Leipzig (2): You sit and wonder just who’s gonna stop the rain.

Die heutige Blogstatistik spricht eine klare Sprache: die Leserschaft kann es entweder kaum erwarten, Teil 2 des Leipzig-Berichts zu lesen oder aber der Ministrantenimbiss-Post schlug ein wie eine Bombe (leider ist die Statistik ja nicht allzu detailliert).

Wurscht.
So oder so war ich noch nicht fertig mit dem Erzählen und schwelge noch im Gefühl vom vergangenen Wochenende.

Als der Kiefer vorgestern in Leipzig zu heftig an die Himmelspforte klopfte (voilà: hier kommt es, mein erstes WordPress-Video!)…

…bewahrheitete sich die Prognose der blöden Wetter-App leider doch noch…

…und das ausgerechnet am einzigen Konzertabend meiner fast 34-jährigen Konzertbesucherkarriere, an dem ich nicht in geschlossenem Schuhwerk, sondern in Sandalen unterwegs war…

…zum Glück aber in Hundebesitzer-Trampel-Sandalen und nicht in solchen mit feinen Lederriemchen oder Straßsteinchen im Geflecht, so dass das Wasser im Gummifußbett sommerwarm die Zehen umspielte und dem Schuh nichts weiter anhaben konnte.
Naja, und vom Rest des phänomenalen Abends haben Sie ja schon gestern gelesen.

Worüber noch kein Wort fiel, ist der Sonntag.

Das lag unter anderem auch daran, dass der mit einem Frühstück begann, das mich sprachlos machte. Zum einen, weil die Wartezeit für eine Tasse Kaffee ungefähr 10 Minuten betrug. Es gab sage und schreibe nur einen Kaffee-Automaten für alle Teilnehmer des Parteitages der Linken, alle Bach-Fest-Besucher, alle Kiefer-Sutherland-Fans und die paar Dödel, die sich am Vorabend zu Dieter Thomas Kuhn verirrt hatten.

Immerhin hatte das Hotelpersonal es nicht versäumt, das Display dieses einzigen Automaten auf den Sonntags-Modus zu stellen:

Zusätzlich zum „Wasser im Pott“ (für alle aus dem Ruhrgebiet Angereisten?) durften die Gläubigen es nach Herzenslust dem Herrn gleichtun und Teewasser zapfen, nach dessen Genuss sie mindestens zum Gehen über die Pfützen im Kopfsteinpflaster vor dem Gewandhaus befähigt wären.

Den anderen Moment der Sprachlosigkeit bescherte mir Sori. Als ich nach einem dieser längeren Kaffeeholausflüge zu ihr an den Tisch zurückkehrte, hatte sie die Zeit meiner Abwesenheit genutzt, um mir einen Brief zu schreiben. Wir Frauen sind so. Wenn wir nicht live miteinander reden können, schreiben wir uns sofort und mit großer Freude Briefe, Emails, Whatsapps.
Vor meinem Frühstücksteller lag ein Kuvert, drauf stand mein Name. Ich fragte, ob ich den Brief gleich lesen solle oder erst später im Zug. Wie ich es lieber wolle, sagte Sori.

Neugierig öffnete ich sofort das Kuvert (Geduld gehörte noch nie zu meinen Tugenden) und drin war kein Brief, sondern ein Stapel Schwarz-weiß-Fotografien, die etwas historisch anmuteten. Ich nahm sie aus dem Umschlag und erkannte den Bruce meiner Jugend (am Gesichtsausdruck, an der Frisur und am shirtsprengenden Bizeps)!
Beim näheren Betrachten begriff ich dann: das waren Original-Fotografien aus den 1980er-Jahren, also genau aus der Ära, in der meine lebenslange Liebe begann.

Und als Sori mich fragte, ob ich denn nicht das Stadion erkennen würde, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Na sicher, das Münchner Olympiastadion, ganz klar an der Zeltdachkonstruktion zu erkennen…, ja meine Güte, das konnte dann ja eigentlich nur… – und genauso war es auch: Es handelte sich um Fotos von meinem ersten Konzert am 18. Juni 1985!

Das können wahrscheinlich nur Fans verstehen, was einem so ein Geschenk bedeutet!
[@Sori: nochmals 1000 Dank dafür!!! @Herrn Speed: schleifen Sie bitte schon mal das Sägeblatt, ich brauch‘ einen Spezialrahmen Altar für diese Rarität!]

