auf ein U-förmiges Seitenschläferkissen für Schwangere (die Dinger sind allesamt für werdende Mütter, aber was soll’s). Die sollen hervorragend entlasten, wenn einen Rücken, Nacken und Schultern plagen, man kann sich an allen nur erdenklichen Stellen abpolstern und sie versprechen Komfort in jeder Position (vermutlich möchte man sie nach kürzster Zeit auch tagsüber permanent um und mit sich haben).

In Kürze werde ich also meine Schlafversuche in diesem wattierten Rahmen starten, der mich sanft umarmen und stützen wird, werde dabei wie hingegossen und wie engelsgleich in einer Wolke schlummernd aussehen (sofern das weiße Nachtkleidchen mit Rüschenborten in der Lieferung enthalten ist).
Noch dazu spart man mit diesem Kissen 52%, und in seinen herrlichen Maßen von 130x70cm sind sogar alle meine Lieblingszahlen enthalten – das nenn‘ ich Fügung!

Ach ja, zurück zur Nasenkongestion, diesem wunderbaren Begriff, den ich bei der näheren Beschäftigung mit diesem Produkt kennenlernen durfte.

Das Seitenschläferkissen kann nämlich eine ganze Menge:

Dieses Wunderkissen beugt somit auch Beschwerden vor, die ich noch gar nicht hatte: Nächtliches Sodbrennen wird mich nun niemals heimsuchen, ebensowenig Genosse Ischias, und stets wird ein Licht am Ende des Karpaltunnels aufscheinen, so viel ist gewiss. Und auch Nasenkongestionen hätten keine Chance, mir meine Nächte zu verderben. Für diesen vierten Prophylaxe-Punkt musste ich Wikipedia bemühen und erfuhr, dass es sich hierbei um Verstopfungen der Nase handelt. Nie mehr morgendliches Nasefreiputzen und womöglich überhaupt nie mehr einen Schnupfen?!

Ein Kissen für oder gegen nahezu alles. Das wäre ja was.
Die Unbilden des Alltags und des Lebens verschnupfen mich nämlich schon genug, da erspare ich mir gerne jeden unnötigen Rotz. Dazu ein andermal. Jetzt freue ich mich erstmal auf meinen neuen Bettgefährten.

Allzeit beste Nachtruhe und ein schönes Wochenende wünscht euch
Die Kraulquappe.

Schläft immer und überall problemlos: Das Dackelfräulein.

Hund haben (5).

Das Dackelfräulein hat neben seiner rassetypischen Anfälligkeit für Bandscheibenprobleme (landläufig bekannt unter „Dackellähme“) von klein auf mit einer Patella baja zu tun (kein Teckeltanzstil, sondern ein sog. Kniescheibentiefstand). Hinten rechts zog sie den Hinterlauf seltsam hüpfend hoch oder setzte hinkend einen Schritt aus. Seitdem wir täglich Grünlippmuschelpulver unters Futter rühren, hat sich die Symptomatik gebessert bzw. fast völlig gelegt.

Wie alle Dackel soll sie keine Treppen gehen, wird also immer getragen (was bei knapp 7 kg kein großer Aufwand ist), rauf und runter. Auch beim Sprung aufs Sofa sind wir behilflich und selbstverständlich wird sie abends auch ins Bett gehoben (zumindest in jene, die für Menschen sehr rückenfreundlich sind, aber für Dackel bereits zu hoch).

Gelegentlich springt die Madame aber nachts eigenständig aus dem Bett (manchmal stupst sie einen kurz an, aber meist reagiert man zu langsam) – weil es ihr zu warm wird, weil einer von uns in der Wohnung herumgeistert, selten auch mal, weil sie raus muss und einmal jährlich, so wie momentan wieder, weil ihr einfällt, dass sie nach ihren Kindern sehen will. Die imaginäre Welpenbande wird dann überall gesucht, nicht gefunden und irgendwann kehrt sie unter Gejammere ob der erfolglosen Suche zur Bettkante zurück und jammert noch lauter, weil sie wieder hoch ins Bett möchte.

