Es geht ans Eingemachte oder: So schlecht bin ich gar nicht, im Werfen.

Absurd. Bereits zwei saukalte, verregnete Tage fühlen sich mittlerweile (innerlich und äußerlich) an wie früher eine ganze Mistwetterwoche. Ist diese Wahrnehmung etwa auch so ein Nebeneffekt des Älterwerdens? Keine Ahnung.
Heute jedenfalls schon beim Genuss des Frühstückseis erleichtertes, frühmorgendliches Aufatmen, dass es draußen wieder lichter ist (im Hinterkopf pocht die bange Frage, wie man ihm begegnen wird, dem ja erst noch bevorstehenden Novemberregen, geschweige denn dem langen Wintergrau).

Die Brandenburger Freunde bringen einen Geschenkkarton gefüllt mit Erträgen aus dem eigenen Garten und der heimischen Töpferwerkstatt mit, der uns noch den halben Winter über nähren und erfreuen wird: So viele Gelees, Eingemachtes, Brot, zwei dekorative (und sogar schmackhafte) Weißbierproben aus der Hauptstadt, allerlei Obst, schönstes Gemüse (besonders hervorzuheben: ein Potpourri aus den 28 selbst gezogenen Tomatensorten) und gleich noch die entsprechende Keramik dazu, auf der das alles aufbewahrt, angerichtet und serviert werden kann.
Ja ist denn heut schon Weihnachten?, denkt man da kurz, staunt dann aber einfach weiter, wozu die Bloggerei so geführt hat über all die Jahre, und freut sich dran.
Zwischenzeitlich sind die beiden im empfohlenen Ferienort angekommen, sogar ohne Schneeketten, stattdessen bei Sonnenschein und blauem Himmel, was leider nicht den gesamten Aufenthalt über so bleiben wird, wenn man den Prognosen glauben möchte.

Die Gemeinden Murnau, Mittenwald und Lenggries (und demnächst auch Schliersee) dürften mir langsam Provisionen zukommen lassen für die kostenlose Werbung und die erfolgreiche Vermittlung von Gästen. Überhaupt sollte ich ernsthaft drüber nachdenken, ob Individuelle Urlaubsberatung (inkl. -betreuung vor Ort) nicht jenseits des Freundeskreises ein Metier wäre, aus dem sich ein wenig Kapital schlagen ließe.
Das Coronajahr bescherte so einige Anfragen aus der Leserschaft (teils auch von Lesern, von denen ich gar nichts wusste/ahnte): ob ich nicht einen Tipp hätte für eine passende Urlaubs-/Wanderregion, dann wurden die Begleitungen, die Vorlieben, der finanzielle und zeitliche Rahmen sowie die sportlichen und sonstigen Ambitionen zu Berg und Tale genannt, und man stellte mir für meine Bemühungen stets etwas in Aussicht, das über ein herzliches Dankeschön hinausging.
Nicht schlecht eigentlich. Werde ich mal durchdenken und demnächst mit meinem österreichischen Privat-Coach besprechen.

Einstweilen kann ich Ihnen anbieten: Wenn Sie (oder jemand, den Sie kennen), Urlaub in Oberbayern planen und ein paar Tipps brauchen, die Sie mit einem ordentlichen Mahl honorieren möchten – kommen Sie ruhig auf mich zu!
Auch andere Naturalien oder Dienstleistungsen nehme ich gern an, ebenso sind Globetrotter- oder Sport-Scheck-Gutscheine jederzeit willkommen.

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An der nördlichen Spitze der Theresienwiese wurde gestern anlässlich der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des Oktoberfest-Attentats im strömenden Regen eine Dokumentationsstätte eröffnet.