Und weil wir dann eh schon mittendrin waren im Lieblingsthema des Tages, verlegten wir kurzerhand unseren Marsch durch Leipzig erstmal in den Nordwesten der Stadt.

So wie die einen halt sonntags zur Kirche gehen…

…pilgern andere zu ihren musikalischen Gedenkstätten…

…und beschließen die sonntägliche Messe mit Gebeten wie „Gib mir 1x im Leben Lost in the flood live!“ oder „Hol mich 1x zu dir auf die Bühne, zu Jole Blon oder zu Jersey girl!“.

Nach dieser netten Kurz-Wallfahrt spazierten wir dann doch noch in die Altstadt, aber kaum wollte ich Marktplatz und Thomaskirche näher betrachten…

…erspähte die Sori ein E-Street-Band-Fan-Shirt, das an einem Mittfuffziger prangte, der mit seiner Gefährtin unvorsichtigerweise in der ersten Reihe eines Straßencafés beim Brunch saß.

Und schon war man wieder im Gespräch „unter Tramps“ – natürlich waren die zwei am Abend zuvor auch beim Kiefer, denn das ist ja quasi alles irgendwie ein und derselben musikalischen Ursuppe entsprungen. Die Gefährtin noch zu neu, um allzu viel mitzureden („ich war mal bei Rebekka Bakken“ – „Hm, ja, schön!“) und sich insgeheim wahrscheinlich fragend, was ihr da noch alles bevorstünde (zeitlich, emotional und finanziell), wie um alles in der Welt man sich nur an einzelne Songs von x Konzerten erinnern könne („Weißt du noch: Racing damals in Mannheim, 2003, oder Point blank 2009 in Frankfurt?) und ob sie mit dem Kerl wirklich eine gute Wahl getroffen hätte (na klar hatte sie das).
Nach einem ausgiebigen Plausch herzliche Verabschiedung, wie von alten Freunden.

Also eben gar keine Kultur mehr, was soll’s.
Ab zum Bahnhof und wieder nachhause.

Schön war’s!
Thanks to Kiefer & danke, liebe Sori – für den tollen gemeinsamen Trip, die Heiligenbildchen und die halbfeuchten Gauloises, und dann bis spätestens im Herbst hier in München!

You sit and wonder just who’s gonna stop the rain
Who’ll ease the sadness, who’s gonna quiet the pain
It’s a long dark highway and a thin white line
Connecting, baby, your heart to mine!

Nachtrag, 13. Juni: Link zum lesenswerten Leipzig-Bericht auf Soris Blog!

Erholung.

Schreibtischarbeit und Einkäufe erledigt, Schwimmen gewesen, an der Isar entlangspaziert, die Sonne und einen Kaffee genossen, auf dem Rückweg am Wertstoffhof vorbei, dort beim Kistenheben das Daumengelenk verrenkt. Später am Tag auf einer Parkbank dem fernen Donnergrollen gelauscht und einfach mal ein Weilchen geradeaus geschaut, während drinnen das Gemüse im Ofen schmorte.

Alles in allem ein guter Tag.

Dr. Schmitt in der Landeshauptstadt.

Lieber Herr Speed,

als der Gatte heut‘ Ihre Renovierungsarbeiten in Suburbia besichtigt hat (Sie wissen schon: der Endergebnis-Test, den wir vereinbart hatten), kam ihm in der alten Wohnung ein leicht hospitalisiertes Haserl entgegengehoppelt: der werte Dr. Schmitt!

Er habe genug vom Stadtrand und auch vom Forstenrieder Park mit all den Keilern und Bachen, meinte er, und er wolle unbedingt mit in die City fahren (und wer überhaupt auf die Schnapsidee gekommen sei, ihn da draußen im Vorort zu parken, für vier lange Tage, und was das denn solle – nicht mal der Möhrenvorrat habe gereicht).

Den Wunsch hat ihm der Gatte natürlich nicht abschlagen können und so hat Ihr Begleiter noch ein nettes Nachmittags- und Abendprogramm in der bayerischen Landeshauptstadt erleben dürfen.

Wir können Ihnen versichern: es hat ihm sehr gefallen.
Übermütige Haken hat er geschlagen auf der Theresienwiese – die Stadtkarnickel kamen aus dem Staunen nimmer raus! – und ihm wurde kein Löffel gekrümmt. Im Gegenteil, er hat neue Freunde gefunden, im Schatten der Paulskirche und der Patrona Bavariae.

Nun ratzt er zufrieden neben einer seiner neuen Freundinnen mitten in Ihrem Werkzeugsortiment und freut sich auf Ihre morgige Ankunft.