Der Parkettboden in der neuen Wohnung ist frisch versiegelt. Heißt, er ist besonders glatt. Verlässt die Dackeldame also nachts das Bett, ist seit Neuestem nicht nur der Sprung an sich ein Gesundheitsrisiko, sondern auch noch das anschließende Ausrutschen auf dem Holzboden.

Der Gatte konnte das nicht mit ansehen und hat rasend schnell für Abhilfe gesorgt (eine für haushaltsnahe Dienstleistungen eher untypische Reaktionsgeschwindigkeit).

Kurz darauf lieferte Amazon einen Karton, in dem ich rein größenmäßig spontan ein Denkmal für mein Engagement beim Umzug vermutete oder ein ungewöhnlich rechtzeitig bestelltes Geburtstagspräsent, das meiner früher stets verkündeten, aber eigentlich überholten Devise „groß & teuer“ gerecht würde.

Diesmal wagte ich es nicht, den Karton zu öffnen, sondern ich wartete auf die Heimkehr des Gatten. Der bestaunte dann auch das Pappmonstrum und fragte sich, was er da wohl bestellt haben könnte.

Nach dem Herausschaufeln von unendlich viel Füllmaterial (wenigstens aus Papier) kam schließlich der Inhalt zum Vorschein: Petwalk!

Ich habe mich totgelacht über das Foto und die Beschriftungen auf der Schachtel. Da hat ein Hersteller mal absolut den Nagel auf den Kopf getroffen („Friends on tour“) und die Realität abgebildet (der Blick! die Vorderpfoten!): Eine total authentische Szene, mitten aus dem ganz normalen Alltag eines Dackels. Ohne digitale, schönheitschirurgische Eingriffe am Model vorzunehmen oder den Faltenwurfs des billigen IKEA-Dreisitzers zu retuschieren.

Das nenne ich Stil und Anstand – endlich mal nicht so eine Kundenverarsche wie bei manchen TK-Gerichten, auf denen die Abbildung stets viel appetitlicher aussieht als das, was man nach 25 Minuten bei 180°C dem Ofen entnimmt oder diese Blenderei in Autoprospekten, in denen der quarz-grau-metallicfarbene Skoda Octavia Kombi auf patagonischen Passstraßen dem Sonnenuntergang entgegen schwebt und dort irgendwie viel besser und sportlicher wirkt als im Stau auf dem Münchner Feinstaub-Highway namens Donnersbergerbrücke.

Petwalk, auf dem sich Pippa nach nur 2x Üben (der neue Befehl lautet: „Rampe!“) bereits bewegte wie auf dem Catwalk, hält jedenfalls, was es/er verspricht. Des nächtens kann die Hundedame nun frei entscheiden, wann sie die Schlafstatt verlassen und wieder in selbige zurückkehren möchte. Sie rutscht beim Ausstieg nicht mehr mit allen Vieren auf dem Parkettboden aus, wodurch sie auch nicht mehr wacher wird als ihr vielleicht lieb ist, ihr Rücken und ihre Gelenke werden geschont und dank der beschichteten Rampe geht das Ganze auch für den schlafenden Menschen nahezu geräuschlos von statten.

Nur das Gejammere, das bleibt uns wohl noch ein Weilchen, bis die „Kinder“ aus dem Gröbsten raus sind und die Hormonlage wieder bei Normalnull angekommen ist.

Ein wunderbares Teil, ich kann es allen Kleinhundhaltern, bei denen es die Töle auch bis ins Bett geschafft hat und die auf Rücken/Gelenke achten müssen, wärmstens empfehlen. 