Ich erinnere mich noch gut an jenen Abend: Die Schlange vor dem Riesenrad war außergewöhnlich lang. Die Mutter wollte, dass wir uns anstellen, weil die Riesenradfahrt jedes Jahr unseren Familien-Wiesn-Abend abrundete, und so sollte es auch diesmal sein. Der Papa war dagegen, weil er keine Lust hatte, eine halbe Stunde für eine wegen des enormen Andrangs womöglich auch noch verkürzte Fahrt anzustehen.
So durfte ich damals entscheiden, ob wir bleiben oder gehen sollen, und wie so oft, schlug ich mich auf die Seite des Papas, und plädierte für den Aufbruch. Die Fahrt mit dem Riesenrad war mir vergleichsweise wurscht, ich war damals deutlich mehr an Geisterbahn, Kettenkarussell, Schießständen (wegen der Riesenteddybären, nicht wegen der Gewehre!) und gebrannten Mandeln interesssiert. Als wir die U-Bahn-Station Goetheplatz erreicht hatten und gerade die Rolltreppe betreten wollten, hörte man die gewaltige Detonation, alles zuckte zusammen, und der Papa packte die achtjährige Tochter fest an der Hand, hakte die Mutter unter, sagte in einem für ihn ungewohnt strengen Ton „Da ist etwas ganz Schreckliches passiert – lasst uns zusehen, dass wir sofort von hier wegkommen!“, und mit zig anderen Menschen stürmten wir zur U-Bahn hinunter.

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Beim Sonntagslauf im Park sehe ich nach Längerem mal wieder den alten Mann mit seinem einäugigen Hund.
Runde 1: Der Mann sitzt auf einer Bank, der Hund liegt vor der Bank im Gras und reckt seine graue Schnauze der Nachmittagssonne entgegen.
Runde 2: Drei Kinder bewerfen den Hund abwechselnd mit Steinen und Kastanien. Der Hund ist zu schwach, um sich zu wehren oder davonzurennen, außerdem würde er seinem Herrchen nicht von der Seite weichen. Das Herrchen guckt verzweifelt und schimpft mit gebrochener Stimme ein bisschen. Die Kinder lachen und verspotten den hässlichen Hund. Ich spüre ein Stechen in Herzgegend, das nichts mit der sportlichen Betätigung zu tun hat.
Runde 3: Die Kinder kreischen nun vor Vergnügen und schmeißen immer noch Steine und Kastanien auf den Hund, der sich mal in die eine, mal in die andere Richtung wegzuducken versucht. Ich unterbreche meinen Lauf. Gehe auf die drei Jungs zu und bitte sie, sofort mit der Quälerei aufzuhören. Einer der Bengel knallt mir eine Kastanie gegen die Wade.
Ich frage ihn, wo seine Eltern sind. Die sind drüben im Biergarten!, sagt er, Wir dürfen hier spielen!, meutert der andere, und der dritte sammelt bereits neue Wurfgeschosse – und genau den knöpfe ich mir als Erstes vor. Halte ihm beide Arme fest, entwende ihm Kastanien und Steine und zische ihn an, dass er jetzt sofort mit diesen Attacken gegen das Tier aufzuhören hat. Eine weitere Kastanie knallt gegen mein Bein und auch der einäugige Hund bekommt wieder eine ab.
Da platzt mir der Kragen, ich brülle den Jungen, der sie geworfen hat, an, was ihm einfiele, den Hund so zu piesacken, flink dreht er sich um und flitzt davon, ich bücke mich, hebe eine Kastanie auf und werfe sie ihm hinterher. Sie trifft ihn an der Schläfe, er quiekt beleidigt auf und greift sich theatralisch an den Kopf, und ich kann es nicht fassen, dass meine Kastanie ihn überhaupt getroffen hat, denn zeit meines Lebens war ich im Werfen eine völlige Nulpe, aber siehe da, wenn’s einmal drauf ankommt, und nicht um irgendwelche dämlichen Bundesjugendspiele geht, da kann ich das offenbar doch!
Runde 4 und 5: Die zuvor ausgesprochenen Drohungen haben Wirkung gezeigt und die drei Burschen haben sich in eine andere Ecke der großen Wiese verkrümelt und quälen jetzt mit ihren Wurfgeschossen andere Kinder, deren Eltern sicherlich ebenfalls irgendwo im Biergarten sitzen und sich dort um nix scheren.
Der alte Mann nickt mir müde zu. Sein Hund hat sich ins Gras gekauert, sicherheitshalber ist er ein Stück näher zur Bank gerückt.

Zuhause muss ich eine halbe Tüte Fruchtgummi essen, um dieses Park-Erlebnis in mir zuzukleistern und dem verbleibenden Tag noch angemessen begegnen zu können. Schließlich ist es erst 15:30 Uhr und da kann man die Schotten ja noch nicht dicht machen.

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Die Sonnenblumen von M. halten sich wacker.
Mit jedem Tag, an dem ich sie ein Stück kürzen und ihnen frisches Wasser geben muss, schneide ich dem zurückliegenden Sommer zwei bis drei Zentimenter aus seinen Eingeweiden und verspüre eine tiefe Melancholie.

