Erinnerungen an Orville.

Auf dem frühmorgendlichen Weg zur Blutabnahme eine neue Spezies entdeckt: den urbanen, pandemischen Blauschnabelalbatros (lat.: Diomedea coronara urbana), Vertretern meiner Generation noch als gelbschnabeliger Orville ins Gedächtnis eingebrannt.

 

Die beiden Sätze des Tages: „Wie aus dem Lehrbuch, Ihre Leber, sehr schön!“ und „Was für eine zartwandige Gallenblase!
Trotz leichter Angst wegen des Rollvenenzirkus‘ (die Sprechstundenhilfe blickt auf den abgebundenen, fleißig faust-pumpenden rechten Arm und meint: „Also da sehe ich schon mal gar nichts.“, wenig später fügt sie hinzu: „Und da fühle ich auch gar nichts.“), etwas Schwummrigkeit wegen Morgennüchternheit und einem Blutdruck von 68:47 freut einen das.
Auf Ersteres wird gleich heute Abend mit einer TAP7-Weißen aus dem Hause Schneider angestoßen.

Alles Weitere bleibt abzuwarten (so lange drei Tage Mittenwald auf die Weise machbar waren wie letzte Woche, kann die Lage nicht dramatisch sein, sag ich mir) – wir lenken uns derweil hervorragend mit etwas Vermieterkorrespondenz, der Kammerjägerterminkoordination (Highlight: auch Lolek wird bei dem Termin zugegen sein, wegen der Öffnung von Steckdosen und Schaltern) sowie einer kleinen Ausfahrt anlässlich des heutigen Geburtstages der Hundedames des hübsch Bewimperten ab.

Das Dackelfräulein lernt das Teilen – mit ihrer Rückbank klappt das auch schon.

Nebeneffekte der Pandemie.

Das Dackelfräulein profitiert ja ziemlich davon, dass der Gatte den Großteil des Sommersemesters 2020 homeoffizierend in München verbracht hat.

Himmel der Bayern (78): Luv & the bright bavarian sun.

Die Samstagsluft vor der Haustür ist wieder rein.
Nachdem die Veranstalter der Corona-Demos auf der Theresienwiese vergangenen Samstag ihren Protest aus Protest abgesagt hatten und Klage beim Bundesverfassungsgericht einreichten, haben sie sich diesen Samstag aus Provaktion auf den Königsplatz verlagert und gehofft, dass genauso viele Teilnehmer kämen wie zu der Anti-Rassismus-Demo, die vor einer Woche dort stattfand.

Nämlich 25.000 statt der angemeldeten 200, was natürlich für derzeitige Verhältnisse und den dort vorhandenen Raum viel zu viel war, und der Münchner Polizei, die sich aus recht nachvollziehbaren Gründen gegen eine Auflösung/Räumung entschied, von mancher Seite Kritik einbrachte, aber für die Initiatoren der Corona-Demo ein gefundenes Fressen war: „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen!“ tobten sie, indem sie den Sachverhalt zu „(…) dort waren 25.000 erlaubt, aber uns kürzt man Woche für Woche die 10.000, die wir anmelden, auf 1.000 zusammen!“ verdrehten, was völliger Schmarrn ist, da ja auf dem Königsplatz nur 200 angemeldet und erlaubt waren, von einer Erlaubnis, dass 25.000 da eng gedrängt herumstanden, kann also keine Rede sein, aber Logik ist des verschworenen Geistes Sache nicht und so wurde halt wieder herumgestänkert, dass man auch daran sehen könne, dass wir längst in einem totalitären Staat leben würden.
Nebenbei: Es kamen dann heute nur 500 statt der erlaubten 1.000. Recht so. Einen Trend zur Vernunft wage ich daraus nicht abzulesen, und leider noch nicht mal eine Hoffnung auf einen solchen.

Jedenfalls ist vor der Haustür endlich wieder ein relativer Samstagnachmittagsfrieden zurückgekehrt und damit auch die Gelegenheit, auf einer der Bänke sitzend die letzten Sonnenstrahlen vor den bevorstehenden Regentagen aufzusaugen und dazu die bernsteinfarbende Feierabendfreude zu genießen. Wärmende Rituale.