In diesem Sinne: ruhen auch Sie wohl und bis morgen!

Du bist so groß und i nur a Zwerg!

„Du bist so groß und i nur a Zwerg!“ (Des Dackelfräuleins Ode an den Watzmann und Bobby)

Für 36 Stunden raus aus der Stadt, der Wohnung, dem Umzugs-, Umbau- und Ausbaukosmos. Auch mal wieder ein Segen, zumal bei der Gegend, dem Wetter und in der Gesellschaft!

Gestern Abend in Bad Reichenhall: Gustl vom Fass und zwei Ungustl unterm Tisch.

Süffig, süffiger, Suffikator.

Alpenländische Bierkultur.

Für den Großen Braunen immerhin eine Hundmaß.

Heute dann zu sechst in die Berge bei Berchtesgaden: „Gasthof Sahnegletscher“ klingt ja schon mal verlockend.

Mit Dog&Blog-Freundin Andrea morgens vor Watzmann-Kulisse.

Auf dem Soleleitungsweg oberhalb von Ramsau.

Noch zwei Minuten bis zum Toten Mann!

„Jetzt reicht’s aber langsam mit Bergaufgehen bei der Hitze!“

Oben angekommen: Während die Männer „Toter Mann“ spielen…

…halten sich die Frauen an den Hunden fest.

Pures Bergglück eben!

Danke an Andrea, Wolfgang, und Bobby für den wunderbaren gemeinsamen Tag – kommt gut nachhause & kommt bald wieder!

Anschließend noch einen Abstecher in die Vergangenheit des Gatten unternommen, zur Gebirgsjäger-Kaserne nach Berchtesgaden…

…wo das Dackelfräulein sogleich dem Löwen den Rang streitig machte…

…derweil wir herzliche Grüße an Mr. Speedhiking ins Allgäu sandten, der hier einst ebenfalls mit Watzmannblick diente.

Danach noch schnell ein Bad im Königssee…

…und anschließend mit einer Schlafenden Hexe vor uns (und einer hinten auf der Rückbank) zurück nach München.

Vor zwei Jahren stand ja mal kurz im Raum, ob wir uns vielleicht Richtung Frankfurt verlagern, um dem Gatten das Pendeln zu ersparen, aber nach solchen Tagen sag‘ ich immer: „Gottseidank hat’s mich nicht in den Taunus verschlagen, denn da wär‘ ich nie und nimmer glücklich geworden.“

Soweit das Wort zum Sonntag und herzliche Grüße an die treue Leserschaft!

Hund haben (13).

Morgens mit der guten Aussicht aufgestanden, dass so ein Regentag ja der ideale Arbeitstag sein könnte.

Zum Beispiel um den in Kürze abzugebenden Artikel tatsächlich fertigschreiben zu können. Oder um dem neuen Vermieter auf seine Mail zu antworten (es gibt ein paar Hakligkeiten in puncto anstehender Wohnungsübergabe mit dem Vormieter und dem Untermieter des Vormieters). Oder um sich durch ellenlange Eingabemasken des Vodafone-Umzugsportals durchzuklicken (und in der vorletzten Maske von einem Baustellensymbol – ein dämlich winkendes Männlein mit Helm in der einen und Schippe in der anderen Hand – auf Wartungsarbeiten am Server hingewiesen zu werden, danke auch, ihr Vollpfosten, dass ihr das nicht gleich mit dem <Enter> der allerersten Maske verknüpft habt, da lob‘ ich mir mal die Deutsche Post: nur ein Formular, 10 Felder auszufüllen – und schon ist der Nachsendeantrag online beauftragt und bezahlt!).

Wo waren wir doch gleich?
Ach ja, beim heutigen Regentag und dem Vorhaben, es möge ein guter Arbeitstag werden. Ein paar Mails rausgejagt, dann der Schreibarbeit zugewandt, dazwischen ein Gang zur Apotheke (der Ellenbogen bekommt jetzt eine Ibu-Kur bis zum Umzug) und zur Leergutrückgabe (der Gatte weilt grad 10 Tage am Stück im fernen Frankfurt, da muss man leider selbst mal die leeren Bierflaschen, die sowieso alle auf mein Konto gehen, da der Gatte ein Weintrinker ist, zum Automaten schleppen), danach zurück an den Schreibtisch und schon stupst einen die Hundenase an. Man schielt auf die Uhr, denkt „Oh Gott, schon wieder Mittag!“, schaut aus dem Fenster, denkt „Oh Gott, es schüttet ja!“ und vertröstet die Kleine. Die denkt „Oh Gott, ist das langweilig hier!“ und legt dann brav und zugleich mahnend ihr Kinn auf meinem Fuß ab.