Abschiede waren noch nie meine Sache.

Himmel der Bayern (85): Über den Wolken.

Links die Zugspitze, rechts der Kramer und neben mir meine kleine, treue Gefährtin.
Über allen Gipfeln ist Ruh‘: Nuluensis & ich, wunschlos glücklich.
Namensgeber meiner „Himmel der Bayern“-Serie.

Auf der Himmelsleiter.

Zum Frühstück schickt der hübsch Bewimperte eine Gassigehanfrage und einen verlockenden Kartenausschnitt aufs Smartphone…

…nebst dem noch verlockenderen Hinweis, dass das Ganze mühelos um einen Abstecher in ein Café abseits der Route und des Ausflüglerandrangs erweitert werden könne…

Das Café Max II im hübsch restaurierten Bahnhofsgebäude zu Feldafing.

…selbstverständlich erst, nachdem die beiden Fräuleins ausgiebig sausen und baden durften…

Der Hundeflüsterer bei der Arbeit.

…und wir es angesichts der zahlreichen Kampfradler auf dem seenahen Spazierweg den Gänsen zu gern gleichgetan hätten.

Einfach mal abtauchen!

Aber nach dem Verlassen des Uferwegs bei Possenhofen wurde es gottseidank deutlich ruhiger und in der lauschigen Wolfsschlucht waren wir dann weitgehend allein unterwegs, vor allem nach der Starzenbachquerung via Baumstamm und dem Herumturnen auf noch einsameren Pfaden im Steilhang.

Das Tortenstück in Feldafing war dann hochverdient und über die Himmelsleiter, die gegenüber begann, schwebten wir wieder hinab zum See.

Vielen Dank an M. für diese wunderbare Ausflugsidee am gestrigen Samstag: wir schätzen es neben vielem anderen wirklich sehr, dass Du unsere Trampelpfad- und Torten-Landkarte kontinuierlich zu erweitern verstehst 🙂

[Eigentlich sollte dieser Blogbeitrag Teil der Serie „Song des Tages“ werden, denn wenn es schon zufällig einen passgenauen (!) Titel von Bruce hierzu gibt…, aber ich konnt‘ mich dann doch nicht dazu durchringen, weil mir der Song einfach kolossal auf den Wecker geht mit seinem Bigband-Sound, den enervierenden Rhythmus und seinen schlichten Lyrics (ja, da staunen Sie jetzt, aber diese Rubrik Springsteen-Songs gibt es tatsächlich – und sie ist nicht zu knapp bestückt, leider!]

Einer fehlt noch oder: Der Weg ist das Ziel.

Lessen Sie heute aus der Reihe „Schicksalsberge„: Der Krottenkopf.

Zum sechsten Mal war ich nun dort oben. Zweimal habe ich auf der knapp unter dem 2.088m hohen Gipfel des Krottenkopfes gelegenen Weilheimer Hütte genächtigt, die anderen vier Male bin ich an einem Tag rauf & runter gelaufen.

Mindestens ein weiteres Mal werde ich noch auf diesen Berg hinaufgehen, denn: von den möglichen Zustiegen fehlt mir nur noch einer, und der Krottenkopf ist nun mal einer der Berge, den ich mir von allen erdenklichen Seiten erlaufen haben möchte, bevor ich ins Gras beiße.

Aussichtskanzel: Die Weilheimer Hütte.

Bayern par excellence: Was vom Wochenende übrig blieb.

Da wäre man ohne die Beschriftung echt nicht draufgekommen…

Jede der bisherigen Touren erinnere ich präzise. Keiner der wesentlichen Eindrücke ist im Schweiß zeronnen oder über die Jahrzehnte verblasst, denn es waren stets denkwürdige Unternehmungen (logisch, sonst hätte er es ja auch nicht zum Schicksalsberg gebracht):

a) Die Erstbesteigung mit dem Ex-Ehemann im Jahre ’95, als wir noch blutjung, übermütig und unverheiratet waren und gerade erst so richtig anfingen, längere Touren zu gehen.
Von Eschenlohe stiegen wir über das Pustertal und die Hohe Kisten hoch zum Krottenkopf und über eine leicht östlich des Aufstiegsweges verlaufende Forststraße, die ziemlich dröge 12 km lang ist, wieder hinunter. Ich schwor mir damals, die Tour nie wieder auf diesem Weg zu beenden.