Heute ist es die Bank mit dem Messingschild geworden, weil hier die allergrößte Ruhe herrscht (die Spielplätze haben ja längst wieder geöffnet, aber keiner fühlte sich bemüßigt, die Geräte nach deren Coronapause zu ölen, und seither ist der Geräuschpegel in Spielplatznähe deutlich nerviger als sonst).

Die Bank mit dem Messingschild steht in der Nähe eines nicht quietschenden Drehtellers, auf dem ein ebenfalls nicht quietschendes Kind steht und von seiner Mutter ein bisschen angeschoben wird (einer der gar nicht so seltenen Fälle übrigens, in denen die Mutter lauter ist als das Kind, weil sie abwechselnd ihr Kind fürs Einfach-so-Dastehen bejubelt und in ihr Smartphone wichtige Dinge wie „Du musst die Erbsen auftauen, das hab ich dir doch vorhin schon gesagt!“ plärrt).

„HEY LUV, MAY THE SUN SHINE BRIGHT ON YOU.“ hat jemand für eine Frau, die ich hier bislang noch nie antraf, auf das golden schimmernde Metallplättchen gravieren lassen.

Ich liebe diese Schilder auf Parkbanklehnen (ich fotografiere sie auch und ich sammle diese Bilder sorgsam), und noch mehr die Geschichten dahinter, die man nie erfahren wird und die man sich also nach Belieben ausdenken kann.

An einem Monatsdreizehnten erscheint es mir einigermaßen passend, mal wieder den Wunsch nach solch einem Messingschild für „meine“ Feierabendbierbank kundzutun.
Einen Satz, einen Vers – eine Strophe gar? – wünschte ich mir, aus einem der Lieblingslieder, möglichst persönlich und parkbankpassend, versteht sich, und natürlich so, dass es allen anderen Banksitzern rätselhaft genug bleibt, um sich ihrerseits Geschichten dazu auszudenken.

Seit zwei Jahren bin ich leider nicht in der Lage, mich auf eine Wunsch-Inschrift festzulegen, also ist’s wohl besser, das zu delegieren. Die alleinige Verantwortung für die Schwarzschraubung übernähme ich freilich, denn wenn man das Anschrauben offiziell beim Gartenbauamt beantragen bzw. anmelden täte, kostete das weit mehr als das Schild selbst (außer vielleicht, es stünde der gesamte Text von „Backstreets“ drauf, aber dann hätte man eh ein ganz anderes Platz- und Montageproblem), das habe ich letzten Sommer bereits recherchiert, als ich mal lange auf derselben Bank saß, auf der auch Luv einst in die Sonne blinzelte.

Instinktiv davon ausgehend, dass es sich bei Luv um eine Frau handelt, stelle ich sie mir mit rotblondem Pagenschnitt und einem grünem Shirt mit bunten Kringeln drauf vor, etwa Anfang 40, knappe 1,60m groß, Gauloises rauchend und in einem zerschlissenen Bändchen Kurzgeschichten von Proust lesend.

Luv hat eine schwedische Mutter aus der Provinz Kalmar und einen Vater aus dem Münsterland, die sich in Dänemark kennenlernten, als Luvs Mutter dort in den Ferien als Kellnerin jobbte und Luvs Vater ein Auslandssemester in Kopenhagen absolvierte.
Lars, der jüngere Bruder von Luv, ist nach der Scheidung der Eltern mit Luvs Mutter zurück nach Schweden gezogen, Luv hingegen blieb in Beckum bei ihrem Vater, der leider viel zu früh einem Pankreaskarzinom zum Opfer fiel.
Nach einem Studium der Literaturwissenschaften verschlug es Luv schließlich nach München, wo sie ein Volontariat bei Burda begann, das sie weit vor Abschluss wegen einer überraschend eingetretenen Schwangerschaft hinschmiss, nicht ahnend, dass ihr nur ein paar Monate später eine Fehlgeburt, eine Trennung und eine Wohnungskündigung wegen Eigenbedarfs bevorstehen würden.