Sie können nun sorglos weiterschlummern, während Ihr Liebling mal kurz sein von Ihrer viel zu warmen Bettdecke aufgeheiztes Bäuchlein auf dem Badezimmerboden abkühlen lässt und danach wieder erfrischt zu Ihnen unter die Decke schlüpft. Den eigenen Rücken schonen Sie nebenbei auch, da Sie nicht mehr abrupt aus dem Tiefschlaf gerissen binnen einer Sekunde den Hund aus dem Bett heben müssen.

Aber Vorsicht: Sie bekommen nun auch nichts mehr davon mit, wenn sich Ihr Vierbeiner nachts zum Kühlschrank schleicht, weil es tagsüber wie immer zu wenig zu essen gab oder er sich nochmal auf die Couch verkrümelt, um heimlich nach Mitternacht die „Aristocats“-DVD zu gucken und seine nicht ausgelebten Aggressionen in die Sofakissen zu knurren.

Einen schönen Abend wünscht
Die Kraulquappe.

Knollenprodukte.

Ich hasse es, wenn sich Bestellhinweise als fiese Lügen entpuppen. 

Konkret: „1. Artikel wird bis in die Wohnung geliefert. 2. Keine Montage nötig.“ 

Realität: Unsere Wohnung beginnt seit Neuestem an der Bordsteinkante (diese Erweiterung erklärt erstmals die teure Miete). Und: Artikel, resp. Balkontisch musste sehr wohl noch montiert werden. 

Ich hasse Aufbauanleitungen in jeder Variante. 

Konkret: Wenn ich da geduzt werde, geht mir das auf den Zeiger. Wenn ich die entscheidendenden Details der Abbildungen nur mit Lupe – und auch dann nur undeutlich – erkennen kann, werde ich grantig. Wenn man mir die Kleinteile (Schrauben, Imbusschlüssel etc.) in ein Stoffsäckchen packt und mit einem ökologischen Bastbändchen samt Anleitung um ein Stuhlbein drapiert, hebt das meine Stimmung um keinen Millimeter. Wenn die Montagehinweise dann noch in einer Formulierung daherkommen wie 3x vom Google-Translator hin und zurück übersetzt, ist der Ofen aus und ich werfe den ganzen unverständlichen, ärgerlichen Schrott zurück in den Karton.

Was ich aber liebe, sind die unverhofften, sprachlichen Nebenerzeugnisse solcher Zumutungen: 

„Nach wie Knollen Produkt“
„Speicherung als Sie zunächst“

Tiefsinnige Bonmots oder Appelle, die einen justament innehalten lassen. Mitten in solch ungeliebter Werkelei versinkt man in Kontemplation über die eigene kleine Existenz und das große Ganze (ein Geschenk in diesen hektischen Umzugswochen!).

Man taucht erfrischten Geistes wieder auf, fuchtelt angeregt noch 2x mit dem Werkzeug herum – und schon ist das Tischlein fertig.

Fast fühlt man sich ihm sogar ein wenig verbundener als hätte man es nur aus seiner Umverpackung schälen und ohne jede Mühe hinstellen können.

Speichern Sie sich also ruhig mal zwischendurch. Tut gut, wirklich. Das Knollenprodukt wartet derweil auch geduldig auf Sie. 

Namasté & einen gelungenen Dienstag wünscht 

Die Kraulquappe.

Schluffen.

Schön, wie selbst die Hausschuh-Industrie mit dem Zeitgeist geht!

Jedem Lappi siis Chappi.

Nein & i wo!

Auch wenn die Banalität meines Vormittagsbeitrags es vermuten ließe: Es geht nun weder um billiges Hundefutter, noch um Stéphane Chapuisat, und erst recht nicht um Putzhilfsmittel oder die Bewohner des nördlichsten Skandinaviens.

Stattdessen möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, über Ästhetik, Manufaktur und Luxus aus Helvetien.

„Jedem Lappi siis Chappi“ ist Schwiizerdütsch und bedeutet in etwa „Jedem Narr seine Kappe.“. Oder, freundlicher formuliert: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ – was hier besonders gut zutrifft. Das lang ersehnte Pläsierchen für das Dackelfräulein – oder meins, ganz wie man’s nimmt – ist nämlich heute eingetroffen.