Sie machen sich übrigens keine Vorstellung davon, was so ein kleines Dackelkinn wiegen kann, wenn der mit diesem Kinn verbundene Hund unbedingt nach draußen will! Da schläft Ihnen in Nullkommnix der Fuß ein, so schwer ist das! Also dauert es gar nicht lange und Sie wollen sich dann unbedingt selbst bewegen, damit Leben in Ihren eingeschlafenen Fuß zurückkehrt (ein ganzes Kapitel sollte man in dem noch zu schreibenden kynologischen Standardwerk „Der urbane Hund von Welt“ dieser „Sanften Erziehungsmethode“ widmen!).

Wetterfest verpackt (nur ich, denn Regenkleidung für Hunde lehne ich ab!) stiefeln wir zum Wald. Das Dackelfräulein hat blendende Laune. Man selbst war grad gut drin im Arbeiten und ärgert sich, dass man rausgerissen wurde, noch dazu hinaus in den Regen. Der Matsch klebt einem an den Goretexschuhen, die man erst vorgestern vom gröbsten Dreck befreit hatte. So latscht man tapfer vor sich hin, grummelt ein bisschen in den bis unter die Nase hochgezogenen Kragen der Regenjacke hinein, wirft Bälle und Tannenzapfen auf schlammige Waldwege, dass es nur so spritzt. Der Hund hat Spaß. Riesenspaß sogar. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir beide von oben bis unten nass und dreckig.

Und dann geschieht es!
Diese unnützen menschlichen Zwänge und Gedanken, was man alles müsste/könnte/wollte, wenn man nicht hier im Wald stünde, so nass und dreckig, sie fallen von einem ab. Sie fallen einfach hinunter in die matschige Erde.
In die matschige Erde, in die meine emsige Hundemadame 2 Meter von mir entfernt gerade ein beeindruckendes Loch buddelt. Der Dackel ist nämlich ein Erdhund (auch Bauhund genannt, was die ausgehobene Grube eindrücklich widerspiegelt)!

Erdhund at work.

Überall Erde. Der ganze Hund ist erdverschmiert, meine Schuhe und meine Hose ebenfalls.
Und ich fühle mich so wie ich aussehe: geerdet!

So ein Hund ist ein perfektes Erdungsprogramm, sag ich Ihnen. Da können Sie sich ein paar dieser ollen Ratgeber (á la „Sich erden: 9 Mittel und Wege für mehr innere Stabilität“ oder „Achtsamkeit für jeden Tag: Wie Sie sich erden und zu einer bewussten Lebensgestaltung finden“) sparen, indem Sie sich einen Hund zulegen und bei jedem Wetter mit dem rausgehen müssen.

Ok, so ein Hund kostet Zeit und Geld, deutlich mehr als für ein paar Ratgeber draufgehen würde, aber dafür sparen Sie an ganz ungeahnten anderen Ecken: edle Pumps adé, gute (helle) Hosen adé, Röcke und schicke Strumpfhosen sowieso – es lebe die Funktionskleidung, die täglich abwischbare!
Oder denken Sie an all die Urlaube, diese sauteuren Fernreisen, die Sie wegen Ihres Hundes nicht mehr machen können – was das Kohle spart!
Oder an das kostspielige Theater-Abo, das Sie gar nicht mehr haben wollen, weil Sie abends viel lieber im Rudel auf der Couch rumlümmeln und total spannende, preiswerte Serien auf DVD gucken, während Ihr Vierbeiner glücklich – weil Sie bei ihm daheim sind! – auf Ihnen liegt und schnarcht!

Aber ich bin schon wieder abgeschweift. Zurück in den Wald, in den erdigen Matsch, zum Regenspaziergang mit dem Hund.
Nach anderthalb Stunden kommen Sie also triefnass und spotzdreckig wieder nachhause. Ihr Hirn ist durchgepustet, Sie fühlen sich erfrischt, rundum geerdet eben. Denn Sie haben sich bewegt, haben den Boden unter Ihren Füßen gespürt und die Luft in Ihren Lungen. Sie sind gleichwohl ein wenig müde, wohlig müde aber, weshalb Sie beschließen, dass nur ein starker Kaffee nötig sein wird, um die Rückkehr an den Schreibtisch zu erleichtern.