Die zierliche Luv aber kämpfte sich tapfer durch diese Zeit der Schicksalsschläge hindurch, fand bei einer Bekannten Unterschlupf, die – ebenfalls nach einer Trennung – gerade ein Zimmer in ihrer Wohnung zu vermieten hatte und bekam nach einigem Bemühen eine Teilzeitstelle bei einem kleinen Verlag in Schwabing, verliebte sich dort in einen Illustrator namens Oskar und zog bald zu ihm in seine kleine Dachgeschosswohnung in der Beethovenstraße.
Da die Dachterrasse der Wohnung gen Osten ausgerichtet war und Luv ihre Feierabendzigarette aber gern in der Abendsonne rauchte, schnappte sie sich gelegentlich ein Buch, ging hinunter auf die Theresienwiese und suchte sich dort eine freie Parkbank, auf der sie in Ruhe und mit der Sonne im Gesicht rauchen und lesen konnte.

Zum 40. Geburtstag schenkte Oskar ihr das kleine Messingtäfelchen mit der Inschrift, über der er sehr lange gebrütet hatte, weil er wusste, wie wichtig seiner Luv die Wahl der richtigen Worte war. Nach Luvs Dafürhalten hatte er aber nicht lange genug gebrütet, denn das erste Wort der Gravur, das auf ihre schwedischen Wurzeln gemünzt sein sollte, war leider zu einem „Hey“ verunglückt, statt ein schwedisches „Hej“ zu werden, und da half es auch nichts, dass Oskar standhaft behauptete, dass der Garveur sich verlesen haben musste und es auf seinem Zettel, den er im Geschäft ließ, sehr wohl korrekt notiert gewesen sei.
Aber hey, wen stört das heute noch, nun, da Luv und Oskar schon vor etlichen Jahren die schöne Wohnung in der Beethovenstraße aufgeben mussten, weil der kleine Schwabinger Verlag, in dem beide ihren Lebensunterhalt verdienten, von einem größeren Berliner Verlag aufgekauft worden war und den wenigen Mitarbeitern, die übernommen wurden, die Fortsetzung ihrer Beschäftigungsverhältnisse ausschließlich in Berlin angeboten werden konnten.

Damals, in dem Sommer als Luv 40 wurde und jenes Messingschild von Oskar bekam, stellten sie sich die beiden eines Nachts – ein paar Tage nach Luvs Geburtstag – den Wecker auf 3 Uhr, schlüpften in ihre Klamotten, schlichen sich hinunter zu Luvs Bank und schraubten heimlich im milden Schein des Mondlichts den Sonnenspruch ans grüne Holz und saßen eine Weile gemeinsam dort.
In stiller Eintracht lehnten sie aneinander, bis es Oskar nicht mehr gelang, sein Gähnen zu unterdrücken und Luv alle paar Sekunden nach einer Stechmücke schlug, die sich auf ihrem Unterarm niederlassen wollte.

(Eigentlich wollte ich Ihnen heute von gestern erzählen (Ausflug ins Tölzer Land mit Vortesten des Geburtstagsfeierortes) und auch von vorgestern (Freibaderöffnungserstbesuch), es hat sich jetzt halt bankbedingt anders ergeben und es eilt ja auch nicht.)

Wussten Sie’s schon?

Bill Gates hat das Wetter bereits vollständig unter Kontrolle!!!

Um 15 Uhr hätte ja die nächste große Corona-Demo hier vor der Haustür stattfinden sollen.
Seit frühmorgens hat der Veranstalter (eine mir bis vor Kurzem völlig unbekannte Partei, deren Namen ich lieber erst gar nicht nenne, damit das niemand googelt, lohnt eh nicht) fleißig gewerkelt, um das Gehege auf der Wiesn aufzubauen, in das die 1.000 genehmigten Teilnehmer sich gegen Mittag begeben durften.