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Ich suche seit Monaten nach einem Ersatz für Pippas von unzähligen Bade-, Rauf-, Wälz- und Wanderfreuden mittlerweile etwas verschlissenem und miefendem Halsband, von dem wir uns in naher Zukunft werden verabschieden müssen.

Natürlich möchte ich wieder ein Appenzeller-Sennen-Halsband haben – für mein Empfinden das einzig wahre Halsband für einen echten Dackel.
Dieser Wunsch erwies sich als kompliziert. Der Versand, bei dem ich es vor 5 Jahren gekauft hatte, existierte nicht mehr. In Wolfratshausen gab es noch einen Händler, der die Halsbänder aus der Schweiz bezog, aber das tut er seit letztem Jahr leider nicht mehr. Blieb nur ein Allgäuer Sattler, den ich mehrfach anschrieb, der aber zu muffig war, um zu antworten oder bereits dermaßen in Aufträgen erstickt, so dass er auf die läppischen Einkünfte aus 28cm-Halsumfang gut verzichten kann.

Als alle regionalen Bezugsquellen ausschieden, recherchierte ich auf dem Schweizer Markt – und wurde fündig. Hochwertiges Rindsleder, handgefertigtes Halsband, produziert in einer Appenzeller Gurt-Manufaktur, verkauft in Zürich (auf Wunsch ergänzbar um Gürtel für Herrchen und Frauchen, im Partnerlook, versteht sich). So stellt man sich das vor – kein asiatisches Lederimitat oder olle Fressnapf-Ware, bei der die Messing-Kühe nicht genietet, sondern geklebt werden und sich schon während der ersten Badesaison verabschieden.

Das Problem: Das eh schon teure Schweizer Produkt hätte sich durch exorbitant hohe Zölle und Versandkosten nochmal erheblich verteuert.
Die Lösung: Freundin H. hat erfreulicherweise genau rechtzeitig Berlin verlassen und ihre Zelte dauerhaft in der Nähe von Zürich aufgeschlagen.

H., grundsätzlich gut eingespannt mit zwei Jungs und Ehemann sowie Job und Alltag, hat sich bestimmt insgeheim überschlagen vor Freude als ich mit meiner Bitte daherkam: Die kleine Gurt-Dependance in Zürich öffnet ihre Pforten nur nach persönlicher Terminvereinbarung, wenigstens war die Dackelgröße des Halsbands in der gewünschten Leder- und Kuh-Farbe bereits vorrätig.

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Praktischerweise besucht H. gelegentlich nicht nur die Zürcher Innenstadt, sondern auch ihre Eltern in München, so dass jegliche Zölle und Versandkosten entfallen. Unpraktischerweise hat sie dabei vor lauter Familienpflichten meist keine Zeit mehr übrig, so dass sie zwar letztes Wochenende kurz in München, aber nicht bei mir war. Dafür trifft sich ihr Vater gern mit mir.

Und so hat das Original-Appenzeller-Sennen-Halsband nun seine weite Reise beendet und seinen Bestimmungsort erreicht:

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Wir danken dir, liebe H., tausendmal dafür, dass du dem Lappi zu seinem Chappi verholfen hast und ersuchen dich erneut, uns bitte mitzuteilen, wie viele Franken du dafür berappen musstest und wann, wie und wo wir unsere Schulden begleichen dürfen: über deinen Vater, per Auslandsüberweisung oder persönlich und vor Ort, wenn wir uns im Frühling auf einen Arbeitsurlaub bei dir am Zürichsee einquartieren?

Ein herzliches Hoi & Salü –
von der Kraulquappe und ihrem Dackel.

„Ein bisschen arg gülden kommt es noch daher, aber ich werde es in Kürze abgewetzt haben!“