b) Die Zweitbesteigung von Wallgau aus, zusammen mit H., dem Mega-Sportler und Mega-Eifersüchtler, mit dem ich beim Abstieg in einer Diskussion über … (ach, vergessen Sie’s, es war einfach unschön) so heftig aneinandergeriet, dass Hs Brille, weil er sich gar so echauffierte, zu Boden fiel und dabei zu Bruch ging, genau wie diese unselige Beziehung, und ich sagte kein Wort mehr und heulte, bis wir wieder in Wallgau am Parkplatz waren (oder heulte ich sogar bis zur Ankunft in München?). Zwei Tage später brachte ihm eine Freundin von mir all sein Geraffel, das er in meiner Wohnung deponiert hatte, in einigen großen Tüten vorbei, und danach war erstmal für ein paar Jahre Schluss mit dem Krottenkopf, ich wollte ihn keinesfalls allzu bald wiedersehen, um mich ja nicht an H. und dieses Ende erinnern zu müssen. Das war 2001.

c) Die Drittbesteigung dann etliche Jahre später, im Sommer 2007, mit dem Mann meines Lebens, dem wenige Tage zuvor die Tour auf den Schachen zu gemütlich gewesen war und der sich nach Größerem sehnte. Sollte er haben! Der Krottenkopf war ihm dann allerdings etwas zu groß, nicht im Aufstieg (wieder von Eschenlohe via Pustertal), dafür aber im Abstieg via Forststraße. Jene, die ich lebenslang nicht mehr hatte gehen wolle , und dann gingen wir sie doch, weil der Gatte in spe keinesfalls durch das Kar voller Geröll, das wir beim Aufstieg im zähen Tippelschrittgang gequert hatten, auch wieder hinuntergehen wollte, also blieb uns nur diese Forststraße, und sie war leider immer noch 12 km lang, und der Zukünftige war gelinde gesagt not amused als wir erst spätabends im (eigentlich ja romantischen) Mondschein das Auto erreichten (die noch frische Verliebtheit half ihm gottseidank bald über dieses Tourerlebnis hinweg, heutzutage dürfte ich es nicht mehr wagen, mit so einem „Spaziergang“ daherzukommen).

d) Zum vierten Erklimmen des Krottenkopfes 2014 schien es mir ratsam, mal alleine zu gehen. No man, no cry, wie es ja schon in der uralten, weisen Reggae-Ballade heißt. Und überhaupt wollte ich diesmal alles anders machen: Nicht per Auto, sondern mit dem Zug anreisen, von Farchant aus auf einem neuen Weg hochgehen, oben auf der Hütte übernachten, über den Fricken nach Oberau hinunterlaufen, mit dem Zug wieder nachhause. Hat auch genauso geklappt. Problem diesmal: ich selbst. Zumindest während des Aufstiegs. Ich wälzte unablässig schwierige Themen (die Kündigung, die Zukunft, der Hirntumor der Mutter), die mir ebenso im Nacken saßen wie der übervolle Tourenrucksack. Auf der Hütte dann halb ohnmächtig vor Erschöpfung angekommen, nach dem sensationellen Sonnenuntergang wurde plötzlich alles besser bzw. leichter und tags drauf hätte ich Bäume ausreißen können, nahm ungeplant einen weiteren Gipfel mit, den Bischof, und hüpfte leichtfüßig hinunter ins Tal.

e) Fünfte Begehung vor drei Jahren, 2017, mit Übernachtung und mit einem, der vorgab, ein Freund zu sein und keiner war (oder sein konnte), weil er fortwährend nur in sich selbst verschraubt war und zur Tour nicht nur eine Überdosis Unausgeschlafenheit mitbrachte, sondern auch ein zu Viel an Unaufrichtigkeit, aber wir wollen das jetzt nicht vertiefen oder wiederkäuen. Denn die Tour, erneut von Eschenlohe aus gestartet, war eine äußerst schöne, zumal ich den ganzen langen Abend (inklusive Alpenglühen drüben im Zugspitzmassiv) für mich allein hatte, weil der Nichtfreund vor lauter Müdigkeit bereits nach dem Abendmahl in die Koje gekippt war und sich erst am nächsten Morgen wieder regte. Der Abstieg via Esterbergalm nach Farchant war dann eine interessante neue Variante und wäre die der Tour folgende Entwicklung mit dem Begleiter eine erfreulichere gewesen, hätte mich Farchant mit Sicherheit nicht erst drei Jahre später wiedergesehen.