Um 15 Uhr hätte es losgehen sollen mit dem „Ich lass mir doch keinen Chip via Vakzine in meinen Körper reinjagen!“-Zeugs, untermalt von ein bisschen „Let the sunshine in“-Gesinge, Buh-Rufen und diversen sportlichen Einlagen (wir berichteten hier).

Und was passiert? Bill Gates, diese nach Reichtum und Weltherrschaft gierende Ratte, schickt Orkanböen nach München!

Gegen 14:15 Uhr rupft der Wind schon recht heftig an den rot-weißen Absperrbändern, um 14:30 Uhr droht die Rednerbühne abzuheben, ab 14:45 Uhr kommt ein solcher Regenguss, dass man sie alle nur noch davonrennen sieht.
Mit ihren Schildern, auf denen der schwarze Edding schon zerronnen ist, sausen sie zur U-Bahn, zu ihren Autos oder Fahrrädern – jedenfalls davon.

Um 14:50 Uhr nur noch ca. 50 Hardcore-Demonstrierer auf dem Gelände, auch die Polizei harrt noch tapfer aus rund um die Theresienwiese.
Fünf Minuten drauf dann per Lautsprecher die Absage des ganzen Spektakels, denn „Sicherheit geht vor“, Wind und Regen sind einfach zu heftig.

Das kann ja wohl alles kein Zufall mehr sein!

Quelle: Abendzeitung München.

Und noch nicht genug der „Zufälle“: Pünktlich um 15:20 Uhr hört es doch glatt wieder auf so krass zu stürmen. Und zwar komplett! Aber da sind sie alle schon weg, schließlich möchte man sich ja in Zeiten wie diesen nicht verkühlen, nur für den Fall, dass das doch kein Fake ist, dieses Virus.
Man kann ja von Bill Gates halten, was man will, aber DAS war wirklich Maßarbeit. Beängstigend, nicht wahr?

Ich würde meine Beobachtungen und Gedanken dazu gern noch weiter ausführen, muss an dieser Stelle aber leider jäh einen Punkt machen. Es ist 16:03 Uhr, das Dackelfräulein jammert seit 3 Minuten unter dem Schreibtisch und tritt mir alle zwei Sekunden auf einen meiner Füße. Um 16 Uhr bekommt sie üblicherweise ihr Zweit-Fressi, und sie hat nichts für Verspätungen übrig und macht sich daher grundsätzlich schon ab 15:58 Uhr bemerkbar. Länger als fünf Minuten ertrage ich diesen Terror nicht, also vielleicht ein andermal wieder mehr zu obigem Thema (vielleicht schon nächsten Samstag?).

Und fragen Sie mich jetzt bitte nicht, woher dieser Hund weiß, dass es 16 Uhr ist.
Ich habe keine Ahnung!

Die Welt ist voller Rätsel und Phänomene, die einen nur so mit den Ohren schlackern lassen.

„Der Großteil der Demonstranten kam aus dem bürgerlichen Lager.“

Heute Nachmittag, vor meiner Haustür.

Sehen Sie mir bitte die miserable Bildqualität nach – der Zoom vom Handy ist nicht der beste und mir war wichtig, den Mindestabstand zur dargebotenen Vielfalt der Meinungsfreiheit einzuhalten.

(Überschrift des Blogbeitrags: Zitat aus der“Rundschau“ vom 16. Mai 2020, Bayerisches Fernsehen.)

Einladung zu einer Joggingrunde!

Lust auf ein bisschen zerebrales Workout?
Dann kommen Sie doch mit auf eine Runde Gehirnjogging (oder sagt man Brainjogging?)!

Und das geht so:

Von meinem coronaren City-Walk (heut heißt ja alles irgendwie auf Englisch, keine Sau sagt mehr Stadtspaziergang oder so) durch die Hood (mein neuestes Hass-Wort) hab ich Ihnen ein paar Pics mitgebracht, zufällig 13 an der Zahl, die echt zu schade für diesen Insta-Quark sind, weshalb ich sie zu einem Quiz verarbeitet habe.
Und zwar extra für Sie, meine lieben vom vielen #stay-at-home geplagten Leserinnen und Leser!