Sie sperren die Tür auf, schälen sich aus all Ihrem Drecksgewand, wickeln die vierbeinige Erdwurst in ein Schmuddelhandtuch und tragen sie zur Wanne, auch hier wieder eine große Erdaktion, diesmal bräunlich dahingluckernd im Abfluss verschwindend. Sie wischen die Wanne sauber, hängen das ganze triefende Glump auf, derweil Ihr Dackel wie eine wildgewordene Hummel durch die Wohnung pest und so eine Art Schnelltrocknungsprogramm abfackelt, dem zuzusehen Ihnen größte Verzückung bereitet und zugleich die wiederkehrende Frage aufwirft, ob denn so ein Hund nicht auch mal wenigstens ein bisschen müde sein könnte, wenn er doch grad so ausgiebig draußen war!?!

Auf dem Weg zur Kaffeemaschine wehren Sie alle Bälle und Stofftiere ab, die Ihnen gekonnt zwischen die Füße gepfeffert werden, schließlich sind Sie der Chef in dieser Hütte und haben sich jetzt redlich Ihren Kaffee verdient. Genug gespielt! Schluss jetzt!
Mit klaren Worten schicken Sie den Hund in seinen Korb und wenden sich dem Kaffeekochen zu.

Während Sie dann müde an der Anrichte lehnen und dem Sprotzeln der Kaffeemaschine lauschen, vernehmen Sie ein leises Fiepen. Sie lehnen sich ein Stück über die Anrichte und schauen zum Körbchen hinüber, denn von dort kommt das Geräusch. Woher auch sonst.

Und dann sehen Sie das hier:Ihr noch nicht hinter den Ohren trockener vierbeiniger Terrorist traktiert Sie mit DIESEM Blick!
Und hat sich völlig eigenständig aus seinen 5 Spielsachen genau DIESE ausgewählt!
Wie kann das sein? Geht das noch mit rechten Dingen zu?

Ich sag Ihnen, es gibt eine geheime Akademie, auf der unsere Haushunde sich zu heimlichen Seminaren treffen, die ACLF (Academia Canis lupus familiaris) nämlich, in denen sie von den Ausgebufftesten ihrer Artgenossen in der hohen Kunst der Zweibeiner-Erdung und Menschen-um-die-Pfoten-Wickelung unterwiesen werden. Da steht irgendein weiser, graunasiger Labradoodle am Flipchart, skizziert Alltagsszenarien und sagt Sätze wie: „(…) und wenn gar nichts mehr zieht, dann müsst ihr sie eben zum Lachen bringen, dann habt ihr sie sofort wieder, und sie können nicht anders und werden weiterspielen mit euch, und es wird ihnen Spaß machen!“.

Ich sehe also meine Pippa an, wie sie ihr Kinn auf diesem beknackten Emoji geparkt hat und wie sie mich ansieht. Und kann nicht anders und muss lachen, aus tiefster Seele lachen.
Erneut löst sich etwas in mir in Wohlgefallen auf: die Fixierung aufs Koffein, die eben noch vorhandene Müdigkeit, das gedanklich schon vorweggenommene Eintreffen am Schreibtisch.

Hunde sind so wunderbar.
Und das letzte Wort über die Wunder des Hundes ist auch noch längst nicht geschrieben worden (frei nach Jack London).

Amen.

Einen schönen Wochenbeginn – mit oder ohne Hund – und allzeit gute Erdung wünscht Ihnen
Die Kraulquappe.

PS: Der Dackel von Kaiser Wilhelm II trug übrigens den wunderbaren Namen „Erdmann“.PPS: Es wird noch ein langer Arbeitsabend werden, an diesem schönen Regenmontag.

 

 

Himmel der Bayern (38): West of Wiesn.

München, Samstagmittag. 22 Grad, blauer Himmel und Sonne satt.

Alles fährt raus aus der Stadt, wir fahren rein (merke: immer antizyklisch unterwegs sein, das erspart einem sehr viel Nervensalat!).

Und gucken uns mal ein bisschen um im künftigen Westflügel der neuen Heimat.

Über die menschenleere Theresienwiese geht es hinauf zur Münchner Freiheitsstatue…

…danach hinter der Ruhmeshalle vorbei…

…in den Bavariapark hinein…

…in dem nicht nur schöne Männer zu finden sind…

…sondern – fast ebenso wichtig – auch schöne Biergärten.

Und im angrenzenden Viertel – noch wichtiger – sogar eine schöne Eisdiele, in wir uns das erste Zitroneneis des Jahres holen…

…und das Waffel-Endstück zehn Minuten später seiner einzig wahren Bestimmung zuführen.