f) Der sechste Marsch auf diesen besonderen Berg also vor drei Tagen, mit dem Morgenzug nach Oberau, den Oberauer Steig hinauf, zu Füßen des Hohen Fricken kurze Tomaten-Mozzarella-Rast (keine Alm, eigener Proviant), am Bischof vorbei, an dessen Nordflanke noch eine kleine Trinkpause (dabei an den passenden Springsteen-Song gedacht und fast ein Freudentänzchen vollführt), danach mit Krottenkopfblick flott weiter, erst hoch zum Gipfelkreuz, danach ziemlich bedient von dem stundenlangen Gesteige auf der Hüttenterrasse niedergelassen. Der Wirt weist mir einen Tisch in der Sonne an der Hauswand zu, dort sitzt schon eine Einzelperson. J. ist auch aus München, wir kommen beim Anstoßen mit dem verdienten Weißbier ins Gespräch, über Kuchensorten, über Corona und über die jeweils hinter uns liegenden Aufstiege, und kommen dann gar nicht mehr raus aus dem Gespräch, brechen schließlich gemeinsam auf und als wir die Esterbergalm passieren, liegen nicht nur über 700 Höhenmeter Abstieg in erstaunlicher Harmonie des Gehtempos hinter uns, sondern auch zwei in Auszügen erzählte Biografien, die bis zum Abschied vor meiner Haustür noch diverse weitere Ausschmückungen erfahren, denn J. hat sein Auto unten in Farchant auf dem Wanderparkplatz stehen und ich bin so dermaßen platt von dem Tag, dass ich heilfroh bin, nicht mehr über die ruppigen Asphaltsträßchen bis zum Farchanter Bahnhof laufen zu müssen, sondern direkt am Ende des Bergsteigs die schweren Stiefel ausziehen und mich in den Beifahrersitz plumpsen lassen kann.

Auf geht’s, hinab!

Die spinnen, die Bayern (abgelegene Alm auf 1.300m).

Zurück im Tal & ein Schatten meiner selbst.

Offenbar ist der Krottenkopf für mich ein Berg, mit dem ich so Einiges auszutragen habe, und wenn der Begegnungsrhythmus mit diesem einzigen Zweitausender in der Region sich wie gehabt fortsetzt, dürfte irgendwann zwischen 2023 und 2026 die nächste Begehung anstehen. Und die wird von Krün aus starten, denn das ist der einzige Weg, der mir noch fehlt in meiner Krottenkopfserie (und wer weiß; vielleicht ist es der Zustieg, der alles abrundet und zu einem Ganzen fügt, vielleicht ist es aber auch bloß ein weiterer Zugang, der mich in die Höhen des Estergebirges führt und mit meinen Abgründen bekanntmacht, ich werd’s sehen).

Der Weg ist das Ziel (oder auch einfach nur ein Weg).

Jedenfalls möchte ich Ihnen, so Sie sich denn überhaupt für die Bergwelt interessieren oder gar begeistern können, diese Tour (ganz egal, welche Wegvariante) nicht etwa als möglichen Erkenntnisgewinntrip oder veritablen Verausgabungs-/Fitnesstest oder als gnadenlosen Beziehungsprüfstein ans Herz legen, sondern schlicht und einfach ob ihrer landschaftlichen Schönheit und der atemberaubenden Aussichten, die sie bietet.

Zugspitze zwischen Bischof und Fricken.

Hetzen Sie sich nicht, übernachten Sie unbedingt dort oben, trinken Sie ein süffiges Mittenwalder und keine dürre, blonde Hopf-Weiße und genießen Sie die stille, wohltuende Bergeinsamkeit da heroben, alleine oder in ausgesuchter Gesellschaft, und mit Blick auf wirklich alles, was meine Heimat in alpiner Hinsicht zu bieten hat.

Falls Ihnen das nicht behagt, weil zu lang, zu hoch oder zu was-weiß-ich-was, dann gehen Sie doch einfach mal auf der anderen Seite des Loisachtales ein bisschen auf dem Kramerplateauweg spazieren, von Burgrain oder Sonnenbichl (beides Ortsteile von Garmisch) nur ein paar Meter hinauf und weiter auf dem Höhenweg bis zum Gasthof Pflegersee oder – noch besser – bis zur Werdenfelser Hütte und gucken Sie von dort aus gemütlich hinüber zum imposanten Estergebirge.