Versuchen Sie Ihr also Glück – ach was: stürzen Sie sich in die Challenge! – und ordnen Sie den 13 Fotos die 13 Begriffe korrekt zu, teilen Sie mir die Lösung (in der Schreibweise: 1g / 2a / 3d usw.) per Kommentar hier im Blog mit (oder, für die „No way! – Ich zeig mich doch hier nicht öffentlich!“-Fraktion, per Mail unter kraulquappe@web.de) und gewinnen Sie – sofern Sie alle 13 richtig haben, versteht sich – einen von drei sensationellen Preisen (denn auch wir nutzen die Pandemie zum Ausmisten, und da sind einige treasures zum Vorschein gekommen, aber hallo), die viel zu schade sind für den Wertstoffhof (der hier in München ab morgen wieder geöffnet hat, zu Zeiten, die nach Endziffer des Autokennzeichens gestaffelt werden, und wer kein Auto hat, der kommt evtl. gar nicht rein, ich muss nochmal nachlesen, wie die sich das genau vorstellen…).

Hier kommen die 13 Bild-Kandidaten:

1.

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13.

Und hier die 13 den Bildern zuzuordnenden Begriffe, zeitgemäß im to-x-Style and in English, for sure:

a) to give up understanding

b) to look amol

c) to clean up

d) to fake swimming

e) to keep one Springsteen of space

f) to stick together

g) to have no restraint

h) to give up everything

i) to get sth. hot and desired

j) to keep away

k) to stay young and beautiful

l) to dump the to-go’s

m) to kick Corona

*****

Das gesamte Team der Kraulquappen-Redaktion wünscht Ihnen ein helles Köpfchen beim Kombinieren
und ein flinkes Händchen beim Tippen – und überdies natürlich einen schönen Sonntagabend!

Song des Tages (51).

Gesehen: Beim Laufen treffe ich schon wieder J., den ich diesmal nur noch an seiner Stimme und der John-Lennon-Brille erkenne. Er läuft nun völlig vermummt, damit ihn die Polizei beim Herumkurven durch den Park nicht mehr als „alt“ identifiziert und womöglich heimschickt. Langärmeliges Laufshirt von seinem Sohn (mit aufgedruckter Marathon-Werbung), dazu lange Hose und Sturmhaube, bei 20 Grad kein Vergnügen, aber J. ist ja hart im Nehmen.

Gestaunt: In meiner Armbeuge erstmals kein Bluterguss nach der Blutabnahme, das grenzt an ein Wunder. Auch, dass es direkt beim ersten Einstich ein „Ozapft is“ wurde – Reschpekt!
Dafür hat die Delegation vom Tropenmedizinischen Institut der LMU uns mit ihrem Desinfektionsmittel (mit dem sie herumpritschen als würden sie mit einem Gartenschlauch riesige Beete wässern) den Esstisch versaut, trotz Auffangwanne, die sie dabeihatten, damit nichts danebengeht. Kein Thema, ich bin ja beschwerde-erprobt (mit hoher Erfolgsquote) und aktuell gut in Übung (grad erst vom Hersteller der Duschtrennwand eine Entschädigung für all den Ärger ermailt), geht auch von Mal zu Mal schneller. Ein neuer Esstisch wäre eigentlich eh mal nett, diesmal dann aber einen aus Wenge (ich bedauere es bis heute, vor elf Jahren ein anderes Holz gewählt zu haben, nur weil Wenge so teuer war). Wird man ja wohl erwarten können, für unseren tapferen und blutigen Beitrag zur Forschung, jedenfalls ist es mit einem Werbe-Foto für „KoCo19“ in der heutigen FAZ als Wiedergutmachung für den verfleckten Tisch noch nicht getan. Der Zeitungsbeitrag wird uns nämlich nicht berühmt machen, da auf dem Foto leider das Dackelfräulein fehlt (vom Knie des Gatten verdeckt), dafür aber meine Sorge vor dem Anzapfen der Vene umso besser eingefangen wurde (so verspannt hocke ich sonst NIE am Tisch).