Vom Westend dann in großem nördlichen Bogen von der Theresienhöhe wieder hinab auf die Wiesn, wo man sich über die unbewusst sehr geschickte Wahl des Umzugstermins freut (knapp nach Ende des Frühlingsfestes)…

…und nebenbei auf seltene, in der Bergwelt leider noch nie angetroffene Almen stößt.

Nebenan kraxeln ein paar Möchtegern-Alpinisten unbeholfen herum.

Wieder an der Ostkante der „Wiese“ angekommen, schnappt das Dackelfräulein zwei bärtigen Kerlen geschickt den Tischtennisball weg…

…und saust davon, stolz wie Oskar, und als ich sie wieder einfange, sieht der Ball aus wie ein zerdeppertes Frühstücksei.

Aber das Tolle an so einem Dackelfräulein ist, dass ihm quasi nie jemand etwas übel nimmt: die Jungs lachen und nehmen gelassen ihren Zweitball.

Ich glaube, das wird gut werden, dort und überhaupt.

Himmel der Bayern (37): Saisonbeginn.

Endlich wieder am Seelenort.

Mit Weißbier, See- und Zugspitzblick, kurzes Durchschnaufen vor der nächsten Etappe der Umzugsorganisation.

Das Dackelfräulein munter im Schilf kruschelnd, die jahrelang eingeübten Grenzen vorbildlich wahrend – nach links hin die große Kastanie, rechts rüber das Bächlein – und immer in Sichtweite.

Manchmal wirklich der weltbravste Hund.

Song des Tages (18).

In schönster Frühlingssonne durch den Wald gesprintet (erstmals seit Monaten in leichtem Gewand), den uralten iPod wiederbelebt (kein Ersatz für den schönen Schlanken in pink, aber mei), die 380 Songs umfassende Liste auf Zufallswiedergabe gestellt (ausschließlich der Lebenssoundtrack, der in letzter Zeit viel zu kurz kam) und auf dem Trampelpfad mit Blick hinüber zu den Bergen (dort hinten am heimatlichen Horizont leuchtend und lockend) eine Dynamik und Freude verspürt wie schon lange nicht mehr.

Grab your ticket and your suitcase, thunder’s rolling down this track
Well, you don’t know where you’re going now, but you know you won’t be back
Well, darling, if you’re weary, lay your head upon my chest
We’ll take what we can carry, yeah, and we’ll leave the rest

Well, big wheels roll through the fields where sunlight streams
Meet me in a land of hope and dreams

I will provide for you and I’ll stand by your side
You’ll need a good companion now for this part of the ride
Yeah, leave behind your sorrows, let this day be the last
Well, tomorrow there’ll be sunshine and all this darkness past

Well, big wheels roll through fields where sunlight streams
Oh, meet me in a land of hope and dreams

Mit dem Song grüß‘ ich ganz besonders die S. aus dem schönen Wien (in großer Vorfreude auf unseren Konzerttrip nach Leipzig: das grab your ticket ja gerade noch mal gerettet, trotz der kleinen Panne…) sowie den S., der mich bei einem aktuellen Zukunftsprojekt so großartig unterstützt (worüber beizeiten noch zu berichten sein wird).

Einen Frühlingsschwung wünsch‘ ich der geschätzten Leserschaft sowie einen schönen, sonnigen Feiertag!

*****

@Wien: Kanntest du diese Version schon? (Veteranenvorspann überspringen & Einstieg bei 1:23!)

Himmel der Bayern (36): Along the east bank.

Starnberger See, Ostufer. 8. März 2018.

The famous Eastbank (with Trainpeakview).

St. Ludwig bei Berg.

The Kini’s Grave.

Blick von der Votivkapelle auf den See.

Frühlingserwachen im Strandbad.

Seeluft schnuppern!

Nachdenken über den Traumjob.

Ausüben des Traumjobs!

Seehunde unter sich.

Gut stehen, gut gehen.

Gestern:

Aus der Serie „Münchner Häuser, in die wir nicht einziehen können“…

…obwohl der Hausmeister ein gerüttelt Maß Humor zu haben scheint.

Heute:

Aus der Serie „Wege, die man nicht oft genug gehen kann“…

… obwohl einem das Fräulein für bange Minuten entwischt ist (irgendwohin, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, aber man als Mensch nicht hinterherkommt, ohne sich den Bommel von der Mütze abzureißen)