Den Krottenkopf sehen Sie zwar von da aus nicht, doch der ihm vorgelagerte Hohe Fricken tut’s auch, denn zum einen muss man ja echt nicht jeden Hügel in Oberbayern gesehen haben und zum anderen hat der Fricken schon auch mal einen Blick verdient, weil er meist achtlos links liegen gelassen wird, denn durch Oberau rauscht man üblicherweise blicklos hindurch (bzw. stur geradeaus guckend, weil da sieht man schließlich schon die Zugspitze) und ist froh, wenn man (mit oder ohne Stau, meist aber mit) überhaupt bis dorthin vorgedrungen ist – und weiter geht’s nach Garmisch oder Mittenwald (das eine ein so hässlicher, verbauter Ort, das andere zwar wunderbar, aber nochmal eine halbe Stunde mehr zu fahren).

Und Oberau wird in nicht allzu ferner Zukunft noch groß rauskommen, das sage ich Ihnen schon heute, denn sobald der Tunnel, über dessen Bau jetzt alle so fluchen, weil er den Erholungssuchenden noch einen Staugrund mehr beschert, mal fertig ist, wird das Dorf sich zu seinem Vorteil verändern, es wird wieder ein Gesicht bekommen, und zwar ein hübsches, so wie es seinerzeit auch Farchant widerfuhr. Es wird im neuen Tunnel oder kurz davor eine Abfahrt geben, die einen explizit in diesen ehemals trostlosen Transit-Ort führt, der dann ein beliebtes Ausflugsziel sein wird und nicht bloß der Blinddarm der A95 oder das unbedeutende Kaff kurz vor dem Olympiaort Garmisch mit seiner gigantischen Bergkulisse.

Aus der Badewanne wünsche ich Ihnen eine gute Nacht und ein schönes Spätsommerwochenende!

Lookdown statt Lockdown!

Das war sie, die ultimative Junkie-Tour des Jahres!„, flüsterte sie, als sie gestern – nach 7,5 Stunden Gehzeit und einer Strecke von 22 Kilometern mit 1.477 Höhenmetern im Auf- und Abstieg – um 21:15 Uhr daheim ins staublausfreie Badezimmer humpelte und sich wie eine Omi, nämlich unter Zuhilfenahme des von Lolek montierten Sicherheitsgriffs, in die Badewanne gleiten ließ.

Selbstverständlich reichen wir für die Interessierten unter den Lesern noch einen kleinen Tourbericht nach. Der Krottenkopf ist einer der wunderbarsten Gipfel im Voralpenland: als einziger über 2.000m hoch und mit einem grandiosen Rundumblick, der von keinem anderen Berg verstellt wird.

Noch schöner und weniger ruinös ist diese Unternehmung übrigens, wenn Sie einen der (coronabedingt) wenigen Schlafplätze in der Weilheimer Hütte buchen. Dann brauchen Sie im Anschluss auch keinen Haltegriff neben der Wanne.

Krottenkopf, 2.088m.

Himmel der Bayern (84): Mit Wolke.

Auf dem Weg zum Krottenkopf.

Wenn Sie das verstehen können, haben Sie auch einen wesentlichen Part von mir verstanden.

Ein morgendlicher Anblick…

…bei dem sich mir ganz spontan (und erstmals) die Bedeutung von „Grüß Gott!“ erschließt.

Loisachbrücke bei Oberau.

Denn wenn ich ihn je irgendwo träfe, diesen Herrn Gott, dann wohl am Ehesten hier.

Grüß Gott, Werdenfelser Land! Guten Morgen, Zugspitze!

Und ein wenig Schutz könnte ja nicht schaden bei dem heutigen Transzendenz-Vorhaben, das der Gatte frühmorgens, während ich den Rucksack mit Proviant bestücke, mit der Bemerkung „Du bist bergsüchtig“ quittiert.

Wo er recht hat, hat er recht (zumal das Sujet ja gut zu einem seiner aktuellen Forschungsprojekte passt, zumindest im weitesten Sinne).

Dreiteiler.

Bevor wir uns zum Sonntagsspaziergang auf den Pfannenstiel, wie der Küsnachter Hausberg heißt, und bald danach auch auf den Heimweg nach München begeben, kommt hier schon mal das Schlussplädoyer zur Woche an der Schweizer Geld-, äh, Goldküste.