Geplant: 1. Impftermin fürs Dackelfräulein inkl. Zahnkontrolle und Haut-Check. Vermutlich sind es zwar altersbedingte Pigmentierungen, aber anschauen sollen sie sich’s lieber. 2. Inspektion und TÜV für den Kombi (inkl. Winterdreckbeseitigung und Reifenwechsel). 3. Loleks nächsten Besuch (ich vermeide den Plural bewusst, obwohl ich fürchte, dass das Aufstemmen der Wand, die Lecksuche, die Behebung der Misere sowie das Verputzen und Streichen der Wand länger dauern könnten als nur einen Tag).
Ansonsten plane ich nichts. Keine Urlaube, keine Besuche, keine Unternehmungen in einer Zukunft >2 Tage.

Gelesen: „Die kleinsten, stillsten Dinge“ von Sara Baume und „Walden“ von Henry David Thoreau. Ersteres ist an manchen Tagen kaum zu ertragen (irgendwo in Irland finden ein einäugiger Hund und ein einsamer Mann zueinander und brennen dann gemeinsam durch), der Thoreau hingegen erscheint mir hingegen wie die perfekte Prosa für Coronazeiten („Finde heraus, wo deine stärksten Wurzeln liegen, und verlange nicht nach anderen Welten.“ / „Hüte dich vor allen Unternehmen, die neue Kleidung erfordern.„).

Gegessen/getrunken: Spargel. Gugelhupf. Haferdrink. Schneider Weisse.
Von Spargel, vor allem dem grünen, krieg ich den Hals nicht voll. Habe mich sogar vor zwei Wochen als Erntehelfer registrieren lassen, sicherheitshalber, damit an der Front nichts schiefgeht, aber bislang verlangt niemand nach meiner Hilfe.
Zu dem Gugelhupf verleitete ein Zufallsreingucken in eine Gugelhupfreportage im Bayrischen Fernsehen. Ungeachtet all der Fett- und Zuckermassen musste ich sofort am Tag drauf einen backen und das hat trotz unpassender Backform hervorragend geklappt.
Haferdrink, weil: wir wollen schon länger weg von der Kuhmilch (bzw. von dem, was mit ihr verbunden ist), wo immer das halt möglich bzw. ersetzbar und geschmacklich vertretbar ist. Reismilch ist eine Zumutung für den Gaumen, auf Sojamilch bin ich allergisch, Mandelmilch hab ich noch nicht probiert. Hafermilch (besser: -drink) ist ideal fürs Müsli, im Morgenkaffee aber gar nicht. Also dranbleiben, weitersuchen und -probieren. Und an dieser Stelle ein Dankeschön an B. für den hilfreichen Input zur Thematik!
Zur Schneider Weissen dürfte in diesem Blog schon alles gesagt sein, vermutlich sogar schon mehrfach. Neu ist nur: der Gatte kauft mir seit Beginn der Pandemie komplette Kisten von dem köstlichen, bernsteinfarbenen Gesöff. Diese Bevorratung ist ebenso ungewollt wie ungewohnt, aber momentan wirklich praktisch und sinnvoll. Und da er derzeit nicht nach Frankfurt pendeln muss, hat er neben seinem Uni-Job und seinen zwei Nebentätigkeiten als Serien- und Pressespiegel-Beauftragter natürlich endlich auch mal Zeit für regelmäßige Fahrten zum Getränkemarkt.

Gefreut: Freundin A. schickt uns Mundschutzmasken. Zwei für jeden, blaue für den Gatten, rote für mich, wie sich das eben gehört. Sie und ihr Gatte tragen die gleichen Modelle. Alle vier sind wir der Ansicht, dass das Dekor des Stoffes perfekt zu uns passt, Uneinigkeit herrscht lediglich darüber, ob das Motiv einen Labradoodle oder einen Rauhaardackel darstellt. Im Juli, wenn wir uns wiedersehen, inklusive beider Hunde, tragen wir die Dinger hoffentlich längst als Sonnenhütchen und können das mit dem Motiv im Biergarten ausdiskutieren.
Der Papa legt ein ordentliches Osterei in mein Konto und ich gönne mir sofort ein neues T-Shirt, für dann, wenn mal Sommer ist und man wieder so richtig rausdarf und es sich lohnen wird, schöne Kleidungsstücke auszuführen. Die Ausgangsbeschränkungen ziehen ja eine gewisse Verlotterung nach sich, außer der Gatte hat berufliche Skype-Sitzungen oder es steht ein Treffen mit dem gepflegten Männerpaar aus unserem Hause zum Osterspaziergang an.

Gehört:
Neben dem Ostbahn Kurti grad vor allem Lou Reed und die neue Frauenpower-CD. Sonst den üblichen Mix, ich werd mich da nicht mehr groß weiterentwickeln, fürchte ich.
Gestern hat der Shuffle-Modus des Walkman mal wieder einen Corona-Song parat. Lang nicht mehr gehört, nie einer meiner Favoriten gewesen, weil ein bisserl seicht, zu poppig und arg wenig e-streetig, aber gestern fand ich den Text und vor allem den Takt zum Auslaufen nach der Joggingrunde richtig gut.

You might need somethin‘ to hold on to
When all the answers they don’t amount to much
Somebody that you can just talk to
And a little of that human touch

Kommen Sie gut durch die Woche und genießen Sie zumindest die Sonne!

Hinter Grünwald, im Isartal.

Nun könnte ich Ihnen berichten, welch absurder Szene in Sachen „Durchsetzung der Allgemeinverfügung“ ich gestern beiwohnen durfte.

Oder dass die inzwischen nachgelieferte Duschtrennwand Nr.2 wieder nicht exakt in den bestellten Maßen gefertigt wurde.

Oder dass Lolek heute nicht nur kurz, sondern einen halben Tag bei uns war, weil es ja beim Handwerk immer noch ein paar Überraschungen mehr gibt als die, die man an der Oberfläche sieht.

Oder was der von Lolek einbestellte Installateur zu dem gelblichen Vexierbild an der Wand in der Toilette sagte.

Aber all das berichte ich Ihnen lieber nicht, is ja eh nix Gscheids dabei.

Tages-Highlight heute:

Mit dröhnendem Schädel (wegen des vormittäglichen Programms und anderer Schieflagen) zum Mittagsgassi nach Grünwald ans Isarhochufer geflohen. Dort eine große Runde gedreht, durch Wald und Flur (und natürlich auch zur Isar hinunter). Kommt auf einmal der Arjen vorbeigeflügelflitzt, auf dem Rad, in kurzen Hosen und, wie immer, fast aus seinem Shirt platzend.

Ich hätte – die Heilige Corona möge mir vergeben! – trotz des Verweilverbots selbstverständlich sofort das Gespräch gesucht, zumal wegen des dem Robbenrades in die Quere sprintenden Dackelfräuleins ja sogar außer einer Bremsspur auch noch ein Blickkontakt entstand, aber leider war ich just in diesem historischen Moment zwecks Terminvereinbarung mit dem Spediteur am Telefon, der morgen Duschtrennwand Nr.1 abholen soll. Es wird wirklich allerhöchste Zeit, dass die Ära des Wasserschadens und Badumbaus ein für alle mal zu Ende geht!

Bewahren wir sie uns also im Herzen, diese unverhoffte Begegnung im Isartale, und merken wir uns Ort und Zeit gut, denn man wird ja wohl noch öfter einsame Routen suchen müssen, wo man sich das Hirnhämmern weglaufen und der wassersüchtigen Hundedame ihren Badespaß bieten kann.

Wie Corona den Alltag unserer Haushunde verändert.

Das Dackelfräulein entdeckt zum Beispiel gerade die Klassiker der Weltliteratur.

Every day is like survival oder: Karma, das verflixte Chameleon.