Gestrige Tour oberhalb vom Zürisee…
…inklusive von den Jungs designtem Gipfelfoto von H. & mir…
…und Aussichten auf alles, was hier noch zu tun wäre!
Nach dem Ausflug geht’s noch zum Schwimmen…
…im hundefreundlichen Greifensee…
…bei goldenem Septembersonnenlicht.

Bis spätabends dann Crêpes gebacken, zu viel gegessen, zu viel geredet, immerhin nicht nochmal am Gin Tonic vergriffen, trotzdem acht Stunden Schlaf wie betäubt, nur ab und zu unterbrochen von einem wild träumenden Hund unter der Decke.

Zum Abschied kreieren die beiden Jungs eine Fortnite-Superheldin getreu nach meinem Abbild, ich darf sogar ein bisschen mitreden bei der Gestaltung, und fühle mich schließlich wirklich gut getroffen und reite fortan auf einem turboschnellen Kometen durch das pulsierende Universum der Küsnachter PS4-Konsole.

1.307x Danke an H. fürs gelassene Ignorieren der uralten, russischen Regel „Fisch und Gäste stinken nach drei Tagen“, was natürlich auch nicht passieren kann bei der Frequenz an Badi- und Seebesuchen (plus täglicher Dusche) und wenn einem die Gastgeberin zwischendurch sogar die Klamotten wäscht. Auch das Dackelfräulein war äußerst zufrieden hier – maximal 1 Punkt Abzug gibt es für das unmenschliche und sogar konsequente Sofa-Verbot.

Den ausführlichen Bewertungsbogen für unseren Aufenthalt senden wir in den nächsten Tagen per Email, nur so viel schon mal: Wir kommen auf alle Fälle wieder!

Und vielleicht lässt es sich ja einrichten, das Haus gegenüber bis dahin abzureißen, damit wir von der Terrasse aus auf den See gucken könnten – dann müssten wir da nicht mehr zum Dinieren hinunterfahren.

Zamperl goes Züri!

Gestern ein langer Tag in Zürich.
Mit Hund sind solche Stadtrundgänge etwas strapaziös, man muss aufpassen, sich ja nicht zu viel vorzunehmen und – speziell im Sommer – ausreichend Pausen einzulegen. Erst recht, wenn Shopping angesagt ist. Selbstverständlich nicht für mich. Erstens gehe ich so gut wie nie Shoppen und zweitens schon gleich gar nicht in Zürich.

Ich nutze lediglich die Chance, für Pippa wieder ein originales Appenzeller Halsband zu besorgen, das vor einigen Jahren gekaufte hat letzten Winter den Geist aufgegeben (Kuhbruch, Ledermuff, Schnallenriss), so dass sie seither mit einem Tegernseer Plagiat herumlief, was natürlich an sich wurscht ist, vor allem dem Hund, aber da Madame ja gelegentlich als Model arbeitet, muss auf einen gewissen Standard ihrer ohnehin spärlichen Garderobe dann doch geachtet werden.

Der Herr Caspar, mit dem ich bereits von München aus korrespondierte, wegen Maß, Leder und Ornamenten, hatte die gewünschte Halsung extra aus dem Lager geholt und empfing uns zur verabredeten Zeit in der Boutique am Neumarkt (zwei Häuser weiter bemerke ich einen Shop, der meinen Namen trägt, das ist mir noch nirgendwo untergekommen).

Wir mussten uns ein bisschen sputen, um pünktlich zu sein (und Pünktlichkeit wird hier noch größer geschrieben als in heimischen Gefilden), weil wir zuvor mit einer Freundin des hübsch Bewimperten am Tessiner Platz zum Lunch verabredet waren (ein Dankeschön-Treffen für die Überlassung des Maiensässes in Pretty Prättigau) und daher einmal von West nach Ost die Innenstadt zu durchqueren hatten.

Das Dackelfräulein hechelt hinter mir her, an jedem Brunnen, derer es in Zürich gottseidank viele gibt, halten wir für ein Trinkpäuschen an, auch an dem, der zu Ehren des berühmten Herrn Koller erbaut wurde.