Der Gabenzaun ist gnadenlos gescheitert. Zu viel Verhau, zu viel Unrat, zu wenig gut verpackt, zu wenig (oder gar nicht) mitgedacht. Die Stadt hat jetzt andere Örtlichkeiten für diese Art von Spenden organisiert.
Das Finale des Gabenzauns bestand schlussendlich aus einer bemerkenswerten Synthese der hochbrisanten Klopapierthematik mit einem altgedienten spirituellen Konzept.

Urban Fenceart vom Feinsten.

Ich muss unweigerlich an Boy George und Schulpartys denken. Anfang der 1980er Jahre war das, als man noch nichts hinter sich, aber alles noch vor sich hatte und das für ein Füllhorn an Verheißungen hielt. Der Song war grad aktuell als ich mich in den dunkeläugigen Pseudo-Adligen aus der Nachbarklasse verknallt habe, der dann 20 Jahre später für L’Oréal modelte und mittlerweile Beautykrempel vertickt. Ewig nicht mehr gehört:

Der Frühling ist zurück. Der Wind ist noch frisch, aber die Sonne scheint. Konstant trudeln nun Autos auf der gegenüberliegenden Seite der Theresienwiese beim Drive-in ein, von 8 bis 18 Uhr. Die Ordnungshüter drehen ihre Runden hier mittlerweile ohne brüllendlaute Megafondurchsagen. In den Supermärkten die üblichen Erlebnisse, man gewöhnt sich dran und ich habe beschlossen, mich über manches nicht mehr zu echauffieren. Darüber hinaus erlebt man draußen ja nicht mehr viel bzw. manches möchte man mittlerweile lieber nicht mehr öffentlich mitteilen (womit ich in dem Fall gar nicht das Negative meine). Nur so viel: das Dackelfräulein hat sich gefreut, die Pfötchen mal wieder in Seewasser zu einzutunken.

Wir beballern uns mittlerweile nur noch einmal am Tag mit Nachrichten (der TV hat seine Wackelkontaktfrequenz netterweise nochmals reduziert), das genüg völlig, verstört-verwundert-verärgert einen nicht dauernd, und vertiefen uns ansonsten in die Alltagsdinge und -erledigungen, die berufliche Arbeit und das Praktizieren der neuen Strukturen.

Der Gatte ist glücklich darüber, nicht nach Frankfurt pendeln zu müssen und dass fast alle lästigen Meetings entfallen, weil die Uni geschlossen hat und die Kollegen im Homeoffice weniger besprechungswütig sind. Mit meiner Arbeit geht es zäh voran, es macht mir keinen Spaß, jetzt Reportagen übers Reisen zu schreiben. Aber zugesagt ist zugesagt – nur gut, dass der Verlag den Erscheinungstermin coronabedingt verschoben hat.

Nächste Woche erfolgt der hoffentlich letzte handwerkliche Handschlag in Sachen „neues Bad“. Falls die Duschtrennwand tatsächlich geliefert wird und diesmal auch in den korrekten Maßen. Und falls Lolek noch arbeitet und Hausbesuche macht. Nach meiner Zeitplanung, die ich in Woche 1 nach dem Wasserschaden machte, hatte ich mal „Karfreitag“ drinstehen, als Endtermin sowohl für meine Reportagen als auch für die häuslichen Baustellen. Ab Ostern war Neues und Anderes geplant, das nun alles in den Sternen steht.

Der Papa hat die Freude am Kochen wiedergefunden, das schlägt sich ungut aufs eh schon zu üppige Körpervolumen nieder, konstatiert er. Seit gestern trägt er daher nach eigener Aussage eine „Fressbremse“ (wie er die Atemschutzmaske nennt, die der Sohn der Lebensgefährtin dieser Tage per Post an den Tegernsee geschickt hat). Offenbar hat er auch seinen Humor wiedergefunden.
Mit größter Mühe gelingt es ihm nach 20-minütiger telefonischer Instruktion, mir per Whatsapp das Foto von sich im maskiertem Diät-Outfit zu schicken, das die Lebensgefährtin am Vortag von ihm geschossen hat.

Soweit für heute.
Ich grüße Sie herzlich und hoffe, dass bei Ihnen auch alles so einigermaßen seinen (neuen) Gang geht!