Schon ein schönes Einkaufserlebnis in dem Lädchen am Neumarkt, vor allem für das Fräulein: erst ein Hirsch-Snack, dann Anprobe, anschließend Kurzkraulung, zum Abschied nochmal ein Leckerli (ich widerstehe der für ein paar Sekunden aufpoppenden, albernen Versuchung, mir einen Gürtel oder ein Armband im Partnerlook zu kaufen – eh nicht schwer, wenn man die Preisschilder sieht und modisch sowieso einfach nur peinlich, wenn man nicht von hier ist oder die eigenen Klamotten halbwegs dazu passen).

Zweierlei gönne ich mir dann doch: eine Kaffee-und-Kuchen-Pause in einer lauschigen Gasse…

…und eine kleine Rundfahrt auf dem Zürisee, die nichts kostet, weil das Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsbetriebe erfreulicherweise auch Wasserwege beinhaltet.

„Klein“, das bedeutet auf dem Zürisee anderthalb Stunden, aber das tut sowas von gut, einfach mal die Füße hochzulegen, in der Sonne zu sitzen und den Blick über all die schönen Ortschaften am Seeufer schweifen zu lassen, einer lippenaufgespritzten Blondine beim Verzehr ihrer drei Salatblätter zuzugucken (vermutlich eine große Mahlzeit für sie), sich darüber zu freuen, dass die Visage ihres Mackers zur Hälfte hinter einer Maske mit Ferrari-Logo verschwindet und nebenbei der Unterhaltung einer Schweizer Familie zu lauschen (diese „ch“-Laute begeistern mich).

Ganymed, der Schönste unter den Sterblichen, winkt uns zurück in den Hafen und in der Abendsonne sitzen wir noch lange im Arboretum, bis wir schließlich über den Mythenquai und den Bürkliplatz zurückspazieren nach Bellevue, von wo aus unser Bus nach Küsnacht abfährt.

Was übrigens so gar nicht zu dem gemächlichen, moderaten Schweizer Naturell passt: die hiesigen Busfahrer und ihr Fahrstil.

Die heizen hier dermaßen durch die Hügel und Uferstraßen, dass man in jeder Kurve und bei jeder Bremsung brutal in den Sitz gepresst wird und den kleinen Hund besser auf den Schoß nimmt, damit er nicht kreuz und quer durch den Bus geschleudert wird. Da blitzt ja glatt mal ein Temperament auf, mannomann, und erstaunlich auch, dass alle anderen Fahrgäste daran schon so gewöhnt sind, dass sie nicht mal mehr mit der Wimper zucken ob des Gebretters.

Abends dann ein Gin Tonic, der mir etwas zusetzte, weil ich alles, was prozentual krasser daherkommt als mein sanftes, bernsteinfarbenes Weißbier nicht vertrage. Erst morgens, nach dem recht frischen Freibadbesuch (der Schweizer schwimmt kälter, und zwar deutlich), wieder einen vollständig klaren Kopf gehabt.

Heute relativer Ruhetag. Nur eine zweistündige Wasserfall- und Drachenhöhlenrunde durch den Tobel. Die Fee ist glücklich. Ich auch. Gefällt uns letztlich besser als jeder Stadtausflug.

Die Freundin hat ihre Arbeitswoche nun beendet, zum Abendessen geht es nachher hinunter an den See. Morgen eine Wanderung mit Kind und Kegel, d.h. mit den 2 Jungs und dem 1 Jagdhund.

Von sieben (!) verschiedenen Seiten erhalte ich die Nachricht, der Barde aus New Jersey habe nun das Release-Datum seines neuen Albums verkündet.
Danke, ihr Lieben, ich hätte das hier im fernen Nicht-EU-Ausland und mit nur sehr sporadischem Netzzugang glatt verpasst!

„The Power Of A Prayer“ heißt einer der zwölf Titel, „If I Was A Priest“ ein anderer.

Na dann.

Song des Tages (59).

Frechheit, oder?

Haben uns mit raumgreifender Ganzkörpergymnastik am Hundestrand gerächt.

Da haben sie aber geguckt, die überfressenen Promiköter!

This week I took that ride
‚Crossed the border to the helvetic side
Took my baby to the Zurich Lake
Walked her and watched the waves gently break

‚Cause down the shore everything’s all right
Me and my baby in sweet September light
Nothing matters in this whole wide world
When you’re together with a dachshund girl

Von unseren sieben Stunden in Zürich berichten wir Ihnen wahrscheinlich erst morgen.

Das mit dem MNS klappt dort jedenfalls nicht so perfekt.

1 Ordnungspunkt Abzug für die Schweiz!